Öffentliche Schulsysteme und die Privatwirtschaft

Das öffentliche Schulsystem verĂ€ndert sich hinsichtlich seiner Beziehung zu privatwirtschaftlichen Unternehmen. Verschiedene Tendenzen lassen sich diesbezĂŒglich beobachten, von denen hier nur einige angesprochen werden sollen. Erstens gibt es verstĂ€rkt Kontakt zwischen den öffentlichen Bildungseinrichtungen und den privatwirtschaftlichen Unternehmen. Dabei werben zum einen öffentliche Einrichtungen aktiv um Sponsoren- und Spendengelder. Zum anderen treten Firmen und Unternehmen, teils auch ĂŒber Agenturen, an die Bildungseinrichtungen heran. Die GrĂŒnde dafĂŒr sind vielgestaltig: der Wunsch nach sozialem Engagement oder der Zwang zur Akquise neuer Verkaufs- und WerbeflĂ€chen, sind nur zwei aus einer komplexen Motivationslage.

Viele der uns bekannten Partnerschaften sind inhaltlich darauf ausgerichtet SchĂŒler, Auszubildende oder Studenten wirtschaftlichen Interessen zuzufĂŒhren. So werden bspw. in Kampangen FĂ€higkeiten, die im Arbeitsleben notwendig sind (employability), trainiert. Dabei zeigen sich die Partnerschaften in ganz unterschiedlichen Formaten: Ob Werbeplakate, Sponsoringaktionen, Wettbewerbe und Planspiel, Bewerbungstrainings, der Bau von GebĂ€uden; die Praktiken sind vielgestaltig.

Inhaltlich gibt es verschiedene Schwerpunkte. Oft geht es, wie gesagt, der Berufsorientierung oder der Ausbildungsplatzvermittlung. VerstĂ€rkt geht es auch um die digitale Vernetzung und Integration von Kindern und Jugendlichen. Oft wird dafĂŒr auch technisches GerĂ€t mitfinanziert. Aber auch soziale Bereiche lassen sich zeigen. So ist Umweltschutz, leider auch manches Mal in Form von Green Washing, sowie Lese- und Gesundheitsförderung ein Thema.

AuffÀllig dabei ist, dass seit vielen Jahren Staat und Stadt aktiv die Vernetzung zwischen Wirtschaft und Bildungsinstitutionen fördern. Weil die Firmen Einfluss auf die inhaltliche Ausgestaltung (Unterrichtmaterialien) und Organisation (Software und Hardware) von Bildungs- und Erziehungsprozessen nehmen, die Schulen aber eigene Interessen verfolgen, gilt es aus unserer Perspektive zunÀchst zu forschen und dann AufklÀrungsarbeit zu leisten. Wichtige Hinweise dazu gibt auch die Verbraucherzentrale mit ihrem Materialkompass.

 

Privatisierungsreporte der GEW

Seit Mai des letzten Jahres gibt es nun den 13. Privatisierungsreport der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). FĂŒr dieses Heft nahm der Journalist und Autor Matthias Holland-Letz das Feld der privaten Stiftungen – wie bspw. die arbeitgebernahe Bertelsmann Stiftung und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft – im öffentlichen Bildungsbereich in den Fokus der Analyse.

Besonders interessierte ihn dabei das Thema der „versteckten“ Privatisierung. Unter diesem ist laut Selbstbeschreibung des Reports „die Privatisierung staatlicher Bereiche ‚von innen heraus‘ zu begreifen“. Dabei kĂ€me es, so die Autoren zu einem ideologischen Umbau des Bildungssystems, dass sich nun neoliberalistischen GrundsĂ€tzen folgen wĂŒrde.

Wie auch die ersten 12. entstandenen Privatisierungsreporte, ist auch dieser also einer stark kritischen Auseinandersetzung mit den aktuellen VerĂ€nderungen des öffentlichen Bildungssystems verpflichtet. Holland-Letz recherchiert seit 2006 in diesem Themenfeld, so gibt es nun bspw. Reports zu Themen die den RĂŒckzug des Staates aus dem Bildungssystem behandeln, oder zu Entwicklungen wie Ein-Euro-Jobs, SchĂŒlerfirmen und Public Private Partnerships an den Bildungsinstitutionen. Obwohl der Schwerpunkt auf den Auseinandersetzungen mit den Entwicklungen in Deutschland liegt, versuchen die Reporte auch immer wieder die globalen Strukturen, die in diesem Themenfeld wirksam sind sichtbar zu machen.

Alle Reporte sind kostenlos auf der Internetseite der Gewerkschaft erhÀltlich.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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