Essay von Laura: Lernen im Social Web?

4. Dezember 2010

Wenn ich mir Gedanken darüber mache, was lernen im Social Web für mich bedeutet sind zwei Dinge von großer Bedeutung:

Erstens muss ich verdeutlichen, was für mich „lernen“ heißt und welche Bereiche dieses „Lernen“ umfasst, unter welchen Bedingungen der Mensch also lernen kann.

Zweitens ist es notwendig zu definieren, was für mich das Social Web ist, welche Charakteristika also für mich Social Web ausmachen.

Nach der Erläuterung dieser zwei Fragestellungen werde ich versuchen die Ergebnisse zu einer These zusammenzuführen, die entweder belegt dass oder dass kein Lernen im Social Web möglich ist.

Der Begriff „Lernen“ ist einer der am weitesten fassbaren Begriffe. Unter „Lernen“ kann alles Mögliche verstanden werden. Ich werde hier nicht auf wissenschaftliche Veröffentlichungen oder sonstige vorgegebene Definitionen zum Thema eingehen, da es ja darum geht meine Vorstellung von „Lernen“ zu definieren. Diese ist natürlich geprägt durch die verschiedenen Definitionen und wissenschaftlichen Ansätze und Thesen, die ich in meiner bisherigen Schul- und Universitätslaufbahn kennengelernt habe. Aus diesen unterschiedlichen Meinungen, Äußerungen und Definitionen entwickelte sich (teilweise bewusst, teilweise unbewusst) meine heutige Vorstellung von dem, was „Lernen“ ausmacht.

Meiner Meinung nach kann Lernen überall und immer stattfinden.

Das wichtige ist hierbei der Begriff „kann“, denn Lernen findet nicht immer und nur unter bestimmten „lernfördernden“ Voraussetzungen statt. Eine dieser Vorraussetzungen, die „Lernen“ fördert, wenn nicht sogar erst ermöglicht, dass richtig gelernt werden kann, ist die Motivation des Lerners (und natürlich auch der Lernerin). Ich möchte dies besonders betonen, bevor ich darauf eingehe, welche Arten von Lernen und lernfördernden Voraussetzungen es gibt, denn ich halte die Motivation für die Vorraussetzung, die „Lernen“ erst ermöglicht. Wenn ich etwas nicht interessant finde, wenn ich mich etwas (egal auf welchem Grunde auch immer) nicht beschäftigen möchte, dann kann ich mich vielleicht noch zehn Minuten nach Vermittlung der Inhalte daran erinnern, aber danach verschwindet dieses Wissen wie im Nebel. Es besteht nämlich ein Unterschied darin wie lange das Wissen bestehen bleibt, ob man Wissen also im Kurzzeitgedächtnis (wie z.B. beim Auswendiglernen einen Tag vor einer Klausur) oder im Langzeitgedächtnis speichert. Durch das Hervorrufen von Motivation ist die Chance sehr viel größer, dass neues Wissen im Langzeitgedächtnis gespeichert wird, was (für mich) „richtiges“ Lernen bedeuten würde.

Doch zurück zu den unterschiedlichen Arten von „Lernen“ und lernfördernden Vorrausetzungen für gelungenes Lernen. Man kann auf viele Arten lernen, ob nun von außen (also beispielsweise durch eine Lehrperson) veranlasst oder aus eigener Motivation heraus. Des weiteren kann Lernen bewusst oder unbewusst stattfinden, wobei die beiden eben genannten Arten zu Letzterem zählen. Unbewusstes Lernen findet dann statt, wenn wir beispielsweise das erste Mal vor einem Fahrrad stehen und durch Ausprobieren irgendwann herausbekommen, wann man umfällt und wann nicht. Dies geschieht nicht bewusst, denn wir sagen uns nicht, dass wir nun Fahrradfahren lernen wollen. Wir tun es einfach und verinnerlichen die einzelnen Erfolge und Misserfolge sofort und fügen sie unbewusst zu einem Gesamtbild zusammen, was uns schlussendlich ermöglicht erfolgreich Fahrrad zu fahren. In der Schule hingegen findet meist bewusstes Lernen statt, denn uns wird vorgegeben was wir wann machen und wie das Ganze geht. Natürlich gehen heutzutage viele Unterrichtskonzepte auch darauf ein, unbewusstes und bewusstes Lernen zu verbinden, indem man beispielsweise Vorerfahrungen der Lerner mit in den Unterricht einbezieht und selbsterschließendes, handelndes oder experimentelles Lernen ermöglicht, sowie eine Vielfalt von Lernwegen, -strategien und Materialien anbietet um den individuellen Lernern, ihren Vorkenntnissen, Erfahrungen und Lernniveaus gerecht zu werden und diese optimal fördern und ausbauen zu können.

Eine Erweiterung dieser Vielfalt im Unterricht kann das Social Web bieten. Aber was ist „Social Web“ für mich? Nimmt man die einzelnen Wörter und übersetzt sie so erhält man: soziales Netz. Unter sozial möchte ich in diesem Fall gemeinschaftlich, gemeinsam, zusammen verstehen und unter Netz das Internet allgemein. In der Öffentlichkeit werden Anwendungen wie Facebook, Studivz, Social Bookmarking, Youtube, Foren und Vieles mehr unter dem Begriff zusammengefasst. Auch ich beziehe mich auf solche Anwendungen, wenn ich von „Social Web“ Diensten spreche. Diese ermöglichen ein Vernetzen der Teilnehmer bezogen auf die unterschiedlichsten Themengebiete.

Und genau hier kommen beide Definitionen zusammen und können „vernetzt“ werden, denn im Social Web kann man auf unterschiedlichste Weise lernen. Häufig unbewusst, wenn man beispielsweise auf Facebook Freunde sucht und erst einmal durchschauen muss, wie das Programm überhaupt funktioniert, aber immer häufiger auch bewusst, wenn man sich beispielsweise mit einer Seminargruppe im Internet ein Blog anlegt, Studivz dazu benutzt alle Teilnehmer eines Seminars zu versammeln oder irgendwo eine Gruppe zu irgendeinem Thema eröffnet. Der eine möchte seinen Auspuff reparieren, geht dafür in ein Auto-Forum und tauscht sich mit Gleichgesinnten über die besten Kaufmöglichkeiten für Teile sowie die eigentliche Montage dieser aus. Derjenige lernt nicht nur wie man einen Auspuff montiert, sondern auch wie man eine Suchmaschine benutzt um ein geeignetes Forum zu finden, dann Forumsbeiträge formuliert und wo man Informationen zu einem bestimmten Thema herbekommt.

Immer öfter wird das Social Web jedoch auch von schulischer Seite benutzt um beispielsweise Gruppenarbeiten zu organisieren (Stichwort: WIKI-Nutzung), Austauschpartner im Ausland zu kontaktieren (Stichwort: Facebook, Chatprogramme, Foren), Informationen zu sammeln (Stichwort: Foren, Wikipedia, Suchmaschienennutzung) oder um zu lernen, wie man kritisch mit neuen Medien umgehen kann und welche Vor- und Nachteile Programme wie Facebook und Co. haben können. Überall dort kann „Lernen“ stattfinden und das Social Web bietet die wohl vielfältigsten Möglichkeiten zum Lernen und Auffinden neuer Informationen. Es kann also nur sinnvoll sein, das Social Web und seine Möglichkeiten zu nutzen, jedoch sollte diese Nutzung immer an die jeweilige Lernergruppe, deren Interessen, Kenntnisstände und Lernziele angepasst werden. Dabei sollte die Lehrperson immer darauf achten, eine kritische Mediennutzung anzustreben!

Beenden möchte ich meinen Essay jedoch mit einem sehr schönen Zitat, das für mich den wichtigsten Grundsatz für „Lernen“ jeder Art (egal ob im Social Web oder im „richtigen“ Leben) darstellt: „Sage es mir – Ich werde es vergessen! Erkläre es mir – Ich werde mich erinnern! Lass es mich selber tun – Ich werde verstehen!“ (Konfuzius)

2 Kommentare

 

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2 Comments so far ↓

  1. Oline sagt:

    Ein wirklicher schöner Essay. Danke. Ich bin diese Art von Text zu schreiben nicht gewöhnt und finde es super eine solch tolle Anregung zu bekommen.
    Deine Definition von Lernen finde ich super. Ich empfinde dies für mich genauso. Ergänzen würde ich aber noch Situationen in denen du unbewusst etwas mitbekommst, es abspeicherst und dich überhaupt nicht merh daran erinnerst. Und dann kommt eine Situation die mit der vorherigen gar nichts zu tun gehabt hat und du kannst pötzlih mit Wissen glänzen. Solche Situationen finde ich immer wieder total spannend und sie zeigen mir jedesmal sehr deutlich das wir wirklich immer und überalle lernen.

  2. cathrin sagt:

    Ich finde den Essay auch sehr gelungen. Ich wusste nicht so recht, wie man wirklich einen Essay schreibt, und so wie du es gemacht hast, sagt es mir wirklich zu. Ich finde es gut, dass du die einzelnen Schritte deines Vorgehens benennst und den Leser somit “lernen” lässt, wie man an eine solche Fragestellung heran geht. Vielleicht könnte man die beiden Überlegungen im letzten Schritt noch etwas umfassender zusammenfügen, aber insgesamt finde ich deine Ideen interessant und gut formuliert!

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