Das (vorläufige) Endergebnis

Hier nun nach diversen Überlegungen, einigem Lesen und reflektieren meine Idee für eine Umsetzung von portfolio Arbeit im Geschichtsunterricht.

Ausgangslage:
Wie schon in meinen ersten Überlegungen dargestellt finde ich das Konzept von Christine Bachmann und Johanna Schwarz, welches im educommsy zu finden war eine sehr dankbare Grundlage für meine Ideen. Daher werde ich einen Teil des Szenarios für mich übernehmen.
Die Gruppe von SuS, die sich mit der portfolioarbeit befassen sollen ist ein Geschichtsleistungskurs im vierten Semester der Gymnasialen Oberstufe. Insgesamt stehen fünf Schulstunden die Woche zur Verfügung, die zwischen individueller Portfolioareit und zusammen geführtem Unterricht im Plenum aufgeteilt werden. Das Portfolio soll dann zum Abschluss die Grundlage für eine mündliche Prüfung bilden, die die letzte Klausur dann entsprechend ersetzt.
Angelehnt an die Idee, dass das Portfolio „ein Instrument der Sammlung und Dokumentation von Leistungsbelegen“ (Felix Winter) ist, wird das Portfolio selbst nicht benotet. Es ist vielmehr die für alle transparente Grundlage für eine anschließende Prüfung. Hierbei soll es für die Schüler nicht um einzelne Inhalte gehen, sondern sie sollen ihren eigenen Reflexions- und Lernprozess darstellen können. Die Chance, die die Schüler hierbei haben ist, dass sie den Prüfungsprozess mitgestalten können und somit auch eine höhere Verantwortung übernehmen (vgl. Winter).
Wünschenswert ist hierbei, dass sie verstehen, dass eine ähnliche Art von Arbeit zu allen Themen möglich ist.
So wie die Portfolioarbeit ein Wandel ist und narrative Strukturen enthält, so ist auch das Geschichtsbewusstsein einem hermeneutischen Prozess unterworfen.
Die Identitätsbildung im Portfolioprozess ist in den Strukturen die Gleiche, wie in der Herausbildung der eigenen geschichtlichen Identität.

Wie sich das angedachte Konzept evtl in einem modernen Oberstufenkonzept wie etwa Profilkursen (denkbar wäre z.B. eine Verbindung mit Gemeinschaftskunde/Politik und Deutsch) wäre sicher nochmal eine oder zwei Überlegungen wert.

Dauer:
Eigtl soll die Portfolio Arbeit über das gesamte letzte Halbjahr gehen. Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass die künftigen Abiturienten zum einen früher entlassen werden, sich noch auf weitere Prüfungen vorbereiten sollen und auch noch einmal ein paar Wochen wegen Ferien wegfallen. Am Ende muss noch Zeit für die Prüfungen und deren Auswertung sein. Daher ist es wohl realistisch zu denken, dass man 6-8 Wochen im Unterricht nutzen kann, mit dem Anspruch, dass wenigstens ein kleiner Teil der Arbeit in der Freizeit getan werden kann, insgeheim ist ja die Hoffnung, dass die SuS sich derart für ihren Themenschwerpunkt begeistern können, dass sie freiwillig Zeit in das Portfolio stecken.

Thema:
Die Inhalte des Themas hatte ich ja bereits in vorigen Beiträgen im Blog und im Seminar skizziert, lediglich ein griffiger Name würde dem Ganzen noch einmal gut tun. Daher ist „Keine Atempause – Geschichte wird gemacht“ eher immer noch ein Arbeitstitel. Das Schöne an diesem Zitat von Fehlfarben ist, dass es gleichzeitig auch Elemente von postmodernem Geschichtsverständnis und einen großen Hauch Popkultur enthält.

Abdecken soll die Einheit den Zeitraum ab dem Zweiten Weltkrieg und sich bis etwa 1990 orientieren. Warum diese Zeitspanne? Einerseits ist es sicherlich schon schwer genug diesen Zeitraum von fast 45 Jahren sinnvoll in einer Einheit abzubilden. Der Anspruch der Einheit ist nicht Vollständigkeit, sondern dass SuS sich die Fähigkeiten aneignen Zeitgeschichte in ihr Geschichtsbewusstsein zu integrieren und sich in den diversen Formen der Darstellung orientieren zu können. Andererseits ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu keiner ausreichend ausgereiften Ausdeutung der 90er Jahre und danach gekommen – Schonfristen und Aktenverwahrzeiten werden erst in einigen Jahren auslaufen.

Anforderungen:
Einerseits sollte ja Portfolioarbeit auf einer sehr individuellen Basis passieren, andererseits ist es ein weiteres Ziel die SuS, die sich mit ihrem Hochschulqualifizierenden Abschluss verabschieden, an Methoden und Formen wissenschaftlichen Arbeitens heranzuführen. Daher sind die Inhalte der Portfolios eher frei, ihre Form jedoch nicht.
So soll jedes Portfolio, neben den für das Portfolio als Arbeitsmittel typischen Inhalten wie etwa der Brief an den Leser, mindestens folgendes beinhalten:
1 Rezension – etwa von einem Essay zu dem gewählten Thema
3 Quellenbeschreibungen – diese können auch als Grundlage zur weiteren Quellenanalyse und Quellenkritik genommen werden
1 Quellenanalyse
1 Quellenkritik
1 Essay zu einem popkulturellen Inhalt
1 Ergebnisprotokoll von einer Unterrichtsdiskusion
eine Bibliographie, die sich bei der Arbeit schnell ergibt und dann noch in Form gebracht werden muss, hierbei sind auch Titel zulässig, die interessant erscheinen, aber nicht bearbeitet werden konnten ~15 Titel, so dass man einmal eine Bibliographie von mittlerem Ausmaß erstellt hat.
Edit: Nach evtl berechtigter Kritik würde es hier Sinn machen, den Umfang zu kürzen, es erscheint sowieso utopisch neue Textformen zu erlernen, hier wäre also weniger vielleicht mehr.

Der restliche Inhalt ist dann wieder so frei, wie die Form des Portfolio das zulässt.

Struktur:
Wie eingangs erwähnt, ist es Ziel das Portfolio parallel zum Unterricht zu erstellen. Hierbei wird, abhängig von den Inhalten im Unterricht jeweils eine Stunde oder eine Doppelstunde der Woche für die Arbeit am Portfolio freigestellt. Der Lehrer bietet zu diesen Zeiten Beratung an und kann Zwischenergebnis mit den SuS evaluieren. Diesen Besuch beim Lehrer könnte man evtl auch zu einer Pflicht machen, was ich aber für ungut halte. Ansonsten sind die SuS dazu angehalten sich lose nach Interesse zu organisieren, jede zweite Woche wird im Unterricht Zeit für den Austausch zur Verfügung gestellt, wo die Schüler im Plenum oder in Kleingruppen ihre Arbeitsschritte erläutern und von „kritischen Freunden“ Rückmeldung er halten. Es soll bewusst regelmäßig gewechselt werden, so dass jeder Schüler sein Projekt auch jedem anderen Schüler erläutert hat. Hierbei kommt es dann hoffentlich zu Effekten, wie verschiedener Kritik, neuen Erkenntnissen durch Diskussion und Erkennen von Zusammenhängen zwischen verschiedenen Themen.
Diese Form von loser Zusammenarbeit ist bewusst gewählt, da das Portfolio individuell und nicht als Partnerarbeitsergebnis erarbeitet werden soll – eine enge Zusammenarbeit zu einem gemeinsamen Thema ist aber nicht ausgeschlossen.

Angedachtes Endergebnis und Lernziele:
Gewünscht ist als Ergebnis der Arbeit, dass die SuS am Ende ihr Portfolio vorstellen und anhand ihrer Arbeit beschreiben können, warum der von ihnen bearbeitete Schwerpunkt für sie interessant ist und inwiefern dieser für sie und ihre Mitschüler auch Relevanz besitzt. Dies wäre dann auch der fachliche Anspruch an die mündliche Prüfung: die SuS sollen Zusammenhänge erkennen, beschreiben und ausdeuten können.
Es ist nicht das vorrangige Ziel, dass Schüler Experten in ihrem gewählten Gebiet sind. Viel mehr sollen sie an dem Thema exemplarisch gelernt haben, wie vielschichtig ein Thema im Fach Geschichte sein kann. Sie sollen Eigenverantwortung lernen und eine Arbeitsweise kennenlernen, die weniger Frontalunterricht gleicht, sondern ihnen eine Annäherung an Arbeit im universitären Umfeld nahebringt. Auch ein Portfolio, das fachlich nicht so tief wie ein anderes geht, ist ein Erfolg, solange der Schüler die Problematik und die Komplexität der Arbeitsweise begriffen hat. Selbstreflexion und Selbstkritisches Denken sind also auch Lernziele.

Daher bietet es sich erst recht an, die Einheit zum Ende der Schullaufbahn anzulegen. Die SuS können auch aus einem scheinbar gescheiterten Projekt lernen und fachliche Defizite müssen nicht wieder aufgearbeitet werden.

Edit: Insgesamt wäre das Ziel einen Zuwachs am reflektierten Umgang mit Methoden der Geschichtwissenschaft zu erzielen. Was hierbei zu bedenken wäre, ist zum einen die Ausgangssituation der Lerner – welche Fähigkeiten wurden zuvor erlernt – zum anderen die Frage, mit welcher Kompetenz der einzelne die Schule verlassen will/soll.
Entsprechend müsste auch die Anforderung angepasst werden. Wenn diese Überlegungen angestellt wurden ist es außerdem nötig, dass die Lerner in dem abgesteckten Feld selbstständig arbeiten können – also aber auch alle Arbeitsformen benutzt und ihren Nutzen verstanden haben – um die Kompetenz zu entwickeln, selbstständig im Feld arbeiten zu können.

Letzte Gedanken und persönlicher Aus- und Rückblick:
Wichtig ist es bei diesem Konzept das richtige Maß an Einmischung und Kontrolle, sowie Freiraum für Schüler zu finden. Die Lehrkraft muss als Berater für die Schüler einen Überblick über die Themen haben um gerade in der ersten Phase die losen Strukturen bündeln zu können, sodass SuS nicht ein Thema wählen, dass nicht in dem Maße bearbeitet werden kann, das die Schule zulässt.
Was wie eine lockere Begleitung wirkt, in der die Lehrkraft enstspannt die Füße hochlegen kann ist tatsächlich ein aufwendiges Projekt mit vielen Fallen, die beachtet werden sollten. Nichtsdestotrotz bietet dieser Unterrichtsentwurf eine Menge Potential für anspruchsvolle Arbeit und gute Ergebnisse, mit denen SuS auch tatsächlich etwas anfangen können.

Was mir an der Portfolio Arbeit gefällt, ist dass es nicht um Ergebnisse in Form von richtigen und falschen Antworten geht, sondern dass der Kompetenzerwerb im Vordergrund steht. Gerade im klassischen Geschichtsunterricht ist das Bild der Lehrkraft auch heute noch, dass von vorne in der Klasse mit dem Nürnberger Trichter Daten und Fakten in die Schülerköpfe gefüllt werden. Der Lehrer ist Experte und die Schüler müssen halt belehrt werden.
Im Portfolio hingegen lernen die Schüler einen ganz eigenen Zugang zu einem Thema, dass sie interessiert und werden dann in der individuellen Arbeit mit Problemen konfrontiert, die stumpfes Geschichtsbuch lernen nie aufzeigt. Im hermeneutischen Zirkel  werden SuS immer mehr selbst zu Experten, immer mit dem Hintergedanken, dass man nie alles weiß.

Insgesamt erscheint mir die Idee von Portfolio Arbeit im Unterricht interessant, doch auch schwierig. Eine Umsetzung wie oben skizziert mag zwar möglich sein, doch für andere Klassenstufen müsste man den Umfang und die Komplexität noch einmal runterbrechen.

Was ich auf jeden Fall versuchen würde, ist einzelne Einheiten „portfolio-artig“ zu gestalten, das heißt einzelne Themen mit zusammenhängenden Aufgaben bearbeiten zu lassen, die gesammelt werden, um Synergieeffekte zu erzielen und eigenständige Arbeit zu erzielen.

Für mich habe ich gelernt, dass Arbeit mit Portfolios eine Möglichkeit darstellt Schülern Verantwortung und Individuelle Arbeitsmöglichkeiten zukommen zu lassen. Die ewige Frage der Benotung, die sich mir anfangs noch oft stellte ist in den Hintergrund gerückt. Lernprozesse und Kompetenzerwerb haben ja nichts mit externer Bewertung zu tun. Nicht die Arbeit im Portfolio soll benotet sein, sondern, was man an Erfahrung aus ihr mitnimmt. Daher wäre es mir wichtig, dass ein Portfolio zwar stets als Antrieb genommen wird und der Arbeit eine Struktur gibt, die den Schülern hilft Zusammenhänge zu finden, doch auch immer klar ist, dass die Struktur des Portfolio beim Lernen helfen soll.

Ich wäre bei der Ausführung der Ideen auch darauf gespannt, welche Verhältnisse zwischen Lernenden und Lernbegleiter entstehen, wenn der Lehrer das Zepter des Expertentums und der Autorität aus der Hand gibt.

Das vielleicht größte Problem ist, dass es mir, ohne konkrete Situation, irgendwie schwer fällt auf eine theoretische Situation zu kommen, die ich als portfolioarbeit bearbeiten lassen kann. Da ist das Problem, dass ich wohl versuche das Pferd von hinten aufzuzäumen. Auch nach dem Lesen von Beispielen und den grundsätzlichen Texten u.a. von Winter oder Häcker ist mir das Prinzip von Portfolioarbeit – gefühlt – klar, doch selbst zur Anwendung zu kommen fällt schwer. Der Begriff Portfolio ist wahrscheinlich in diesem Blog auch noch zu starr als Überbegriff für Dinge gewählt, die ich selbst evtl verstanden aber noch nicht begriffen habe.
Die selbstreflexive Komponente, die ich mir für die Schüler – in Prozessen, die ich selbst durchlaufen habe – andenke, ist mir selbst für das Thema ohne konkrete Versuche – mit viel trial and error – schwer vorzustellen. Die wahren Fallstricke sind ja die Probleme, an die ich nicht denke.

Edit nach der Präsentation:
Natürlich ist der Einwand berechtigt, dass das angedachte Projekt ein bisschen zwischen klarer Bekenntnis zum Thema und klarem Hang zur wissenschaftlichen Methode schwebt. Ein Fokus und eine Verjüngung zu einem der Schwerpunkte wäre für die Schule sicher wünschenswert. Kompetenzen sollten die Schüler bereits erworben haben, die Einheit ist eher ein Schaulaufen, mit minimal gehobenem Anspruch in Richtung Hochschule. Wirklich wichtig ist eigtl der Gedanke, das die Schüler reflektiert und selbstständig ihre Kompetenzen – vielleicht auch ein letztes mal – anwenden, also eine Art Autonomie im Feld Geschichte erreichen. Die Form Portfolio ist hierbei nicht mehr dazu da, einzelne fachliche Fähigkeiten zu vermitteln, sondern um eine strukturelle Metaebene zu geben. Dies sollte in der Einheit natürlich transparent dargestellt sein.

 

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Hausaufgabe zum Nikolaus

Sollte ich meine Gedanken und Notizen zu Text und dem Haecker Video nach der Sitzung noch einmal digitalisieren wollen, editiere ich hier entsprechend hinein.

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weitere Gedanken zum Unterrichtskonzept

Welche Fähigkeiten- und Lernziele soll die angedachte Einheit haben?

Ein Ziel ist sicherlich die Fähigkeit zum reflektierten Umgang mit verschiedenen Ereignissen zur Selbstverortung als Person in der Gesellschaft. Dieser Aspekt ist eigtl immer im Geschichtsbewusstsein verortet und somit nicht zwingend neu für dieses Konzept, interessant ist jedoch, dass es sich um einen Zeitraum handelt, der noch auf kommunikativer Ebene zu erschließen ist, Zeitzeugen lassen sich noch befragen. Daher ist auch eine Vielfalt an Perspektiven vorhanden, auch die Fachwissenschaft ist noch nicht zu einer einheitlichen Deutung vieler Ereignisse gekommen. Dies bedeutet auch ein Problem, da kein fertiges Unterrichtsmaterial existiert, Schüler müssen sich sehr selbstständig orientieren und das Material noch kritischer als sonst auswerten.

Hier schließt auch das nächste erwünschte Lernziel an: Kompetenter und reflektierter Umgang mit Texten. Texte sind hierbei nicht nur Quellen oder Darstellungen, das Wort Text schließt in diesem Zusammenhang auch Bildquellen (Fotos, Dokumentar- und Spielfilm) ein. Denkbar wäre hierbei eine Art loses Ideen- und Arbeitstagebuch, wo die Schüler ihre Arbeit und Gedanken für sich notieren und dann für das Portfolio ausformulieren können.

Bei aller Freiheit und selbstorganisierten Portfolioarbeit muss es für den Unterricht, der parallel zum Portfolio stattfindet, auch gemeinsame Sitzungen geben, wo diskutiert wird und Interpretationen sich aneinander reiben können. Daher sollte zumindest ein Anteil des Unterrichts in normalen – also nicht selbstständigen – Phasen stattfinden. Ergebnisse und Gedanken könnten ins Portfolio eingehen.

Eine weitere Fähigkeit, die in der Portfoliophase des Unterrichts geschult werden kann und soll, ist die reflektierte und selbstständige Recherche. Die Schüler sollen sich am gereichten Material, das bewusst klein gehalten wird, orientieren und eine erweiternde Suche zu eigenen Schwerpunkten unternehmen. Hierbei soll bewusst der Umgang mit Archiven und Katalogen erlernt werden. Die unterliegende Sorge ist bei mir, dass nicht tiefer in die Materie eingedrungen wird, dass es bei der Suche auf google bleibt.
Wobei hier gerade bei jüngeren Bewegungen (z.B. Hausbesetzer der frühen 80er Jahre sind bemerkenswert weit in der Selbstdarstellung im Internet) auch ein ganz neues Erkenntnisinteresse besteht. Ohne den Schülern hier Fähigkeiten absprechen zu wollen, so erscheint es doch fragwürdig, dass hier quellenkritisch gearbeitet werden kann.
Eine Möglichkeit ist es auch gleich bibliographieren zu üben und einen Mindestumfang und Inhalt für diese Bibliographie vorzugeben.

Insgesamt gibt es viele Aspekte, die man in dem angedachten Portfolio Projekt unterbringen kann und beachten muss. Wieviel davon tatsächlich möglich ist, lässt sich ohne Praxiserfahrung schwer einschätzen. Das aufgezeigte Potential lässt aber die Hoffnung, dass ein solches Projekt sich im angepassten Maße sehr gut in den Unterricht einfügen ließe.

Zentrale Fragen und zu diskutierende Themen:

Wenn Geschichte von den Siegern geschrieben wird, wer schreibt die Geschichte der 68er, der Punks, der Skinheads, der DDR und die Geschichte des Nachkriegsdeutschlands?

Kann Geschichte außerhalb von Krieg geschehen? Warum sind die Themen des Konflikts stets im Mittelpunkt des Geschichtsunterrichts?

Gebe ich den Schülern vor, welche Inhalte deutlich und stark vertieft werden oder entscheiden die Schüler, was wichtig ist und fokusiert wird?

Material

Video Worauf bezieht sich der Text des Songs? Welche Bedeutung misst er den Ereignissen und Personen zu? Wie verbindet er das Damals und das Heute?
Von dem Song gibt es diverse Versionen mit teilweise zeitgenössischem Bildmaterial z.B. Hier. Jan Delay veröffentlichte das entsprechende Album auf dem Label ‚Buback‘.
Auch die Kommentare unter dem youtube Video sind sehr diskutabel.

 

Ich vergesse immer zu veröffentlichen. Soll eigentlich jede Hausaufgabe geblogt werden?

Dieser Eintrag wird im Laufe der Konzeption bearbeitet und geändert. Interessantes Material soll hier gesammelt werden.

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Portfolio Arbeit zu (deutscher) Zeitgeschichte?

Ich habe mir das Konzept für portfolio Arbeit im Fach Geschichte angeschaut. Der Text handelt von einer Mädchenschule, wo in der Oberstufe die Frage „Wer bin ich als politische Person?“ in portfolio Arbeit behandelt wird. Interessant ist hierbei, dass das Portfolio die Grundlage für die spätere mündliche Abiturprüfung bildet und somit eine gute Durcharbeitung des Themas auch für die Schülerinnen von hohem Interesse ist.

Die Lehrerin fungiert in diesem sehr freien Ansatz in erster Linie als Lernbegleiter und Berater für den portfolio Prozess. Die Beschreibung der einzelnen Schritte ist hierbei sehr detailliert und auch gut nachvollziehbar. Wichtiger Hinweis ist, dass man auch den Findungsprozess bald kanalisieren muss, da sonst die Arbeit unüberschaubar wird. Die aufgeführte Art von Material ist evtl für meine Idee eines Unterrichtsentwurfs um Bildmaterial zu erweitern, wobei hier sicher zu bedenken ist, dass mehr Material noch ein wenig mehr Kontrolle beim Findungsprozess bedeutet, aber auch gerade was Geschichtsbewusstsein und Kritischen Quellenumgang angeht, ein Plus an Kompetenzen geben würde.

Allgemein wirkt das Unterrichtsbeispiel als sehr gut übertragbar. Für mein Konzept wäre, wie bereits erwähnt, eine Erweiterung zur Bild- und Filmanalyse angestrebt. Die Fragestellung für die Portfolio Arbeit könnte in etwa „Nach dem Zweiten Weltkrieg – Wie sind wir bis hierhin gekommen?“ heißen. Zentrale Aspekte sind hier die Themengebiete: Wiederaufbau, Teilung, 68er Proteste, 70er Jahre unter der SPD, Jugendkulturen, Deutscher Herbst, Wiedervereinigung, Wiederaufkeimen rechtsextremer Gedanken, Medienzeitalter und Globalisierung sein. Gerade die Geschichte zweier Deutschlands ist ein Thema, das selten in der Schule angesprochen wird und wo man einen sehr eigenen Zugang zu finden kann. Hier stößt die Idee evtl auf ihre größte Gefahr: In der Postmoderne ist nationale und internationale Politik und Geschichte nicht immer trennbar. Eine zielgerichtete Beratung und Selbstkontrolle scheinen hier am wichtigsten.

Ansonsten bietet die Idee Potential zu diversen Unterrichts- und Arbeitsmöglichkeiten: Umgang mit Quellen (Text, Film,  Bilder), Darstellungen (auch hier ist Film eine Möglichkeit, ähnlich wie z.B. Zeitzeugeninterviews – ein weiteres spannendes Feld, mit vielen Möglichkeiten, aber auch ein Sumpf), Diskussionen im Klassenraum und eine individuelle Herangehensweise an ein Thema. Die Begriffe ‚Kommunikatives Gedächtnis‘ und ‚(Pop)Kulturelles Gedächtnis‘ sind ebenfalls zentrale Ideen, die in den Mittelpunkt gerückt werden können.
Zur ‚Steuerung‘ wäre eine große Auswahl an potentiellen Materialien zu stellen, in denen die Schüler sich zuerst einmal orientieren können und die für gemeinsame Diskussionen die Grundlage bieten.

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Portfolioarbeit in der Schule

Eine Frage, die sich mir sehr bald stellte, war die nach der Bewertbarkeit von Portfolios in der Schule. Die Antwort, die der Text von Winter dann gibt, ist nachvollziehbar, aber evtl nicht auf die in Deutschland gängigen Formen übertragbar: Pass und Fail sind schön, doch sollte ein Schüler einmal die Schule wechseln wollen, so braucht er ein benotetes Zeugnis – an bestimmten Stellen der Schullaufbahn muss eine Benotung im traditionellen Sinn stattfinden. Daher wird der Portfolioarbeit an der Schule in Pilotprojekten ein Dämpfer verpasst. Auch die Normalverteilung von Noten erscheint hier problematisch.
Die Schüler mögen sicherlich in den genannten Prozessen besser lernen und sind motivierter, doch welche alten Schulmeister stimmen einem Konzept zu, dass einen derartigen Kontrollverlust auf der Lehererseite verursachen? Auch die relativ modernen Lernwerkstätten, die sicher jedem im Studium begegnet sind, werden in der Praxis eher kritisch beobachtet (so zumindest mein Eindruck, wenn ich mit Betroffenen außerhalb der uni spreche), wie soll also eine Unterrichtsform sich durchsetzen, wo der Lehrer auch wieder eher Lernbegleiter, als klassisch autoritärer Experte ist?

Eventuell bin ich auch nach der Lektüre zweier Texte noch nicht ganz in der Lage das ganze Bild zu sehen (ich hoffe einfach einmal, dass noch viel mehr hinter dem Ganzen steckt) und tu mich momentan eher schwer den Konzepten pädagogische Vorstellungen zuzuordnen – nur der gute alte Behaviorismus scheint auszufallen.
Potentiale scheinen natürlich wieder einmal viele zu bestehen, doch eine konkrete Umsetzung in meinen Unterrichtsfächern (englisch und Geschichte) kann ich mir noch nicht in vollen Umfang vorstellen, eine Umsetzbarkeit auf alle Fächer würde ich nicht für unbedingt erachten.

 

Edit: War eben auf der Suche nach einem Artikel, den ich kommentieren kann, doch habe entweder keinen aktuellen Eintrag gefunden oder irgendwie keine Ahnung, was ich sinnvoll beitragen soll. Werde Montag abend nochmal versuchen etwas zu werden.

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Hausaufgabe zum 25. 10. 2011

Da ich erst heute meinen Blog erhalten habe (Danke fürs barmherzige Aufnehmen im Seminar an Frau Schwalbe) hier meine Portfoliogedanken noch einmal zur allgemeinen Ansicht:

Was verstehe ich unter den Begriffen „Portfolio, ePortfolio und Portfolioarbeit“?

Ohne in detaillierte Wortklärung auf etymologischer Ebene zu gehen, wie es bei solchen Definitionen gerne gemacht wird, steht Portfolio – zumindest für mein Verständnis – für eine Ansammlung von Materialien.
Meist wird mit dem Begriff eine Auswahl von Arbeiten gemeint, gerne als Anlage für Bewerbungen, um exemplarisch nicht nur die eigenen Fähigkeiten benennen zu können, sondern um diese auch, zur Probe, im Kontext einer konkreten Arbeit zu präsentieren. Je nach Betätigungsfeld ist es auch möglich, dass ein Portfolio Urkunden über Qualifikationen oder erfolgreiche Arbeit enthält.
Auch wird in der Finanzwelt gerne von Portfolios gesprochen, hier ist der Begriff ein annäherndes Synonym für die akkumulierten sachlichen Besitztümer, etwa Aktien oder Immobilien. Analog dazu kann man davon ausgehen, dass ein Portfolio im Sinne einer Arbeitsmappe als Ansammlung von geistigem und kulturellem Kapital interpretiert werden kann.

Der Begriff ePortfolio scheint das Konzept um eine digitale Ebene zu erweitern – dies suggeriert das Präfix „e-“, welches gerne dazu genutzt wird um zu signalisieren, dass ein Wort sich auf eine virtuelle oder digitale Ebene bezieht.
Denkbar wäre hierbei natürlich eine rein digitalisierte Form des normalen Portfolios, die für jeden zugänglich im Internet verfügbar ist oder einfach per Mail versandt werden kann. Wahrscheinlicher und sinnvoller erscheint jedoch, dass es sich um eine Fortsetzung und Erweiterung des normalen Portfolios handelt, welche den Einsatz moderner Medien (z.B. eine Weiterleitung oder Verknüpfung von Inhalten zu entsprechenden URLs) beinhaltet. So kann z.B. gerade die Arbeit an einer Webpräsenz, eine Fähigkeit, die im heutigen Zeitalter durchaus große Relevanz besitzt, nur im Internet selbst adäquat repräsentiert sein.

Portfolioarbeit wäre meines Erachtens, die konkrete Planung, Zusammenstellung und Erweiterung eines Portfolios. Beliebig und willkürlich zusammengefügte Portfolios sind kontraproduktiv, während ein sinnvoll geplantes Arbeiten und Zusammenstellen eigener Lernprozesse verdeutlicht und, sofern man bereit ist auch zwischen den Zeilen zu lesen, abbildet welche Qualifikationen und Fähigkeiten man unter anderem noch erwerben kann um das eigene Portfolio abzurunden.

Was ich von dem Seminar erwarte, welche Fragestellungen und Themen mich interessieren:

Da es sich um ein Seminar im Rahmen des Lehramtstudiums handelt wäre die erste Reaktion zu denken, dass sich alle Arbeit auf den Unterricht beziehen sollte. Dies erscheint mir falsch, da ich davon ausgehe, dass ein Portfolio nicht nur zu Bewerbungen dienen sollte, sondern auch die eigenen Fähigkeiten abbildet. Dementsprechend scheint ein wichtiges Thema zu sein, wie Kompetenzen und Skills in einem Portfolio abgebildet werden, wie man sie aus diesem herausliest und wie man ein Portfolio sinnvoll erweitert.
Diese Fähigkeiten können wiederum dazu dienen Unterricht und Arbeit mit Schülern sinnvoll zu strukturieren – indem man auch hier mit einem Portfolio-Gedanken im Hinterkopf arbeitet – und somit einen nicht nur inhaltlichen Überbau für die Arbeit an der Schule zu definieren. Hierfür wären auch konkrete Ideen, wie Portfolioarbeit und Unterricht interagieren durchaus angebracht und erwünscht.

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