(e)Portfolio und Co.

Die Reise in ein Fass ohne Boden?

10. Januar 2015
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Analyse des Portfolios „Meine Traumwohnung“

Fach: Mathematik

Thema: „Wie wir wohnen“, Unterthema „Meine Traumwohnung“

Klassenstufe: 5-7 (durchgeführt im 1. Halbjahr Klasse 6)

geplanter Zeitraum: 3 Wochenstunden über 2 Monate (etwa 28 Unterrichtsstunden)

Integration in den Unterricht: Die SchülerInnen arbeiten ausschließlich im Unterricht an ihren Projekten. Der Unterricht ist auf die Portfolioarbeit ausgerichtet und unterstützt diese.

Ziele der Portfolioarbeit: Die SchülerInnen erwerben fachliche Konpetenzen (maßstabsgetreues Zeichnen auf Millimeterpapier, Flächen- und Umfangberechnungen) sowie überfachliche Kompetenzen (Erstellen eines Gutachtens als Feedbackmethode, Lesen und Vergleichen von Wohnungsanzeigen)

Gestaltung des Portfolios: Das Portfolio besteht aus von der Lehrkraft festgelegten Bausteinen (ein Grundriss der Traumwohnung auf Millimeterpapier; einer Beschreibung der zugrunde liegenden „Lebenssituaion“; die Berechnung folgender Renovierungsmaßnahmen: Teppichbeläge, Fußleisten, Farbanstriche für die Wände; einem Gutachten durch eineN MitschülerIn und/oder durch die gesamte Schülergruppe; einer Kommentierung des Gutachtens, einer ersten Selbsteinschätzung und einem Kommentar durch die Lehrperson; sowie einer Abschlussbeurteilung durch den/die SchülerIn und die Lehrperson.

Unterrichtsgestaltung: Neue Themenaspekte (z.B. Flächenberechnungen, etc.) werden zunächst mit dem Mathematikbuch und -heft geübt und schließlich auf das Portfoliovorhaben angewendet.

Beurteilung/Benotung: Die Beurteilung erfolgt im Dialog mit MitschülerInnen, der Klasse und der Lehrkraft mit Hilfe von gemeinsam erarbeiteten Kriterien. Eine Bewertung in Notenform geht aus dem Text nicht explizit hervor.

Vorbereitung von KollegInnen, SchülerInnen und Eltern: Die Arbeit mit Portfolios ist allen Beteiligen vertraut, da in dieser Schule bereits in der Primarstufe Methoden einer demokratischen Lernkultur (Diskussionen über Lernprozesse, Rückmeldungen über Lernangebote, gemeinsame Erarbeitung von Kriterien, Transparenz über Lernziele und Bewertungsmaßstäbe) eingeübt und praktiziert werden.

Layout und Standort: Die Portfolios werden in fachgetrennten Mappen geführt und zentral in der Schule aufbewahrt, um Verschleiß durch täglichen Umgang zu vermeiden. Zu besonderen Anlässen dürfen die SchülerInnen die Mappen mit nach Hause nehmen.

Planung von Portfoliogesprächen: Feedback erfolgt zunächst durch eineN MitschülerIn (in Form eines schriftlichen Gutachtens) oder die Schülergruppe. Daraufhin schätzt der Lernende sich selbst ein und bekommt eine Rückmeldung durch die Lehrkraft. Für dieses Verfahren liegen vorgefertigte Arbeitsbögen vor.

Motivation der SchülerInnen: Die Motivation kommt weniger von der Portfoliogestaltung als vom Thema selbst. Die Zukunft und wie die SchülerInnen sie sich vorstellen ist ein spannendes Thema für sie.

 

 

Fazit

Zunächst ist das Thema viel versprechend, um in Form von Portfolios bearbeitet zu werden. „Wie stelle ich mir meine Zukunft vor?“ ist in vielen Fächern – auch Mathematik – vielseitig bearbeitbar.

Dennoch scheint die Umsetzung, so wie sie bei Biermann und Heidemann beschrieben wird, recht eng gefasst.

Die SchülerInnen haben einen festen Plan, da am Ende der Einheit eine inhaltlich für alle gleiche Portfoliomappe zu stehen hat. In der Wahl der Aufgaben haben die SchülerInnen wenig bis keine Entscheidungsfreiheit. JedeR SchülerIn fertigt einen Wohnungsgrundriss an, versieht diesen mit einer Geschichte zur passenden Lebenssituation, berechnet einige Grundlagen für Renovierungsarbeiten und lässt dies durch MitschülerInnen begutachten. Lediglich in der Gestaltung der Wohnung selbst haben die Lernenden einige Wahlfreiheiten.

Dazu passt, dass die Arbeit an den Portfolios allein in der Schule stattfindet und ein Weiterarbeiten zu Hause offenbar nicht erwünscht ist. Dies könnte einerseits rein taktisch sein (damit die SchülerInnen nicht zu früh mit den Aufgaben fertig werden, damit sie sich nicht helfen lassen können, z.B. beim genauen Zeichnen, etc.) oder andererseits für ein sehr enges Verständnis von Portfolioarbeit sprechen.

Das Portfolio scheint in diesem Fall eine Art Ersatz für andere Leistungsnachweise zu sein, obwohl nicht konkret gesagt wird, ob/was/wie am Ende benotet wird oder nicht. Dies sollte klar an die SchülerInnen kommuniziert werden.

Die Reflexionskomptetenz der SchülerInnen wird mit ausgemachten Kriterien in Gutachtenform erweitert. Dies ist ein sehr guter Ansatz, um sowohl objektive als auch subjektive Beobachtungen zuzulassen. Es ist unklar, ob diese mit in die Bewertung einfließen oder nicht (ist es den SchülerInnen klar?).

Es handelt sich also grundsätzlich eher um ein Showcase-Portfolio als um ein Entwicklungsportfolio. Zu besonderen Anlässen wird es auf Elternabenden, etc. präsentiert.

 

 

 

 

 

 

 

Quelle:

Biermann, C., Heidemann, A. (2008): Meine Traumwohnung. Portfolios im Mathematikunterricht einer 6. Klasse. In: Schwarz, J., Volkwein, K., Winter, F. (Hrsg.): Portfolioarbeit im Unterricht. Seelze-Velber: Klett/Kallmeyer, S. 76-89.

Brunner, I., Häcker, T,, Winter, F. (Hrsg.) (2011): Das Handbuch Portfolioarbeit. Seelze: Klett/Kallmeyer.

14. November 2014
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Blog-Block-Seminar 2.0

14. November 2014.
10:13 Uhr.
Raum 514a.

Der Tee ist fast leer. Das Sofa sehr bequem. Bald muss ich das Sofa verlassen und mich um den Tee kümmern.
Das technische Know-How zum Basteln von Blogs ist interessant, mir ist nicht alles neu. Vollkommen ok.
Am Ende des Tages kann ich noch besser an meinem Blog (dem für die Uni und dem privaten) bauen. Ich finde das Thema sehr spannend und ist bestimmt zu Semesterende noch nicht abgeschlossen.

Ein Blog bzw. ein Portfolio scheinen mir auch eine super Option zu sein für privatere Projekte, z.B. das Entwickeln und Schreiben von Geschichten, Sammeln von Doodles, etc.

Ich freu mich drauf! 🙂

Hier die Seminarposter und ein kleines YouTube-Video zum Thema:

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12. November 2014
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2 Diskussionen, 2 Welten

In Gruppenarbeiten haben wir uns dem Begriff des Portfolios zu nähern versucht. Dabei haben wir festgestellt, wie schwer es ist, diesem Wort eine klar definierte Form zu verpassen. „Eigentlich kann das ja fast alles sein.“ Was ist es dann also? Eine Sammlung? Eine strukturierte Sammlung? Naja, das kommt darauf an.
Der Text von Thomas Häcker gibt dazu eine sehr anschauliche Grafik, die die drei Dimensionen eines Portfolios (Inhalt, Entscheidung, Zweck) verdeutlicht und an zwei Extrembeispielen nachvollziehbar macht.
Dennoch hatten wir arge Probleme in der Gruppe, eine Definition auf Papier festzuhalten.

Häcker’s Text war sehr hilfreich zur Schaffung eines Überblicks über das Thema. Er trägt den Untertitel „Annäherungen an ein schwer fassbares Konzept“, und genau das ist es definitiv: schwer fassbar. Ich habe das Gefühl, dass ich durchaus mehr über Portfolioarbeit verstanden habe, und dennoch ist dieses Verstehen immer noch ein „Gefühl“ (etwa genau wie das „Gefühl“, was Literatur eigentlich ist). Man weiß was man meint, aber in klaren Worten kann es nicht definiert werden.

Unsere Gruppenergebnisse sind äußerst unterschiedlich ausgefallen. Die Ergebnisse sind hier festgehalten für spätere Referenzen.

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24. Oktober 2014
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Zu Beginn der Reise…

091 

Das Schulsystem legt mehr und mehr Wert auf Kompetenzerwerb. Es gibt Kompetenzraster für viele Fächer mit noch mehr Themengebieten. Eine durchschnittliche Klasse mit 26-28 SchülerInnen, die alle auch gleich gut und individuell gefordert und gefördert werden wollen und sollen, können einen Lehrer da leicht ins Schwitzen bringen. Wie weiß er denn, ob Charlie ruhig ist, weil er nicht mitkommt oder nur nach- bzw. mitdenkt? Kann Lilli mit dem Stift der Nachbarin spielen und gleichzeitig zuhören? Vielleicht ist das Portfolio (statt permanenter Leistungskontrollen?) die Lösung?

Bisher sind die eigenen Erfahrungen mit Portfolios begrenzt: als eine Art Lerntagebuch, in dem in gewissen Abständen schriftlich über ein vorgegebenes Thema nachgedacht , strukturiert, zusammengefasst und so das Material überschaubar gemacht wird. Eine Variation: man reflektiert noch über seine Lernerfolge oder Lernschwierigkeiten und überlegt sich dann vielleicht, was beim individuellen Lernen funktioniert und was eben nicht.  An dieser Stelle hören die eigenen Erfahrungen auch schon auf.  Ist das aber schon alles, was man mit einem Portfolio machen kann? Kann es mehr sein als eine „Stoffsammlung“?

Im ePortfolio wird das ganze online geführt, denke ich mal. In einem Blog würde sich das anbieten. Verlinkungen zu Quellen sind etwas einfacher (man kann ja direkt drauf klicken und sehen, wohin das Weite Netz einen führt). Davon abgesehen ist vielleicht die Frage nach dem Grad der Öffentlichkeit interessant: wie verändert sich das Lernen, wenn die ganze Welt mitlesen kann?

Portfolioarbeit erfordert vom Lerner eine sehr hohe Reflexionskompetenz. Daher ist es vielleicht nicht für jeden Lerner uneingeschränkt empfehlenswert. Gerade bei jüngeren Lernern kann das Führen eines Portfolios auch zu Frust führen, z.B. wenn sie grundsätzlich nicht gern schreiben. Welche anderen Bedenken gibt es? Und was macht man (als Lehrer) hinterher damit? Wenn das Portfolio etwas Individuelles (und ein Stück weit auch Privates) ist, wie kann es bewertet werden? Auf das Zeugnis kommen ja immer noch Noten. Wenn man es alternativ nicht bewertet, was macht man sonst damit?

Es wäre interessant zu erfahren, was man alles mit Portfolios machen kann, welche Vielfalt es gibt, wo das Spektrum anfängt und aufhört. Mich interessieren auch Motivationshilfen für Lerner: wie bekomme ich SchülerInnen dazu, zusätzlich zum eigentlichen Stoff noch ein Portfolio zu führen (aus der Erfahrung, dass Nachhilfeschüler das nicht so eng sehen)?  Welche anderen unschlagbaren Vorteile gibt es aus wissenschaftlicher Sicht? Welche Stolpersteine? Ist das Portfolio der Heilige Gral beim Wissens- und Kompetenzerwerb? Ganz egoistisch würde ich gleichzeitig auch gern lernen, was ich in eigenen Portfolioversuchen bisher falsch gemacht habe (ist das möglich? Sie schienen mir am Ende des Tages stets ziemlich nutzlos).

Was kann man noch lernen? Gibt es einen Trick 17b? Ich denke, im Februar werde ich es wissen…

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