•• Would you like a clip?! Widersprüchlichkeiten auf dem Kirchentag SS2013

Lehrangebot Praxisseminar Kirchentag-Angebot im Rahmen des Peacebuilding/Friedensbildung der Universität Hamburg, SS 2013

mit freundlicher Unterstützung der KURT UND KÄTHE KLINGER Stiftung

Datum/Ort:

27. April 2013 (10.00-16.00) Blockseminar zur Einführung in die Thematik, Konzepterstellung / Raum 527 in Alsterterrasse 1 (AT1)

1. Mai 2013 (freie Zeiteinteilung Arbeitsgruppe zwischen 10.00-18.00) Videoclips filmen beim Kirchentag (Messehallen)

2. Mai (10.00-16.00) Videoschnitt zusammen mit Filmemacher Mohamed El Fadl / Medienwerkstatt 5.Stock, Von-Melle-Park 8 (VMP8)

4. Mai 2013 (11.00-13.00): Präsentation der Kurzfilme (je ca. 2-3 Minuten) und Diskussion mit den Besuchern des Kirchentages / Raum W221, Edmund-Siemers-Allee 1 (ESA 1)

Veranstalter/in:

Seminardurchführung: Sofie Olbers, M.A.

Wissenschaftliche Begleitung: Prof. Wolfgang Sting (Theaterpädagogik und Darstellende Spiel), Prof. Markus Schäffauer (Medienwissenschaft, romanische Philologie), Prof. Gordon Mitchell (Religionspädagogik)

Credit Points: 3; Der Leistungsnachweis kann über die regelmäßige und aktive Teilnahme (28SWS), die Abgabe eines Videoclips (Gruppenarbeit) und ein kurzes reflexives Essay von 2-3 Seiten erworben werden.

Kommentar:

Smartphones und die neuen Medien sind unter anderem deshalb so interessant, da wir damit die Möglichkeit bekommen Bilder in allen Lebenssituationen einzufangen: Den bisher Unbeachteten ermöglicht dies einen noch nie dagewesenen Einfluss zu praktizieren. Zugleich ist im Englischen das Wort „clip“ mehrdeutig: „to create a clip“ heißt einen Videoclip zu machen, „to give someone a clip“ bedeutet einen Hieb oder eine Ohrfeige zu geben. Ein Wortspiel, das Fragen nach Repräsentationsformen und der Konstruktion der Wirklichkeit aufwirft.

Theoretischer Bezug zu der praktischen Umsetzung von Kurzfilmen wird daher die  selbstkritische Auseinandersetzung mit der Entstehung ethnologischen Wissens sein (Postkolonialismus, Writing-Culture bzw. Filming-Culture), denn durch die Beschreibung und Darstellung des `Anderen´ durch Text, Fotografie und Film wurden Menschen häufig erst zu `Anderen´ gemacht. Außerdem geht es bei der Herstellung der Videoclips um Ausschnitte, in denen sich Menschen in alltäglichen Situationen in Szene setzen (z.B. Goffman Wir alle spielen Theater, 1983). So bezeichnete Turner (Anthropology of Performance, 1987) die Menschen als „homo performans“, als hauptsächlich darstellende Lebewesen, die in Rollen und Ritualen ihre Identitäten konstituieren und erhalten sowie kollektiv ihre gemeinsame Wirklichkeit inszenieren. Der Kirchentag soll in diesem Sinne als performatives Ereignis untersucht werden (performance-studies). Auf der Suche nach Widersprüchlichkeiten werden reibende und polarisierende Thematiken und scheinbar unscheinbare `performances´ auf dem Kirchentag durch die beobachtende Linse erforscht und aufgedeckt.

Das Praxisseminar erstreckt sich über 4 Tage: Am 27. April erfolgt eine Einführung von Prof. Wolfgang Sting (Performance in sozialen Kontexten) und M.A. Sofie Olbers (`post-colonial´-Ansätze, Ethnographie und Repräsentation). Anschließend werden in Kleingruppen Konzepte der Videoclips mit Unterstützung von Prof. Markus Schäffauer erarbeitet. Am 1. Mai nehmen die Seminarteilnehmenden in den Kleingruppen kurze Videoclips zum Thema „Harmonie und Konfliktbereitschaft“ während des Kirchentages in Hamburg 2013 auf. Am 2. Mai werden die Kurzfilme (ca. 2-3 Minuten) mit Hilfe von Filmemacher Mohamed El Fadl geschnitten. Die entstandenen Kurzfilme werden mit einer Frage versehen und in der Veranstaltungsreihe der Uni HH beim Kirchentag zum Thema „Nachhaltigkeit und Frieden“ am 4. Mai 2013 gezeigt. Eingeleitet durch fachliche Kommentare von Prof. Markus Schäffauer, Prof. Wolfgang Sting und Prof. Gordon Mitchell werden die Kirchentags-Besucher zu den einzelnen Videoclips und Fragen diskutieren.

 

Vorbereitende Literatur:

Ashcroft, Bill; Gareth Griffith und Helen Tiffin (1998): Key Concepts in Post-Colonial Studies. London: Routledge

Clifford, James und George E. Marcus (Hg.) (1986): Writing Culture: The Poetics and Politics of Ethnography. Berkeley, Calif. [u.a.] : Univ. of California Press

Engelbrecht, Beate (Hg.) (2007): Memories of the origin of ethnographic film. Frankfurt a.M.: Lang

Goffman, Erving (1983): Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. München: Pieper

Gottowik, Volker (1997): Konstruktionen des Anderen: Clifford Geertz und die Krise der ethnographischen Repräsentation. Berlin: Reimer

Hohenberger, Eva (1988): Die Wirklichkeit des Films: Dokumentarfilm, ethnographischer Film, Jean Rouch. Hildesheim u.a.: Olms

Rouch, Jean und Steven Feld (Hg.) (2003): Ciné-ethnography. Minneapolis u.a.: Univ.of Minnesota Press

Russell, Catherine (2003): Experimental ethnography: the work of film in the age of video. Durham u.a.: Duke Univ. Press

Turner, Victor (1987): Anthropology of Performance. NY: PAJ Publications

Sting, Wolfgang; Norma Köhler, Klaus Hoffmann, Wolfram Weiße und Dorothea Grießbach (Hg.) (2010): Irritation und Vermittlung. Theater in einer interkulturellen und multireligiösen Vermittlung. Berlin: LIT-Verlag

Sting, Wolfgang und Gabriele Klein (Hg.) (2005): Performance: Positionen zur zeitgenössischen szenischen Kunst. Bielefeld: Transcript

Wiener, Michael (1990): Ikonographie des Wilden. München: Trickster

 

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