Julia

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Essay

Der Sinn in Kant, Rousseau und Co.

Das erste Semester hat kaum begonnen, schon wird man in der Vorlesung zur Einführung in die Erziehungswissenschaft mit den Theorien und Ansichten Kants, Rousseaus oder Humboldts konfrontiert. Aufgaben, wie das Herausstellen von zentralen Aspekten jener Theorien werden in den vorlesungsbegleitenden Tests abgefragt. Recht schnell wirft sich jedoch bei der Mehrheit der Studenten die Frage auf, warum derartige Inhalte im zukünftigen Beruf, wie etwa dem Lehrberuf nötig seien sollten und warum man Seminare besuchen muss, die schwerpunktmäßig theorieorientiert arbeiten. Dennoch wird wohl jeder, wenn auch nicht direkt am Anfang, merken, dass, auch auf den ersten Blick trocken erscheinende und teilwiese schwer verständliche Theorien von bedeutenden Persönlichkeiten, doch recht hilfreich im bevorstehenden Beruf sein können. Nicht umsonst wären  diese Theorien weltberühmt und oft zitiert, wenn sie nicht zentrale Aspekte der Erziehungswissenschaft wiedergeben würden.

Als  angehender Lehrer, wie es mein Berufsziel ist, ist es wichtig theoretische Inhalte zu kennen, welche man in der Praxis möglicherweise anwenden oder beobachten kann. Ohne eine Grundlage, die man prinzipiell nur durch ein wissenschaftliches Studium erlangt, ist ein strukturiertes, klares  Handeln nur schwer möglich. Ein wissenschaftliches Studium bedient sich daher zurecht häufig Ansichten bekannter Theoretiker, um so zukünftige Verhaltensweisen von, in meinem Falle Schülern, zu erörtern, damit es, einem gerade angefangenen Pädagogen, nicht allzu schwer fällt, mit diesen umzugehen, sie zu verstehen. Ein Lehrer, der neben seiner Lehrfunktion auch ein Teil zur Erziehung eines Schülers beiträgt, sollte wissen, welches Erziehungsziel er anstrebt. Meinungsbildend sind dabei unter Anderem auch Ansätze genannter Kritiker. Sie stellen zum Einen mögliche Erziehungsrichtungen dar, regen aber zudem auch zum Denken an. Darüber hinaus bedarf es eines gewissen Grundverständnisses über bekannte „Erziehungs-Theorien“. Auch wenn einige historische Theorien überholt sind, so liefern sie dennoch häufig Diskussionen, deren Themen auf heute aktuelle Ziele abzielen.

Im Gegensatz zu einer rein praxisgebundenen Ausbildung lernt man in einem wissenschaftlichen Studium diverse Meinungen, Ansätze, Tendenzen kennen, denen man sich zum Teil mehr zum Teil weniger anschließen kann. Bei einer Ausbildung außerhalb der Universität, bleibt es hingegen häufig bei den zuvor für sich festgelegten beziehungsweise durch Eltern, Lehrer oder andere Vorbilder geprägten Ansichten. Ein wissenschaftliches Studium eröffnet, zeigt unterschiedliche Blickwinkel auf und erweitert den eigenen Horizont, in dem man unterschiedliche Meinungen, Vorstellungen kennenlernt. Dies soll allerdings nicht bedeuten, dass ein theoretisches Studium einer praktischen Ausbildung voraus ist. Vielmehr ist ein geeignetes Maß an theoretischen und praktischen Anteilen anzustreben, welches jedoch bis jetzt in den seltensten Fällen realisiert wurde. So beginnt der praktische Anteil in einem Lehramtsstudium erst im 5. oder gar 6. Semester, eigentlich zu spät, wenn man bedenkt, dass das in diesen Semestern angesetzte Praktikum dazu dienen soll, eine endgültige Entscheidung für oder gegen den Lehrerberuf zu treffen. Wünschenswert ist daher, dass zumindestens in zusätzlichen Veranstaltungen extra für Lehrämter in den betreffenden, zukünftig unterrichtenden Fächern, aber vor allem in der Erziehungswissenschaft, Unterrichtsabläufe durchgespielt werden oder zwischendurch kurze Besuche in Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen angesetzt werden.

 

Abschließend komme ich so zu dem Ergebnis, dass ein wissenschaftliches Studium für pädagogische Berufe durchaus sinnvoll ist, jedoch darüber nachgedacht werden sollte, einen höheren Praxisanteil in das Studium einzubinden.

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