•• Forschungsarbeiten: work-in-progress

Doktorarbeiten

Barbara Meißner – Promotionsvorhaben

Transkulturelle Ästhetische Bildung – Eine qualitative Studie zur performativen Identitätskonstruktion

Wie entstehen Identitäten? Wie beeinflusst unser Handeln, wer wir sind? Und welchen Stellenwert haben bei der Entstehung von Identität unsere sozialen Beziehungen in einer Gruppe? Die Bedeutung der Fragestellung zeigt sich vor dem Hintergrund kultureller Pluralität und der Suche nach einer Praxis, welche die Artikulation von Selbst- und Fremdbildern ermöglicht, ohne dabei die Vielfalt und Ambivalenz des Individuums zu unterminieren. Die Dissertation untersucht anhand eines schulischen Theaterprojekts, wie Identitäten in alltäglichen Interaktionen entstehen und sich verändern. Zentralen Stellenwert hat die Frage, wie dieser Prozess der Identitätsbildung durch die Praxis des Theaterspielens beeinflusst wird. Ziel der Arbeit ist eine Vernetzung aktueller sozial‐, kultur‐ und erziehungswissenschaftlicher Diskurse, bezogen auf die empirische Erforschung von Identitätsbildungsprozessen im Bereich der Ästhetischen Bildung.

Grundlage der Arbeit ist die qualitative Analyse eines Theaterprojekts an einer Freien Interkulturellen Waldorfschule, das im Februar 2011 wissenschaftlich begleitet wurde. Hinsichtlich der empirischen Herangehensweise orientiert sich die Arbeit an Prinzipien der ethnographischen Feldforschung. Der Erkenntnisgewinn erfolgt datenbasiert über multimodale Interaktionsanalysen, die anhand prototypischer Fallbeispiele aus dem Korpus der erhobenen Video- und Audiodaten durchgeführt werden.

Die Analyse verspricht Antworten auf die folgenden drei Bereiche:

(1)    Durch welche Aspekte lassen sich die Wahrnehmungs-, Erfahrungs- und Gestaltungsräume charakterisieren, die durch die Praxis des Theaterspielens entstehen?

(2)    Welche Freiräume ergeben sich, in Anknüpfung an die konkrete Theaterpraxis, für den Perspektivwechsel Rolle/Schüler und welche Einflüsse haben sie auf die Identitätskonstruktion?

(3)    Welcher Verfahren bedienen sich die (Theater-)Pädagog/innen, um die durch das Projekt an sie gestellten Anforderungen zu bewältigen, und welche Möglichkeiten bzw. Grenzen ergeben sich dadurch im Hinblick auf die Gestaltungsspielräume zur Identitätskonstruktion?

 

Galina Kondratieva – Promotionsvorhaben

Räume der Selbstdarstellung durch Kunst in Prozessen der Friedenspädagogik

Die Dissertation „Räume der Selbstdarstellung durch Kunst in Prozessen der Friedenspädagogik“ trägt vor allem zur Diskussion darüber bei, welche Faktoren Friedenspädagogik emotional verankern und somit nachhaltig wirksam werden lassen können. Somit wird die Rolle der Ästhetischen Bildung und der Beschäftigung mit Kunst im friedenspädagogischen Prozess erforscht. Die Haupthypothese ist demnach, dass Kunst neue Räume schafft um spannungsbeladene Themen auf eine kreative Art und Weise zu behandeln, und dass dadurch friedensbewusstes Verhalten in der Interaktion gefördert werden kann. Es wird also angenommen, dass die Situationen in denen Menschen (Nicht-professionelle Künstler/Laien) sich mit Kunst befassen können, gewisse Veränderungen in ihrem Verhalten bei der Behandlung der konfliktbeladenen Themen fördern.

Die Forschungsanalyse wird anhand eines spezifischen Fallbeispiels – Seminar „Dialogue of the Diasporas“ –  durchgeführt, in dem die Zusammensetzung von künstlerischen Impulsen und friedensfördernden Ideen zustande kommen. Mit der der Forschung soll die Frage beantwortet werden, welchen Beitrag Kunst in friedenspädagogischen Prozessen leistet? Die theoretische Herangehensweise kommt dabei hauptsächlich anhand der Interaktions- und Verhaltenstheorie von Erving Goffman zustande. Auf derer Grundlage wird hauptschlich erforscht welche der Selbstdarstellungsformen (ausgedrückte Interaktionstechniken) die Menschen in unterschiedlichen Abläufen der kunstbezogenen Situationen gebrauchen. Auf solche Weise wird der Zusammenhang zwischen Selbstdarstellungsformen und Impulsen festgestellt, die unterschiedlichen Kunstprozesse fördern. Außerdem wird die Basis für die Interpretation geschaffen, inwieweit diese kunstbezogenen Selbstdarstellungsformen friedensbewusst sind. Methodisches Vorgehen erfolgt dabei durch Video-Analyse, die die Möglichkeit gibt die Selbstdarstellungsformen der Teilnehmer sowohl in ihren verbalen, als auch in den non-verbalen Formen zu dokumentieren und dadurch für die Analyse greifbar zu machen.

 

Jonas Dietrich – Promotionsvorhaben
Philosophieren mit Kindern mit präsentativen Symbolen am Beispiel der Musik

Neben den diskursiven Ausprägungen des Philosophierens mit Kindern erfolgten in den letzten Jahren erste Arbeiten zum Philosophieren mit Kindern mit präsentativen Symbolen. Zu den zentralen Disziplinen zählen die bildende Kunst und theatrale Formen. Präsentative Zugänge scheinen zum Philosophieren besonders geeignet zu sein, weil die Wahrnehmung künstlerischer Werke stets ein subjektiver Vorgang ist, wodurch Kinder herausgefordert werden, ihre unterschiedlichen Sichtweisen argumentativ darzulegen. Die daraus folgende Perspektivenpluralität zeigt sich jedoch nicht nur in den Bereichen der bildenden Kunst und der szenischen Formen. Biographische Erlebnisse lassen darauf schließen, dass Musik ein besonderes Potential für Nachdenkgespräche mit Kindern besitzt:
Im Rahmen einer Unterrichtseinheit zu sog. Klanggeschichten  wurden die Schüler aufgefordert, sich eine eigene musikalische Darstellung von Regen zu überlegen. Einige Schüler, die mit dem Wort Regen Begriffe wie nass und ungemütlich assoziierten, wählten für ihre Vertonungen harte, kurze und eher laute Töne. Ein anderer Schüler hingegen, der deutlich angenehmere Erfahrungen wie z.B. das Erlebnis eines warmen, erfrischenden Sommerregens schilderte, empfand für seine musikalische Darstellung eher weiche, längere und leisere Töne als passend. Äquivalente Erfahrungen zeigen sich bei der Rezeption von Musik, bei der sich die musikalische Wahrnehmung und die Assoziationen der SuS zum gleichen Musikstück als höchst individuell herausstellen.
In der bisherigen Praxis des Philosophierens findet die Einbeziehung von Musik allenfalls beiläufig statt und spielt nur eine sekundäre, diskursiv-ergänzende Rolle. Die Tätigkeit des Philosophierens bietet eine erfolgversprechende Möglichkeit, mit der dargestellten musikalischen Perspektivenpluralität systematisch umzugehen. Mithilfe einer Einbeziehung traditioneller Methoden des PmK und deren Anpassung an das Fach Musik werden in dieser Dissertation erste Ansätze einer didaktisch-methodischen Grundlage für das Philosophieren mit dem präsentativen Symbol der Musik entwickelt.
Das primäre Erkenntnisinteresse der Arbeit besteht darin, wie das präsentative Symbol der Musik didaktisch und methodisch für die Praxis des Philosophierens nutzbar gemacht werden kann. Dabei ist von besonderem Interesse, wie bestimmte Faktoren die Qualität und Intensität des Philosophierens beeinflussen. Hierzu zählen insbesondere die Musikauswahl, die Vorerfahrungen der Schüler hinsichtlich des traditionellen Philosophierens, deren musikalische Vorkenntnisse sowie allgemeine Aspekte in der musikalischen und sprachlichen Entwicklung und Sozialisation von Kindern.

 

 


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