Seminarreflexion

Gesellschaftliche Bedingungen der Erziehungs- und Bildungswissenschaften – Bildung im digitalen Medium

geleitet von Christina Schwalbe

Katharina Laborius

6533039 Lehramt für die Primar- und Sekundarstufe 1

Sommersemester 2015

                       Inhalt:

  1. Mein Medienverhalten
  2. Studieren ohne Mediennutzung?
  3. „Internet ist (nicht) nur ein Hype“
  4. Persönliche Öffentlichkeit
  5. Cybermobbing und Onlinesucht
  6. Schluss

1. Mein Medienverhalten

 Katharina1
(Mein Steckbrief, angefertigt in der 1. Sitzung)

In der ersten Sitzung vom Seminar „Bildung im digitalen Medium“, welches von Christina Schwalbe geleitet wird, sollten die Seminarteilnehmerinnen und und Teilnehmer gegenseitige Steckbriefe voneinander erstellen.
Partnerweise interviewten wir uns zu unserem Mediennutzungsverhalten. Ich besitze ein Smartphone, mit welchem ich zu jeder Zeit meine E-Mails anschauen und beantworten kann. Mein Smartphone benutzte ich außerdem zur Konversation mit Freunden, Bekannten und Verwandten. Zumeist bleibe ich über Facebook und WhatsApp mit ihnen im Kontakt. Ich öffne oft das soziale Netzwerk Facebook. Viele ersichtliche Spuren hinterlasse ich (glaube ich) für meine Facebookfreunde jedoch nicht. Selten gebe ich den Personen aus meiner Freundesliste durch zum Beispiel einem „Like“ oder einem Kommentar zu verstehen, dass ich ihre Beiträge, Links, Fotos oder ähnliches wahrgenommen habe. Ich würde mir auf der Plattform Facebook die Rolle der stillen „Stalkerin“ zuweisen.
Seitdem ich mein Handy habe, ist mir „Langeweile“ zumeist ein Fremdwort. Die unterschiedlichsten Browsergames spiele ich in freien Minuten. Dank meiner HVV-App auf dem Smartphone nutze ich immer die beste Verbindung, um zu meinen Ziel zu gelangen. Über Zugausfälle und Verspätungen bin ich aufgrund meines Smartphones in wenigen Sekunden informiert.
Neben meinem Smartphone, welches mich ständig begleitet, besitze ich noch einen Laptop.
Diesen benutze ich überwiegend um universitäre Arbeiten zu verrichten. Ich benutze oft das Schreibprogramm Word und lese mir für die Universität erforderliche Texte zumeist zu Hause auf dem Laptop durch. Dadurch spare ich mir erhebliche Druckkosten und die Frage, wo ich die ganzen gedruckten Blätter lagern soll, erübrigt sich. Themen, aus meinem privaten und universitären Kontext kann ich über meinen Laptop gut recherchieren.
Durch wenige Klicks kann ich eine Vielzahl von Informationen erhalten.
Auf meinem Steckbrief ist ersichtlich, dass ich im April, in der ersten Sitzung des Seminares noch kein Tablett besessen habe.
Mittlerweile gehört mir eins. Ich habe es mir angeschafft, da es handlicher und leichter als ein Laptop ist und somit besser zum Mitnehmen geeignet ist. Außerdem hat es einen größeren Bildschirm als mein Smartphone.

Ich selbst mache täglichen Gebrauch von den neuen Medien. Vor dem Seminar hatte ich jedoch Bedenken, dass ich mich mit den neuen Medien trotzdem nicht gut auskenne. Obwohl das Internet schon über 20 Jahre alt ist und somit nicht mehr neu ist, zählen die Geräte, auf denen es verwendet werden kann, zu den neuen Medien.
Alle Gebiete, die mit Informatik zu tun haben, sind mir ein Rätsel.
Ich war sehr erleichtert, als ich feststellte, dass viele Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer sich ebenso wie ich nicht als Experten der neuen Medien ansehen.
Einige besaßen kein Smartphone oder vermieden bewusst soziale Netzwerke wie Facebook.

2. Studieren ohne Mediennutzung?

Im alltäglichen Verständnis verstehen wir unter Medien technische Mittel bzw. Geräte, die wir zur Information und zur Kommunikation nutzen – oder deren Nutzung wir eben auch bleiben lassen können und uns damit auch dem Medium insgesamt entziehen können. Aber können wir das tatsächlich?
So lautet die Beschreibung des Seminares. Die Frage, ob wir uns tatsächlich den Medien entziehen können, ist unter dem Gesichtspunkt, an der Universität Hamburg einen Abschluss zu erlangen, mit nein zu beantworten. Um studieren zu können, sind Studentinnen und Studenten auf technische Mittel angewiesen.
Dieses beginnt mit der Online-Bewerbung für einen Studienplatz und geht dann bei erfolgter Immatrikulation über die Anmeldung zu Kursen und Prüfungen über.
Sämtliche Literatur wird von Dozentinnen und Dozenten online gestellt und die Kommunikation zwischen diesen und den Studentinnen und Studenten findet oft digital statt.
Die Studierenden müssen nicht in dem Besitz von technischen Geräten sein, da die Universität genügend Computerarbeitsplätze bietet und den Studierenden das Drucken ermöglicht.
Aus meiner Sicht wird jedoch vieles (z.B spontanes Arbeiten) leichter mit eigenen Geräten. Durch das Internet sind viele neue Arbeitsplätze entstanden. Viele andere Arbeitsplätze können aber auch nur noch durch die Nutzung des Internets erhalten werden. Viele Firmen nehmen oft  ausschließlich Online-Bewerbungen an. Studentinnen und Studenten besitzen zumeist das Abitur und gehören zur gebildeteren Bevölkerungsschicht. Vor allem diese Schicht legt großen Wert darauf, über das aktuelle Weltgeschehen informiert zu sein (es gibt natürlich Ausnahmen!). Da fast alle Weltgeschehen über neue Medien erfahren werden, ist es also sinnvoll von den neuen Medien Gebrauch zu machen, wenn der Wunsch nach Informiertheit besteht. Laut Torsten Meyer (vgl. Meyer, 2008. S. 75) ist das Medium etwas „Dazwischen“. Ein Kanal, der über räumliche und zeitliche Distanz Informationen vom Sender zum Empfänger transportiert. Somit ist auch die gesprochene Sprache ein Medium. Vor allem das Medium Internet bietet zumeist Berichte über Geschehnisse aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Das bietet den Konsumenten die Möglichkeit, sich selbstständig ein eigenes Bild über Geschehnisse zu machen. Im Zeitalter des Buchdruckes wurde das Interpretationsmonopol von der Kirche und dem Kaiser zerstört. Die Bücher ermöglichten den Menschen einen Zugang zu veränderten Denkweisen (vgl. Meyer 2008. S. 84/85). Das Internet bietet noch einmal mehr Zugänge zu relevanten Thematiken. In der Realität ist es jedoch zumeist so, dass die Benutzer sich mit den Medienberichten beschäftigen, die ihre eigene Meinung vertreten. Dadurch verfestigt sich die anfängliche Meinung der Benutzer häufig. Bei Veröffentlichungen im Internet ist allerdings zu beachten, dass zunächst jede Personen jeden Inhalt veröffentlichen kann. Anders als zum Beispiel bei einer Veröffentlichung eines Buches, gibt es keinen Verlag oder Ähnliches, der jeden Online-Post überprüft, bevor dieser an die Öffentlichkeit kommt (es gibt natürlich viele Webseiten, die Beiträge zunächst prüfen, jedoch gibt es auch zahlreiche, die das nicht tun). Somit ist nicht auf jede Quelle, die digital gefunden werden kann, Verlass. Die Seriosität geht also einerseits verloren, andererseits wird das Informationsmonopol aufgelöst.

3. „Internet ist (nicht) nur ein Hype“

Internet ist nur ein Hype“ diese Aussage stammt von dem Programmierer Bill Gates (s. Born, 2013. S.11). Sie stammt aus dem Ende des 20. Jahrhunderts. Heute, am Anfang des 21. Jahrhunderts, wird es wohl wenige Menschen geben, die dieser Aussage noch zustimmen werden. Laut der repräsentativen Befragung von BITKOM benutzen nämlich 98% der Zehn- bis 18-Jährigen Deutschen das Internet (vgl. Born, 2013. S. 11). Weltweit gesehen, benutzt jeder 7. Mensch Facebook mindestens einmal im Monat (vgl. ebd. S.91). Unentgeltlich kann sich jede Person ab 13 Jahren bei Facebook anmelden. Das Angemeldetsein  hat trotzdem seinen Preis. Die Mitglieder bezahlen Facebook mit ihren Daten (vgl. ebd. S. 92). Diese werden unter anderem für Werbezwecke ausgewertet. Facebook hält sich das Recht vor, Mitglieder, die nicht mit ihrem echten Namen angemeldet sind, von ihrem Netzwerk auszuschließen (vgl. ebd. S. 118). Es gibt neben Facebook alternative soziale Netzwerke und Chatprogramme, die mehr Datenschutz gewährleisten, jedoch sind die Menschen, welche die Alternativen nutzen, oft in der Minderheit. Wenn diese Alternativen also kaum Austauschpartner bieten, verlieren sie an Attraktivität. Das Internet ist also viel mehr als eine Modeerscheinung. Es wird sich immer weiter entwickeln.Wie diese Weiterentwicklung aussieht, kann zum jetzigem Zeitpunkt nicht vorausgesagt werden. Laut Meyer (vgl. Meyer, 2008. S. 71) gibt es lediglich Ahnungen und Vermutungen, wie die Folgen des Internets aussehen werden. Für Meyer steht jedoch fest, dass das Internet für einen erheblichen Wandel sorgen wird. Die neuen Medien sind für ihn nicht einfach nur neue Werkzeuge, die Prozesse, die vorher schon stattgefunden haben, einfach nur beschleunigen. Die neuen Medien werden stets immer wieder neue Prozesse bedingen (vgl. ebd. S. 74). Er sieht die neuen Medien als unvermeidbaren Bestandteil von Schulen und anderen Gebieten an (vgl. ebd. S. 75).

4. Persönliche Öffentlichkeit

Im folgendem Abschnitt werde ich mich auf Jan-Hinrik Schmidts Kapitel „Selbstdarstellung und Privatsphäre in sozialen Medien“ aus seinem Buch Social Media, welches 2013 erschienen ist beziehen.

Im vorherigem Abschnitt habe ich darüber berichtet, dass sich teilweise Menschen Alternativen zu Facebook suchen, die mehr Datenschutz versprechen. Andererseits gibt es aber auch Nutzerinnen und Nutzer, die absichtlich aktiv persönliche Daten von sich im Netz veröffentlichen. Das Preisgeben von Joggingrouten oder das Posten von Standorten ist im World Wide Web keine Seltenheit. Schmidt listet drei Merkmale auf, die eine sogenannte Persönliche Öffentlichkeit ausmachen. Solange die Internetnutzer die Kontrolle haben, welche anderen Personen an welche Daten herankommen, wird ihnen Privatsphäre zugesprochen.

Merkmale der persönlichen Öffentlichkeit:

  1. Die Fotos, Beiträge und Gedanken, die gepostet werden, müssen nicht dem Geschmack und den Interessen der breiten Öffentlichkeit entsprechen. Die Nutzerin oder der Nutzer entscheidet individuell, welche Thematiken für sie oder ihn individuell relevant sind.
  2. Das Zielpublikum ist zumeist überschaubar. Es handelt sich in der Regel um das eigene soziale Netzwerk. Die Person, die Inhalte mit ihrem sozialen Netzwerk teilt, hat eine grobe  Orientierung über die Zuschauerinnen und Zuschauer. Es kann vorkommen, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer sehr unterschiedliche Beziehungen zu der Person haben. Wenn sowohl Freunde, Eltern wie auch Arbeitskolleginnen- und Kollegen die Inhalte sehen können, können ganz unterschiedliche Erwartungen an den Inhalt zustande kommen. Es ist schwierig, dem heterogenen Publikum die Erwartungen zu erfüllen. Die Freunde möchten das Partybild vom letzten Wochenende sehen und die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber erwartet ein Bild im Anzug. Eine Balance zu finden, gestaltet sich in solchen Fällen als schwierig. Durch zum Beispiel „Likes“, die bei Facebook verteilt werden können, bekommt eine Person eine Rückmeldung, ob die veröffentlichten Beiträge positiv auf das Publikum gewirkt haben. Das Gleichgewicht zu finden, zwischen dem wer man ist und dem der man gerne sein möchte, kann sich als äußerst problematisch gestalten.
  3. Das letzte Merkmal der persönlichen Öffentlichkeit ist, dass jegliche Online-Aktivitäten auf Kommunikation ausgelegt sind. Posts haben den Sinn ein Gespräch zu entfachen oder aufrecht zu erhalten.

Außerdem werden noch vier Eigenschaften von digital vernetzten Medien genannt:

  1. Was einmal im Internet steht, bleibt auch im Internet bestehen
  2. Daten sind ohne Qualitätsverlust kopierbar
  3. Die Reichweite der Informationen ist unbegrenzt
  4. Digitale Daten sind zum Beispiel durch Google durchsuchbar

Durch diese genannten Eigenschaften wird das Ziehen einer Grenze zwischen der Privatsphäre und der Öffentlichkeit erschwert.

5. Cybermobbing und Onlinesucht

In den vorangegangenen Kapiteln habe ich dargestellt, dass das Internet ein immer wichtigerer Alltagsbegleiter werden wird. Dieses hat viele Vorteile, kann aber auch Nachteile mit sich ziehen. 45% der Internetzeit wird von Jugendlichen zum Kommunizieren benutzt. Zumeist werden die Freundschaften, die in der realen Welt geschlossen wurden, ins Internet übertragen, ausgebaut und gefestigt. Vielen Benutzern fällt es jedoch leichter im Internet auf andere Menschen zu zugehen als im realen Leben. Die Internetverwender können entscheiden, ob sie ihre gesamte Persönlichkeit im Netz bekannt geben oder ob sie nur positive Facetten derer äußern. Wenn die Chatpartnerin oder der Chatpartner einem im realen Leben nicht bekannt ist, kann das Gegenüber nie ganz genau wissen, ob es sich wirklich um die Person handelt, für die sie oder er sich ausgibt oder ob sich die Chatpartnerin oder der Chatpartner nur für ihre individuell angestrebte Persönlichkeit ausgibt (vgl. Born, 2013. S. 216). Online-Rollenspiele, in denen die Spielerinnen und Spieler in andere Welten eintauchen können, erfahren eine große Beliebtheit. Die Spielerinnen und Spieler können in solchen Spielen in fremde Charaktere schlüpfen und diese steuern. Die Rollenspiele ermöglichen also eine Flucht aus der Realität. Es ist möglich, dass eine emotionale Verbindung zu dem Spiel und den Figuren aufgebaut wird (vgl. ebd. S. 129). Dieses kann zu einer Onlinesucht führen. In dem Buch „Im Netz gewinn ich jeden Fight„, welches von Armin Kaster geschrieben wurde und als Zielgruppe die Kinder der Sekundarstufe 1 vorsieht, geht es um einen Jungen namens Max. Der Vater von Max ist arbeitslos, raucht und trinkt viel Alkohol. In Ego-Shooter-Spielen sucht Max eine Flucht aus der Realität. Schließlich meldet er sich bei dem Rollenspiel MYSTLAND an, welches er zwei Wochen lang kostenlos testen kann. Max verbringt zahlreiche schlaflose Nächte vor dem Computer, vergisst Termine und vernachlässigt seine Freunde und die Schule. Nachdem die Testversion abgelaufen ist, ist er bereits so süchtig nach dem Spiel, dass er seiner Mutter Geld klaut, um die Testversion verlängern zu können. In der Online-Welt lernt Max andere Spieler kennen, die er zeitweise als gute Freunde von ihm einstuft. Nach Einschätzungen von Max  sind seine „Freunde“ dauernd online, diese ständige Erreichbarkeit erwarten sie auch von ihm. Max wird schließlich von seinen neu gewonnen „Freunden“ ausgeschlossen und blockiert, da er aus deren Sicht zu wenig Zeit online verbringt. Die Chatseite Knuddels fordert seine Mitglieder, wenn diese sich längere Zeit nicht eingeloggt haben auf, einen Login zu machen, ansonsten drohen sie mit einer Löschung des Accounts. Ein tatsächliches Löschen findet allerdings auch nicht nach mehreren Monaten statt (vgl. Born 2013. S. 219). An den beiden Beispielen kann sehr schön gesehen werden, wie Internetnutzer an das Internet gebunden werden sollen. Sie werden mit der Erwartung konfrontiert, sich möglichst täglich mit den Online-Inhalten zu beschäftigen. Tun sie es nicht, werden ihnen Sanktionen angedroht oder sie erhalten solche.  Dieser äußere Druck, ständig dabei sein zu müssen, begünstigt eine Onlinesucht. Herrn Roland, dem Lehrer von Max, ist aufgefallen, dass Max sich anders verhält. Durch die Schulfreunde von Max erfährt er, dass sich Max täglich stundenlang mit Online-Spielen beschäftigt. Der Lehrer sucht das gemeinsame Gespräch mit Max, seinen Eltern und seinen Freunden. Gemeinsam vereinbaren sie, dass Max sich weniger mit dem Computer beschäftigen wird und wieder mehr Aktivitäten im realen Leben wahrnehmen wird.

Der Lehrer Herr Roland ist mein Vorbild. Ich selbst möchte auch in der Sekundarstufe 1 arbeiten. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass gerade Kinder in diesem Alter sich viel mit Rollenspielen beschäftigen. Es ist wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler sinnvoll mit den neuen Medien umgehen und sich nicht, so wie Max, nur auf diese fokussieren. Der Lehrer hat nicht den Vorschlag gemacht, dass Max ganz auf den Computer, beziehungsweise sein Rollenspiel verzichtet, sondern dass er die Benutzung reduziert. Er hat seinen Schüler also da abgeholt, wo sich dieser gerade befindet und möchte in kleinen Schritten sein Ziel erreichen, nämlich die Onlinesucht zu überwinden. Herr Roland zeigt Max Alternativen zu Rollenspielen auf, macht ihm keine Vorwürfe und informiert die Umwelt von Max. Ich kann mir gut vorstellen, dieses Buch mit meinen zukünftigen Schülerinnen und Schülern gemeinsam zu lesen und von dem ausgehend über die Vor- und Nachteile von den neuen Medien zu reden. Möglicherweise kann dieses auch ein Mutmacher für das eine oder andere Kind sein, welches sich teilweise in dem Protagonisten Max wiedererkennen kann. Erschreckend ist, dass 80% der 12-19 Jährigen unangenehme Medienerfahrungen gemacht machen. Dazu zählt unter anderem

  • das Datenouting, das heißt, es werden persönliche Daten eines Menschen gegen dessen Willen an Dritte weitergegeben
  • Extremismus, die Jugendlichen werden mit sehr unangenehmen politischen Positionen konfrontiert
  • Pornografie, mit der Nacktheit können viele Personen in diesem Alter noch nicht umgehen
  • sexuelle Belästigung, den jungen Menschen werden anzügliche Texte oder auch Bilder geschickt und sie werden selbst dazu aufgefordert ihren Körper zu präsentieren
  • Gewaltvideos- und Spiele, die für schlechte Träume sorgen können
  • Computersucht, die wie in dem Fall von Max zur Distanzierung aus der realen Welt führen kann
  • Onlinemobbing, auf diesen Punkt werde ich gleich eingehen

(vgl. ebd. S. 12).

Nur 20% der Eltern halten die Mediennutzung ihrer Kinder für Problematisch. Es haben also viele Kinder unangenehme Erfahrungen gemacht und die wenigsten Eltern wissen überhaupt darüber Bescheid. Aus diesem Grund finde ich es sehr wichtig, dass die Eltern, die zu meist ein geringeres „technisches-know-how“ als ihre Kinder haben, über das Internet aufgeklärt werden. Ich kann mir gut vorstellen, mit meinen Schülerinnen und Schülern Präsentationen zu Nutzungsmöglichkeiten des Internets vorzubereiten, die dann den Eltern vorgestellt werden. Ich möchte dafür sorgen, dass sich die Kinder guten Gewissens mit (Internet) Problemen an mich und ihre Eltern wenden können und dass sie Hilfe erwarten können und bekommen.

Laut einer Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing wurde jede 6. Schülerin beziehungsweise jeder 6. Schüler Opfer von Cybermobbing (vgl. ebd. S. 276). Streitigkeiten, die, bevor es die neuen Medien gab nur persönlich stattgefunden haben, werden nun auch mit in das Internet ausgeweitet. Die oder der Betroffene wird bis nach Hause mit dem Mobbing verfolgt. Im Internet können sich schnell Gemeinschaften anfinden, die eine bestimmte Person mobben. Beim Betrachten der Eigenschaften von digitalen Medien nach Schmidt wird deutlich, wie einfach so etwas geschehen kann. Mobbing kann das Verbreiten von persönlichen Daten sein, das Erzählen von Lügen aber auch das Erzählen von unangenehmen Wahrheiten. Die Opfer müssen sich mit Beleidigungen auseinandersetzen. Die Cybermobber geben als Grund für ihr Handeln oft Genervt- oder Wütend sein auf das Opfer an. Hass, Rache, Vergnügen, Neugier oder Langeweile werden auch als Antrieb genannt.

Oft werden Personen auch von anonymen Tätern aus dem vermeintlichen Freundeskreis gemobbt. So ergeht es der Protagonistin Julie in dem Buch „Ich blogg dich weg!„, von Agnes Hammer. Ihre angeblich beste Freundin Jasmina ist wütend auf Julie, da Jasminas Freund ihr mitgeteilt hat, dass er in Julie verliebt sei. Anonym schreibt Jasmina Julie böse Nachrichten, die Beleidigungen und Drohungen enthalten. Sie erstellt auch in einem sozialen Netzwerk ein gefaktes Profil von Julie. Julie, die keine Ahnung darüber hat, dass Jasmina dahinter steckt, weint sich bei dieser aus. Jasmina gibt vor Julie bei der Tätersuche zu unterstützen und ihr Trost zu schenken. Die Situation eskaliert sehr schnell, viele Mitschüler schließen sich dem Mobbing an und am Ende kommt es zu körperlichen Auseinandersetzungen. Jasmina verhält sich im Internet mit ihrer geheimen Identität anders als sie es im echten Leben tut. Letztendlich findet Julie noch heraus, dass die gemeinen Nachrichten von Jasmina stammen. Das Internet vermittelt eine Scheinsicherheit. Für Experten ist es oft ein leichtes den Internetnutzer im wahren Leben zu identifizieren. Cybermobbing ist ein hochaktuelles Thema, Levan Gabriadze hat dieses in seinem Kinofilm „Unknown User“ thematisiert.

In dem Film hat die Protagonistin Laura Barns sich selbst ermordet. Die Schülerin wurde von Mitschülerinnen und Mitschülern extrem gemobbt, nachdem ein Video veröffentlicht wurde in dem sie sich betrunken eingekotet hatte. Ein Jahr nach ihrem Tod taucht in der Skype-Gruppenunterhaltung ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler eine unbekannte Person auf. Der Tod von Laura Barns wird thematisiert. Es wird zurückverfolgt, welche Mitschülerinnen und Mitschüler welche Sachen gepostet haben. Die Mitschülerin Val wurde von Laura gebeten, das peinliche Video zu löschen. Val verweigert das und schlägt Laura stattdessen vor, sich einfach umzubringen. Es ist erschreckend zu sehen, welche Folgen das Cybermobbing haben kann. Durch mysteriöse Weise werden von den Accounten von Lauras Mitschülerinnen und Mitschülern Bilder veröffentlicht. Diese können gelöscht werden, tauchen aber nach kurzer Zeit wieder auf. Der Film wird eingeleitet mit „Im Internet bleiben deine Erinnerungen für immer erhalten aber auch deine Fehler“. Diese Botschaft wird von dem Film sehr deutlich rüber gebracht. Es werden die Fehler, die vor einem Jahr begangen wurden, aufgedeckt und die Inhalte, die im Internet gelandet sind, können nicht für immer gelöscht werden.

Die Forscher der Universität Bielefeld sind der Meinung, dass zur Medienkompetenz auch dazu gehört, dass sozial-verantwortlich mit den Medien umgegangen wird. Schülerinnen und Schülern sollte vor allem eine ethisch-reflexive Dimension der Mediennutzung beigebrachten werden(vgl. Born, 2013. S. 277/278). Genau das zähle ich, als zukünftige Lehrerin, unter anderem zu meinen Aufgaben. Wenn Schülerinnen und Schüler sich mit dem Thema Cybermobbing und deren Folgen beschäftigt haben, kommt es hoffentlich zu weniger unangenehmen Medienerfahrungen.

6. Schluss

Das Seminar hat mir Spaß gemacht. Es war interessant mit Menschen aus unterschiedlichen Studiengängen und somit unterschiedlichen Blickwinkeln zu diskutieren. Mir ist bewusst geworden, wiesehr das Internet meinen Alltag dominiert und weiterhin dominieren wird. In meiner eigenen Schullaufbahn wurden die Medien kaum thematisiert. Eine funktionierenden PowerPoint-Präsentation wurde aber zumeist von mir erwartet. Ich bin gespannt, welche Auswirkungen das Internet zukünftig bringen wird. Mir ist bewusst, dass dieses Seminar in einigen Jahren gar nicht mehr auf dem aktuellen Stand sein wird. Dieses wird nicht ausreiche, um Kindern später ausreichend Medienkompetenzen beizubringen. Das Internet wird eine Herausforderung sein und ich freue mich darauf, Fortbildungen zu machen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass in jeder erzieherischen Ausbildung die Vermittlung von Medienkompetenz geschult wird. Ich habe über die Onlinesucht und das Cybermobbing geschrieben, welche Kehrseiten des Internets sind. Dieses bedeutet aber nicht, dass ich dem Internet im Allgemeinen negativ gegenüber stehe.

 

Literatur:

  • Born, Sigfrid: Kinder sicher im Netz. Das Elternbuch. Heidelberg, München, Landsberg, Frenchen, Hamburg 2013.
  • Hammer, Agnes: Ich blogg dich weg! Bindlach 2013.
  • Kaster, Armin: Im Netz gewinne ich jeden Fight! An der Ruhr 2009
  • Meyer, Torsten;  Johannes Fromme, Werner Sesink (Hrsg.) Pädagogische Medientheorie. Wiesbaden (S. 71-94).
  • Schmidt, Jan-Hinrik: Social Media. Wiesbaden 2013.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.