Podiumsdiskussion „Das Internet – ein Bildungsraum?“

Am Samstag, 6. Februar 2010 um 11 Uhr, also am zweiten Tag des EduCamps, wird eine Podiumsdiskussion zum Thema „Das Internet – ein Bildungsraum?“ stattfinden.
Moderation: Christina Schwalbe

TeilnehmerInnen auf dem Podium sind:

Partizipation und Offenheit

Fishbowl
Die Diskussionsrunde wird in Form einer Fishbowl-Diskussion durchgeführt. Dazu wird ein freier Stuhl für Nachfragen und Beiträge aus dem Publikum auf dem Podium bereitgestellt. Sobald jemand Neues aus dem Publikum an der Diskussion teilnehmen möchte, muss der zusätzliche Stuhl auf dem Podium freigegeben werden.

Twitter
Auf eine Twitterwall im selben Raum wird verzichtet, da die Konzentration im Raum auf die Podiumsteilnehmer gerichtet sein soll. Beiträge aus dem Twitterstream können über den zusätzlichen Stuhl auf dem Podium in die Diskussion mit eingebracht werden. Die Moderation wird die Twitterbeiträge auf einem eigenen kleinen Monitor verfolgen und ggf. darauf reagieren.

Thematische Ausrichtung der Diskussionsrunde

Die aktuellen medientechnologischen Entwicklungen, häufig subsumiert unter dem Schlagwort ‚ÄûWeb 2.0«, werden insbesondere in Hinblick auf ihre Bedeutung für die pädagogische Praxis sowie hinsichtlich neuer Bildungsherausforderungen vielfältig und auch kontrovers diskutiert. Die Spannweite der Positionen ist hier sehr weit gefasst. Auf der einen Seite finden sich einige eher als optimistisch zu bezeichnende Einschätzungen der Möglichkeiten des Web 2.0 für neue Formen des Lehrens und Lernens. Dabei werden insbesondere die Potentiale von Social Software zur Kollaboration, zur Vernetzung und zur Selbstorganisation im Netz hervorgehoben. Häufig wird in diesem Zusammenhang eine sich gerade neu herausbildende Generation von Lernenden beschrieben, die verstärkt partizipative, vernetzte und selbstorganisierte Kommunikationsformen als selbstverständlich auch in Bildungsinstitutionen ansehen. Das Konzept dieser so genannten ‚ÄûNet Generation« ist jedoch nicht unumstritten. Einige Kritiker des Konzeptes bestreiten die Existenz einer ganzen Generation netzaffiner Jugendlicher und sehen die Aktivität im Web 2.0 nur als Phänomen von Minderheiten an. Ebenfalls sehr unterschiedlich bewertet wird in diesem Kontext die Frage danach, wie sehr sich die neuen medialen Umwelten und die damit zusammenhängenden neuen Kommunikations- und Kooperationsformen auf Lern- und Bildungsprozesse tatsächlich auswirken.

Im Rahmen der Podiumsdiskussion sollen unterschiedliche Positionen und Einschätzungen hinsichtlich der Bedeutung des Netzes für Bildungsprozesse zur Sprache gebracht und diskutiert werden. Dabei steht die Frage nach dem Verständnis des Internets als (Bildungs-)Medium im Zentrum der Diskussion: Erleben wir aktuell die Entwicklung eines neuen Leitmediums? Und wenn ja, in welchem kulturellen und zeitlichen Horizont ist dieser Wechsel des Leitmediums zu sehen? Könnte man annehmen, dass dem aktuellen medialen Umbruch ähnliche Wirkungen auf kulturelle, soziale und evtl. sogar kognitive Prozesse zugeschrieben werden können wie der Erfindung des Buchdrucks? Oder ist das Phänomen des Web 2.0 mit den damit in Verbindung stehenden neuen Formen der Kommunikation und Kollaboration nur ein Hype, der letztendlich auf Prozesse des Lehrens und Lernens in Bildungsinstitutionen nur geringe Auswirkungen haben wird? Verstehen wir damit Computer und Internet bzw. allgemein die aktuellen digital-vernetzten Medien nur als neue (technische) Geräte, die im Prozess der Wissensvermittlung in pädagogischen Umgebungen Verwendung finden können und sollen, denen aber keine oder nur geringe Prägekraft für Verhalten und Einstellungen der Lernenden und Lehrenden zugeschrieben werden?

Ob wir uns nun jedoch als Web-Enthusiasten oder als Kritiker bezeichnen würden, eine zentrale Frage dürfen wir angesichts des rasanten technologischen Fortschritts nicht unbedacht lassen: Welche Herausforderungen stellen sich durch die aktuellen medientechnologischen Entwicklungen für die pädagogische Praxis und auch für erziehungswissenschaftliche Theoriebildung?

Autor: Christina Schwalbe

Christina Schwalbe, Dipl. Ing., M.A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Leiterin des eLearning-Büros im Medienzentrum der Fakultät für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Lernen und Lehren in digital-vernetzten Strukturen, pädagogische Medientheorie, Medienkulturgeschichte, Medienbildung.

24 Kommentare

  1. Pingback: Das Internet – ein Bildungsraum? : Christina Schwalbe

  2. Wenn ich mir den Absatz „Thematische Ausrichtung der Diskussionsrunde“ so durchlese, komm ich mir linguistisch wie bei einer x-beliebigen vorlesung vor. Was mich stört? Es ist dieses, auch in der Politik weit verbreitete, routinierte Profigelaber. Nix Aufbruchstimmung, nix Eduhack, keine Experimente! Die Experten (für Dinge von gestern) haben das Schiff gekapert. Mal so spontan …

  3. Profigelaber? Dabei denke ich an vorab formulierte Texte, wie man sie von augezeichneten Reden kennt. Um vorab formulierte Texte kommt man bei einer Vorankündigung selten herum. Die Podiumsdiskussion selbst lässt sich so aber nicht gestalten. Deshalb haben wir uns ja für eine Podiumsdiskussion entschieden und nicht für eine Keynote. Wir gehen aber noch einen Schritt weiter und öffnen das Podium -> Fishbowl-Methode. Jeder Anwesende und auch einige Online-Präsente Teilnehmer kann (und soll!) sich einbringen. Gemessen an dem was einem ansonsten so an Tagungen angeboten wird (BarCamps mal ausgenommen) halte ich das schon für recht experimentell. Aufbruchstimmung lässt sich m.E. auch nicht planen. Die müssen die Teilnehmer mitbringen, wenn sie einen Aufbruch wünschen. Vielleicht geht es aber auch um Entwicklung statt um Kehrtwende?
    Ich finde es gut eine anständige vorbereitete, offene Podiumsdiskussion zu haben, damit die Teilnehmer eine ernsthafte Chance haben sich auf einem Nivea einzubringen das über Meinungen hinaus geht. Das soll nicht heissen das eine Meinung nichts wert ist, aber ich glaube die EduCamp Community kann mehr, als nur Meinungen austauschen.
    Es bleibt m.E. offen ob die „neuen Experten für Dinge von morgen“ (wenn dass das Pendant ist?) auch in der Lage sind ausserhalb der eigenen Badewanne Kapitän zu sein.
    Vielleicht entsteht aber auch etwas, womit von beiden Besatzungen (wenn an das so trennen kann und will) zunächst niemand rechnet. Möglicherweise ist es auch kein Entern, sondern das Retten aus Seenot, wobei ich offen lassen würde welche Mannschaft in Seenot ist und ob so etwas großes wie das Bildungsschiff nicht sowieso nur mit vereinten Kräften gesteuert werden kann.
    Ich bleibe gespannt und würde sagen Leinen los!

  4. Ich muss Ralf zustimmen: Aufbruchstimmung kommt nicht aus einer thematischen Konzeption für eine Podiumsdiskussion heraus, sondern kann sich nur aus dem Kreis der TeilnehmerInnen heraus entwickeln!

    Insofern muss der Text selber auch nicht schon eigene Positionen vertreten, sondern eher Fragen aufwerfen – um damit einen Rahmen zu bieten für eine reflektierte und insbesondere auch für eine gut begründete Beschäftigung mit Fragen, die im EduCamp-Dunstkreis und auch unter ErziehungswissenschaftlerInnen aus dem Bereich Medien & Bildung sehr intensiv diskutiert werden. Und das eben auch mit Bezug auf wissenschaftliche Auseinandersetzungen, die sich vielleicht nicht unbedingt nur an den neuesten Trends im Web 2.0 orientieren, sondern grundsätzlicher über Bildung nachdenken – was ich für sehr wichtig halte! Aufbruchstimmung, Experiment und Eduhack – alles richtig, wichtig, unterstützenswert, verfolgenswert. Aber bitte nicht, wenn jetzt alles Alte („Dinge von gestern“) damit unreflektiert abgelehnt wird. Auch Ablehnung ist ok – aber auch das bitte begründet!

    Damit die Besatzung des Schiffes – um in Eurer Metaphorik zu bleiben – nicht irgendwann das Boot ins Abseits manövriert, und damit die potentiell guten, wichtigen und richtigen Anstöße, die sich aus dem EduCamp entwickeln können, auch leider ungehört bleiben und verhallen, muss man weiter denken und sich intensiv auch mit (vermeintlichen) Gegenpositionen auseinandersetzen!!!

  5. Nachvollziehbar sind beide Positionen. Stimme aber Lutz zu, man sollte aufpassen, dass die Podiumsdiskussion nicht zum „Profigelaber“ oder zur Klischeegaukelei mutiert. Wäre wie immer schade um das vorhandene Potenzial (siehe Teilnehmerliste). AdHoc mit mir selbst diskutiert komme ich zu dem Fazit: Geht es um Allgemeinbildung oder Allgemeinwissen? Geht es um kooperative Lernszenarien oder um rechtliche Stolpersteine? Das Lehren und Lernen 2.0 ist das was wir draus machen. Jeder einzelne… die Frage ist also nicht: „Das Internet – ein Bildungsraum?“ sondern: „Wie wird das Internet zum optimalen Bildungsraum?“ … (Titel variabel.)

    Mehr Mut zur Provokation, wo keine Emotionen sind, liegt das Land brach – es geht um unser Bildungsland!

  6. Liebe Melanie,

    1. Zum Inhaltlichen:

    selbstverständlich ist die von dir gestellte Frage sehr wichtig und muss diskutiert werden – aber das wird sie ja auf dem EduCamp sehr vielfältig, denn das ist ja genau die Frage, die in fast allen Sessions auch auf unterschiedlichste Arten diskutiert und bearbeitet wird. Es ist die Frage nach dem didaktischen Potenzial des Internets und nach der didaktisch sinnvollen Nutzung der aktuellen Medientechnologien.

    Die Frage in der Podiumdiskussion ist aber diesmal mit Absicht anders gestellt, und zwar etwas grundsätzlicher bzw. von einer anderen Seite aus betrachtet. Es gibt eine von vielen Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen geführte Diskussion darüber, welche gesellschaftliche Bedeutung Computer und Internet (oder etwas weiter gefasst: ein digital-vernetztes Medium) tatsächlich haben. Ist es nur ein neues technisches Medium, das eben neue Kommunikations- und Verbreitungsmöglichkeiten mit sich bringt? Oder ist es doch vielleicht eher so, dass sich mit der technischen Entwicklung auch kulturelle Praxen verändern, sich die Gesellschaft in Gänze in Wechselwirkung mit der Medienentwicklung restrukturiert? Es geht also um die Frage, welche Prägekraft Medientechnologien für kulturelle und soziale Prozesse haben.

    Und diese Diskussion ist – neben den an der Didaktik orientierten Fragen – unserer Meinung nach ebenso wichtig und sollte in einem EduCamp diskutiert werden. Gerade weil es doch einige gibt, die eben dem Internet (noch) nicht die Relevanz zuschreiben, wie es die meisten „alteingesessenen EduCamperInnen“ tun. Und man sollte eventuelle Gegenpositionen nicht ignorieren, sondern einbinden.

    2. Zur Wortwahl

    Mich stört in dieser Diskussion hier allerdings extrem der Begriff „Profigelaber“. Was genau meint ihr damit? Warum soll, bitte schön, eine fundiert und auf wissenschaftlichem Niveau geführte Diskussion schlecht sein? Und wie kommt ihr darauf, dass wir Klischees verbreiten wollen? Die von uns formulierte Fragestellung ist einfach eine, die wissenschaftlich gerade sehr aktuell ist und die auf dem Podium auch von WissenschaftlerInnen diskutiert wird. Wo ist denn da das Problem? Das EduCamp wird am Fachbereich Erziehungswissenschaft einer Universität durchgeführt, solche Fragestellungen sind Teil des erziehungswissenschaftlichen Diskurses im Bereich Medien & Bildung. Und die TeilnehmerInnen auf dem Podium sind hier Akteure innerhalb dieses erziehungswissenschaftlichen Diskurses, die doch in der Lage sein sollten, reflektiert und niveauvoll zu diskutieren, und nicht nur Klischees plattzutreten.

    Das Prinzip des EduCamps basiert meiner Meinung nach auf Offenheit – nicht auf Gleichmacherei! Also bitte seid auch offen, wenn von anderen Seiten andere Impulse gegeben werden. Was dann aus den Impulsen gemacht wird, darauf kommt es an – also auf alle TeilnehmerInnen des EduCamps!

  7. Liebe Christina, danke für deine schnelle Antwort. 🙂
    Natürlich sind kontroverse Diskussionen wünschenswert. Es geht auch mitnichten um die Podiumsteilnehmer! Lediglich die Vorankündigung wirkt eben etwas fade und deshalb die Stellungnahme. Das ist Geschmackssache, dennoch denke ich, dass auch in dieser (oder gerade in dieser?) Vorbereitungsphase Statements erlaubt sind.

    Viele Grüße, Melanie

  8. hallo ralf,
    hallo christina,

    euch und allen anderen ein glückliches, gesundes und erfolgreiches neues jahr! eine neue dekade haben wir bei der gelegenheit auch eingeläutet und das alles in einer der turbulentesten zeiten der (uns bekannten) menschheitsgeschichte. aloha!

    da gibt es täglich was zu lernen – und wie wir damit umgehen können, liess sich trefflich bei den ersten educamps studieren. es trafen sich edutainer, eduhacker, eduprofi und edutrainer, querdenker, programmierer und andere verrückte – kurz, genau die mischung die wir brauchen, um in diesen zeiten erfolgreich zu navigieren und adäquate antworten auf den umgang mit veränderung zu finden. oder zu suchen. wie auch immer.

    wenn jetzt, so mein eindruck, dieses zarte pflänzchen von oberlehrern und anderen professionellen pädagogen übernommen und literweise alter wein in neuen schläuchen serviert wird, dann mag das in der scientific community auf schulterklopfende anerkennung stossen, wirklich prickelnd ist das alles nicht.

    wohlgemerkt: für meinen geschmack! und vielleicht überzeichne ich es auch ein wenig. wobei, ganz wichtig: verletzen will ich damit niemand! und auch nicht das engagement schmälern, das eine solche veranstaltung verlangt. nichts liegt mir ferner. um den loop zu schliessen:

    unter profigelaber meinte ich einen profesionell verfassten text, wie wir ihn aus werbung, politik und wirtschaft kennen. sauber, super – aber sinnlich? aufbruchstimmung, begeisterung und fragen über fragen? so kam es mir nicht vor. sondern lediglich professionell-akademisch. und das ist mir zuwenig.

    dabei fällt mir immer die zeit-diskussion über pädagogik im letzten jahr ein, die sich über mehrere ausgaben (wegen der erzürnten kommentare ab gymnasiallehrer aufwärts) hinzog. ein satz blieb mir besonders in erinnerung: deutschland hat mehr pädagogen als jedes andere land der welt. und spielt in der internationalen diskussion keine rolle.

    deutschland soll auch 400 lehrstühle für geschichte haben und keinen für zukunftsforschung. aus der welt, um mal luther zu zitieren, kommen keine fröhlichen fürze, der arsch ist verzagt!

    daher steh ich persönlich eher auf die anstrengende, ewig herausfordernde und transdisziplinäre mischung unterschiedlicher köpfe. auf permanent beta, offenes werden und waghalsige experimente, inclusiv besserwisser, nerds und trolls. fachleute sind in der regel fachleute für dinge von gestern. und die meisten von uns sind auf ihrem feld fachleute. mich eingeschlossen!

    und um christina zu ziteren: „Das Prinzip des EduCamps basiert meiner Meinung nach auf Offenheit ‚Äì nicht auf Gleichmacherei! Also bitte seid auch offen, wenn von anderen Seiten andere Impulse gegeben werden. Was dann aus den Impulsen gemacht wird, darauf kommt es an ‚Äì also auf alle TeilnehmerInnen des EduCamps!“

  9. Lieber Lutz,

    schön das Du noch einmal so ausführlich Stellung genommen hast.
    Einige Dinge klingen für mich jetzt weniger Vorwurfsvoll. Offensichtlich haben wir das gleiche Ziel, auch wenn es für Dich vielleicht immer noch so scheint als würden wir aus verschiedenen Richtungen darauf zu gehen, was ja auch in Ordnung wäre.

    Ich glaube gerade die EduCamps vertragen ohne weiteres neben Edutainern und Edutrainern … auch ein paar Fachleute die schon gestern Erkenntnisse gewonnen haben und weniger dem „Zwang“ des Produzierens und Machens zu unterliegen, um zu vermeiden, dass wir stets von Vorn beginnen ohne Wiederholungen bzw. wiederholtes Versuchen, Experimentieren, Ausprobieren auszuschliessen.

    In jedem Fall freue ich mich auf ein bewegtes und gemischtes EduCamp. Wenn im Vorfeld schon Ressourcen frei geschaufelt werden um sich auszutauschen klingt das für mich als gäbe es ausreichend Bedarf für den Austausch 😉

  10. @ Melanie: Klar sind Statements erlaubt. Es ist auch zu sagen es ist alles ganz toll oder ganz doof. Fragen sind erlaubt, Antworten sind erlaubt – von allen Seiten. Es lebe der Austausch!

  11. Liebe alle,

    klar sind Statements erlaubt bzw. erwünscht! Mir ging es nur um einen respektvollen Umgang miteinander bzw. um sachliche, konstruktive Kritik an Themenvorschlägen. Lutz ausführlichere Antwort macht jedoch mir zumindest deutlicher, um was es in der formulierten Kritik den eigentlich geht. Danke dafür! So kann ich es nachvollziehen.

    Ich freue mich auf weiteren regen Austausch mit allen TeilnehmerInnen – und zwar insbesondere auf den Austausch zwischen den Fachleuten und der restlichen von Lutz so schön beschriebenen bunten Mischung. Und ich persönlich finde es gut, dass es etablierte Wissenschaftler gibt, die sich auf das Abenteuer EduCamp einlassen möchten…

  12. Liebe alle, da bin ich im Vorfeld meines ersten EduCamps doch schon leicht irritiert. Da ist also ein Zeitfenster für ne Fishbowl reserviert (tja Christina, in der Überschrift habt ihr leichtsinnigerweise das Reizwort Podiumsdiskussion verwendet ;-)) und schon wird „routiniertes Profigelaber“ befürchtet. Wer die Personen der Startrunde nur a bissle kennt, weiss, dass diese Befürchtung unbegründet sein dürfte.

    Beim Experten-Bashing geht mir mittlerweile der Hut hoch: Expertise ist doch kein Schimpfwort; Zukunftsgestaltung darf wissenschaftlich begründet sein; auch noch so tolle Ideen dürfen hinsichtlich Umsetzungsfähigkeit und Nachhaltigkeit hinterfragt werden; Fachwissen ist kein Hemmschuh für Kreativität …

    Also, für den Austausch kann eine Mischung nur von Vorteil sein. Ich jedenfalls freu mich drauf.

  13. Hallo Lutz,
    deine statements erinnern mich an die spontis und an den tunix-kongress 1978 http://de.wikipedia.org/wiki/Tunix-Kongress. ich glaube, du bist alt genug, dass du dich daran auch erinnern kannst. es ging da – grob gesagt – um eine gegenbewegung, eine erste negation sozusagen, gegen die vielen theoretischen luftdebatten aus der 68er zeit. eigentlich sollten wir daraus gelernt haben, dass weder das abgehobene theoretisieren, noch der blinde aktionismus/praktizismus sinnvoll sind. „entweder – oder“, diese dualistische rangehensweise könnten wir doch nun wirklich verabschieden. es wird beides gebraucht, sowohl theorie und modellvorstellungen von der welt als auch die praxis. und zwar nicht nebeneinanderher, sondern verknüpft. deshalb finde ich, den wunsch, die „akademiker“ in ihrem turm zu lassen und die „revolutionären praktiker“ auf einem barcamp von ihnen zu separieren, nutzlos. und was den spaß angeht, kann der ja für jeden sehr verschieden sein. den einen macht die aktion und das praxiserfinden spaß, andere finden nachdenken über vorauslaufende praxis und darüber, welche konsequenzen sie für weltbild und theorieentwicklung hat, besonders erotisch. wie wär’s also mit der zweiten negation? 😉

  14. Auf eine Twitterwall im selben Raum wird verzichtet, da die Konzentration im Raum auf die Podiumsteilnehmer gerichtet sein soll. Beiträge aus dem Twitterstream können über den zusätzlichen Stuhl auf dem Podium in die Diskussion mit eingebracht werden. Die Moderation wird die Twitterbeiträge auf einem eigenen kleinen Monitor verfolgen und ggf. darauf reagieren.

    Aha.

  15. Tolle Diskussionen hier! Ich finde die Mischung der Teilnehmer, die sich für das EduCamp angekündigt haben, ebenfalls hoch spannend und denke, dass wir hier den offenen Austausch zwischen „Fachexperten“ und „Experimentierern“ erheblich fördern können 🙂

    Ich wäre eigentlich eher für eine parallele Twitterwall zur Podiumsrunde, um das Feedback-Feeling noch zu steigern. Zumindest denke ich, dass das beim letzten Einsatz in Ilmenau nicht unbedingt Aufmerksamkeit entzogen hat. Aber die Entscheidung liegt bei den Organisatoren.

    Freue mich sehr auf Hamburg!

  16. Pingback: Statements zur Diskussionsrunde

  17. Wir können gar nicht anders! Das muss anders werden!

    Ich verstehe, dass wir den Bildungsraum Internet mit unseren Vorverständnis interpretieren und bewerten.

    Das sieht man zum Beispiel am Statement von Prof. Dr. Rolf Schulmeister, der durch die Analyse der Literatur 14 Thesen für den Hochschulunterricht formuliert hat. http://blogs.epb.uni-hamburg.de/educamp/files/2010/01/Schulmeister_Nachdenkliches.pdf

    Mit der Analyse vom Blickwinkel einer bestimmten Perspektive können wir gar das riesen Potenzial, das im Internet steckt für uns nutzbar machen. Das passiert uns allen!
    Folge:
    * Wir werden eine tolle Diskussion haben, welche der Analysen die bessere ist und die meisten werden mit derselben Meinung aus der Diskussion heraus gehen, wie sie in die Diskussion eingestiegen sind.
    * Unsere Einschätzung der Zukunft besteht aus der Geraden, die wir durch unsere Analysepunkte gezogen haben.

    Meiner Meinung nach sollten wir an dieses Thema ganz anders herangehen. Wir brauchen gemeinsame Ziele, die es uns ermöglicht unsere Kräfte zu bündeln. Wir brauchen eine Vision, wie unsere gemeinschaftliche Zukunft aussehen soll. Denn nur so richten wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Wissenslücken, die wir nur gemeinsam schließen können. Nur so werden wir Schöpfer unserer Zukunft.

    Wir sollten uns Fragen:
    Wie müssten wir das Internet einsetzen, damit das Wissen entsteht, was wir für eine bessere Zukunft brauchen.

    Weiterführende Gedanken:
    Den hermeneutischen Zirkel auf den Kopf gestellt http://de.consenser.org/node/2219

    Gezielte Evolution der Ideen http://de.consenser.org/node/2206

    Experten fordern radikale Neuerungen – Bottom-Up-Lernen http://de.consenser.org/node/2205

    Heute ab 19.30 http://de.consenser.org/philosophisches_cafe

  18. So! Habe alles wieder gelöscht und sage das dann in Hamburg =)

    Nur soviel: Ich denke wir kommen weder mit „entweder-oder“ weiter, noch mit „bashing“ irgendeiner Art.
    Wenn wir etwas verändern wollen, dann müssen wir aufhören in den Strukturen des derzeitigen Bildungssystems zu denken. Jedenfalls ich erlaube mir das!

    Wenn wir Neuland in der Bildung entdecken wollen, dann müssen wir aufhören vor den bekannten Bildungssystemküsten umherzuschippern…
    Das EduCamp ist in Hamburg. Vielleicht besteigen wir ein Schiff im EduCampHafen und machen uns auf zu neuen Ufern… Der Wind steht gut =)

  19. Einfach mal reingesprungen:
    Zu allererst von meiner Seite: Danke Lutz. Danke Rosa. Danke an alle für die rege Diskussion.

    Zum Beitrag von Rosa:
    Ich selbst bin nicht alt genug um mich an den Tunix Kongress zu erinnern. Möchte jedoch, oder gerade deshalb, versuchen das Ganze aus meiner Perspektive zu beleuchten.
    Auch wenn uns viele Bewegungen, gerade aus der Zeit der 70er, viel Fortschritt, im Zweifel auch Rückschritte, gebracht haben, ist gerade der hier angesprochene Rahmen, die wissenschaftlichen Diskussionen, aus meiner Sicht nach wie vor nicht ausreichend von der propagierten Offenheit getroffen worden.
    Allzu häufig ertappe ich mein wissenschaftliches Umfeld und mich selbst, bei der, wie einem beigebracht wurde, notwendigen Fütterung meiner Ideen mit „altem Wein“. Grundsätzlich erachte ich dieses Vorgehen als notwendig, um eben die „doppelte Arbeit“, zu vermeiden und bereits festgestelltes zu erweitern. Wir sollten jedoch nicht außer Acht lassen, dass auch der alte Wein wirklich inzwischen nicht nur nicht mehr schmecken sondern gar ungenießbar sein kann(vgl. Kuhns Gedanken zur revolution der Wissenschaft). Trotzdem trinken wir ihn weiter. Warum? Weil es großen Aufwand bedeutet neue Trauben zu ernten und einen vollständig neuen Jahrgang zu keltern. Um mit dieser Metapher weiter zu arbeiten…Ich glaube wir sollten eben auch häufiger mal kurz aufhören immer alles erst mit komplizierten, im Zweifel alten, Konstrukten zu füttern und einfach „den Bauch“ entscheiden lassen. Wie bspw. einfach mal eine Twitterwall in die Vorlesung mitbringen und sehen was passiert. Aus welchen didaktischen Modellen ließe sich hier eine Verbindung ableiten? Erstmal: KEINE AHNUNG! Wir stellen aber fest, dass sich etwas bewegt. Jetzt, nach der Bauchentscheidung, ist es vielleicht notwendig sich zu überlegen: Warum ist da was passiert? Haben wir in den letzten Jahren, und gar Jarhzenten und Jahrhunderten, etwas vergessen? Wir haben neue Trauben geerntet und fragen uns warum der alte Wein diese Geschmacksrichtung noch nicht angenommen hat. Jetzt sollten wir vielleicht mal sehen wie der Wein aus neuen Trauben so schmeckt, ihn mit den Geschmacksnoten des alten Weines veredeln (statt umgekehrt, den alten mit den Noten des neuen) und weiter machen. Wenn ich Lutz‘ Aussage „auf permanten beta“ richtig interpretiere, sollten wir jetzt aber nicht wieder anfangen unseren vielleicht guten neuen Tropfen zu lange reifen zu lassen… sondern gleich neue Trauben zu ernten…
    Zurück zur ursprünglich angestoßenen Diskussion um die Vorstellung der Podiumsdiskussion:
    Ich gebe „beiden“ Extremseiten recht! Bei allem Hype um das Web und dessen „neue“ Nuztungsweise durch die Allgemeinheit der Bevölkerung(Es gibt dennoch digital natives. Meiner Ansicht nach unterschiedenen sie sich aber nicht in Medialerkompetenz, als vielmehr in der Offenheit zu neuen Medien), sollten wir nicht vergessen, dass es auf jeden Hype auch eine nachvollziehbare Rezession folgt. Um also evtl. im Vorfeld zu wissen, ob wir uns auf eine Rezession vorbereiten sollten und Erkenntnisse entsprechend sichern müssen, oder ob alles bereit ist für die Revolution, ist es doch durchaus sinnvoll sich auch der Kritik (wie mit den Fragen um die Podiumsdiskussion gestellt) zu stellen.

    Mein Fazit: Wir ernten neue Trauben während unserer Unkonferenz Sessions und fragen uns dann in der Podiumsdisskusion, warum der alte Wein nicht so gut schmeckt wie der neue.

    In diesem Sinne: Ihr merkt, ich liebe Metaphern, große Worte und Wein. Aber auch nur, weil ich hier versuche eine neue Ernte einzufahren 😉

    Ich freue mich auf nächste Woche und darauf evtl. auch diese Diskussion weiter zu führen.

    Viele Grüße aus dem ****kalten Braunschweig
    Alex

  20. @Alex. ich bin sehr für neuen Wein in neuen Schläuchen – naja, es hinkt ein bißchen, weil ich trinke gerne alten Wein. Aber die Metapher ist klar. Und darum bin ich auch unbedingt dafür, zu experimentieren. Warum nicht einfach mal gucken, was passiert, wenn ich eine Twitterwall im Seminarraum aufmache – ganz genau! Darum wende ich mich auch gegen Medienpädagogen, die sagen: „Es kann nicht gehen. Es wird nie gehen, oder nicht für alle gehen, es bringt nichts, das haben wir ja noch nie so gemacht, da könnt ja jeder … usw.“ Stattdessen habe ich mich unter den Medientheoretikern umgeschaut, und die gefunden, die den theoretischen Rahmen für eine solche Praxisexpansion via Experiment und reflektiertes Praxislernen modellieren. Es gibt sie! Und es ist nicht das Dümmste, wenn man, statt Praxis und Theorie entgegenzusetzen, beide verknüpft. Denn soetwas wie „Theorie“-Modelle/Konzepte brauchen wir, um unser Verständnis einer Sache zu fassen und damit diskutierbar zu machen. Sonst sind wir bloß blinde Aktionisten.

  21. Liebe alle,

    ich möchte es gerne auch noch mal betonen: nichts läge uns ferner, als zu versuchen, alten Wein in neue Schläuche zu pressen. Aber, lieber Alex, nicht jeder alte Wein ist ungenießbar… und nicht jedder neue Wein automatisch besser als der alte… Vielmehr kommt es auf den Wein an (ach, herrlich, diese Diskussion hier, strotzt ja nur so vor Metaphern 🙂 ). Daher möchte ich Lisa unterstützen: auch wir möchten viel ausprobieren, neu denken, experimentieren – und darüber dann auch auf Basis wissenschaftlicher Theorien nachdenken um aktuelle Veränderungen zu verstehen und zu reflektieren. Daher haben wir diese Diskussionsrunde als zusätzliches Element in die EduCamp-Planung mit aufgenommen – es ist also nicht mehr und nicht weniger als ein zusätzliches Angebot zu den vielen, spannenden, meist auf Experimente ausgerichteten Sessions.

    Und wir verzichten daher auch nicht auf die Twitterwall, weil wir glauben, dass es eh nicht funktioniert und es sich deshalb nicht lohnt, das auszuprobieren, sondern wir haben es einmal bei der Campus Innovation so ausprobiert, dass wir eine Twitterwall quasi als Teil des Podiums hatten – und da es dort eben nicht in erster Linie ein Gewinn war (siehe dazu die Nachlese zu diesem Versuch), wollten wir nun versuchen, ob vielleicht die Fishbowl-Methode, über die Twitterkommentare ja auch mit in die Diskussion gebracht werden können, hier besser funktioniert. Kann ja sein, dass das auch nicht das Non-Plus-Ultra ist und wir dann eben bei einem dritten Versuch noch eine dritte Variante ausprobieren. Was wir gerne auf die Beine stellen möchten beim EduCamp, ist eine intensive, fokussierte Diskussionsrunde mit der Möglichkeit, dass mehr an der Diskussion teilnehmen, als nur die Podiumsmitglieder.

    In diesem Sinne: Wir freuen uns, wenn sich möglichst viele an diesem Experiment beteiligen und dadurch die Diskussionsrunde zu einem tatsächlichen Gewinn machen.

    Ahoi
    Christina

  22. @Lisa (entschuldige, mich hatte der Nachname erst so fasziniert 🙂 )
    Ich habe hier versucht eher eine Extremposition zu beziehen, und wollte nicht perse alle Ansätze der Forschung über einen Kamm scheren. Zugegebener Maßen sehr polemisch angesetzt… Auch mir liegt der blinde Aktionismus fern (falls der Eindruck entstanden sein sollte)

    @Christina
    Wie wir jetzt herausgestellt haben benötigen wir beide Herangehensweisen. Vielleicht in Unterschiedlichen Reihenfolgen, oder ergänzend (Wie ich auch versucht habe in meinem Fazit darzustellen 😉
    Mein Beispiel mit der Twitterwall sollte nicht auf eure Entscheidung anspielen! War nur ein Fall aus meinem Umfeld der mir direkt einfiel.

    Ergänzung: Ich setze mich, mit noch anderen Mitstreitern, mit dem Mitmachweb Instrumenten in der Lehre auseinander und bin überzeugt, dass unsere Ergebnisse vorallem zeigen werden, dass diese veränderten Web-Nutzungspradigmen für das Lernen einige Vorteile bringen. Jedoch nur, wenn wir auch unsere (Hochschul-)Lehre an aktuelle Didaktikmodelle anpassen, bzw. diese erweitern/verändern müssen (ein Cuvée mit viel neuem Wein 😉 ).

    Der Worte genug. Ich freue mich immer noch (mehr) auf nächste Woche.

    „All hands on deck. Set sails!“

    Alex

    P.S.: Ein guter alter Wein ist nicht zu verschmähen!

  23. Pingback: EduCamp 2010 :: (kl)eine Nachlese : Christina Schwalbe

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