Vorgehensweise im leo.-Projekt

Auf Basis von vorhandenen Theorien des Schriftspracherwerbs lassen sich so genannte Alpha-Levels herleiten, die die vorhandenen des Schriftspracherwerbs an die Lage im Erwachsenenalter anpassen. Diese Theoriearbeit wurde bereits im Projekt lea. – Literalitätsentwicklung von Arbeitskräften geleistet.

Für  die erfolgreiche Durchführung dieser Studie mussten zum einen Testaufgaben entwickelt werden, die ein differenziertes Bild der Lese- und Schreibkompetenzen abbilden.  Die Skalierung der Items ist durch einen Skalierungspretest in Hamburg und Berlin (n=327) und einen bundesweiten, von TNS Infratest durchgeführten, Verfahrenspretest (n=513) erfolgt.
Der repräsentative Hauptlauf startete am 1. März 2010 mit einer Aufstockungsstichprobe (n= 7000+1350).
Hierdurch wurden Personenfähigkeiten zur Schriftsprache in den unteren Literalitätsbereichen erfasst. Gleichzeitig sind die bisher skalierten Items auch entlang der erwachsenen, deutsch sprechenden Wohnbevölkerung normiert worden.

Zum anderen musste die Zielgruppe zur Teilnahme an einem solchen Test motiviert werden, denn gerade jene Personen, die eher geringe Lese- und Schreibkompetenzen besitzen, können aufgrund ihrer Ängste und Sorgen, dass dadurch eventuell ihre Schwachstellen aufgedeckt werden könnten, die freiwillige Teilnahme an einem solchen Test verweigern. Die Items mussten daher unterhaltsam und erwachsenengerecht sein. Sie basieren auf Eigentexten Erwachsener, auf fotografierten Schriftzügen, auf Aphorismen und Kunstwerken, teils eingebettet in Charaktere der Arbeitswelt. Die Aufmachung der Aufgaben ähnelt weniger Büronotizen oder Formularen (wie in der IALS), sondern vielmehr farbigen Rätselseiten (wie in Illustrierten und Magazinen).

Die hier angewandte Definition von Analphabetismus orientiert sich an der Definition der UNESCO von 1978, bei der es darum geht, ohne fremde Hilfe in der Gesellschaft leben zu können. Innerhalb der leo. – Level-One Studie wird Analphabetismus wesentlich über die Fähigkeit des Schreibens und weniger des Lesens definiert. Dieser Ansatz entspricht der Förderungspraxis und den Erfahrungen aus Alphabetisierungskursen.


 
 
 

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