Lernen

Juni 21st, 2012

Lernen im öffentl. Diskurs und in der Erziehungswissenschaft

Auch im öffentl. Diskurs hat sich ein Verständnis vom Lernen breit gemacht, das sich nicht nur auf kognitive Prozesse in der Schule (formelles Lernen) sondern dass es sich um Prozesse handelt, die fortlaufend stattfinden (informelles Lernen) und dies ein Lben lang. Oft wird dem Lernbegriff  in der EW eine zentrale Rolle pädagogischer Kernaktivitäten zugesprochen.

 

Verhaltenstheoretische Ansätze

Lernen als Mechanik von Reiz und Reaktion

Ein Verständnis von Lernen, das auf den Prinzipien des Behaviorismus basiert.

 

Verhaltenskonditionierung

Erwünschtes Verhalten wird bestärkt. Es geht um die Konditionierung, um best. Verhaltensmuster aufzubauen und unerwünschtes Verhalten damit abzuschwaächen ( → Verstärkungslernen)

Der Erwerb von Verhaltensweisen kann auch als Training bezeichnet werden. In der Verhaltenstherapie eingesetzt, werden beispielsweise durch Reizverknüpungen Verhaltensmuster geändert bis ausgewechselt. Nach Skinner ist der Mensch von sich aus aktivitätsbereit. Durch Versuch und Irtum eignen sich Menschen ihr Verhalten an und werden dabei durch positive oder negative Sanktionen dazu gebracht ihre Verhaltensweisen anzupassen.

 

Grenzen des verhaltenstheoretischen Ansatzes

Der mechanische Charakter der Theorie ist gegenüber menschl. Lernprozesse stark vereinfacht

→ „Abrichtung“

In Situationen wo innerpsychische Prozesse starken Einfluss auf Verhalten und dessen Motivation haben, scheint das Ausblenden dieses Bereichs durch die bezeichnung der „black box“ (Skinner) nicht ausreuchend.

Unterschiedliche Umwelteinflüsse als reizgebende Impulse wirken nicht als eindeutiger Reiz auf jeden Menschen, sondern werden unterschiedlich aufgenommen und haben unterschiedliche Auswirkungen.

 

Konstruktivistische Kritik des Behaviorismus

Im behavioristischen Ansatz gelten Stimulus und Treaktion als zwei unabhängige Momente, dessen Korrelation letztlich nicht nachgewiesen werden kann.

Dewey führt das Lernen durch einen Stimulus als komplexen Moment indem Sinneswahrnehmung,  Handlung und abgespeicherte Erfahrungen zusammenspielen. Das Reduzieren der Umwelt auf dessen Reizimpulse und den Mensch als Reaktionsinstanz, lässt die Tatsache außer Acht, dass Menschen auf Reize ganz  verschieden reagieren können. Reiz und Reaktion könne nicht immer genau von einamder getrennt werden (wie beim Glöckchen und dem Speichel). Folglich betrifft der Behhaviorostische Ansatz nur einen kleinen Teil des Lernens.

 

Der konstruktivistische Ansatz

Geschlossene und unterbrochene Handlungskreise

Geschlossene Handlungskreise sind z.b. routinierte Handlungsabläufe, in denen weder Reiz noch Reaktion bewusst wahrgenommen werden. Es handelt sich dabei um Sequenzen in denen einzelöne Handlungsakte geordnet ablaufen um ein objektives Ziel zu erreichen.  Ziel und Mittel sind gut in einander verwoben.

Lernen in unterbrochenen Handlungskreisen

In unterbrochenen Handlungskreisen gibt es bewusste Reize und Reaktionen. Bei Reizen die (noch) nicht bekannt oder eindeutig sind ist auch die Reaktion unklar. Den Reiz zu finden/verstehen wird nun zum Ziel der Handlung. Sobald der Reiz gefunden wurde, setzt eine weitere Handlung ein. Also bedingt nicht ein Reiz die Handlung, sondern der Moment, indem die Handlung unterbrochen wird, um einen Reiz zu verstehen. Ein Reiz muss also erst einmal konstruiert werden und ist nicht bereits gegeben. Anhand solcher Konstruktionsprozesse lernen Menschen.

Der Systemische Ansatz

Ein Oranismus bestimmt sich selbst, indem er seine Grenzen bestimmt. Diese Grenzen bewirken eine gewisse Abgeschlossenheit gegenüber anderen Organismen und haben ihre eigenen Funktionsmechanismen. Diese Einheiten/Organismen werden als System bezeichnet.

Reize durch systemexterne Umwelt sind lediglich Auslöser, nicht konditionierend. Sie werden als Störung wahrgenommen und im Verhältnis mit Funktionen des eigenen Systems verarbeitet. SO können diese Störungen von außen ganz unterschiedlich verarbeitet werden, immer abhängig davon, welchen Funktionen ein System unterliegt.

 

Trägheit von Systemen gegenüber Umweltreizen

Menschen haben vorerst das Bestreben die Bedingungen ihres Systems aufrecht zu erhalten. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten auf Störungen zu reagieren. Z.B. das Vermeiden von Störungen, aber auch das Anpassen, um neue Möglichkeiten zu nutzen aber auch das bekämpfen dieser Störung ist möglich.

 

Subjektabhängigkeit von Wissensstrukturen

Auf Lernprozesse bezogen bedeutet das Erfahrung und Empirie an die Konstruiertheit eines Menschen gebunden sind und das von einer objektiven Wirklichkeit nicht die Rede sein kann (Maturana: „Objektive Erkenntnis gibt es nicht“).

 

Selbststeuerung des Lernens

Lernprozesse haben immer selbstgesteuerte Anteile, die sehr unterschiedlich ausfallen können. Konstruktivistische Lern- und Lehrkonzepte betonen die Eigenaktivität beim Lernen, doch muss auch diese erst erlernt werden. Beim Erwerb dieser Fähigkeiten, die Menschen dazu bringen selbstbestimmt zu lernen, ist häufig von  metakognitiven Fähigkeiten die Rede.

 

Reflexivität des Lernens

Ist die Fähigkeit sich mit Distanz zu betrachten und aus dieser Distanz das eigene Lernverhalten und Ansätze zur Problemlösung zu erkennen. Eine weitere Kategorie der Reflexivität ist die Selbstwirksamkeit -das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Selbsteinschätzung best. Herausforderungen bewältigen zu können.

 

Flexibilität des Denkens

Mit der Fähigkeit der Reflexivität sind Lernende auch in der Lage für Probleme in neuen Strukturen  Lösungen zu finden und sich Erkenntnisse durch alternativen Zugang anzueignen, sich zu orientieren.

 

Der Situative Ansatz

Der situative Ansatz schließt an die konstruktivistischen Lerntheorien an, konzentriert sich aber nicht auf die Lernenden Subjekte sondern auf die weitere Lernsituation. Individuen befinden sich in Lernmilieus, in denen das Lernen eine soziale Praxis ist, mit welcher sie Teilhaben an einer Gemeinschaft.

 

Entwicklungsaufgaben im Lebenslauf

Wie Lernsituationen bewältigt werden verläuft nicht beliebig oder gleichmäßig, sondern ist eine Fortlaufende Entwicklung, die Einfluss darauf hat wie folgende Situationen gelöst werden. Es wird durchs Verknüpfen von Lernerfahrungen ein Sinnzusammenhang hergestellt

Biographischer Ansatz. Die Bedeutungs- und Sinnzuweisungen von Ereignissen innerhalb des Eigenen Lebenslaufs → Biographisierung

 

Veränderungen im Lernen durch Computereinsatz

Dertouzos: Kinder lernen den Umgang mit Informationstechnologien kaum in der Schule sondern im privaten Raum. Wenn das Lernen in der Schule sich auf Buch- und Textkulter konzentriert, hat die Schule als Lerneinrichtung ein existenzielles Problem, weil sie Alltags-, Berufs- und Freizeitkompetenzen nicht vermittelt.

 

Nutzung neuer technischer Ressourcen 

Die Möglichkeiten neuer Technischer Medien soll zwar fürs Lernen genutzt werden, doch in welchem Verhältnis Schule zur Medienpräsenz steht und  welche Lernstrategien einem zeitgemäßen Medienumgang entsprechen ist nicht klar. 

 

Veränderung der Funktion Schule

Die Schule gerät in Legitimationsdruck. Es besteht die Gefahr einer größer werdenden Kluft des Lernens im außerschulischen Bereich und die Schule als Ort „schulsozialarbeiterische Aktivitäten“. Lernen und Schulunterricht verlieren ihre Verbindung. Deshalb hat es in den letzten Jahren auch Bemühungen gegeben den Schulunterricht mit den Möglichkeiten, die das Internet bietet zu erweitern.

 

Lernen mit Hypertextmedien ist problemorientierter, slebstbestimmter und führt zu individuellen Lernerfahrungen und -ergebnissen.

 

Die Vernetzung mit anderen Einrichtungen fördert interkulturelle Kommunikation und Kompetenzen.

 

Ausblick: Die Schule wird in Zukunft nicht vermeiden können virtuelle Lernräume zu nutzen.

Marotzki – Erziehung

Juni 13th, 2012

Erziehung in der Erziehungswissenschaft und im öffentlichen Diskurs
Der Begriff Erziehung  spielt in der Erziehungswissenschaft weniger eine Rolle als im öffentlichen Diskurs (Ratgeber). Wie aber lässt sich der Begriff in der Wissenschaft genau von anderen Konzepten abgrenzen und definieren?

Erziehung als direkte Einwirkung
Z.B. klassische operante Konditionierung.  Erziehung als „herstellendes Machen“

Instruktionspädagogik
Der/die Einzelne unterliegt der Gesellschaft. Im Interesse der Gesellschaft kann Gehorsam vor Vernunft Vorrang haben  Erziehung auf der Basis von Befehl und Gehorsam

Rousseaus Ansatz
Kindheit als „geschützter Raum“. Erziehende sollen möglichst wenig auf Kinder einwirken. Sie sollen unter dem Schutz von Erwachsenen ihre Umwelt erfahren und von ihr lernen.  Aus Rousseaus Ansatz prägen später das Konzept der Reform- und Antipädagogik

Die Notwendigkeit des Erziehens
Erziehung beinhaltet den Prozess der vollen Verantwortung der Eltern hin zur Autonomie und Eigenverantwortlichkeit des Kindes. Daraus lassen sich unterschiedliche Ansätze für der Frage „Warum muss überhaupt erzogen werden?“ ableiten.

Erziehung zur Mündigkeit
Nach Kant beinhaltet Erziehung den Übergang von Unmündigkeit zur Mündigkeit. Heranwachsende sollen zu „Weltbürgern“ erzogen werden, die Teil einer Gesellschaft und mit dessen Regeln vertraut sind. Nur auf dieser Basis kann ein Mensch eigene Ansichten und Regeln entwickeln, um zur eigenen Persönlichkeit zu finden.
 Kritik : (Lenzen) Kants Ansatz sieht vor, dass sich erst beim Erreichen des Zustands der Mündigkeit ein „richtiger Mensch“ entwickelt hat. Das widerspricht dem Prinzip des lebenslangen Lernens und unterliegt einer anthropologischen Normativität. Außerdem kritisiert er die Übertragung eines philosophischen Konzepts auf die pädagogische Praxis.

Macht in der Erziehung
Erziehung beinhaltet gleichzeitig auch eine Verteilung von Macht innerhalb der Beziehung zwischen Heranwachsenden und Erziehenden. So befasst sich das Konzept der „schwarzen Pädagogik“(Katharina Rutschky 1988) vor allem mit dem Missbrauch des Machtgefälles  in den 60ern entwickelt sich die kritische Erziehungswissenschaft, die sich vor allem mit der Analyse von Macht und Herrschaft beschäftigt.

Erziehung der jüngeren durch die ältere Generation
(Schleiermacher 1826) Das Verhältnis zwischen alt und jung ist assymetrisch. Die alten wirken erst mehr auf die jungen ein. Mit dem Heranwachsen nimmt die assymetrie ab, bis junge und ältere Generation auf einer Ebene sind. Dann ist die Erziehung (das Einwirken) „abgeschlossen“. Dann gibt’s „Zusammenwirken“.

Geminsamkeiten der Ansätze: Erziehung ist irgendwann zu Ende und das ist meist mit dem Eintritt ins  Jugendalter. Also deutlich von den Begriffen „Bildung“ oder „Lernen“ abzugrenzen.

 

Die Grundstrucktur von Erziehung

Erziehende sind zuerst Eltern und später professionelle in Institutionen.
Erzogene sind Kinder.
Es gibt verschiedene Erziehungsstile. Sie können als Mittel zur Erziehung bezeichnet werden.. Eine tatsächliche Prüfung darüber, ob und wie die Intensionen zur Erziehung wirken gibt es aber nicht.
Die Absichten in der Erziehung sind im Gegensatz zur Sozialisation immer gezielt. Absicht und Wirkung müssen aber nicht in einem kausalen Zusammenhang stehen.Eine erzieherische Handlung  ist also notwendigerweise aber nicht hinreichenderweise intensional. Erziehung soll rational, planbar und verantwortbar sein.

Der Erziehungszweck ist verknüpft mit den Werten der Erziehenden, die sie einem Kind vermitteln wollen. Um diese Wrtübertragung nicht in Indoktrination ausarten zu lassen, muss dem Kind die Möglichkeit gegeben werden Werte und deren ethische Relevanz zu verstehen und zu hinterfragen.

Sprachlichkeit erzieherischer Handlung
Die Sprache funktioniert in der Erziehung konstruktivistisch. (Bruner 2003) Sprache in der Erziehung soll Einladung zur Reflexion und zur Hervorbringung von Kultur sein.

Exzerpt aus einem Text von Narr (s. Lit.liste)

 

Wissenschaftliche Vorgehensweise:

  • Problem –>  Sie wollen etwas über eine Sache Herausfinden
  • Fragestellung –>  Eingrenzung des Problems durch Konkretisierung auf einen Aspekt
  • Wie –> Wie will ich meine Frage beantworten?  Wie schlage ich die Brücke von der Fragestellung zum Problem?

Methode und Materialauswahl

  • Qualität der Information: Es muss kritisch hinterfragt werden welcher Quelle die Info entspringt,  wie die Info gewonnen wurde,  unter welchen (aufgedeckten oder nicht aufgedeckten) Bedingungen wurde die  Info gewonnen?

Bildung und Ausbildung gehören zusammen (Theorie-Praxis)

  • Ein fachspezifisches Studium kann beim Sortieren und Interpretieren der Realität helfen
  • Es kann dazu befähigen Vorurteile zu dekonstruieren
  • Die theoretische Auseinandersetzung mit Sachverhalten kann helfen ein Urteilsvermögen auszubilden und dessen Grenzen zu erkennen
  • Eine Ausbildung allein bildet keinen fundierten persönlich verinnerlichten Standpunkt zu Sachverhalten aus
  • Ein Studium gibt die Möglichkeiten auch andere Wissenschaftsbereiche kennenzulernen („Lassen Sie sich nicht zur Fachidiotin machen“)

Verhältnis Studium und Subjekt

  • Ration sowie Emotio spielen eine Rolle in der Entwicklung der eigenen Identität während eines Studiums
  • Fachbestimmungen, Habbitus und Konfusion eines Studiums sollen die eigene Persönlichkeit nicht vereinnahmen, sondern umgekehrt: Man soll sich das eigene Studium „mitschaffen“
  • Eigene Vorstellungskraft muss nicht im Widerspruch mit einem wissenschaftlichen Studium stehen, sondern kann als Mittel zum selbstständigen und unabhängigen Denken verstanden werden

Hinwiese zum wissenschaftlichen (schriftlichen) Arbeiten

  • Problem: Um welches Problem geht es mir und wie steht dieses im Zusammenhang mit dem Seminar oder andrem Kontext
  • Weitere Strukturen und Vernetzungen um das Problem müssen sortiert und abgegrenzt werden. Das ist bereits Teil der wissenschaftlichen Arbeit
  • Fragestellung:  Frage- und Problemstellung hängen zusammen à Fragestellung ergibt sich aus dem Problem (in dieser Reihenfolge)
  • Im Gegensatz zum Problem, ist die Frage konkret und weniger umfassend eingegrenzt. Die Fragestellung sollte im Rahmen der wissenschaftliche Arbeit zu beantworten sein. Die Problemstellung ist dafür zu komplex.
  • Der Frage ist hinzuzufügen auf welche Weise welcher Teil des Problems behandelt werden soll
  • Auch die eigene Perspektive und Motivation zur Fragestellung ist Teil des Prozesses einer wissenschaftl. Arbeit und hat Einfluss auf sie
  • Die Sprache: Das Verleugnen der eigenen Subjektivität ist kein Beitrag zur Objektivität, im Gegenteil: es ist anmaßend und verdeckt die Realität.
  • Durch Kennzeichnen der eigenen Position kann man sich dem Gegenstand besser nähern und wird den rezipierenden eher Gerecht
  • Die Quelle: Auch die Herangehensweise der benutzten Quelle und die Prägung bestimmter Begriffe muss offengelegt werden
  • Die Struktur: Gliederung und Vorgehensweise sollten erklärt werden. Die Gliederung sollte der Fragestellung angemessen sein und dazu beitragen die eingegrenzte Frage zu beantworten
  • Beschreibung und Analyse: Sollten klar getrennt sein. Eine objektive Beschreibung ist nicht möglich, um so wichtiger ist es die Perspektive der Beschreibung offen zu legen und die Methode der Analyse zu erklären. Erst dann ist ein angemessenes Urteil möglich.
  • Zusammenfassen: Um das Problem nach der Eingrenzung der der Frage nicht zu verfehlen ist eine erweiternde Zusammenfassung nötig. Es folgt ein Überblick über die gewonnenen Erkenntnis, die Methode und die Auswirkungen der Methode auf die Erkenntnis.
  • Durch den Rückbezug auf das Problem ergibt sich die Möglichkeit nach dem Beitrag zu suchen, den die Lösung der Fragestellung für die Lösung des Problems leistet
  • Praxisorienierter, praxiskritischer Blick: Das wissenschaftl. Arbeiten sollen/können  weniger zu praktischen Schlussfolgerungen befähigen, sondern dienen viel mehr der Entwicklung einer analytisch kritischen Kompetenz
  • Umgang mit Literatur: „Kein Imponiergehabe“. Kein bloßes nem dropping, sondern Literatut benutzen um die eigene Argumentation zu belegen.

In den letzten Jahrzehnten gab es einen Paradigmenwechsel von einer normativen Sichtweise (Sozialisation = Anpassung des Subjekts an Gesellschaft) hin zur interaktionistischen Sichtweise (aktives Subjekt hat Teil an der Konstruktion von Realität und Gesellschaft)

Mediensozialisation muss als komplexer Prozess verstanden werden: Sozialisation ist die Entwicklung zu einer eigenständigen Persönlichkeit, die sich mit ihren Lebensbedingungen ständig weiterentwickelt. Interessant für den Begriff der Mediensozialisation ist die von (Massen)Medien geprägte Lebenswelt.

Verschiedene Blickrichtungen:

  • Medienzentrierte Perspektive: „Was machen die Medien mit den Menschen?“
  • Rezipientenzemtrierte Perspektive: „Was machen die Menschen mit den Medien?“

 

3 Verschiedene Möglichkeiten das Verhältnis zwischen Medien und Mensch zu beschreiben

  • Mensch Opfer von Medien (oft in negativen zusammenhängen wie Gewalt und Werbung)
  • Menschen sind medienkompetent und können selektieren
  • Mensch und Medien interagieren miteinander. Rezeptionsprozesse und der thematische Gehalt von Medien werden in Beziehung zu einander gesetzt . Identifikation oder projektion findet im Austausch mit Persönlichkeitsentwicklung statt. Die Wirkung von Medien ist nicht immer kausal und unmittelbar und von vielen weiteren Faktoren abhängig, die die Rezeption beeinflussen.

 

Medienökonomischer Ansatz (Baake, Lange):

  • sozialökologische Mediensozialisationstheorie geht davon aus, dass Medienkonsum im Zusammenhang der persönlichen Lebensvollzüge
  • Zu beachten ist: Der Familienalltag und der familiäre Umgang mit Medien
  • der ontogenetische Entwicklungsstand (von Kindern und Jugendlichen bei Lange) bezüglich kognitiver, sozialer und moralischer Fähigkeiten
  • Eigenaktivitäten der Rezipienten

 

Aneignungstheoretischer Ansatz (Schorb, Theunert):

  • Symbole und Geschichten in Medien werden in die eigene Lebenswelt integriert → aktive Auseinandersetzung mit Medienangeboten

 

Mittel zur Analyse ist die strukturanalytische Rezeptionsforschung (Charlton, Neumann-Braun):

→ Medienrezeption als soziale Handlungssituation, die methodisch und theoretisch analysiert werden kann.

 

Selbstsozialisation:

Kinder und Jugendliche sind nicht passiv und manipulierbar (Fromme u.a.) sondern sie nutzen Medien aktiv und wählen aus abhängig von ihrer zu verstehenden und bewältigenden Realität. Medien können als ‚Entwicklungshelfer’ bzw. als ‚Instanzen der Selbstsozialisation‘ gesehen werden.

 

Sutters Theorie zur Mediensozialisation ind 3 Stufen:

  • Medienkommunikation
  • Rezeption
  • Anschlusskommunikation

 

Medienpsychologie:

Beschäftigt sich eher mit kausaler Wirkung von Medien als einem interaktivem Ansatz, um die Auswirkung von Medien auf die Entwicklung von Kindern zu erklären.

Aktuelle Entwicklung des Forschungsstandes:

  • Die konstruktivistischen Ansätze aus aktuellen Diskussionen zur Sozialisationsforschung werden in theoretischen Arbeiten noch nicht angewandt.
  • Innerhalb der Sozialwissenschaften wird nicht genügend wissenschaftsübergreifend gearbeitet
  • unklar ist ob es überhaupt einen generellen Ansatz in der Mediensozialisation geben kann, zumal sich die Medien stark von einander unterscheiden
  • In der Forschung und in theoretischen Konzepten lag der Fokus bisher hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen und weniger auf einer lebenslangen Entwicklung
  • der interaktive Prozess zwischen Medien und Rezipienten wird in der empirischen Forschung zu wenig untersucht. Es werden hauptsächlich der Wirkungsaspekt oder die subjektive Sichtweise untersucht, kaum die Wirkung der Rezipienten auf die zu rezipierenden Medien.

 

Ausblick:

  • Kübler (1997) „Der Anteil der Medien an der Bildung sozialer und individueller Persönlichkeiten von Kindern muss neu und unvoreingenommen ermessen werden, und zwar sowohl theoretisch, systematisch wie empirisch“
  • Die Mediensozialisation ist für die Medienpädagogik grundlegend
  • Konzepte medienpädagogischen Handelns können nur unter dem Aspekt eines interaktiven Zusammenwirkens zwischen Medien und Rezipienten entwickelt und umgesetzt werden
  • Medienerziehung: das praktische pädagogische Handeln innerhalb einer von Medien geprägten Welt

 

  • Emile Durkheim (1859-1917):Erziehung als methodische Sozialisation und als wichtigstes Instrument der Normenverinnerlichung .
  •  Ziel der Sozialisation ist die Integration in die Gesellschaft (Durkheim) vs .Mensch bedient sich der Gesellschaft, um seine Identität zu entwickeln
  •  Modernerer Ansatz: Sozialisation bezeichnet „den Prozeß der Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt. Wie wird Mensch zum gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt?“ (Geulen/Hurrelmann 1980, S. 51)

 

Das Subjekt mit eigener Persönlichkeit ist als Ergebnis der Sozialisation zu verstehen und ist ein fortlaufender Prozess (im Gegensatz zu einem angeboren und unveränderbar).

Jürgen Tillmann (2000) stellt 3 unterschiedliche Auffassungen vom Sozialisationsbegriff vor:

  1. Biologistische Perspektie: „Reifung“ von genetischer Veranlagung
  2. Idealistische Philosophie: Persönlichkeit als Produkt psychischer Entfaltung (Reduktion auf Individuum)
  3. Erziehung: bewusst und reflektiert

 

Konzepte von „Selbstsozialisation“ und „Fremdsozialisation“ werden in der Sozialisationsforschung kontrovers diskutiert. Selbstsozialisation als autodidaktische Aneignung und Verarbeitung von Information. Stichwort: Computerspiele → Kinder lernen selbst, ohne Erzieher_Innen oder Erwachsene.

 

Die 3 vorgestellten theoretischen Ansätze im Text von Marotzki:

  1. Interaktionstheorie (George Herbert Mead)
  2. Rollenthoerie (Erving Goffmann, Lothar Krappmann)
  3. Milieutheorie (Karl Maiuiheim und Ralf Bohnsack)

 

Interaktionstheorie:

  • Entstehung eines „me“ durch die soziale Reaktion auf des eigene Handeln
  • Es gibt unterschiedliche „mes“ abhängig vom sozialen Umfeld (bei Eltern, Klassenkameraden, Lehrerin)
  • „I“: Instanz des vorbewussten, spontanen, innovativen. Nicht reflektierbar -es reagiert.
  • „I“ und „me“ ständig im Austausch: „I“ → Subjektivität und Individulität; „me“ → zugänglich durchs Bewusstsein.
  • „generalisierter anderer“: Beherrschen des Gesellschaftsspiels: Die Einstellung aller Bteiligten verstehen und antizipierren
  • Rollenspiel: Einstellungsübernahme des Einzelnen „signifikanten anderen“

 

Rollentheorie:

  • das „me“ verhält sich nicht nur zur Reaktion aufs eigene Verhalten durch anderer Akteure und Umwelt, sondern auch zu gesellschaftlichen Normen und Konzepten (Bsp. Student, Mann) → „sozial definierte und institutionell abge­sicherte Verhaltensenvartungen verstehen“ (Krappmann )
  • 3 unterschiedliche Verhältnisse zwischen Rolle und Subjekt nach Krappmann:
  1. Frustrationstoleranz: Rollenerwartungen und subjektive Bedürfnisse stimmen selten überein, ein normengetreues Erfüllen der Rolle schließt also eine Frustrationstoleranz ein.
  2. Ambiguitätstoleranz: Das Verständnis und die Interpretation von Rollen kann sehr unterschiedlich ausfallen und verlangt von jedem Subjekt sich eine bestimmte Rolle zu erarbeiten und anzueigenen. Zusätzlich muss jedes Individuum mit der Tatsache umgehen, dass zwischen jedem Rollenkonzept und den eigenen Bedurfnissen zwangsläufig unstimmigkeiten entstehen, erst beim Aushandeln und Leben mit diesen entsteht die Darstellung von Identität. Dies bedarf Ambiguitätstoleranz.
  3. Rollendistanz: Ist notwendig um soziale Gefüge nicht zu gefährden und als Subjekt gegenüber Rollenkonzepten zu bestehen.„Rollen stellen sozusagen die institutionelle Organisation gesellschaftlich stabilisierter „me“s im Sinne von Mead dar. “

Milieutheorie:

Neben Interaktion und institutionalisierten Rollenkonzepten ist auch das soziale Milieu/Habitus an der Sozialisation beteiligt. Diesem kann das Individuum sich nicht einfach entziehen und es definiert sich innerhalb einer Gesellschaft u.a. über die Gemeinsamkeiten, die es mit anderen Mitgliedern eines Milieus teilt.

Karl Mannheims Milieutheorie:

„Millieuspezifisches Wissen“ („Kollektivvorstellung“) wird nicht von einzelnen Individuen hergestellt, sondern von einer Gemeinschaft eines Milieus vollzogen.

Milieuspezifische Selbstverständlichkeit:

„Kollektivvorstellungen“ (z.B. Selbstdarstellung) werden von Angehörigen eines Milieus selbstverständlich praktiziert. Von Angehörigen anderer Milieus werden diese als nicht selbstverständlich wahrgenommen und ggf. auch nicht verstanden.

Mehrdimensionalität von Milieus:

Innerhalb eines Milieus konstituieren sich spezifische Konzepte durch mehrere Faktoren → Intersektionalität (z.B. adoleszent + Migrationshintergrund)

Entstehung neuer Milieus:

Milieus können nicht (mehr) als tradiert beständige Einteilung verstanden werden. M. Sind kaum abgrenzbar oder verfallen → Bestärkung des mehr oder weniger isolierten Individuums. Das Aufbrechen eines Milieus kann auch kollektiv erlebt werden und zum Entstehen neuer Milieus führen.

Virtualität von Milieus und das Internet:

Milieus sind Räume gleichartiger aber nicht unbedingt gemeinsamer Erfahrungen und werden nicht immer durch Realgruppen konstituiert. Gutes Beispiel: Internetchats und User-Gruppen.

ergebnis aus essay und koller

 

Notiz: Als Essenz aus der Einleitung von Koller  bleibt Reflexionskompetenz (die schließt krit. Auseinandersetzung mit Theorien, „Hermeneutische Kompetenz“ und Zukunftsbezug).

Aus dem Essay hebe ich hervor, dass der Vergleich zur pädagogischen Ausbildung eher unfundiert ist, weil Inhalte der Ausbildung mir nicht wirklich bekannt sind.