An dieser Stelle möchte ich noch einmal zu zentralen Kritikpunkten, die heute nach meinem Vortrag im Plenum aufkamen, einige Überlegungen anstellen. Bei der Beurteilung meines Portfoliokonzepts wurde vor allem die Kritik laut, dass eine sich an die Portfolioarbeit anschließende Klausur einen zu hohen Druck auf die SuS gerade auch in der bewertungsfreien Lernsituation ausüben würde. Die Arbeitsphase der Kinder sei dadurch nur scheinbar frei von jeglicher Bewertung, weil am Ende eben doch nur das im abgegebenen Portfolio und in der Klausur zählt, was erfolgreich gelernt und mit positiven Ergebnis bearbeitet worden sei. Dadurch würde ein indirekter Leistungsdruck „von hinten herum“ in des Konzept implementiert werden.
Auf diese Problematik habe ich selber bereits in dem Beitrag am 16.01.2012 hingewiesen. In der Diskussion kamen allerdings Ansätze auf, zu denen ich noch einmal einige Gedanken äußern möchte:
- Die Klausur könnte, um keinen direkten Prüfungsdruck zu erzeugen, auch durch eine Präsentationsleistung ersetzt werden, in der die SuS in einem mündlichen Vortrag noch einmal zeigen, was sie gelernt und erarbeitet haben.
Hierzu sei allerdings zu sagen, dass derartige Präsentationen ein weiteren hohen zeitlichen Aufwand bedeuten würden (die Einheit umfasst alleine bereits 20 Std.), bei dem zusätzlich der Mehrwert/Lernzuwachs für zuhörende SuS als gering zu sehen ist, denn schließlich würde jeder ReferentIn zu großen Teilen über dasselbe Thema sprechen. - Die SuS sollten nach der freien Lernsituation selber entscheiden dürfen, welche bearbeiteten Aufgaben und angestellten Gedanken in das Portfolio gelegt werden können. So würden zum Beispiel falsch gerechnete Aufgaben nicht mit abgegeben werden müssen.
Diesen Ansatz finde ich persönlich gut, denn auf diese Weise könnte die Lernsituation noch etwas weiter entspannt werden (die Kinder dürften schließlich selber entscheiden, was im Anschluss daran bewertet werden soll), denn gemachte Fehler würden dadurch bei der Bewertung nicht zwangsläufig zu einer schlechteren Note führen. Zudem wird den SuS noch mehr Verantwortung bei der Gestaltung der Portfolios übertragen. - SuS, die grundlegende Probleme im Fach Mathematik haben, würden durch dieses Konzept vollständig „abgehängt“ und in der Abschlussklausur eine schlechte Note bekommen.
Diese durchaus vorstellbare Problematik wurde in meinem Konzept nicht ausreichend berücksichtigt. In welcher Weise von meiner Seite aus reagiert werden müsste, wenn festgestellt wird, dass ein Kind komplett den Anschluss an die übrige Lerngruppe verloren hat, ist eine schwer zu beantwortende Frage.
Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass solche SuS im Zuge der Arbeitsphase an den Portfolios eher durch die LehrerIn oder durch die MitschülerInnen unterstützt werden könnten (z.B. durch Gespräche, Übungen, Anleitungen, gezieltes Nachfragen, etc. wie es das Konzept vorsieht) als im bloßen Frontalunterricht, in dem Kinder mit massiven Problemen im Mathematikunterricht noch viel leichter untergehen und häufig bis zum Tage der Klausur unberücksichtigt bleiben.