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Medienöffentlichkeit und Journalismus von Jan-Hinrik Schmidt

Für weitere Informationen zur Literatur siehe Literaturliste.

Dieser Beitrag bezieht sich auf einen vorherigen. Um diesen einzusehen, klicke her: Selbstdarstellung und Privatsphäre in sozialen Medien von Jan-Hinrik Schmidt.


Im Anschluss an den Beitrag zur Selbstdarstellung und Privatsphäre in den sozialen Medien, geht Jan-Hinrick Schmidt diesmal mehr auf die Medienöffentlichkeit und den Journalismus an. Schon hier spricht er die unterschiedliche Art des Publizieren an & das zugehörige unterschiedliche Publikum, dass erreicht werden soll.

Eine Frage die sich durch die sozialen Medien, die jedem die Möglichkeit bieten sich zu informieren und dies zu publizieren, stellt ist, ob die sozialen Medien den Journalismus ersetzen werden. Die Antwort auf diese Frage beantwortet Schmidt ganz klar mit einem „Nein“. Trotzdem sieht er einen Einfluss der sozialen Medien auf den Journalismus und auf die Medienöffentlichkeit.

Was ist Medienöffentlichkeit und welche Rolle spielt sie für die Gesellschaft?

Der Primäre unterscheid von Medienöffentlichkeit und Öffentlichkeit ist, dass Medienöffentlichkeit eine große Reichweite aufweist, da sie in und mit Hilfe von Massenmedien (Fernseher, Radio, Printmedien) entstehen. Doch wo liegt der Unterscheid zwischen den Massenmedien und dem Internet? In den Massenmedien gibt es verfahren nach denen die Informationen ausgewählt, aufbereitet und verarbeitet werden, außerdem gibt es diese Informationen nur zu bestimmten Zeiten (Tagesschau um 20h, Wochenzeitung jeden Montag morgen, etc.). Sie helfen uns Menschen, uns in der Welt zu orientieren in dem sie Ereignisse, Themen und politische Positionen öffentlich machen, außerdem stärken sie die Gemeinschaft durch das gemeinsame Wissen (Themensetzungsfunktion). Massenmedien schaffen einen »Ort«, an dem über gesellschaftliche Werte oder politische Entscheidungen diskutiert und konstruktiv gestritten werden, jedoch haben sie genau deswegen auch eine große Macht. Massenmedien machen zwar Fakten, Meinungen und Argumente sichtbar und dürfen keine Meinungen oder politischen Positionen ausschließen, trotzdem wurden sie als sehr Einseitig empfunden wodurch sich 1960/70 eine Art „Gegenöffentlichkeit“ bildete, in der sich bestimmte Meinungen/politische Positionen Ausdruck verliehen (Bsp.: Frauen- oder Umweltbewegung). Doch es bleibt das Problem der Massenmedien, eine Einbahnstraße (Sender an Empfänger) sind, was das Internet ändert. Das Internet bietet eine neue Plattform, um Informationen zu verbreiten. Auf dieser Plattform sind auch die massenmedialen Organisation (Tagesschau.de etc.) vertreten. Sie erfüllen die Merkmale des professionellen Journalismus (Einbehalt des ethische Standards des Journalismus, darunter die Verpflichtung auf Wahrheit, Neutralität und Ausgewogenheit in der Berichterstattung), jedoch stoßen sie dabei auf Kommentare und Kritik ihres Publikums, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Gleichzeitig erlaubt das Internet jedem Informationen zu verarbeiten und zu Publiezieren, wodurch die Grundlagen (Auswählen, Aufbereiten, Verbreiten) eine Veränderung durchlaufen. Bedingt durch die persönliche Öffentlichkeit eines Jeden, werden Themen nach persönlicher Relevanz ausgewählt. Hier ist das Ziel, zu Konversation und Austausch anzuregen und auch die Form des Schreibens ist eine andere als im Journalismus. Die Sprache ist oft Umgangssprachlich bzw. in einem Slang, es werden viele Emoticons genutzt, etc. Durch diese Fülle an Informationen,  die journalistischen Medien, aber auch durch die privaten Medien, die im Internet erfasst, systematisiert, kategorisiert, katalogisiert und archiviert werden entsteht eine Art Datenbank. Für den Internetnutzer ist diese Entstehung, sowie das Ergebnis nicht einsehbar. Erst bei der Eingabe eines Schlagwortes in eine Suchmaschine macht einen Teil dieser Arbeit bemerkbar, denn hier werden bestimmte Teile des Internets angezeigt. Hier muss jedoch angemerkt werden, dass die entsprechenden Entwickler und Betreiber des Programms festlegen, welche Teile des Internets angezeigt werden und dass sie auch die Reihenfolge und die Darstellung der gesuchten Informationen bestimmen. Die Kriterien sind hier noch einmal anders als in der persönlichen Öffentlichkeit und anders als im Journalismus. Hier wird gefiltert nach der auftauchenden Anzahl des Schlagwortes, der Häufigkeit der Aktualisierung und der Anzahl der Verlinkungen auf anderen Seiten zu dieser Seite. Nochmal anders sind die Kriterien in den sozialen Medien, hier ist die Aktualität und soziale Nähe (Bsp. Facebookfreunde, die Informationen von nicht-Freunden sehe ich auf meiner Neuigkeiten-Seite nicht) von Relevanz. Auch sorgen die sozialen Medien für eine besondere Form von Öffentlichkeit, Informationen erreichen den Einzelnen nicht als Paket von Nachrichten, zu bestimmten Zeiten (wie nach journalistischen Kriterien ausgewählt, aufbereitet und gebündelt), sondern man erfährt genau das, was vor kurzem im Umfeld passiert ist. Die sozialen Meiden sind also ein sogenanntes „Echtzeitweb“. Die Öffentlichkeit, die innerhalb der neuen Medien eine besondere Form hat, ist durch zwei Arten miteinander verbunden: die soziale Medien, die die sozialen Kontakte widerspiegeln und die Informationen und Texte die z.B. über Hyperlinks miteinander verbunden werden. Durch die sozialen Kontakte in den sozialen Medien, verknüpfen sich die persönlichen Öffentlichkeiten, zu vernetzten Öffentlichkeiten zusammen. Hier sind journaliste Themen auf unterschiedlichste Weise mit einbezogen. Da sich in den letzten Jahren viele journalistische Organisationen auf Facebook und Co. eine Seite eingerichtet, können Nutzer diese Seiten zu ihrer vernetzten Öffentlichkeit hinzufügen und sind immer up-to-date über neue Artikel und Beträge die sie wiederrum verlinken, kommentieren oder empfehlen können. So kann die mediale Öffentlichkeit noch rascher verteilt werden und eine noch größere Zahl an Menschen erreichen. Durch die Möglichkeit des Kommentieren gibt es natürlich Kritik- und Korrekturbedarf an Artikeln, aber es wird auch die Freude über eine gut Darstellung sichtbar. Journalisten können auf Grund dessen reagieren und direkt über die Kommentare antworten und/oder Dinge richtig stellen. Diese Möglichkeit des Austausches zwischen Journalist und Publikum war durch die massenmedialen Bedingungen noch nie auf diese Art und Weise möglich. Jedoch ist der Einbezug von sozialen Medien eine erhöhte Arbeit für die Organisationen. Es Bedarf einer Ausbildung von eigenständigen redaktionellen Rollen, die für die Kommunikation über die sozialen Medien verantwotwortung trägt, denn auch in den sozialen Medien muss der Journalismus seinen Aufgaben nachkommen. Diese wären: Raum für gesellschaftliche Diskussionen und den konstruktiven Streit zu schaffen, die Bürger über aktuelle, relevanten Themen zu informieren und Transparenz für Vorgänge in der Gesellschaft herzustellen. Diese Möglichkeit eröffnen die sozialen Medien im neuen Lebensraum der neuen Medien. Um also die anfängliche Frage, ob die neuen Medien, die jedem die Möglichkeit bieten sich zu informieren und dies zu publizieren, den Journalisten irgendwann ersetzen, zu beantworten: Nein!  Denn die neuen Medien machen nicht jeden zum Journalisten und damit den Journalisten auch nicht überflüssig. Die meisten Nutzer verstehen sich auch nicht als Journalist, wenn sie Informationen in ihrer persönlichen Öffentlichkeit zugänglich machen. Sie greifen dabei zwar auch auf journalistische Inhalte zurück, aber der Journalismus bedient sich bei seiner Arbeit ja auch den sozialen Medien. Solange also der Journalismus weiterhin seinen Aufgaben  nachkommt, wird er auch nicht durch die sozialen Medien abgelöst.

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Kultur und neue Medien

Institut für Erziehungswissenschaft

Universität Hamburg

SS 15

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Gesellschaftliche Bedingungen von Bildung und Erziehung

Kultur und neue Medien

Hausarbeit zum Seminar „Gesellschaftliche Bedingungen von Bildung und Erziehung – Bildung im digitalen Medium” werde ich im folgenden Zusammenfassen“ im SS 15

Leitung: Dipl. Ing. Christina Schwalbe

 .

Esther F***

Matrikelnr.: XXXXXXX

2.FS Ethnologie/Erziehungswissenschaft


 

1.Der Alltag und die neuen Medien

Wer heutzutage mit der Zeit geht, der surft wohl mindestens einmal am Tag im Internet. Wann kommt die Bahn? Wie wird das Wetter? Wo muss ich hin? Durch den schnellen Zugriff auf das Internet, per Smartphone oder Tablet, werden all diese Fragen mit ein paar Klicks beantwortet. Kein Warten mehr auf eine Bahn, die nicht kommt, keine Sommerkleidung mehr, wenn es regnet und kein ewiges Suchen nach versteckten Häusern. Die neuen Medien [1] haben sich schnell in unsere Welt integriert. Laut einer ARD-ZDF-Studie ist die Online-Nutzung der Bevölkerung von 6,5% (1997) auf 65,8% (2008) gestiegen  (Grill, Marotzki, Schelhowe: 2010, S.7). Durch diese enorme Steigerung der Nutzung der sogenannten Neuen Medien entsteht eine Veränderung unseres Umgangs mit der Umwelt, aber auch miteinander. Was genau die neuen Medien sind und wie sich diese Veränderungen äußern, habe ich im Zuge eines Seminars der Erziehungswissenschaft erfahren. Den Inhalt des Seminars “41-61.907– Gesellschaftliche Bedingungen von Bildung und Erziehung – Bildung im digitalen Medium” werde ich im folgenden Zusammenfassen.

[1] Unter dem Begriff der ‚Neuen Medien‘ ist der Computer, sowie das Internet zu verstehen, obwohl beide Formen von Medien heutzutage nicht mehr neu sind.

2. Virtueller Lebensraum bzw. neues Medium

Torsten Meyer schreibt in “Zwischen Kanal und Lebens-Mittel: pädagogisches Medium und mediologisches Milieu” (Link: weitere auf den Text basierende Informationen) über die sogenannten Neuen Medien und dem damit geschaffenen neuen Medium. Ein Medium ist nach seiner Definition grundlegend erst einmal im Verständnis von „Dazwischen“ zu verstehen. Und zwar das „Dazwischen“ zwischen dem Sender und dem Empfänger (siehe Foto).Sender-Medium-EmpfängerUnd als dieses „Dazwischen“ schafft das Medium eine Art Milieu und gilt damit, als “Träger und Stoff psychischer und sozialer Vorgänge” (wie das Wasser, welches die Fische umgibt). Man kann es sich also, wie schon zuvor genannt, als einen (virtuellen) Lebensraum vorstellen. Dieser Lebensraum bietet uns neue Möglichkeiten, doch er zwingt uns auch, eine neue Art von Denken und Verstehen einzunehmen. In diesem neuen Lebensraum gelten andere Regeln. Normen und Werte werden hier anders definiert und auch das Miteinander ist anders. Demnach entsteht auch eine neue Art von Gesellschaft und hiermit eine neue Art von Öffentlichkeit und Privatsphäre. In diesem Medium sind Öffentlichkeit und Privatsphäre jedoch gar nicht so leicht voneinander zu trennen.

3. Öffentlichkeit und Privatsphäre

Wenn ich zuhause in meinen vier Wänden die Gardinen vor den Fenstern zuziehe, bin ich geschützt und privat – für mich alleine. Ich kann tun und lassen, was ich möchte und ohne weiteres wird dies keiner erfahren. Meist bin ich zuhause auch eher ich selber, als draußen in der Öffentlichkeit, denn draußen sehen mich alle. Also handle ich in Rollen, ich bin Student in der Universität, ich bin Tochter, wenn ich meine Eltern besuche und so weiter. Diese Rollen verlangen ein bestimmtes Verhalten, dem ich so gut ich kann nachkomme.

Im Internet sind Öffentlichkeit und Privatsphäre schwer zu trennen. Nach Jan-Hinrik Schmidt entsteht hier eine Art „persönliche Öffentlichkeit“, dessen Merkmale folgende drei Punkte sind:

  1. Auswahlkriterium: Dinge die Öffentlich gezeigt werden, werden nach der persönlichen Relevanz ausgewählt
  2. intendiertes Publikum: das eigene erweiterte soziale Netzwerk (man steht/stand mit den meisten Menschen dieses Publikums in einer Beziehung)
  3. Kommunikationsmodus: Ziel ist Konversation

Lade ich also ein Foto von einer Party in meinem Social-Network-Profil hoch, so gehe ich davon aus, dass nur die Leute meiner Freundesliste dieses Bild sehen können. Das ist mein Publikum und ich habe dieses Publikum bestimmt. Dies ist mein Privatsphäre-Bereich, den ich öffentlich teile bzw. meine persönliche Öffentlichkeit. Doch im Internet kann jeder sehr schnell ein Foto speichern und es an beliebig viele Leute weitersenden, die dies wiederum an andere schicken können. Somit ist meine Privatsphäre nicht wirklich sicher und privat.  Digitale Medien bzw. die sozialen Medien tragen zu einem Strukturwandel von Öffentlichkeit bei, weil sie einen neuen Typ von Öffentlichkeit schaffen. Schmidt schreibt dieser von ihm benannten persönlichen Öffentlichkeit eine „kommunikative Architektur“ zu, welche die Un- bzw. die Zugänglichkeit von Informationen durch Technik ist. Es gibt keine vier Wände und keine Gardinen die mich schützen. Auch wenn ich das Foto im Nachhinein nicht mehr online haben möchte, kann ich mir nie sicher sein, dass es vollkommen aus dem Internet verschwindet. Es ist vielleicht gelöscht, aber jeder, der es gespeichert hat, kann es wieder ins Internet stellen und ich werde nicht immer davon Notiz nehmen können.

Auch spielt die Zeit in diesem neuen Medium eine ganz andere Rolle. So wie im normalen Leben alles irgendwann in Vergessenheit gerät oder zumindest Gras über die Sache wächst, wird im Internet alles gespeichert. Längst vergessene Bilder von einer Party von 2012 können auf meinem Profil schnell gefunden werden. Jeder neue Freund, kann also meine ganze Vergangenheit einsehen und auch mein zukünftiger Chef, der meinen Namen vielleicht in eine Suchmaschine eingibt, könnte auf meinen Profil treffen und Dinge sehen, die ich in meiner von mir kreierten „Privatsphäre“ freigegeben habe. Laut Jan-Hinrik Schmidt sind genau diese genannten Punkte die Eigenschaften der digital vernetzen Medien:

  1. Kommunikation wird dauerhaft gespeichert (auch wenn sie durch Löschen o.ä. nicht mehr sichtbar ist)
  2. das Kopieren von Daten ist einfach und qualitativ hochwertig
  3. die Reichweite von Informationen ist potentiell unbegrenzt (teilweise bedingt durch 2.)
  4. die digitalen Daten sind durchsuchbar  —> durch Google o.ä. lassen sich Informationen leicht finden

Einige der genannten Aspekte sind auch in Schmidts Vortrag “Digitale Öffentlichkeit, Privatsphäre und Datenschutz“ zu finden, welchen er auf der CCV Frühjahrstagung 2013 gehalten hat.

Sich dieser Eigenschaften zu entziehen ist schwer. Privatsphäre bzw. Öffentlichkeit muss neu gedacht und verstanden werden. Die Grenzen wurden neu gezogen und auf diese Veränderung werden wir in unserem Verhalten und in der entsprechenden (für diesen Lebensraum geschaffenen) gesellschaftlichen Normen reagieren. Auch wenn diese Grenzen nicht klar definiert sind. Doch wieso setzt sich dieser neue Lebensraum, dieses Medium, so sehr durch? Wie kommt es, dass trotzdem so viele Leute die Inhalte ihres privaten Lebens online stellen?

4. Selbstdarstellung im Internet

Es hat wohl viel damit zu tun, Anerkennung, Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit finden zu wollen. In einem Post zeige ich den Leuten meine beste Seite. Schließlich kann ich auswählen, welche Fotos ich ihnen zeige oder so lange wie möglich eine Antwort oder einen Post formulieren, bis er bestmöglich kling. Ich kann mich hinter meinem Profil verstecken und vor allem meine Schwächen runterspielen. Niemand erfährt, dass ich schüchtern bin, schließlich muss ich keinem gegenübertreten. Mein Profil repräsentiert mich und ich bestimme, was mein Profil von mir hervorbringt. Ich kann also im Großen und Ganzen ein neues, besseres „Ich“ schaffen in einer neuen virtuellen Welt. Doch wie Jan-Hinrik Schmidt in seinem Text der „Selbstdarstellung und Privatsphäre in sozialen Medien“ beschreibt: Identität steht immer im Wechselspiel mit der gesellschaftlichen Umgebung! Konkret bedeutet dies, dass das Feedback meines Publikums wichtig ist. Wie reagiert die Gesellschaft auf mich? Bekomme ich positive oder negative Reaktionen?

Fishing for Likes

Fishing for Compliments [2]

Durch die offengelegte Kommunikation, wie die Kommentare, die jeder machen kann, messe ich meine Anerkennung. Viele positive Kommentare oder auch viele Likes, sind also mein Ziel und meine Bestätigung. Also auch hier, im Medium des Internets, ist das Individuum keinesfalls losgelöst von einem Handeln in Rollen.

[2] Fishing for Compliments: das Herauslocken einer positiven Reaktion, eines Lobes durch […] Selbstdarstellung (Quelle: Duden)

5.Gesellschaftliche Bedingungen von Erziehung und Bildung unter den neuen Medien

„Keine Bildung ohne Medien“ fordert eine Initiative, bestehend aus Wissenschaftlern und Praktikern aus dem Bereich Medienpädagogik bzw. Medienbildung. (Link zur Initiative: hier). Da die Herausforderungen im Bezug auf die neuen Medien in den letzten Jahren stark angestiegen sind, möchte die Initiative eine medienpädagogische Grundausbildung in allen pädagogischen und pastoralen Ausbildungsgängen einführen. Sie formulieren verschiedene Forderungen, die ich speziell in einem Blogeintrag über diese Initiative dargestellt habe („Keine Bildung ohne Medien!“). Es stellt sich die Frage, warum die neuen Medien in die Erziehung und Bildung integriert werden sollen? Denkt man zeitlich zurück, so war es schon immer Aufgabe der Erziehung und Bildung, den kommenden Generationen das Wissen der aktuellen Generation weiterzugeben und ihnen den Umgang mit diesem zu zeigen. So wurde zur Zeit der schriftlosen Kultur beigebracht, wie mit dem gesprochenen Wort umzugehen ist. In der Zeit der Buchkultur, in der wir uns schließlich auch noch befinden, wird versucht, die Lese- und Schreibkompetenzen, sowie einen kritischen Umgang mit den Informationen zu schulen. Nicht anders ist es auch im Bezug auf die neuen Medien (Schwalbe, Meyer: 2010).

Medien sind Bestandteil des Alltags geworden. Gerade die jüngeren Generationen können sich ein Leben ohne die neuen Medien meist schwer vorstellen. Der Besitz eines Smartphones, eines Laptops und/oder eines Tablets ist heutzutage normal, was sich auch schon am ersten Tag unseres Seminars gezeigt hat. Fast jeder Teilnehmer des Seminars besaß mindestens ein Smartphone, viele zusätzlich noch ein Tablet bzw. einen Laptop. Vor allem das Smartphone stellt einen täglichen Begleiter dar, mit dem man immer und überall im Internet surfen kann und es meist auch tut. Laut der „JIM-Studie nutzen aktuell 97% der 12 bis 19-Jährigen zumindest gelegentlich das Internet“ (Grill, Marotzki, Schelhowe: 2010, S.7). Fast jeder besitzt ein Profil auf einer Social-Network-Seite, auf dem das Thema Selbstdarstellung groß geschrieben wird und bei der die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre sehr unklar sind. Torsten Meyer stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage: “Was werden die Folgen der Neuen Medien für die Bildung der Menschen […] sein?” (Meyer, Torsten: 2008, S.71). Durch diese starke Präsenz der neuen Medien machen es sich die Bildungsinstitutionen zur Aufgabe, eine Medienkompetenz zu vermitteln, schließlich muss sich mit aktuellen Geschehnissen auseinandersetzt werden. Dies stellt jedoch eine große Herausforderung dar, da es eine rasche Entwicklung der ’neuen‘ Medien gab. Trotz alledem ist es Ziel der Institutionen, die „Einsatzmöglichkeiten digital-vernetzter Medien in Lehre und Studium in das Bewusstsein der Lehrenden und Studierenden zu rufen und dabei ausgehend von aktuell auftretenden Bedürfnissen und Problemen neue Handlungs- und Kommunikationsmöglichkeiten aufzuzeigen“ (Schwalbe, Meyer: 2010, S.27). Ein reflexiver Umgang mit den Medien soll das Resultat sein, denn eine Trennung von Bildung und Medien ist ohnehin nicht denkbar.

6. Kultur und neue Medien

Doch was hat das alles mit Kultur zu tun? Wo sehe ich den Zweig zur Ethnologie? Um diese Gedanken zu verstehen, gibt es zwei grundlegende Dinge die man wissen muss. Was ist Kultur und womit beschäftigt sich die Ethnologie überhaupt?

Was ist Kultur ?

  • Eine schwer zu beantwortende Frage, auf welche eine Antwort nicht reicht. Aus diesem Grund folgt nun erst eine Aufzählung verschiedener Merkmale von Kultur(en):
    1. Kulturelles Verhalten und Wissen ist erlernt. Demnach zählt biologisches Verhalten (z.B. Reflexe) nicht als „kulturell“. Was genau kulturell und was genau biologisch ist, muss empirisch festgelegt werden. Ein Zwinkern beispielweise kann eine Reaktion auf Licht sein, es kann aber auch eine geheime Botschaft an jemanden sein.
    2. Kultur ist überindividuell, wird also von mehr als nur einer Person gelebt.
    3. Kultur ist nicht völlig homogen. Es gibt Abweichungen von der kulturellen Norm und es kann auch Subkulturen innerhalb einer Kultur geben. (Beer, Bettina: 2013)
  • Eine in der Ethnologie sehr bekannte Definition von Kultur wäre folgende:
    • „Cultur oder Civilisation im weitesten ethnographischen Sinne ist jener Inbegriff von Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Gesetz, Sitte und allen übrigen Fähigkeiten und Gewohnheiten, welche der Mensch als Glied der Gesellschaft sich angeeignet hat. (E.B. Tylor, 1871)“ (Heidemann, Frank: 2011) Hier ist jedoch anzumerken, dass Tylor das materialistische Denken des Evolutionismus abgelehnt hat, wodurch er eher das Geistige und die Imagination mit einbezieht. Jedoch finden sich auch hier, die oben genannten Merkmale 1. & 2. wieder.

Was ist Ethnologie und womit beschäftigt sie sich?

  • Die Ethnologie ist die Lehre vom Mensch und seiner kulturellen bzw. sozialen Vielfältigkeit und in wie weit sich hinter dieser Vielfältigkeit eine Grundkonstante des menschlichen Daseins finden lässt.
    Forschungsgegenstand

    Forschungsgegenstand (Beer,Bettina: 2013)

    Die dunkle Fläche, auf dem Bild, bezeichnet den Schwerpunktbereich der empirischen Forschung. Doch wie nicht schwer zu erkennen, ist dieses Bild nicht umbedingt zeitgemäß. Kultur ist etwas Wandelbares! Vorstaatliche Kulturen sind inzwischen zu Staaten geworden und schriftlose Kulturen haben evtl. inzwischen ein Schulsystem.

Also noch einmal zu den Einstiegsfragen. Was haben die vorherigen Kapitel mit Kultur zu tun? Wo sehe ich den Zweig zur Ethnologie? Im ersten Moment – nirgendwo. Zu Anfang war ich einfach interessiert an dem Seminar, doch je mehr wir das Thema behandelt haben, desto mehr ist mir aufgefallen, dass vor allem das Internet etwas neues schafft und zwar, wie Ibrahim Evsan es beschreibt, einen neuen Lebensraum.

„Der Mensch hat sich einen neuen Lebensraum erobert: die digitale Welt.“

Dieses neue Medium (als ein Milieu bzw. Lebensraum gedacht) schafft auch eine neue Art von Kultur. Wie schon gesagt, ist Kultur etwas Wandelbares und dabei spielen die neuen Medien eine große Rolle. Sie wirken auf die Kultur und sie schaffen, wie auch schon in Kapitel 2 gezeigt wird, einen neuen Lebensraum. Im Internet herrschen andere Werte und Normen. Nicht nur Öffentlichkeit und Privatsphäre liegen weit von der realen Welt entfernt, sondern auch das Miteinander, sowie die Selbstdarstellung ist anders. Und genau das ist der Punkt. Diese Unterschiede wirken auf unsere Kultur ein und sie schaffen sogar eine neue Art von Kultur. Aus diesem Grund ist ein neues Forschungsfeld der Ethnologie entstanden, auf das auch ich erst durch das Seminar aufmerksam geworden bin. Es nennt sich: Cyberethnologie.

Auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung (kurz BPB) fand ich einige Informationen zur Cyberethnologie. Laut der BPB beschäftigt sich die Ethnologie im Zuge ihrer Forschung zu den neuen Medien mit der Analyse von computerbasierter Kommunikation, sprich über die sozialen Netzwerke, Chats, E-Mails o.ä. bis hin zur Feldforschung. In dieser Feldforschung wird, wie der Name schon sagt, ins Feld gegangen. Man begleitet also „Mitglieder“ dieser neuen Kultur in ihrem alltäglichen Leben und führt eine teilnehmende Beobachtung aus. Durch diese Art von Untersuchungen können Informationen darüber gesammelt werden, welche Auswirkungen die neuen Medien bzw. der neue Lebensraum auf die Menschen haben. Es kommen Veränderungen der Öffentlichkeit, Privatsphäre oder auch der Selbstdarstellung zum Vorschein, die auch ich schon in meinen vorherigen Kapiteln dargestellt habe. Basierend auf die Untersuchung der Cyberethnologie gibt es auch schon einige andere Thesen, die ich kurz nennen möchte, auf die ich jedoch nicht näher eingehen werde. Für diesbezügliche Informationen kann aber die Seite der BPB aufgesucht werden (hier klicken).

  1. Neue Medien bieten Menschen einen Raum, um kulturelle Besonderheiten zu pflegen
  2. Neue Medien werden für die kulturelle Erneuerung von Minderheiten herangezogen
  3. Über neue Medien können strategische Allianzen zur Durchsetzung von Rechten und Anerkennung geknüpft und gestärkt werden
  4. Das Internet verbreitet nicht automatisch demokratische Werte
  5. Das Internet verstärkt die Transnationalisierung
  6. Widersprüche, die aus der globalisierten Lebenssituation entstehen, können im virtuellen Raum überbrückt werden

Auch wenn wir uns im Seminar nicht mit genannten Thesen auseinander gesetzt haben, haben wir im Großen und Ganzen fast schon eine Feldforschung begonnen. Eine Feldforschung die sich zum Einen mit unserem eigenen Gebrauch von Internet auseinandersetzt (hierzu: Mein alltäglicher Gebrauch der neuen Medien) und zum Anderen mit dem Gebrauch von Anderen. Die Anderen sind Beispielweise die Kursteilnehmer oder aber auch die jüngeren Generationen, die vor allem für die Lehramtsstudenten, in Hinblick auf ihren zukünftigen Arbeitsplatz, interessant waren. Und wie in der Ethnologie so schön gesagt wird: die Untersuchung des Fremden bzw. des Anderen zielt darauf ab, das Eigene „angeblich Bekannte“ zu verstehen. Und so sehe ich das Seminar. Dadurch, dass wir uns auch sehr mit den Gründen anderer Beschäftigt haben, wie bei der Untersuchung der zwei Extremen:

Privatheit gibt es nicht mehrIch will mich total abschotten„Ich will mich total abschotten.“ vs. „Privatheit gibt es nicht mehr, ich mache mich öffentlich.“ oder auch als wir uns mit der Funktion der neuen Medien und der Veränderung durch diese beschäftigt haben, ist mir vieles meiner eigenen Welt klar geworden. Ich glaube ich habe zumindest einen groben Überblick über die verschiedenen Funktionen des Internets bekommen. Von Social Network, über Informationsbeschaffung bis hin zur Medienöffentlichkeit haben wir alles behandelt und diskutiert. Ich denke ich kann nun, besser als zuvor, darüber entscheiden, wie sehr ich die neuen Medien Teil meines Alltages werden lassen möchte und wie viel Zeit ich im virtuellen Lebensraum im Vergleich zum realen Lebensraum verbringen möchte.

Auch durch den Fakt, dass ich als Nebenfächlerin der Erziehungswissenschaft aus einer ganz andere Perspektive denke, als die Gruppe an Menschen (Lehramtsstudenten und Co.) die mich während des Seminars begleitet haben, war sehr interessant. Beispielweise habe ich oft darüber nachgedacht, ob die Verbindung der Bildung mit den neuen Medien nicht eventuell eine Kluft zwischen Arm und Reich bilden könnte, währenddessen die Lehramtsstudenten darüber nachgedacht haben, wie man die Tablets oder Smartphones für den Unterricht nutzen kann. Als ich erwähnte, dass ich es als gut empfinde, dass man sich schnell über so viele Dinge informieren kann und so das zusammenkommen verschiedener Kulturen leichter werden könnte, stimmten mir die Lehramtsstudenten zwar zu, jedoch sahen sie auch Probleme für zukünftige Klausuren, gerade weil das schnelle Informieren so einfach ist. Ich denke, um diesen Lebensraum von dem auch Ibrahim Evsan in seinem Zitat sprach, zu verstehen und ihn den folgenden Generationen auf eine gute Art und Weise näher zu bringen, wäre es von Vorteil, wenn die Erziehungswissenschaft und die Ethnologie zusammenarbeiten würden. Die Arbeit der Ethnologen könnte eine gute Grundlage sein, um darauf die erziehungswissenschaftlichen Methoden aufzubauen und zu präzisieren.

7. Quellenverzeichnis

 

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Keine Bildung ohne Medien!

fordert eine Initiative, bestehend aus Wissenschaftlern und Praktikern aus dem Bereich Medienpädagogik bzw. Medienbildung. Ein aktuelles Thema für dieses Initiative, scheint die Grundausbildung für pädagogische Fachkräfte im Bezug auf Medien zu sein. Schon in vorherigen Beiträgen, thematisierte ich wie rasant sich die sogenannten ‚Neuen Medien‘ entwickeln und dass die Institutionen in einem ständigen Wandel bzw. im ständigen Versuch der Anpassung stecken bleiben. Laut der Initiative fehlt den pädagogischen Fachkräften die notwendige Kompetenz dem heutigen Stand der Technik gerecht zu werden. Aus diesem Grund entstand auch 2011 auf dem medienpädagogischen Kongress, ihre Forderung der Grundausbildung Medien.

Folgende Maßnahmen währen hierfür notwendig:

  • eine verpflichtende Grundausbildung in allen pädagogischen Studien- und Ausbildungseinrichtungen
  • Erfassung des IST-Stands (momentane Verankerung von Medienbildungsthemen in den entsprechenden Berufsgruppen) durch eine Studie
  • Entwickeln von akkreditierungsrelevanten Standards (?)
  • kontinuierliche Angebote für Weiterbildungen, bedingt durch die sich rasant verändernden Medien –> Etablierung von medienpädagogischen Fachkräften in den entsprechenden Institutionen um eine Aus- und Weiterbildung anzubieten

Zentrale Konzepte für diese Forderung sind:

  • Reflexion der eigenen Mediennutzung um Konzepte für die Medienbildung zu entwickeln
  • Kenntnisse und Fähigkeiten um die Medienbildung zu fördern
  • Handlungswissen, um sich kritisch mit den Entwicklungen der Technologie auseinanderzusetzen
  • Didaktische, technische und gestalterische Fertigkeiten, um die ‚Neuen Medien‘ zielgruppenbezogen  zu nutzen
  • Methodenrepertoire, um den Daten- und Persönlichkeitsschutz zu fördern, sowie eine Einschätzung im Bezug auf Informationsquellen zu vermitteln

Doch die Iniziative ‚Keine Bildung ohne Medien‘ fordert auch noch weitere Änderungen, neben der Grundausbildung:

  • Medienbildung in frühkindlicher Bildung und Schule, in außerschulischen Bildungsangeboten und bei der Inklusion von Menschen mit Behinderungen
  • Medienpädagogische Elternarbeit besonders in bildungsbenachteiligten Milieus
  • Regelfinanzierung medienpädagogischer Angebote
  • Ausbau und Förderung medienpädagogischer Netzwerke
  • Verpflichtende Grundbildung Medien in allen pädagogischen Studiengängen und feste Verankerung der Medienbildung in der Fort- und Weiterbildung
  • Ausbau der medienpädagogischen Forschung.

(Quelle: Keine Bildung ohne Meiden)

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Mein alltäglicher Gebrauch der neuen Medien.

Wenn ich morgens aufstehe, habe ich nicht das Bedürfnis nach Informationen zu gucken. In diesem Moment bleiben Dinge wie das Handy oder der Laptop aus. Es wird in Ruhe gefrühstückt & höchstens der Fernseher läuft nebenbei. Schließlich wohne ich alleine und so eine unaufhaltbare Stille am Morgen kann ich auch nicht ab. Also wird Musik oder der Fernseher angestellt. Und da haben wir es eigentlich schon wieder, denn der Fernseher gilt vielleicht nicht als Erfindung der „neuen Medien“, doch trotzdem beziehe ich eine Menge an Informationen von ihm. Gerade früh am Morgen laufen viele „Frühstückssendungen“ die einen Haufen an Informationen liefern. Von Politik bis Mode ist hier alles vertreten. Erst im Laufe der Zeit, nachdem ich etwas wacher bin und der Tag schon begonnen hat, checke ich kurz ob es etwas wichtiges gibt (SMS, verpasste Anrufe). Sollte das nicht so sein, packe ich das Handy erstmal weg. Erst nach 12h checke ich meine sozialen Netzwerke. Ich verweigere bewusst den Kontakt zu den sozialen Netzwerken vor 12h, nur so wirklich einen triftigen Grund dafür habe ich nicht. Ich merke nur, wie sehr es mich nervt wenn andere direkt nachdem sie den Wecker am Handy ausgeschaltet haben, ihre Facebooknachrichten beantworten. Ist man doch schon so süchtig danach? Als hätte man im Schlaf schon darauf gewartet, als erstes seine sozialen Netzwerke abzuchecken, um sicher zu gehen in den 8h schlaf auch bloß nichts verpasst zu haben. Also ich, wie schon erwähnt, nutze meine sozialen Netzwerke erst nach 12h. Ich checke meine Whatsappnachrichten und meine Emails. Hört sich wenig an, aber Facebook, Twitter & Co. habe ich nicht. Im Zuge der Uni nutze ich die Educommsy-Plattformen und um die Nachrichten aus aller Welt zu erfahren den Fernseher, sowie das Internet oder die kleinen Bildschirme in der Bahn auf denen immer eine 3 Sätze Zusammenfassung bestimmter Ereignisse gezeigt wird. Wenn mich etwas interessiert, dann google ich es meistens um mir ein Bild zu machen oder einfach an mehr Informationen von verschiedenen Quellen zu bekommen. Dabei gucke ich mich auch mal gerne Youtube Videos an, in denen viele Ereignisse kurz und einfach zusammengefasst werden. So bekommt man noch einmal einen Einblick in (aktuelle) Geschehnisse und sie sind noch einmal aus einer anderen Perspektive als von den bekannten Nachrichtensendern. Manchmal stoße ich in einem von mir genutzten Forum auf Diskussionen über Themen die mich Interessieren oder aktuell sind, in dem Fall trete ich sogar gerne in eine aktive Diskussion mit ein. Doch am liebsten habe ich auch diese Diskussionen in der realen Welt. Ich glaube ich habe ein „gesundes“ Nutzungsverhalten. Ich mag es nicht die ganze Zeit in den sozialen Meiden zu hängen und habe es auch mal gerne, wenn mein Handy eine Zeit nicht klingelt (meist habe ich es sogar auf Stumm geschaltet) und auch wenn ich mit Freunden unterwegs bin, lege ich das Handy gerne zur Seite um ein richtiges Gespräch führen zu können.

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Selbstdarstellung und Privatsphäre in sozialen Medien von Jan-Hinrik Schmidt

Für weitere Informationen zur Literatur siehe Literaturliste


 

Im zuletzt behandelten Text „Zwischen Kanal und Lebens-Mittel: pädagogisches Medium und mediologisches Millieu“ von Torsten Meyer wurde eine kleine Einleitung in die ‚Neuen‘ Medien und das Medium, das wir geschaffen haben, gegeben. Die Technologien, das Internet, das sich rasant weiterentwickeln,  schafft gewissermaßen eine Art von digitaler Gesellschaft und Kultur. Gerade Social Network steht in diesem Zusammenhang ganz zentral im Blick. Jan-Hinrik Schmidt, ein wissenschaftlicher Referent am Hans-Bredow-Institut (in Hamburg), hat sich mit der Selbstdarstellung und Privatsphäre in sozialen Medien auseinandergesetzt. Im folgenden werde ich seine Aussagen in Form eines tabellarischen Exzerpts zusammenfassen und auch meine Anmerkungen hinzufügen.


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Informationen und einen Einblick in die Sendung CatFish gibt es hier.

Informationen zu der App Snapchat gibt es hier & Informationen zu der Sicherheit und in diesem Zusammenhang auch Informationen für Eltern und Lehrer gibt es (in englischer Form) hier.


 

Jan-Hinrik Schmidt beschäftigt sich auf weitergehend mit den Medien, dabei geht er auf auf die Medienöffentlichkeit und den Journalismus ein. Um Informationen diesbezüglich zu erfahren, gibt es einen weiteren Beitrag: Medienöffentlichkeit und Journalismus von Jan-Hinpik Schmidt

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Zwischen Kanal und Lebens-Mittel: pädagogisches Medium und mediologisches Millieu von Torsten Meyer

Für weitere Informationen zur Literatur siehe Literaturliste


 

Seit nun mehr als 15 Jahren gibt es die sogenannten ‚Neuen‘ Medien und trotzdem ist das Verständnis dieser Medien nicht unbedingt etwas selbstverständliches. Torsten Meyer versucht das Rätsel über die Neuen Medien aufzudecken und einen Bezug zur Erziehungswissenschaft herzustellen. Bildung und die zugehörigen Institutionen spielen hierbei eine ganz spezielle Rolle – Stichwort: pädagogisches Medium.

Einleitung

„Was ist ein pädagogisches Medium?“ und „Was werden die Folgen der Neuen Medien für die Bildung der Menschen gewesen sein?“ sind zwei zentrale Fragen die sich Torsten Meyer in seinem Text widmen möchte, denn die Erziehungswissenschaft stand schon immer sehr eng zusammen mit den Medien (seien es Bücher, Bilder, o.ä. bis hin zur Lernumgebung und dem Lehrer/der Lehrerin). Bildung und Institutionen scheinen jedoch noch recht unberührt, obwohl wir schon 1982 vor die Wahl gestellt wurden, ob wir Medien einen Zugang zu ihnen gewähren. Hartmut von Hentigs äußerte in diesem Zusammenhang Bedenken über die Folgen dieser Gewährleistung. Praktiken sind nur als Folgepraktiken vorstellbar, wodurch die Veränderung eines Aktanten bedeutet, dass alle Folgepraktiken beeinflusst werden. Die Praxis der Bildung ist beispielweise an kulturelle Praktiken gebunden, also könnte die Auffassung von Bildung und Kultur verändert werden. Und jetzt, wo der unwiderrufliche Prozess begonnen hat, stellt sich die Frage: Was wird aus dem pädagogischen Medium?

Medium und Milieu

Um den Begriff Medium in diesem Zusammenhang zu Definieren, möchte Meyer sich von dem technologie-orientierten Verständnis entfernen und beginnt mit dem grundlegenden Verständnis von Medium. Und zwar Medium im Verständnis von „Dazwischen“:

Sender-Medium-EmpfängerDoch auch Medium gleichgestellt mit dem Begriff der Kultur, also die erlernten und gelebten Gemeinsamkeiten einer Gruppe oder Medium in Abhängigkeit von Medien (Mitteln und Mittlern der Darstellung) und die dadurch bestehende Sozialisation der Menschen durch die Medien und der aus dem Gebrauch resultierenden Wissenschaft des Denkens, Wissens und Erkennens tragen zur Definition ihren Teil bei. „Medium als Milieu„, also als „Träger und Stoff psychischer und sozialer Vorgänge“ (wie das Wasser, welches die Fische umgibt), wäre wohl die beste Definition, denn das Milieu schließt das Miteinander (Kommunikation), die Kultur, sowie die Sozialisation einer Gruppe mit ein.

Mediologie

Um zurück auf die Klärung der Frage nach dem pädagogischen Medium zu kommen, bezieht Meyer die französische Mediologie (welche sich mit den Schnittstellen zwischen dem Symbolischen, dem Sozialen und dem Technischen beschäftigt) mit ein. Mit Einbezug der mediologischen Betrachtungsweise geht es um die Frage, was am Menschen veränderlich (also abhängig und nicht konstant) ist und was unveränderlich (also unabhängig und konstant) ist. Das Mensch-Sein beispielsweise ist kultur-äbhängig, also etwas veränderliches. Dies zeigt sich schnell, wenn man sich bewusst macht, wie variabel ein sich so natürlich vorkommendes Gefühl, wie Ekel, ist. Kulturell bedingt können Insekten etwas ekliges sein oder eine Delikatesse. Die Kultur eines Menschen hängt jedoch auch sehr stark mit den Techniken zusammen. Debray behauptet, dass ein Mensch sich gerade durch die Techniken, die ihm zur verfügung stehen, entwickelt. Dadurch erklärt er grundlegende Veränderungen die durch die Technologien bestimmt waren. Durch die Buchkultur war das sogenannte Web 1.0 (sprich die erste Version des Internets) ein Transport von Inhalt. Es wurde als die weltgrößte Bibliothek gesehen und hat lediglich bestehende Bücher oder auch Briefe online gestellt („get it online“). Das Web 2.0, in der eine neue Denkweise bzw. ein neues Verständnis Grund für die Veränderung war, hat das Internet auch als eine Weiterverarbeitung oder Lese/Schreib-Maschiene gesehen („make it work“). Die Technologie jedoch, entwickelt sich in einem rasanten Tempo, wodurch die Institutionen, nicht mitkommen und in einem ständigen Wandel bzw. im ständigen Versuch der Anpassung stecken bleiben.

Transmissionen

Hinzu kommt, die Veränderung der Gesellschaft und des Wissens. Wodurch man wieder auf die schon zuvor gestellte Frage stößt: Können Übermittlungsinstitutionen die Auffassung von Bildung und Kultur lebendig halten? Meyer, der ein Hochschullehrer und somit ein Teil dieser Übermittlungsinstitutionen ist, sieht sich in diesem Szenario als Boten – unfähig zu Empfangen, also zu Dekodieren. Denn das Verständnis der heutigen Zeit, der Neuen Medien und ihrer Folgen steckt in der Zukunft…


Begriffe und ihre Definitionen:

  • „Paideia“ (S. 73): beschreibt den Prozess der die Übertragung von im Gedächtnis einer Generation enthaltenen Informationen in das Gedächtnis der nächsten erlaubt
  • „archaische Methoden“ des Publizieren (S.74): archaisch: der Vor-, Frühzeit angehörend oder aus ihr überkommen; vor-, frühzeitlich (Quelle: Duden), archaische Methoden des Publizieren, sind also veraltete/überholte Methoden des Publizieren – dazu gehören evtl. Dinge wie Flugblätter, Stadtpläne (allgemein: Printmedien)
  • „HyperRaum“ (S. 74): allgemein eine Erweiterung eines herkömmlichen Raumes, also eine Konstruktion, die über das bisherige Raumkonzept hinausgeht (Quelle: Wikipedia) – hier: das Internet als Raumkonzept
  • evozieren (S.78): durch Evokation (Erweckung von Vorstellungen oder Erlebnissen)  hervorrufen, bewirken (Quelle: Duden)
  • Hominisation (S.82): körperlich-geistiger Entwicklungsgang vom äffischen Vorfahren bis zum heutigen Menschen – Menschwerdung (Quelle: Duden)
Artikel

Erwartungen an das Seminar

Da das Seminar „Gesellschaftliche Bedingungen von Erziehung und Bildung“ ein erziehungswissenschaftliches Seminar ist und kein Ethnologisches, werde ich wahrscheinlich andere Erwartungen oder eher andere Wünsche haben als die Lehramtsstudenten, die mich während des Seminars begleiten.

Mein Interesse liegt besonders darin, die unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedingungen von Erziehung und Bildung auf der Welt kennen zu lernen. Es gibt enorme Unterschiede auf dieser Welt, zum Einen kulturelle Unterschiede bei der Erziehung, zum Anderen Unterschiede bei der Bildung (unterschiedliche Bildungssysteme; politische Ansichten darüber, wer Bildung genießen darf; etc.). Auch wenn wir uns nur Deutschland anschauen, in der die Bedingungen für Bildung und Erziehung gut sind, finden wir einige Disparitäten. Auch die aktuelle Migration und die Aufnahme von Flüchtlingen schaffen neue Situationen in denen vor allem Bildung im Vordergrund steht.

Im Bezug auf die Medien, die heutzutage in sehr viele alltägliche Dinge einbezogen werden, finde ich es interessant, sich mit den folgenden Fragen auseinander zu setzten:

  • Wie viel Einfluss haben die Medien auf die Bildung? (Google statt Bücher? Übersetzer nutzen statt Vokabeln lernen?)
  • Wie verändern die Medien die Bildung? (positiv/negativ)
  • Schaffen Medien eine Kluft zwischen ‚Armen‘ und ‚Reichen‘? Und im Bezug zur ersten Frage: Wird dadurch auch die Bildung beeinflusst?
  • Kann Bildung auch über das Internet stattfinden? (Onlinetutorials, Onlinevorlesungen, online Sprachen lernen?)
  • Erziehung und Medien ? Wie hängen diese beiden Dinge miteinander zusammen?