Die Portfolioarbeit ist eine noch neuere Methode der Schülerarbeit und der Leistungsbewertung. Seit Jahren schon herrscht in den USA ein „boom“ der Portfolioarbeit, in Deutschland wird sie zuweilen noch kritisch beäugt. Thomas Häcker sagt, dass Portfolioarbeit an Zuspruch gewinnt, es aber „nur wenig Klarheit [...] [darüber herrscht], was sich hinter dieser Etikette im pädagogischen Bereich eigentlich verbirgt.“1
Eine einheitliche Definition für den Begriff Portfolio gibt es nicht, dennoch kann man ihn so umschreiben, dass es eine Sammlung von Dokumenten ist, um Arbeiten zu zeigen und sein Können im Laufe der Zeit weiterzuentwickeln.2
Durch die Arbeit an und mit Portfolios kann eine neue Art der Leistungsbewertung vorgenommen werden. Dennoch kann durch das Portfolio an sich noch keine Leistungsbwertung vorgenommen werden. Zunächst ist es eine Sammlung von Informationen und Dokumenten.3
Die Portfolioarbeit benötigt einen hohen Eigenanteil der Schüler, sie können sich eigene Themen aussuchen, die sie bearbeiten wollen, andererseits können sie gegebene Themen aufgreifen und bearbeiten. Durch die eigenständige Arbeit an Themen, können sie sich in Eigenverantwortung und Selbstkritik üben. Zudem erhöht die Portfolioarbeit den Erwerb/ Ausbau von Schlüsselqualifikationen. „Selbstständigkeit im Lernen, Methodenkompetenz und soziale Fähigkeiten.“4
Schüler müssen sich immer wieder mit ihren Portfolios auseinandersetzen und diese Entscheidungen begründen, sie lernen und setzen sich mit Dingen (kritisch) auseinander und reproduzieren nicht nur das vom Lehrer vorgegebene. Die „Portfolioarbeit basiert auf einer Vorstellung von Lernen als einem aktiven Konstruktionsprozess des Lernenden“.5
Das bedeutet für die Unterrichtsgestaltung, dass die Schüler„sammeln, auswählen, überprüfen, reflektiere.“6
Für den Lehrer bedeutet dies, dass er den Schüler besser unterstützen kann, da ihm teils mehr Zeit zur Verfügung steht. Zudem kann er eigens auf den Schüler eingehen. Die Portfolioarbeit kann für alle Fächer angewandt werden.
Ihre Präsentation erfolgt entweder öffentlich (z.B. Elternsprechtag. Da kann dann gleich auch über die Leistungsentiwcklung gesprochen werden7) oder privat. Nur im Rahmen zwischen Schüler und Lehrer.
Als Leistungsbewertung müssen die Schüler ihre Ergebnisse präsentieren und Fragen vom Lehrer beantworten. Eine Leistungsbewertung kann aber auch schon innerhalb der Arbeits-/ Entsehungsprozesse der Portfolios stattfinden, da die Veränderung, wie sich das Portfolio wandelt, auch bewertet/ begutachtet (vom Lehrer) wird. „Die erste Beurteilung eines abgelieferten Produkts durch den Lehrer muss nicht dem Anspruch folgen, umfassend, exakt oder gar bezifferbar zu sein.“8 Ein Portfolio ist wandel-/ veränder und verbesserbar. Leistungsnachweise können beispielsweise sein: „schriftliche Ausarbeitungen zu kleinen empirischen oder künstlerischen Projekten, Experimentberichte, Essays, Literaturanalysen oder Produkte kreativen Schreibens.“9 Die „Leistungsbwertung kann auch zeitlich nach hinten verlagert werden.“10 Es geht auch, dass Leistungen durch verschiedene/ mehrere Personen begutachtet werden. Für das Portfolio, wird nicht wie für eine Klausur gelernt. Wissen eignet sich durch den Umgang, das Erstellen eins Portfolios an.
Portfolios stellen die Möglichkeit der Verbesserung von Lernen und Unterricht dar.11 „Der Zweck der Portfolioarbeit bestimmt maßgeblich seinen Inhalt [...]. Zweck und Ziel sind vor Beginn jeder Portfolioarbeit offen zu besprechen, zu vereinbaren und verbindlich festzulegen“.12 Bei Portfoliokonferenzen tauschen sich die Lehrer über die Portfolios ihrer Schüler aus. Sie sammeln zunächst erste Eindrücke und bewerten dann. Dies bedarf eines guten, und vertrauten Klima untereinander.
Dennoch sollte man sich bewusst sein, dass Leistungsbewertung durch Portfolioarbeit ein langer Weg ist. Dieser kann nicht sofort umgestellt werden; man muss sich erst damit vertraut machen und den Umgang lernen. Zudem muss auch die eigene Denkweise von Leistungsbwertung überdacht werden, da Portfolioarbeit „erweiterte Ziele der Leistungsbwertung und ein verändertes Verständnis von Leistung“13 benötigen.
Abschließend kann gesagt werden, dass „[d]as Portfolio [...]zunächst eine alternative Methode der Leistungsbewertung [ist[, die dem Unbehagen vieler Lehrenden darüber entspringt, sich durch punktuelle Test kein valides Bild von den tatsächlichen Kompetenzen ihrer Schüler machen zu können.“14
Ich glaube aber, wenn ein Lehrer oder ein Kollegium, selbst mit der Arbeit an Portfolios vertraut ist, er dies den Schülern gut übermitteln kann und die Vorteile der Arbeitsmethode und der Leistungsbewertung sieht. Denn, wie Häcker sagt, so ist „Portfolioarbeit [...] die Erhöhung der (Selbst-)Reflexivität der Beteiligten hinsichtlich des Lern-Lehr-Prozesses.“15 Zudem sehe ich den Vorteil in der Leistunsgbewertung darin, dass sich die Schüler auf die mündliche Prüfung vorbereiten und diese dann auch Steuern können. Somit verläuft eine mündliche Prüfung nicht willkürlich und biete dem Schüler u.U. kaum eine Chance, sondern erhöht so seine Chance, sein Wissen unter Beweis zu stellen.
1. Häcker, Thomas: Portfolio als Entwicklungsinstrument.http://www.portfolio-schule.de/go/index.cfmD497FE97E5534CAF95AF1D3E58626A8F (Zugriff am 27.10.11 um 9.08 Uhr), S. 1
2. vgl. Winter, Felix: Portfolio und Leistungsbewertung. In: Themenheft “Portfolio” der Zeitschrift: Informationen zur Deutschdidaktik (ide) 26, 2002, H. 1, S. 91-98.http://www.portfolio- schule.de/index.cfm496D352DCC4E4076AF63B8D9AACA8C56 (Zugriff am 27.10.11 um 9.11 Uhr), S.1
3. vgl. Winter, S.3
4. vgl. Winter, S.3
5. Häcker, S.2
6. Winter, S.1
7. vgl. Winter, S.3
8. Winter, S.2
9. Winter, S.1
10. Winter, S.2
11. vgl. Häcker, S.2
12. Häcker, S.3
13. Winter, S.4
14. Häcker, S.1
15. Höcker, S.1
Tags: boom, Entwicklung, Lehrer, Leistungsbwertung, Portfolio, Schüler, Zensur