Essay

Warum ist es so bedeutend, im Bezug auf den Bildungsabschluss der Kinder, welchen Bildungsstand die Eltern haben?

Warum gelingt es nicht, dass mehr Kinder einen höheren Bildungsabschluss erreichen? Eine Untersuchung, ob die Antwort dafür die Milieutheorie ist.

 

In dem Seminar „Medien als Forschungsfeld der Erziehungswissenschaft“ haben wir uns mit Grundlagen, Theorien und Methoden auseinandergesetzt. Wichtig für das wissenschaftliche Arbeiten ist, dass man sich bei der Auseinandersetzung mit Begriffen und Theorien mit unterschiedliche Ansichten bzw. Vertreter vertraut macht, um sich selbst eine Meinung bilden zu können. So habe ich mich bei der Milieutheorie auch mit Kritikern dieser beschäftigt und nutze dieses Wissen auch für dieses Essay.

Da ich nach meinem Studium als Grundschullehrerin arbeiten möchte, wollte ich Thema auswählen, was für meinem Beruf relevant seien wird. Ich habe mir deshalb die Frage gestellt, inwiefern es eine Bedeutung für die Schüler beim Erreichen eines Bildungsabschlusses spielt, welchen Bildungsgrad die Eltern haben.

Ganz aktuell wurde am 11. September 2012 der OECD-Bildungsbericht veröffentlicht, der sich unter anderem damit befasste. Das Ergebnis war, dass nur jeder fünfte einen höheren Bildungsabschluss erreicht, als seine Eltern. Dies ist im Vergleich zu den anderen teilnehmen Ländern eine ziemlich niedriger Prozentsatz, denn im Durchschnitt erreichen 37% einen höheren Abschluss als ihre Eltern. Die Leiterin der OECD-Studie Babara Ischinger sagte bei der Präsentation, dass Bildung, Beschäftigung und Wohlstand eng miteinander verknüpft sind.[1]

Diese Feststellung möchte ich gerne anhand der Milieutheorie untersuchen. Marotzki schreibt in „Einführung in die Erziehungswissenschaft“ dazu: „In einem Milieu lebt man, ohne notwendige Weise dies zu wissen, zu explizieren oder dies zu wollen. Denn die Zugehörigkeit des Individuums zu einem Milieu gründet in sozialisationsgeschichtlichen Gemeinsamkeiten, die es mit anderen Angehörigen dieses Milieus teilt; solchen Gemeinsamkeiten des Habitus kann man sich nicht willentlich entziehen.“[2] Dies könnte bezogen auf den Bildungsstand bedeuten, dass es für Kinder ein schwieriger Schritt ist aus der Umgebung und dem sozialem Umfeld in dem sie aufwachsen und welches sie prägt im Bezug auf die Bildung „auszubrechen“ und eine gymnasiale Oberstufe oder sogar eine Universität zu besuchen. Dies kann unterschiede Gründe haben, eventuell vertreten die Eltern die Ansicht, dass ein Ausbildungsberuf besser ist, weil man im Gegensatz zum Studium von Beginn an Geld verdient, bzw. die finanziellen Mittel fehlen um das Kind zu unterstützen. In der ZDF heute-Sendung vom 11. September 2012 sagte eine Studentin aus einem nicht akademischen Elternhaus, dass sie es schwierig fand Informationen über das Studium zu bekommen, diese Hürde kann auch ein Grund sein, weshalb Jugendliche es nicht schaffen einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern zu erreichen. Ein Studium könnte in gewissen Milieus als zu elitär oder verschlossen wirken, sodass es abschreckend wirken kann.

 

Andererseits kann „solchen Gemeinsamkeiten des Habitus kann man sich nicht willentlich entziehen“ auch bedeuten, dass Lehrer beim Benoten von Schülern, die aus einer sozial begünstigteren Familie stammen im Vergleich zu Kindern aus einer sozial weniger begünstigten Familie bevorzugen. Kinder werden ihrer sozialen Umwelt zugeordnet es werden Rückschlüsse auf das Milieu, in dem das Kind aufwächst, gezogen. Schüler werden nicht ausschließlich nach ihrer Leistung benotet, dies wurde in einer Bildungsstudie der Vodafone-Stiftung festgehalten. Die Studie stellte heraus, dass Kinder aus sozial begünstigten Familien in der Grundschule bessere Schulnoten bekamen, als Kinder aus sozial weniger begünstigten Familien, und zwar auch dann, wenn die Kinder vergleichbare Ergebnisse in den standardisierten Leistungstests erzielt haben.[3]
Doch aus welchem Grund werden Kinder bei gleichen schulischen Leistungen unterschiedlich benotet? Die Antwort findet sich ansatzweise in der Rollentheorie, die besagt, dass an einen Mensch, hier in der Funktion des Schülers „ gesellschaftlich festgelegte Erwartungen und Regeln“[4] unterlegen ist. Der Studie zur Folge scheinen einige Lehrer bei der Notenvergabe mit dem Schüler nicht nur seine Leistung sondern auch sein Elternhaus zu assoziieren. Sie sehen das Kind nicht nur in der Rolle des Schülers, sondern sie berücksichtigen das Bild was die Gesellschaft  beispielsweise über das Milieu der Eltern hat. Stammt das Kind aus einer sozial bessergestellten Familie, wird davon ausgegangen, dass es auch bessere Leistung erbringt, es wird von den Eltern auf das Kind geschlossen. Davon ist natürlich nicht bei jedem Lehrer auszugehen, jedoch zeigt die Studie dass dies mitunter der Fall ist.

Bei Bildungsstudien wird dem Aspekt der Milieutheorie, welche die menschliche Entwicklung ausschließlich von der Umwelt bestimmt sieht[5] , viel Bedeutung zugemessen. So kommt die Vodafone-Studie unter anderem zu dem Ergebnis, da es um die Chancengleichheit in Deutschland weiter schlecht steht. Kinder aus bildungsfernen Familien schaffen es hierzulande viel seltener ans Gymnasium und ins Studium als Mitschüler aus dem Bildungsbürgertum.[6] Dabei soll es den Schulen gelingen jedem Kind die gleichen Chancen für einen höheren Bildungsabschluss einzuräumen, unabhängig davon welche Schulform die Eltern besucht haben. Die Bildungspolitik sieht dafür als Lösung, Kinder z.B. durch Ganztagschulen, die richtige Hilfe anzubieten. So bekommt das Kind in der Schule durch Förder- und Betreuungsangebote Unterstützung, die ihnen ihre Eltern eventuell nicht geben können. Dabei wird genau darauf gebaut, was die Milieutheorie sagt, dass „alle Entwicklungsprozesse des Menschen von seiner Mitwelt entscheidend bestimmt und nicht von Anlagefaktoren geprägt werden“[7].

Dieses Prinzip räumt Kindern die keine optimale Unterstützung aus der Familie für ihre Schullaufbahn haben die Möglichkeit für Abitur und Studium ein. Studien, wie der OECD-Bildungsbericht, machen deutlich, dass es gut ist wenn Kinder einen höheren

Bildungsabschluss erreichen. Der Rückschluss dazu ist, dass ein gewisses Ziel verfehlt wurde, wenn Kinder es nicht schaffen z.B. ein Gymnasium zu besuchen.

In der OECD-Studie wurde, wie es in der Milieutheorie heißt,  eine „umweltbedingt“ Analyse gemacht, nämlich das 20 % der Schüler keinen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern erreichen. Hierzu sagte die Leiterin der Studie, um „gesellschaftliche Ungleichheit bekämpfen wollen, führt an Bildung kein Weg vorbei. Wir müssen daher unsere Bildungssysteme so aufstellen, dass sie soziale Mobilität fördern und das Potenzial an Kandidaten für hoch qualifizierte Arbeitsplätze bestmöglich ausschöpfen“[8]. Auch hieraus wird erkenntlich, mit Beeinflussung der Umweltbedingungen sollen Schüler bessere Abschlüsse erzielen.

Die Milieutheorie zieht „die Mitbeteiligung von Anlagefaktoren bei der Entwicklung der Begabung“[9] nicht in Betracht. Dabei ist es sicherlich eine Überlegung wert, ob auch die Anlagen der Menschen und nicht nur die Umweltbedingungen einen Einfluss auf das erreichen von Bildungsabschlüssen haben. Daraufhin weisen auch Kritiker der Milieutheorie hin. So schreibt Hans Jürgen Eysenck, Professor für Psychologie: „Es ist wohlbekannt, dass Eltern aus der Arbeiterschicht niedriger Intelligenzquotienten besitzen als Eltern der Mittelschicht.“[10], wohlgemerkt im Jahre 1975. Nach seiner Auffassung beträgt das Verhältnis von Erbanlage 80% und Umwelt 20% was die Intelligenz eines Menschen ausmacht.[11]

Auch der Begründer der modernen Intelligenzforschung, Sir Francis Galton (1822-1911), war davon überzeugt, dass das Milieu keinen prägenden Einfluss auf die geistige Entwicklung des Menschen ausübt.[12] Er war der Meinung, dass Vererbungsgesetze für die Entwicklung der intellektuellen Fähigkeit zuständig sind. Auch in der heutigen Forschung ist der Einfluss des Erbgutes auf den Intelligenzquotienten umstritten und im Anbetracht der Einflüsse der Epigentik, sprich der Veränderung durch biochemische Modifikationen der DNA in vivo, komplexer geworden. Allerdings zeigen Zwillinge, die in unterschiedlichen Milieus aufwachsen häufig einen ähnlichen Intelligenzquotienten.

Ich würde sagen, dass man vererbte Intelligenz und Intellektualität, nicht als Antwort darauf geben kann, warum nicht mehr den höheren Bildungsabschluss erreichen, aber dennoch sehe ich dies als ein Argument was mit beachtet werden soll.

Warum ist also der Bildungsabschluss der Eltern entscheidend für den Bildungsweg des Kindes? So bin ich der Meinung, dass sich die Antwort zum Teil bei den Kritikern, die die Vererbung von Anlagen für ein Kriterium halten. Anderseits bei der Milieutheorie, weil Kinder teilweise nicht die Förderung durch ihre Eltern bekommen können, die sie

 

bräuchten. Aber auch die Gewohnheit spielt eine Rolle, ist es für eine Akademikerfamilie selbstverständlich dass das Kind Abitur macht und studiert, kann es für eine Familie, in der die Eltern einen Ausbildungsberuf erlernt haben, normal sein nach dem Haupt- oder Realschulabschluss in die Lehre zu gehen. Dies passiert nicht, weil es erwartet wird, sondern als Normalität gesehen wird.



[1]Vgl.:http://www.oecd.org/berlin/presse/hohererbildungsstandgarantiertbesserejobchanceninderkrise.htm; 12.09.2012.

[2] MAROTZKI, W.; KRÜGER, H. – H.: Einführung in die Erziehungswissenschaft. Einführungstexte, Bd. 1., Budrich, Stuttgart 2009. S.133.

[3] MAAZ, Kai; BAERISWYL, Franz; TRAUTWEIN, Ulrich: Herkunft zensiert? Leistungsdiagnostik und soziale Ungleichheiten in der Schule.

Eine Studie im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland, 2001. S.33.

[4] MAROTZKI, W.; KRÜGER, H. – H.: Einführung in die Erziehungswissenschaft. Einführungstexte, Bd. 1., Budrich, Stuttgart 2009. S.131.

[5] SCHRÖDER, Hartwig: Didaktisches Wörterbuch. Hand- und Lehrbücher derPädagogik, Oldenbourg, München, Wien 2001. S.15.

[7] SCHRÖDER, Hartwig: Didaktisches Wörterbuch. Hand- und Lehrbücher derPädagogik, Oldenbourg, München, Wien 2001. S.88.

[9] SCHRÖDER, Hartwig: Didaktisches Wörterbuch. Hand- und Lehrbücher der Pädagogik, Oldenbourg, München, Wien 2001. S.38.

[10] EYSENCK, Hans-Jürgen: Vererbung, Intelligenz und Erziehung. Zur Kritik der pädagogischen Milieutheorie, Seewald Verlag Stuttgart, Stuttgart 1975. S.19.

[11] Vgl.: EYSENCK, Hans-Jürgen: Vererbung, Intelligenz und Erziehung. Zur Kritik der pädagogischen Milieutheorie, Seewald Verlag Stuttgart, Stuttgart 1975. S.22.

[12] KÖPPE, Wolfgang: Intelligenzentwicklung durch Psychotherapie. Zur Kritik der Vererbungs- und der Milieutheorie, Berlin 1979. S. 11.

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Resümee

Wir haben uns während des Seminars mit den Begriffen wie Erziehung, Lernen, Pädagogik und Medien auseinandergesetzt. Dabei haben wir uns verschiedene Theorien und wissenschaftliche Meinungen angeschaut.  Dabei ist mir klar geworden, dass die persönliche Ansucht über einen Begriff sich oft von der wissenschaftliche Definition unterscheidet.

Ich fand die Texte die wir bearbeitet hatten, gut ausgewählt, denn sie waren zum größten Teil sehr verständlich und gaben einen guten Aufschluss darüber, was die Erziehungswissenschaft unter Pädagogik, Lernen, etc. versteht. Zudem hat mir zur gründlichen Vorbereitung auf die jeweils nächste Seminarstunde geholfen, dass wir diesen Blog führen mussten, weil man sich somit doch etwas intensiver mit den Texten beschäftigt hat, als wie es sonst der Fall gewesen wäre.

Ich habe aus dem Seminar mitgenommen, dass man sich noch lange mit  Theorien und Ansichten von Pädagogen und Philosophen auseinander setzten muss, um Begriffe wie Erziehung wirklich verstehen zu können und daraus für den Beruf aus Lehrer folgernde pädagogische Anwendung zu finden.

In meinem Essay möchte ich mich eventuell mit einer Sozialisationstheorie beschäftigen. Dabei würde ich als Aufhänger und zur Untersuchung gerne eine Geschichte oder einen Ausschnitt aus einem Buch nehmen.

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Lernen

MAROTZKI, W.; KRÜGER, H. – H.: Einführung in die Erziehungswissenschaft. Einführungstexte, Bd. 1., Budrich, Stuttgart 2009. S.145-158.

 

Marotzki und Krüger setzen sich in „Einführung in die Erziehungswissenschaft“ unter anderem auch mit dem Thema „Lernen“ auseinander.

In der Öffentlichkeit wird „Lernen“ meist mit Wissenserwerb und Erwerb von Fähigkeiten und Qualifikationen gesehen. Dies kann formelles Lernen in Institutionen sein, wie der Schule oder informelles Lernen, das bedeutet Lernen außerhalb von Institutionen und das Lernen ein lebenslanger Prozess ist.

In der Erziehungswissenschaft wird Lernen im Zusammenhang mit systematischer Erziehungswissenschaft und pädagogischer Kernaktivität gesetzt.

Marotzki und Krüger stellen in diesem Text drei Theorie- und Konzeptgruppen vor:

 

Klassische verhaltenstheoretisch ausgerichtete Theorien und Modell 

Es gibt den Behaviorismus, der eines von den Personen-Umwelt-Modellen ist. Lernen beruht auf dem Verständnis, dass ein Reiz eine Reaktion hervorruft. Mit der Mechanik von Reiz und Reaktion, wird Verhalten kontrolliert und koordiniert. Der Erwerb von Verhaltensweisen kann durch  positive (z.B. Lob) und negative (z.B. Strafe) Verstärkung gesteuert werden. Im Behaviorismus gibt es allerdings auch Grenzen und Einschränkungen. So kann das Modell von Reaktion und Reiz auch in eine Art Abrichtungssituation kommen. Innerpsychische Vorgänge werden nicht beachtet. Die Umwelt wird zu stark als feste Mechanik gesehen, es wird nicht beachtet dass der Mensch sich auch individuell verhält.

Die Definition des Reizes ist umstritten, denn dieser umfasst sowohl Wahrnehmung und Handlung. Reiz und Reaktion sind Funktionen innerhalb eines Handlungszusammenhangs.

Den Behaviorismus in seinem Ansatz ist zu speziell, als dass er einen allgemeinen Erklärungserfolg erzielt, meinen Marotzki und Krüger.

 

Konstruktivistisch ausgerichtete Lerntheorien und Modelle

Es gibt geschlossene und gebrochene Handlungskreise. In einen geschlossenen Handlungskreis verschwimmen Reiz und Reaktion. Deshalb kann Lernen nur um unterbrochenen Handlungskreis stattfinden. Der Reiz ist das Ziel der Handlung. Es wird immer wieder nach neuen Reizen gesucht, die neue Handlungsmöglichkeiten erlauben.

Im Konstruktivismus gibt es den systematischen Ansatz, der Mensch bestimmt seine Grenzen und bildet somit ein System mit einer gewissen Geschlossenheit.

Jeder Reiz der auf das System einwirkt, wird als Störung gesehen, die mit einer entsprechenden Regelmäßigkeit verarbeitet wird. Das System ist gegenüber Umweltreizen träge. Die Reaktion auf Umweltreize kann entweder sein, die Veränderung der Umwelt aktiv zu bekämpfen oder sich den Verhältnissen anpassen. Beide Reaktionen sind extrem.

Lernen ist selbstgesteuert, aber auch Selbststeuerung muss erlernt werden. Um Wege des Lernens kennen zu lernen, muss eine gewisse Reflexivität vorhanden sein. Damit Lernprozesse selbstverantwortliche gesteuert werden können, ist Selbsteinschätzung wichtig. Die Flexibilität des Lernens, erlaubt es sich in wechselnden Situationen mit unterschiedlichen Anforderungen anzupassen, zudem steigert es die Orientierungsfähigkeit.

 

Situations-, lebenslauf- und biographieorientierte Theorien und Modelle

Der Wissenserwerb wird in der situativen Perspektive überindividuellen Strukturen zugerechnet. Das Bewältigen von unterschiedlichen Situationstypen wird Entwicklungsaufgaben im Lebenslauf zugeschrieben. Langfristige Lernprozesse finden sich im biographische Ansatz, dabei findet auch ein Erwerb von Erfahrungen statt. Das Lernen im biographischen Sinne steht stark im Zusammenhang mit Reflektion dem Lernen aus Fehlern.

 

Lernen im Rahmen gesellschaftlicher Aufgaben: Der Club of Rome

Hiermit ist eine Fülle von Studien gemeint, die sich mit der Lösung von Problemen beschäftigt. Aufgrund von radikalen durchdenken soll gelernt werden. Um das Denken voranzubringen und eine gute Zukunft zu schaffen, muss es eine bildungstheoretische Fragestellung geben.

Um das Verhältnis des Manschens zur Umwelt zu bessern, ist eine richtiger Umgang mit Bildung und Lernen notwendig. Es geht jedoch auch eine Gefahr der Überforderung durch die Pädagogik aus, wenn davon gesprochen wird ein neues Zeitalter zu schaffen.

 

 

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Erziehung

MAROTZKI, W.; KRÜGER, H. – H.: Einführung in die Erziehungswissenschaft. Einführungstexte, Bd. 1., Budrich, Stuttgart 2009. S.136-145.

Der Text beginnt Einsteigend mit Definitionsmöglichkeiten von „Erziehung“, wie Lernhilfe, Assimilierung der jüngeren Generation an die ältere und Aufforderung der Selbstständigkeit.

Verallgemeinernd verstehe man unter Erziehung, „die Einwirkung des Erziehers auf den Zögling“.

Die Auffassung, dass Erziehung als direkte Einwirkung gesehen wird, fand man schon in der Pädagogik des 18.Jahrhunderts. Es handelt sich dabei um Instruktionspädagogik, diese auf das Prinzip Befehl und Gehorsam beruht. Dabei kann Gehorsam vor Vernunft stehen und es wird vor allem im Interesse der Gesellschaft gehandelt.

Der Erziehungsansatz von Rousseaus verzichtet auf die Einwirkung des Erziehers auf den Zögling. Es soll jedoch schädliche Einwirkungen von der Umwelt vom Kind ferngehalten werden. Erfahrungen soll das Kind selbst im Umgang mit Dingen sammeln.

Die Notwendigkeit der Erziehung sieht Immanuel Kant darin, dass das Kind sich als Person entwickeln muss. Dafür muss es lernen die Regeln des Gemeinwesens zu folgen.

Kritik an der Notwendigkeit der Erziehung sieht Lenze, weil er es nicht für richtig hält, dass der Mensch erst ab einem bestimmten Zustand ein „richtiger“ Mensch ist.

In der Erziehung gibt es ein Machtgefälle, welches mit der Erziehung nach und nach abgebaut wird, so Prange.

Die Notwendigkeit der Erziehung sieht Schleiermacher im Generationenverhältnis. Die ältere Generation soll ihr Wissen und ihre Erfahrungen an die jüngere Generation weitergeben. Aus dem einseitigen Einwirken soll eine Interaktion stattfinden, und das Einwirken immer mehr abnehmen.

Zu der Grundstruktur von Erziehung gehört zum einen der Erziehende. Dies sind in erster Linie die Eltern und dann folgen Pädagogen die in Institutionen arbeiten. Für die Eltern gibt es keine formelle Ausbildung für die Erziehung, sondern sie Handeln intentional.

Als Erzogene sind die Kinder zu sehen, wobei die Erziehungsnotwendigkeit lebensgeschichtlich begrenzt ist.

Bei Erziehungsmitteln ist schwer festzulegen, ob das gewählte Mittel den Erfolg bringt. In diesem Zusammenhang stehen auch Erziehungsstile, wie autoritär oder kooperativ.

Erzieherische Handlungen müssen eine Intention haben, eine Erziehungsabsicht ist notwendig. Erziehungswirkungen sind nie klar zu bestimmen, das Absicht und Erfolg sich auch zufällig gleich entsprechen. Es ist aber von Notwendigkeit, das durch eine Absicht die sich auf ein Ziel beruft, durch eine Handlung zu erlangen ist, sodass Erziehung strukturiert und planbar ist.

Erziehung ist zweckbestimmt, denn Erziehende möchte Werte und Moral weitergeben, dafür ist es aber von Bedeutsamkeit, dass Kinder eine eigene Urteilskraft entwickeln.

Die für die Erziehung verwendete Sprachemuss eine Einladung zur Reflexion  und zu Hervorhebung von Kultur sein.

Der Text endet mit einem Forschungsbericht über eine Studie mit Kindern in der DDR, mit dem Ergebnis dass Kinder ihre Eltern als „natürliche Autorität“ sahen. Als erzieherische Strategien sind Fördern und Kontrolle zu sehen.

Es wird als notwendig angesehen, sich mit dem Begriff „Erziehung“ auseinander zu setzten, um ein planbares und verantwortbares Handeln zu erreichen.

Mediensozialisation

AUFENHANGER, Stefan: Mediensozialisation. In: SANDER, U;, GROSS, von F., & HUGGER, K. – U. Handbuch Medienpädagogik. Wiesbaden 2008. S. 87-92.

Durch das Aufkommen von elektronischen Medien, ist es zu einer Diskussion um die Wirkung von Massenmedien gekommen. Dabei werden sie für spezifische Sozialisationseffekte verantwortlich gemacht, wie Gewaltdarstellungen, Werbung und politischen Ideologien.

Es gibt folgende Klassifizierungen von Mediensozialisation bei dem Verhältnis Subjekt und Medien:

  1. Medien wirken auf Menschen ein.                                                                                      Es geht ein hohes Wirkpotential von der Gestaltung, dem Inhalt und der Struktur aus. Dabei geht es oft um Gewalt und Werbung der Medien, die überwiegend negativ gesehen werden.
  2. Menschen sind medienkompetent und selektieren das Medienangebot.                                     Der Mensch wird als aktiver Nutzer gesehen, der eine bewusste Auswahl trifft. Eine Reflektion, die auf die Wirkung von beispielsweise Ego-Shooter eingeht, gibt es nicht.
  3. Mensch und Medien interagieren miteinander und Einflüsse müssen in diesem Wirkgefüge gesehen werden.                                                                                Menschen identifizieren sich mit Charakteren aus den Medien oder eigene Probleme werden in die Mediengeschichte übertragen. Der Einfluss von Medien wird hierbei als positiv gesehen bezüglich der Selbstfindung oder der Lebensbewältigung.

Mediensozialisation kann Persönlichkeitsbereiche beeinflussen, da sich das Subjekt in einer mediengeprägten Umwelt befindet und sich auch aktiv damit auseinander setzt.

Es gibt hierzu unterschiedliche Ansätze den Prozess der Mediensozialisation zu fassen:

  • Wirkungsperspektive: Einfluss des Fernseher und Computer auf Kinder
  •  Medienökologischen Ansatz: Medienumgang muss im Kontext des Familienalltags        gesehen werden, dabei kommt es auch auf soziale, kognitive und moralische Fähigkeiten an
  • Aneignungstheoretischen Ansatz: aktive Auseinandersetzung mit Medienangeboten, die dann in die Lebensbiografie eingebunden werden
  • Strukturanalytische Rezeptionsforschung: Medieninhalte werden positiv genutzt, helfen der Entwicklung
  •  Konstruktivistischen Sozialisationstheorie: Medienkommunikation, Rezeption und Anschlusskommunikation
  • Medienpsychologie: untersucht kausale Wirkung von Medien und die Auswirkung dabei von Medien auf die Entwicklung von Kindern

Um konkrete Ergebnisse in der Medienforschung zu sehen, fehlen theoretische Arbeiten. Auch ist ein Gesamtresultat schwierig abzugeben, da Medien sehr unterschiedlich sind. Außerdem wird meist nur die Altersgruppe „Kinder und Jugendliche“ untersucht. Die empirische Forschung nimmt den Wechselprozess zwischen dem Subjekt und den Medien nicht genau in den Blick.

 

Sozialisationstheorie

Marotzki und Krüger beschreiben in „Einführung in die Erziehungswissenschaft“ den Begriff Sozialisation (S.127-S.136) dabei gehen sie unter anderm auch auf die Rollentheorie ein.

Unter der „Rolle“ wird verstanden, dass der Mensch in Situationen nicht nur in Abhängigkeit von anderen Menschen  handelt, sondern seine Entscheidung  im Interaktionsprozeß auch von festgelegten Verhaltenserwartungen abhängt.

Die Einhaltung der Erwartungen (z.B. an einen Schüler oder an den Vater) wird als gesellschaftliche Sicherheit verstanden, es wird dann allerdings problematisch, wenn sie die Erwartungen nicht erfüllen.

Rollen geben nur eine brüchige Struktur, denn es gibt eine Differenz zwischen der Handlung des Menschen und den gesellschaftlichen Erwartungen. Diese Unterschiede zwischen Norm und Verhalten greift Krappmann auf und unterteilt diese in:

  1. Frustrationstoleranz, wo es zu keiner Übereinstimmung zwischen den Erwartungen einer Institution und Bedürfnissen des Menschen kommt. Um zu einer Lösung zu kommen, muss die Institution sich fragen in wie fern rollenkonformes Handeln erzwungen ist und das Subjekt, ob es der Ambivalenz der Rolle gewachsen ist.
  2. Ambiguitätstoleranz, ist die Fähigkeit unterschiedliche Rolleninterpretationen miteinander zu verbinden. Wenn es zwar ein definierte Rolleninterpretation gibt, muss sie trotzdem mit dem Interaktionspartner abgestimmt werden. Zudem muss sich das Individuum auch bewusst sein, dass Erwartungen und Bedürfnisse sich nicht decken.
  3. Rollendistanz, könnte eine Rolle vollständig erfüllt werden, müsste es eine vollkommene Übereinstimmung zwischen gesellschaftlichen und individuellen Normen  geben. Rollendistanz ist notwendig damit soziale Strukturen und Situationen nicht gefährdet werden. So kann auch der Mensch seine Identität wahren, obwohl er in seiner Rolle scheitert.

Der Mensch benötigt ein stabiles Selbst welches sich durch die Interaktion mit anderen Menschen entwickelt, um seiner Rolle gewachsen zu sein und mit  Frustrationstoleranz ,  Ambiguitätstoleranz und Rollendistanz umgehen zu können.

„Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft“

„Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft“, von Hans-Christoph Koller, erschienen 2004 in Stuttgart beim Verlag W. Kohlhammer befasst sich in der Einleitung mit dem Thema „Warum die Auseinandersetzung mit Grundbegriffen, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft notwendig ist“.

Ein Student soll sich mit wissenschaftlichen Theorien und Methoden auseinandersetzen, weil es beim pädagogischen Handeln nicht darauf ankommt „rezeptförmiger Anweisungen“ anzuwenden, so Koller. Dies unterteilt er in:

1. Umstrittenheit des pädagogischen Wissens:

Es gibt immer vielerlei Ansichten, aber keine einzig anerkannte Position. Der Student sollte lernen ein eigenes Urteil über pädagogische Konzepte, durch Begründen, Prüfen und Abwägen der Argumente, fällen zu können. Um dieses Urteilvermögen zu erlangen, ist „die Beschäftigung mit wissenschaftlichen Theorien“, die beste Voraussetzung.

2. Einzigartigkeit der Situationen und Menschen:

Sowohl Schüler als auch Pädagogen sind sehr unterschiedlich und individuell, deshalb muss bei allgemeinen Formulierungen von Fachwissen, dies für die jeweilig einzigartigen und speziellen Situationen berücksichtigt werden.

3. Zukunftsbezug des pädagogischen Handelns:

Umstände und Situationen ändern sich, ein Student wendet sein im Studium erfahrenes Wissen fast ein halbes Jahrhundert lang an. Der Sinn und Zweck der Kenntnisse und Fähigkeiten wird erst im Beruf zur Anwendung gebracht, es gibt keine sofortige praktische Umsetzung.

Das pädagogische Handeln muss sich „weitgehend unter unbekannten Bedingungen bewähren müssen, so Koller. Das erfahrene Wissen muss kritisch überprüft werden und es bedarf der kreativen Weiterentwicklung, auch genannt Reflexionskompetenz.

Das Studium dient ein geschultes Auge zu bekommen um Situationen bestmöglich beurteilen zu können, festgestellte Beobachtungen zu denen es kein konkretes Fachwissen gibt, sollten aber nicht außer Acht gelassen dürfen. Es ist wichtig sich pädagogisch relevante Theorie- und Methodenwissen anzueignen, auch wenn der Bedarf dafür noch nicht erkenntlich ist. Es darf aber auch nicht außer Acht gelassen, schreibt Koller, dass Theorien in der Praxis ihre Grenzen haben. Während des Studiums können Theorien ausführlich und ohne größeren Zeitdruck analysiert werden, in der Praxis ist jedoch stets eine schnelle Entscheidung erforderlich, die jeweils mit Konsequenzen verbunden ist.

Koller hält fest, dass es wichtig ist verschiedene Methoden und Theorien kennenzulernen und zu reflektieren und nicht voreilig sich für eine Handlungsweise zu entscheiden, denn die eine richtige Anleitung gibt es nicht.

Gruppenarbeit

In unsere Gruppenarbeit haben wir uns mit unseren eigenen Vorstellungen vom erziehungswissenschaftlichem Studium anhand des Esays und dem Text von Koller befasst.

Dabei haben wir zusammenfassend festgehalten, dass das Erwerben von pädagogischen Handlungskompetenzen wichtig ist, um als Lehrer im Unterrichtsgeschehen bestmöglich agieren zu können. Auch das Kennenlernen von verschiedenen Methoden und Theorien und diese weiterzuentwickeln ist ein wichtiger Bestandteil des Studiums. Zudem sahen wir es als Vorteil fünf Jahre studieren zu können, denn in dieser Zeit eignet man sich viel Wissen an, durch das Studium und privat, sodass man auch ein selbstbewussteres auftreten hat.