Sooo… nun auch mal ein paar Neuigkeiten zu meinen Projekt-Überlegungen.
Ich hab mir gedacht, ich versuche mich tatsächlich an einer Visualisierung zum Thema “Konstruktivistischer Bildungsbegriff”. Damit hatte ja ungefähr das ganze Seminar Probleme und vielleicht bringt es dann jemandem etwas, wenn das Ganze veranschaulicht wird, auch allgemein in teh interwebz. Ohne Adressaten macht Arbeiten schließlich keinen Spaß.
Ich stell mir ein Video vor (technisch hab ich noch keinen wirklichen Plan, aber das¬† klappt schon, ich bin ja lernfähig), mit Zeichnungen und gesprochenem Text hinterlegt. Eine Überlegung war noch, das Ganze auf Englisch zu machen, ist universeller. Mal schaun…
Da ich Glasersfelds Bild vom Blinden im Wald anschaulich fand, will ich damit anfangen. Wäre ja blöd, so eine gutes und “offizielle” Erklärung nicht zu verwenden.¬† Hier schonmal ein paar Skizzen:
Man bewegt sich tastend durch einen Wald und merkt nur, wann man auf Widerstand stößt:
Da man als Blinder die Bäume nicht sieht, entsteht im Kopf nur ein Bild von Weg und Hindernissen:
Man hat danach jedoch nur einen möglichen Weg im Kopf. Es gibt viel mehr…
Darüber kann man sich kommunikativ austauschen:
Und erweitert so das eigene Weltbild:
Das ist natürlich erst der Anfang und muss noch auf komplexere Zusammenhänge und Viabilität bezogen werden. Und sauber gezeichnet
Um die Bildungsdimensionen (Fokus auf Wissensbezug) von twitter zu analysieren, habe ich mich nun auch angemeldet – und obwohl ich vorher der Meinung war, twitter sei nur eine dämliche Selbstdarstellungsplattform, stolpert man dort doch über interessante Dinge.
Die Versuchung, sinnlose Dinge zu schreiben, ist sicher sehr groß (man hat schließlich ein Medium zur Hand, mit dem man Leuten erzählen kann, was grade los ist), daher ist der Anteil solcher Tweets ziemlich groß. Es gibt andererseits aber auch sehr interessante Twitterer, die Links zu Artikeln oder Newsmeldungen posten (z.B. zeitonline, newscientist, wiredscience, CERN).
Interessant fand ich dazu diese Grafik im Wikipedia-Artikel:
Der Studie zufolge scheint der Anteil “sinnloser” Inhalte extrem groß zu sein – sinnlos scheinende Tweets kann man aber auch als “social grooming” verstehen, wie dieser Artikel von Danah Boyd zeigt.
Über den Wikipedia-Artikel hab ich ein interessantes Video eines Interviews mit twitter-CEO und -Mitgründer Evan Williams gefunden:
Ein paar interessante Dinge, die Evan Williams darin sagte (interpretativ transkribiert) und meine Meinung dazu:
“We think, ultimately what we have to do is deliver to people the best and freshest and most relevant information possible” (ab 02:15)
“We think of twitter as… it’s not a social network but it’s an information network, it tells people what they care about as it’s happening in the world” (ab 05:34)
“We have all this real-time data and, as I like to think about, these million information collecting nodes all over the world reportin on what’s happening and we have the ability to mine that and display that in real time, but we need to get much, much more intelligent about that. It’s pretty primitive in terms of how search goes” (ab 32:12)
Wahlergebnisse, Aufstände im Iran, … – heute informiert irgendwer immer gleich über twitter, meist ohne Journalist zu sein oder eine Redaktion dahinter, ohne Korrekturlesen und Überprüfung der Fakten. Information wird dadurch weniger “fest”, weniger in Stein gemeißelt und partizipativer. Jeder kann schreiben, was er gerade wichtig findet oder zu einem Ereignis denkt, jeder kann widersprechen. (Prinzipiell jedenfalls)
“Part of the reason why twitter is hard to nail down is because there are so many types of users doing really different things.” (ab 07:11)
Das ist mir in der kurzen Zeit, in der ich twitter nutze, auch aufgefallen… Manche Leute schreiben Kommentare zu dem, was sie gerade tun, manche Links zu ihrem eigenen Blog, manche machen Werbung für ihre Produkte und manche schreiben z.B Zitate von Physikern… das Medium erlaubt das ja alles.
Ich habe überlegt, ob ich für mein Projekt verdeutliche, wie twitter für Bildungsprozesse genutzt werden kann… aber das ist bisher nur ein erster Gedanke, der neben der Idee steht, den konstruktivistischen Wissensbegriff medial zu verdeutlichen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob auch nur eins davon brauchbar ist.
“Also, there’s people at two ends of the spectrum: Theres’s people who don’t know who to follow and can’t find anybody an there’s people who are following way too many people” (ab 12:23)
Meine Tweet-Liste ist schon für mich ganz schön viel zu lesen, obwohl ich nur 50 Leuten “folge” – das kostet Zeit.
Edit: Ein interessantes TwHistory-Projekt zur Nationalversammlung in der Paulskirche (deutschsprachig) findet man hier.
Zusammenfassung zu:
Benjamin Jörissen / Winfried Marotzki: Medienbildung ‚Äì Eine Einführung, Bad Heilbrunn 2009, Kapitel 5.1, S. 169 ‚Äì 185.
Aufgabe: “Versucht die von Jörissen/Marotzki verwendete Analysemethode nachzuvollziehen und dokumentiert sie”
Jörissen und Marotzki beschreiben in Kapitel 5.1 die bisherige Entwicklung des Internets. Sie beleuchten dabei einerseits die technischen Entwicklungen und andererseits deren kulturelle Nutzung und Auswirkungen.
3 Phasen in der Entwicklung des Internet:
- Entstehung des ARPANET – Entstehung des WWW (1991)
- Verbreitung des WWW (zunehmend “Containermedium” für andere Netze)
- Web 2.0 (ab Mitte der 2000er Jahre emergent)
Jörissen und Marotzki betrachten den durch das Internet geschaffenen neuen öffentlichen Raum und thematisieren Barlows “Declaration of the Independence of Cyberspace” sowie Kritik an dieser.
Spätestens seit 1997 setzen die Autoren die Funktion des Internets als neuer Kulturraum an. Hier entstehen in einer “Kultur durch alle” (S. 176) neue, mediale Subkulturen, die sich mit den Kulturen der aus aller Welt stammenden Mitglieder durchdringen. Diese Herkunftskulturen prägen einerseits die entstehende mediale Kultur und verändern sich gleichzeitig durch den Umgang mit dem Internet.
Jörissen und Marotzki skizzieren den Weg “vom interaktiven zum partizipativen World Wide Web” (S. 182) vor demn Hintergrund der geschichtlichen Entwicklung – von geschlossenen Communities, Webforen, Webmail bis zu Blogs und Wikis, bei denen der Nutzer zum “Produser” (S. 184) wird, der die Wissensproduktion aktiv mitgestaltet.
“Archiviert alle Fragen aus dem bisherigen Seminar”
Eine Frage aus dem Seminar, die mich noch beschäftigt ist die Überlegung, ob Tentativität in Computerprogrammen möglich ist. (Diese Frage wird Herr Jörissen als Pädagoge aber wohl nicht beantworten können)
Ansonsten hatte ich keine Fragen formuliert und finde auch jetzt keine. Vermutlich liegt das daran, dass ich das Gefühl habe, die bisher behandelten Texte verstanden zu haben, aber zu wenig Literatur in diesem Bereich kenne, um weitergehende Fragen zu entwickeln.
Zusammenfassung zu:
Benjamin Jörissen / Winfried Marotzki: Medienbildung ‚Äì Eine Einführung, Bad Heilbrunn 2009, Kapitel 2.4, S. 30 ‚Äì 40.
Bedeutung von Medien für Bildungsprozesse:
- lebensweltliches Phänomen, mit dem man sich auseinandersetzen muss
- neue Anlässe und Räume für Bildungserfahrungen und -prozesse
Dimensionen lebensweltlicher Orientierung:
- Wissensbezug: Informations- und Wissensmanagement, kritische Verwendung von Informationsquellen; Grundwissen notwendig, wichtig aber kritische Reflexion
- Handlungsbezug: Reflexion der eigenen Handlungsoptionen im gesellschaftlichen Kontext
- Grenzbezug: Reflexion der Grenzen des Wissens, angesichts der wachsenden Komplexität der Welt besonders wichtig
- Biographiebezug: individuelle Überführung von Informationen in konsistente Wissenszusammenhänge nach subjektiven Relevanzen
Mediale Artikulationen und der Aufbau von Orientierungswissen
Bildung: Frage der gesellschaftlichen Partizipation
Artikulatinsprozesse enthalten einerseits ein reflexives Potential und damit ein hohes Bildungspotential, andererseits selbst einen reflexiven Gehalt. Sie provozieren eine Reaktion des sozialen Umfelds.
Artikulationen sind laut Marotzki und Jörissen von Medialität nicht zu trennen, mediale Räume sind zunehmend Orte sozialer Begenungen.
Zusammenfassung zu:
Benjamin Jörissen / Winfried Marotzki: Medienbildung ‚Äì Eine Einführung, Bad Heilbrunn 2009, Kapitel 2.2.2 und 2.2.3, S. 18 – 26.
2.2.2 Tentativität und Unbestimmtheit
Jörrissen und Marotzki unterscheiden zwei verschiedene Herangehensweisen an Unbekanntes: Subsumption unter eigene Schemata und das Prinzip der Tentativität.
Tentativität bedeutet ein Ausgehen vom Einzelfall und die davon ausgehende Suche nach pasenden Regeln und Kategorien (vgl. S. 19). Dadurch wird Unbestimmtheit ermöglicht statt Erfahrungen nur in bestehende Kategorien einzuordnen.
Bildung kann den Autoren zufolge nicht mehr als Überführung von Unbestimmtheit in Bestimmtheit verstanden werden, sondern muss ‚Äì auf der Grundlage eines Fakten- und Orientierungswissens ‚Äì Unbestimmtheit ermöglichen (vgl. S. 20f).
2.2.3 Bildung vs. Lernen: ein lerntheoretischer Exkurs
Jörrissen und Marotzi trennen (auf der Basis des Lernmodells von Gregory Bateson) die Begriffe Lernen und Bildung und teilen sie in Lernen I, Lernen II, Bildung I sowie Bildung II ein. Sie betonen, dass Ausbildung auf Lern- und nicht auf Bildungsprozesse abzielt.
Bildungsprozesse verstehen sie als ‚ÄûVeränderungen von Ordnungsschemata und Erfahrungsmustern« (S. 23).
Lernen I: Kopplung von Reiz und Reaktion (vgl. S. 22)
Lernen II: Reaktionen auf Reize werden kontextabhängig ‚Äì führt eine gewisse Unbestimmtheit ein, Rahmungen werden aber nur gelernt, nicht verändert (Flexibilisierung der Reizreaktionen) (vgl. S. 22f)
Bildung I: Flexibilisierung der Rahmungen, Zugänglichmachen verschiedener Arten des Weltbezugs, Dezentrierung des eigenen Weltbilds ‚Äì Initiierung aufgrund von Gewohnheiten schwierig, wird durch Erzieher, Lehrer, Eltern und Therapeuten ermöglicht
Bildung II: Steigerung und Differenzierung des Selbstbezugs, Bewusstwerden der Relativität und Begrenztheit von Weltreferenzen, Entwickeln der Fähigheit zur Selbstbeobachtung (nicht dauerhaft anwendbar, aber nach Erlernen immer möglich), Tentativität als Programm
‚ÄûAusbildung: wird als Erzeugung bestimmter beruflicher Fähigkeiten und Kompetenzen verstanden, Ausbildung immer auf Ebene des Lernens Sebastian: Ist die Institution “Schule” (bzw.: die Schullaufbahn) damit Teil der Ausbildung?«
Da Ausbildung laut Jörrissen und Marotzki auf Lern- und nicht etwa auf Bildungsprozesse abzielt, wäre die Institution Schule hiernach kein Teil der Ausbildung ‚Äì Schule soll Bildungsprozesse ermöglichen sowie das dafür notwendige Fakten- und Orientierungswissen bereitstellen. Besonders Bildung I benötigt (unter anderem) Schule zur Anregung der Flexibilisierung des Weltbezugs, aber auch Bildung II findet meiner Menung nach u.a. in der Schule statt
‚ÄûEs wird vielmehr flexibles Wissen verlangt. ständiger Wandel von Technik etc….permanente Veränderung nötig«
Durch die Flexibilisierung des Welt- und Selbstbezug kann der Mensch auf der Grundlage der vorgestellten Bildungs«schritte« mit der sich verändernden Welt zurechtkommen.
Zusammenfassung zu:
Benjamin Jörissen / Winfried Marotzki: Medienbildung ‚Äì Eine Einführung, Bad Heilbrunn 2009, Kapitel 2.1, S. 9 ‚Äì 15.
Jörissen und Marotzki unterscheiden zwei verbreitete Verständnisse von Bildung: die kanonorientierte Vorstellung von Bildung als Aneignung eines normierten Wissensvorrats und den auf Ausbildung, also das Lernen bezogenen Begriff der öffentlichen Debatten. (S. 9)
Die Moderne und die postmoderne Gegenwart charakterisieren die Autoren durch Orientierungskrisen, die eine kanonorientierte Bildung unzeitgemäß machen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts seien daher vor allem Mündigkeit und moralische Autonomie betont worden. Diese wiederum seien nur als Ergebnisse von Bildungsprozessen denkbar. (S. 10f)
Zwei Arten von Bildungstheorien werden genannt: die materiale, inhaltsorientierte und die formale, auf ein Selbst- und Weltverhältnis abzielende. (S. 11)
2.1.1. Die Bildungstheorie Wilhelm von Humboldts
Jörissen und Marotzki betonen, dass Bildung sich bei Humboldt immer auf den Menschen beziehe und sich gegen dessen Funktionalisierung wende. Der Mensch solle in Wechselwirkung mit der Welt seine individuellen Kräfte bestmöglich entfalten. Dies geschehe dadurch, dass er sich mit anderen Kulturen, Sinn- und Bedeutungshorizonten auseinandersetze und sich so von seinen eigenen kulturbedingten Wertvorstellungen distanzieren könne. (S. 12f)
2.1.2 Das Konzept der Allgemeinbildung nach Wolfgang Klafki
Die Autoren nennen drei zentrale Fähigkeiten, die für Klafki Bildung ausmachen: die Fähigkeit zur Selbstbestimmung, die Fähigkeit zur Mitbestimmung und die Fähigkeit zur Solidarität. (S. 14)
Klafkis Allgemeinbildungskonzept skizzieren sie anhand dreier kennzeichnender Merkmale.
Allgemeinbildung bedeute Klafki folgend einen Anspruch aller Menschen auf Bildung. Darüber hinaus bedeute sie eine ‚ÄûGanzheit, Allseitigkeit und Vielseitigkeit der menschlichen Entwicklung« (S. 14) (kognitiv, emotional, Persönlichkeitsentwicklung, politisch-moralisch). Schließlich beschäftige sie sich mit dem Allgemeinmenschlichen in Form gesellschaftlicher Schlüsselprobleme. Dadurch solle eine Flexibilisierung des Selbst- und Weltbezugs erreicht werden, die benötigt werde, um mit den Entwicklungen im Zeitalter der Informationsgesellschaft umgehen zu können. In dieser Welt orientiere man sich anhand medialer Informationen, die Orientierung innerhalb dieser Medien sei aber auch an sich eine wichtige Aufgabe. (S. 14f)
Dunkelrote Hervorhebungen kennzeichnen Begriffe, die ich für besonders wichtig hielt.
Verständnisfragen hatte ich keine.
Benjamin Jörissen / Winfried Marotzki: Medienbildung ‚Äì Eine Einführung, Bad Heilbrunn 2009, Kapitel 2.1, S. 9 ‚Äì 15.
Jörissen und Marotzki unterscheiden zwei verbreitete Verständnisse von Bildung: die kanonorientierte Vorstellung von Bildung als Aneignung eines normierten Wissensvorrats und den auf Ausbildung, also das Lernen bezogenen Begriff der öffentlichen Debatten. (S. 9)
Die Moderne und die postmoderne Gegenwart charakterisieren die Autoren durch Orientierungskrisen, die eine kanonorientierte Bildung unzeitgemäß machen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts seien daher vor allem Mündigkeit und moralische Autonomie betont worden. Diese wiederum seien nur als Ergebnisse von Bildungsprozessen denkbar. (S. 10f)
Zwei Arten von Bildungstheorien werden genannt: die materiale, inhaltsorientierte und die formale, auf ein Selbst- und Weltverhältnis abzielende. (S. 11)
2.1.1. Die Bildungstheorie Wilhelm von Humboldts
Jörissen und Marotzki betonen, dass Bildung sich bei Humboldt immer auf den Menschen beziehe und sich gegen dessen Funktionalisierung wende. Der Mensch solle in Wechselwirkung mit der Welt seine individuellen Kräfte bestmöglich entfalten. Dies geschehe dadurch, dass er sich mit anderen Kulturen, Sinn- und Bedeutungshorizonten auseinandersetze und sich so von seinen eigenen kulturbedingten Wertvorstellungen distanzieren könne. (S. 12f)
2.1.2 Das Konzept der Allgemeinbildung nach Wolfgang Klafki
Die Autoren nennen drei zentrale Fähigkeiten, die für Klafki Bildung ausmachen: die Fähigkeit zur Selbstbestimmung, die Fähigkeit zur Mitbestimmung und die Fähigkeit zur Solidarität. (S. 14)
Klafkis Allgemeinbildungskonzept skizzieren sie anhand dreier kennzeichnender Merkmale. Allgemeinbildung bedeute Klafki folgend einen Anspruch aller Menschen auf Bildung. Darüber hinaus bedeute sie eine ‚ÄûGanzheit, Allseitigkeit und Vielseitigkeit der menschlichen Entwicklung« (S. 14) (kognitiv, emotional, Persönlichkeitsentwicklung, politisch-moralisch). Schließlich beschäftige sie sich mit dem Allgemeinmenschlichen in Form gesellschaftlicher Schlüsselprobleme. Dadurch solle eine Flexibilisierung des Selbst- und Weltbezugs erreicht werden, die benötigt werde, um mit den Entwicklungen im Zeitalter der Informationsgesellschaft umgehen zu können. In dieser Welt orientiere man sich anhand medialer Informationen, die Orientierung innerhalb dieser Medien sei aber auch an sich eine wichtige Aufgabe. (S. 14f)
Zusammenfassung zu:
Ernst von Glasersfeld: Konstruktion der Wirklich keit und des Begriffs der Objektivität, in: Heinz Gumin, Heinrich Meier (Hrsg.): Einführung in den Konstruktivismus, 10. Auflage, Piper Verlag, München 2008, S. 9-39.
Begriffsklärung:
(1) ontisch: ‚Äûals seiend, unabhängig vom Bewusstsein existierend verstanden« (Günther Drosdowski et. al. (Hrsg.): Duden, Fremdwörterbuch, 6. Auflage, Mannheim u.a. 1997, S. 570)
(2) Epistemologie: ‚ÄûWissenschaftslehre, Erkenntnistheorie« (ebd., S. 232)
Zusammenfassung der Kernthesen:
Ernst von Glasersfeld betrachtet in seinem Aufsatz ‚ÄûKonstruktion der Wirklichkeit und des Begriffs der Objektivität” den alltäglichen Wissensbegriff kritisch und stellt ihm ein Verständnis von Wissen als Konstruktion entgegen.
Ein Ausgangspunkt seiner Argumentation ist das Argument, der Mensch könne die Wirklichkeit nur durch sein Erleben erforschen und könne somit nicht trennen, was unabhängig von ihm bestehe und was dem Erlebten vom Erlebenden zugeschrieben werde (vgl. S. 9, S.38).
Von Glasersfeld wendet sich damit gegen die Auffassung vor allem der Realisten, ob zeitgenössisch oder antik, der zufolge die Sinne des Menschen Informationen über die bereits strukturierte, von ihm unabhängige ontische Welt (1) in sein Bewusstsein tragen und es seine Aufgabe sei, die Struktur und Gesetze zu erkennen (vgl. S. 9 ‚Äì 13). Er betont, dass der Mensch seine Lebenswelt weitgehend kontrollieren könne, bedeute nicht, dass er in der Ontologie Fortschritte gemacht habe (vgl. S. 13f).
Ausgehend vom instrumentalistischen Verständnis des Wissens als Mittel, um zu einem gewählten Ziel zu gelangen, zeigt von Glasersfeld einen Weg auf, wie in der konstruktivistischen Denkweise das Paradoxon des Wissensbegriffs vermieden werden könne. Statt von einer Übereinstimmung zwischen Erlebniswelt und ontologischer Wirklichkeit auszugehen, schlägt der Autor den Begriff der Viabilität vor. Etwas sei viabel, solange es im ausgewählten Erlebensgebiet nicht in Konflikt mit Beschränkungen und Hindernissen gerate. Wichtig sei nicht, ob das Bild des Erlebenden ein ‚Äöwahres‚Äò Abbild der Umwelt sei, sondern dass es ihm ermögliche, erfolgreich zu handeln. (Vgl. S. 15 ‚Äì 23)
Wahrnehmen und Erkennen betrachtet von Glasersfeld als konstruktive Tätigkeiten, die ein zum Handlungszusammenhang passendes, viables Bild von der Erlebenswelt schaffen (vgl. S. 30).
Dem gegen die konstruktivistische Sichtweise des Wissens vorgebrachten Einwand, der Begriff der Objektivität werde damit aufgegeben, setzt der Autor ein auf sprachlicher Interaktion beruhendes Modell von Objektivität entgegen. Von Glasersfeld zufolge kann man Begriffe und Vorstellungen dann berechtigt objektiv nennen, wenn sie vom Erlebenden als Regelmäßigkeiten und Invarianzen abstrahiert werden und auch in den Modellen anderer viabel sind. (Vgl. S. 31 ‚Äì 37)
Fragen
Wie kann man die Erkenntnis, dass Wissen konstruiert wird, konkret seinem Unterricht zu Grunde legen? (Gegen den eigenen Reflex, “Wissen vermitteln” zu wollen…) Geht das nur in offenen Unterrichtsformen? Wie kann man das notwendige Vermitteln gemeinsamer Grundlagen damit verbinden?
Weiterführende Informationen zum Autor gibt es auf der von der Uni Wien gehosteten Seite über Ernst von Glasersfeld. Dort kann man sich auch Videoaufzeichnungen von Vorträgen ansehen, sofern man des Französischen mächtig ist. Da mein Französisch dafür zu schlecht ist, kann ich über den Inhalt nicht viel sagen, aber vielleicht ist es ja für jemand anderen nützlich.
Unter “Glossary” sind die wichtigsten Konzepte aus den Arbeiten Ernst von Glaserfeldts zu finden, darunter auch ein kurzer Artikel über Wissen als Konstrukt.
Hier folgt in Kürze ein tatsächlich mit Inhalt gefüllter Blog mit Textzusammenfassungen und der Projekterarbeitung zum Hauptseminar “Was kann ich wissen?”
Aufgaben zur nächsten Sitzung:
1. Blog einrichten (gemacht)
2. Lest bitte den Text von Ernst von Glasersfeld: Konstruktion der Wirklichkeit und des … (in Arbeit)
3. Schreibt eine Zusammenfassung der Kernthesen des Textes in den Blog
4. Schreibt Verständnis- und/oder Diskussionsfragen zum Text in den Blog
Bis dahin ist diese Vorschau jedenfalls schon ein Schritt weg von “Hello World” und “404 – not found”, während ich den Blog ein bisschen anpasse.
(Infos zu HTTP-Statuscodes kann man bei Wikipedia finden, und zwar hier. Braucht man aber im täglichen Leben eigentlich nicht.)