Will sich die Weiterbildung am Output messen lassen?

Veranstaltung am 4.Juni 2009, Kultursaal der Arbeitnehmerkammer Bremen:

„Will sich die Weiterbildung am Output messen lassen?

Zur Feststellung und Anerkennung von Kompetenzen auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene“

Die Messung von Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen gewinnt infolge der verstärkten Orientierung an Lernergebnissen zunehmend an Bedeutung. Durch die Anpassung der nationalen europäischen Bildungs- und Qualifikationssysteme an den Europäischen Qualifikationsrahmen EQR werden Vorgaben geschaffen, wonach der »Output«, also das tatsächliche »Können« der Prüfungs-Kandidatinnen und -Kandidaten ausschlaggebend sein soll.

Mit dem Ansatz der Outputorientierung sind dementsprechend hohe Erwartungen verbunden: Menschen, die jahrelang in privaten oder beruflichen Zusammenhängen tätig waren und Erfahrungen gesammelt haben, aber nie die Gelegenheit zu Ausbildung oder Studium hatten, könnten möglicherweise weniger aufwendig als bisher ihre Kenntnisse und Fertigkeiten prüfen lassen und damit Bildungsabschlüsse, bessere berufliche Aufstiegschancen und gesellschaftliche Teilhabe erwerben ‚Äì ganz im Sinne des Lebenslangen Lernens.

Bisher richtet sich das deutsche Bildungs- und Berufsbildungssystem stark nach dem »Input«, also den Faktoren, die in das Bildungssystem eingegeben werden, wie die Qualifizierung des Lehrpersonals (Meister/in, Professor/in), die Dauer einer Ausbildung, die Ausbildungsstätte (Fachhochschule, Universität) und das Curriculum (Lehrplan). Auch hier werden Kompetenzen gemessen und bewertet, jedoch haben hier die Input-Faktoren ebenfalls eine große Bedeutung.

Das wird dann zum Problem, wenn nicht jede und jeder einen Zugang an die Ausbildungsstätte ihrer oder seiner Wahl hat, wie das für Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Schulabschluss der Fall ist oder auch für diejenigen mit Hauptschulabschluss. Dadurch wird dem deutschen Bildungs- und Berufsbildungssystem eine hohe Chancenungleichheit und geringe Durchlässigkeit zugeschrieben.

Die bisherige Ausrichtung in Deutschland auf den Input setzt jedoch nicht nur äußere und formale Maßstäbe, sondern trifft auch inhaltliche Festlegungen: Lehrpläne und Ausbildungsordnungen sind Produkte der Aushandlung verschiedener gesellschaftlich relevanter Gruppen darüber, welche Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen Absolvent/innen am Ende einer Ausbildung haben sollten. Diese beziehen sich nicht nur auf berufsspezifische Inhalte sondern auch auf allgemeinbildende, entwicklungsorientierte Aspekte wie die verantwortungsvolle und mündige Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen.

Vorbehalte an der verstärkten Orientierung an Lernergebnissen liegen gerade in den letztgenannten Aspekten: Werden Inhalte, die die Persönlichkeitsentwicklung und Mündigkeit umfassen noch ausreichend berücksichtigt gegenüber stark an (beruflichen) Anforderungen orientierten Inhalten? Wer bestimmt diese Lerninhalte, wenn sie nicht mehr gesellschaftlich ausgehandelt werden?

Was liegt näher als der Blick auf Länder, die bereits Erfahrungen mit der Bewertung und Anerkennung von Lernergebnissen haben? Welche Wege können übernommen werden, welche Fehler sind zu vermeiden?

Welche Anstrengungen unternimmt Deutschland bereits in der Anerkennung von Lernergebnissen, die außerhalb des formalen Bildungs- und Berufsbildungssystems erworben wurden? Mit welchen Verfahren können Kompetenzen festgestellt werden?

Die Beiträge:

Grotlueschen_2009_Lea-Dialog_GATS

Bohlinger_2009_Validierung_Lernergebnisse_international

Münchhausen_Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in Deutschland

Schügl_2009_Kompetenzfeststellungsverfahren_in_Bremen


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