Sollten vermehrt oder härtere behavioristische Methoden zur Disziplinierung von Schülern eingesetzt werden?

Focus Online titelt „Kampfzone Klassenzimmer“[1] und Welt Online veröffentlicht den Artikel „Disziplinlose Schüler überfordern deutsche Lehrer“[2]. Immer mehr Lehrer verzweifeln bei dem Versuch „hyperaktive[…], total aufgedrehte[…] und wahnsinnig nervige[…] Schüler[…]“[3] zur Ordnung zu rufen. „Schreien, drohen, gut zureden, sie habe alles probiert, berichtet eine Lehrerin“[4]. Alles blieb erfolglos.[5] Aber wie sollen die Lehrer die Schüler disziplinieren? Die gewöhnlichen Strafen, wie das Abschreiben der Schulordnung oder das Nachsitzen scheinen nicht mehr zu greifen. Sollten daher vermehrt oder härtere behavioristische Methoden eingesetzt werden, da diese ohnehin schon umstritten sind? Denn immer wenn man etwas über den „Behaviorismus“ liest, stößt man auf Kritik, sei es, dass ein „mechanistischer Charakter“[6] auffalle oder „innerpsychische Vorgänge keine Rolle spiel[t]en“[7]. Im folgenden werde ich versuchen, diese Frage zu klären, nachdem ich eingangs kurz beleuchtet habe, was der Behaviorismus genau ist und was er im Zusammenhang mit dem Lernen und der Erziehung bedeutet.

Wie der Begriff „Behaviorismus“ bereits vermuten lässt, geht es in dieser Theorie um das Verhalten des Menschen, welcher zentral als „Produkt der Umwelt“[8] angesehen wird. Es wird analysiert, aus welchen Bedingungen bestimmte Verhaltensweisen und Aktivitäten entspringen. Nach Auffassung der Behavioristen wird das Verhalten des Menschen durch äußere Gegebenheiten gesteuert. Den innerpsychischen Prozessen fällt somit keinerlei Bedeutung zu.[9] Die Behavioristen verstehen unter „Lernen“ die „Mechanik von „stimulus“ und „response“ (Reiz und Reaktion)“[10].[11] In anderen Worten, es entsteht eine „Reiz-Reaktions-Kette“[12]. Nachdem ein Reiz gesetzt wurde, wird darauf in einer bestimmten Art und Weise reagiert. Ist die Reaktion die erwünschte, wird das Verhalten durch „positive Verstärkungen (Erfolg, Lob, positive Sanktionen)“[13] bestätigt. Wird nicht das erwünschte Verhalten gezeigt, wird dieses durch „negative Verstärkungen (Misserfolg, Strafe, Tadel, negative Sanktionen)“[14] abgeschwächt.[15] Nachdem sich eine solche Kette gebildet hat, hat derjenige, der auf den Reiz reagiert hat, etwas Neues gelernt.[16] In der Schule ist es dann die Aufgabe des Lehrers, geeignete Reize zu setzen und auf die Reaktionen der Schüler entsprechend zu reagieren. Dadurch beeinflusst er die Lernprozesse der Schüler, deren innerpsychische Prozesse für ihn nicht entscheidend sind.[17] Solch ein Vorgang wird auch als Konditionierung bezeichnet, was auch ein Beispiel für die Erziehung ist, die auf die direkte Einwirkung setzt. Der Erzieher nimmt ständig Einfluss auf den Erziehenden und formt ihn, indem er ihn auf der Basis von „Befehl und Gehorsam“[18] bestimmte Verhaltensmuster erlernen lässt.[19] Z.B. wird den Schülern durch die Lehrer oder durch die Schul-Ordnung deutlich gemacht, dass sie rechtzeitig zum Unterricht erscheinen müssen. Wenn Schüler mehrfach zu spät kommen, werden sie durch den Lehrer bestraft (negative Verstärkungen). Dies fängt bei einer Ermahnung an und führt bis zum Nachsitzen, bis der Schüler in der gewünschten Art und Weise auf den Reiz, rechtzeitig zu kommen, reagiert. Der Schüler wurde also dahingehend konditioniert, dass er das Zu-Spät-Kommen mit einer Bestrafung verbindet und somit genau weiß, dass es zwei Möglichkeiten gibt: entweder er erscheint rechtzeitig zum Unterricht und erhält keine Bestrafung oder er kommt zu spät und erhält eine Bestrafung. Sind solche Methoden die einzige Chance, Schüler zu disziplinieren oder gibt es noch andere Wege?

Der britische Bildungsexperte und ehemalige Schulleiter Alan Steer ist der Überzeugung, dass die Schüler durch behavioristische Maßnahmen diszipliniert werden können. So fordert er, die „Schulen und die Lehrer besser darüber zu informieren, zu welchen Sanktionen sie greifen können“[20]. Die Lehrer sollen laut Steer ihre Autorität aber nicht nur in der Schule ausüben. „Auch wer sich auf dem Weg zur Schule daneben benimmt oder Mitschüler drangsaliert, soll bestraft werden.“[21] Laut eines Berichts von t-online sind selbst den Schülern strenge Lehrer lieber, wenn sie gleichzeitig gerecht und humorvoll sind.[22] Die Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank ist der Auffassung, dass Rituale helfen, die Kinder zur Ruhe zu bringen. Eine gemeinsame Begrüßung läutet z.B. den Beginn des Unterrichts ein und ist darüber hinaus ein „Zeichen der Höflichkeit und des Respekts“[23].[24] „Routinemäßige Abläufe und Rituale“[25] sind gerade das Ergebnis einer Konditionierung. Es werden Verhaltensmuster antrainiert[26], in diesem Fall, den Gruß des Lehrers zu erwidern. Wenn der Lehrer nach der Begrüßung immer sofort mit dem Unterricht beginnt und vorher gewisse Verhaltensregeln für den Unterricht festgelegt wurden, weiß der Schüler, dass er sich nach der Begrüßung z.B. ruhig verhalten muss, ohne dass der Lehrer dies explizit erwähnen muss. Der Ex-Internatsleiter und Bildungskritiker Bernard Bueb sieht die Gründe für die Unruhe an Schulen in einer mangelnden Führung. So sagt er in einem Spiegel-Interview: „Das oberste Gebot lautet, die anvertrauten Menschen in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken. Zum Zweiten muss man mit ihnen Ziele vereinbaren und die Umsetzung dieser Ziele anschließend kontrollieren. Daraus erwächst dann Lob oder Kritik – wobei Kritik zunächst immer mit einem Angebot zu Hilfe verbunden sein muss. Der nächste Schritt kann dann auch eine Strafe sein.“[27] Es wird deutlich, dass auch Herr Bueb auf eine strenge Befolgung des behavioristischen Konzepts setzt, um Kinder und Jugendliche zu disziplinieren und der Erfolg war nach eigenen Angaben „überwältigend“[28].[29] Auch eine Berliner Schule hatte Erfolg damit, dass strenge Regeln, wie z.B., dass Kinder, die zu spät kommen, nicht mehr in die Klasse dürfen, eingeführt wurden. Die Berliner Schule stand, bevor die Richtlinien in Kraft getreten sind, kurz vor der Schließung und genießt mittlerweile einen sehr guten Ruf.[30] Die Kritik, dass auf „innerpsychische Prozesse“[31] nicht eingegangen wird, ist zwar korrekt, aber um eine große Gruppe zu disziplinieren, müssen für jeden in gleicher Weise gewisse Grundregeln gelten. Es gestaltet sich überaus schwierig, auf die individuelle Vorgeschichte eines Schülers einzugehen, ohne dass Unmut innerhalb der Gruppe entsteht.

Laut Carsten Bangert, stellvertretender Schulleiter der Pädagogium-Schulen in Baden-Baden, muss nicht viel an den bestehenden Regeln geändert werden, sondern die „Inkonsequenz der Lehrer“[32] stellt ein großes Problem dar, da sie nicht den „Mut haben, sich unbeliebt zu machen“[33].[34] Zudem könnten härtere behavioristische Methoden den Schülern den Spaß am Unterricht nehmen, da sie sich durch die vielen Regeln und Vorschriften gehemmt fühlen könnten. Das bedrückende Arbeitsklima kann sich dann negativ auf die Leistung des Kindes auswirken. Außerdem stoßen einige Maßnahmen auch auf Unverständnis beim Schüler. So assozierte eine Schülerin das Strammstehen hinter dem Stuhl vor dem Beginn des Schulunterrichts mit der Nazi-Zeit und bemängelte somit den Versuch des Lehrers, die Klasse zu disziplinieren.[35] Überzogene Disziplinierungsmaßnahmen können also ihr Ziel verfehlen. Daher sollten die Lehrer stets begründen können, welchen Sinn sie haben. Wenn Schüler nur seitens der Lehrer durch negative Verstärkungen diszipliniert werden, haben sie nicht die Chance eine Selbstdisziplin zu erwerben und sich aus eigenem Antrieb, an Regeln zu halten. Die Schüler sind daher nicht in der Lage ein Sozialverhalten nach eigenen Maßstäben aufzubauen.[36] Behavioristische Methoden könnten also verhindern, dass eine soziale Intelligenz entwickelt wird, da das Gespür, welches benötigt wird, um zu entscheiden, ob beispielsweise das Tun für andere störend ist oder nicht, nicht entwickelt wurde, sondern einfach nur gelernt wurde, sich an Regeln zu halten. Des Weiteren ist das Verhalten des Menschen zu komplex, als dass man es auf eine Reiz-Reaktions-Kette reduzieren könnte. Jeder Schüler hat unterschiedliche Erfahrungen mit seiner Umwelt gemacht und wird individuell auf bestimmte Reize und vor allem auch auf die positiven und negativen Verstärkungen reagieren. Da Schüler stets darauf bedacht sind, ihr Selbstwertgefühl aufrecht zu erhalten, können negative Verstärkungen bei einigen Schülern nicht für eine höhere Motivation sorgen oder dazu führen, dass sie beim nächsten Mal das erwünschte Verhalten an den Tag legen, sondern dass ihr Selbstwertgefühl verletzt wird.[37] Somit kann ein Disziplinierungsversuch in das Gegenteil umschlagen, so dass der Schüler undisziplinierter wird und für noch mehr Unruhe sorgt. Denn „[d]er Mensch ist nicht nur Reaktionsinstanz auf Umweltimpulse; er ist eben nicht determiniert durch Umweltfaktoren; er kann sich zu ihnen auf unterschiedliche Weise verhalten“[38]. Es ist also fragwürdig, ob die behavioristischen Methoden bei jedem Schüler tatsächlich zum Erfolg führen. Es könnte also von Vorteil sein, nach den Ursachen zu suchen, wieso die Schüler Regelverstöße begehen. Es sollten daher Unterrichtssituationen geschaffen werden, die Disziplinlosigkeiten im Keim ersticken. Dies funktioniert laut Dr. Lehner dann am besten, wenn der Unterricht gut strukturiert ist, potentiellen Störenfrieden stets die Hilfe und Unterstützung seitens des Lehrers angeboten wird, die gestellten Aufgaben von den Schülern zu bewältigen sind, kein Konkurrenzdruck zwischen den Schülern herrscht und auf die „individuellen Bedürfnisse“[39] der Schüler eingegangen wird und diese auch selber Entscheidungen treffen dürfen.[40] Die Montessori-Schulen sind ein positives Beispiel dafür, dass auch ohne behavioristische Methoden Disziplinkonflikte vermieden werden können. In diesen Schulen werden ausschließlich die vorher beschriebenen Unterrichtssituationen geschaffen. Es gibt wenige, einfache Regeln und die Schüler haben mehr Freiheiten als in anderen Schulen. Wenn ein Schüler sich nicht den Regeln entsprechend verhält, wird er nicht durch negative Verstärkungen auf sein Fehlverhalten aufmerksam gemacht, sondern auf seine eigenen Interessen hingewiesen. Der Lehrer agiert als ein Vorbild und hält alle Regeln ein, die die Schüler auch einhalten sollen.[41] Im Vergleich mit Kindern von traditionellen Schulen überzeugten die Kinder der Montessori-Schulen durch ihre sozialen Kompetenzen und ihr schulisches Wissen.[42]

Schlussendlich bleibt zu konstatieren, dass das Konzept der Montessori-Schulen vorbildlich ist und solche Methoden denen des Behaviorismus vorgezogen werden sollte. Dadurch dass die Montessori-Schulen aber Privatschulen sind, stehen ihnen auch ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung. Zum einen wäre die finanzielle Komponente zu nennen und zum anderen, dass Privatschulen vornehmlich von Kindern aus der Bildungsschicht besucht werden.[43] Bei traditionellen Schulen hat sich gezeigt, dass das strikte Durchsetzen der vorhandenen Regeln oder auch das Einführen härterer Maßnahmen, zu einem Erfolg führt. Die Schule und die Lehrer müssen den Mut haben, festgesetzte Bestrafungen durchzusetzen, um ihre Autorität zu wahren. Es sollten aber nur behavioristische Methoden verwendet werden, die ihre Begründung finden, damit die Schüler den Lehrern keinen Machtmissbrauch vorwerfen können und sich ungerecht behandelt fühlen. Dies kann ein Grundgerüst bilden, welches nicht nur den Lehrern, sondern vor allem auch den Schülern mehr Spaß am Unterricht bringt. Es ist nur wichtig, dass die Lehrer neben der Strenge auch eine humorvolle und lockere Seite zeigen. Mit solchen Lehrer-Typen scheint auch der Großteil der Schüler zufrieden zu sein. Darüber hinaus sollte durch eine interessante Unterrichtsgestaltung und ständiger Hilfsbereitschaft für potentielle „Problem-Schüler“ versucht werden, Disziplinlosigkeiten im Keim zu ersticken.



[4] Ebd. S. 1

[5] Ebd. S. 1

[6] Vgl. Marotzki & Krüger, 2009, S.147

[7] Ebd. S.147

[10] Vgl. Marotzki & Krüger, 2009, S.146

[11] Ebd. S.146

[13] Vgl. Marotzki & Krüger, 2009, S.146

[14] Ebd. S.146

[15] Ebd. S.146

[17] Ebd. S.10

[18] Vgl. Marotzki, & Krüger, 2009, S.137

[19] Ebd. S.137

[21] Ebd. S.1

[24] Ebd. S.1

[25] Vgl. Marotzki, & Krüger, 2009, S.146

[26] Ebd. S.146

[27] Vgl. Doerry & Timm, 2008, http://www.spiegel.de/spiegel/a-576778.html (6. August 2012), S.1

[28] Ebd. S.1

[29] Ebd. S.1

[31] Vgl. Marotzki & Krüger, 2009, S.147

[33] Ebd. S.3

[34] Ebd. S.3

[37] Ebd. S.1

[38] Vgl. Marotzki & Krüger, 2009, S.147

[40] Ebd. S.1

[43] Vgl. Himmelrath, 2011, http://www.spiegel.de/schulspiegel/bildungsstudie-warum-privatschulen-schlechter-sind-als-ihr-ruf-a-744226.html (6. August 2012), S.1

 

Literatur/ Quellen:

Doerry, M. & Timm, K. (2008): Lehrer brauchen Führung. http://www.spiegel.de/spiegel/a-576778.html (6. August 2012)

Himmelrath, A. (2011). Warum Privatschulen schlechter sind als ihr Ruf. http://www.spiegel.de/schulspiegel/bildungsstudie-warum-privatschulen-schlechter-sind-als-ihr-ruf-a-744226.html (6. August 2012)

Lang, A.-S. (2011). Strenge als Erfolgsmodell. http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2011-12/schule-strenge-berlin (6. August 2012)

Lehner, Dr. H.. Wie lernen Schüler Disziplin? http://www.gute-schulen.de/fragenundklaerungen/disziplin/wiesichdisziplinentwickelt/index.html (6. August 2012)

Marotzki, W., & Krüger, H. – H. (2009). Einführung in die Erziehungswissenschaft. Einführungstexte Erziehungswissenschaft / hrsg. von Heinz-Hermann Krüger, Bd. 1. Stuttgart: Budrich

Meir, Susanne: 2 Didaktischer Hintergrund, Lerntheorien http://lehrerfortbildung-bw.de/moodle-info/schule/einfuehrung/material/2_meir_9-19.pdf (5. August 2012)

Vitzthum, T. (2012). Disziplinlose Schüler überfordern deutsche Lehrer. http://www.welt.de/politik/deutschland/article106221096/Disziplinlose-Schueler-ueberfordern-deutsche-Lehrer.html (6. August 2012)

Wilbrand-Donzelli, N. (2011). Kuschelpädagogik oder mehr Disziplin: Wie streng müssen Lehrer sein? http://eltern.t-online.de/lehrer-so-streng-muessen-lehrer-sein/id_44687146/index (6. August 2012)

(2006). Freies Lernen, klügere Schüler. http://www.focus.de/schule/schule/schulwahl/schulserie/montessori-schule/montessori-paedagogik_aid_24999.html (6. August 2012)

(2009). Strammstehen für die Konzentration. http://eltern.t-online.de/erziehung-disziplin-in-der-schule/id_19997058/index (6. August 2012)

(2009). Mit harter Hand und Showelementen gegen Rüpelschüler. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/britische-schulen-mit-harter-hand-und-showelementen-gegen-ruepelschueler-a-619112.html (6. August 2012)

 

 

 

Veröffentlicht unter Essays

Resümee des Semesters

In diesem Essay werde ich die Inhalte des Seminars „Medien als Forschungsfeld der Erziehungswissenschaft“ beleuchten und zum einen hervorheben, was mir als sehr wichtig erschien und zum anderen, ob und was ich für meine spätere pädagogische Tätigkeit mitnehmen werde.

Ausgehend von der Frage, ob ein wissenschaftliches Studium sinnvoll sei, wenn man den Lehrerberuf anstrebt, haben wir uns mit dem Lernen, der Erziehung, der Wissenschaft und der Sozialisation auseinandergesetzt. Der Sozialisationsbegriff hat uns dann zu der Mediensozialisation geführt, in dessen Zusammenhang wir uns mit der Bedeutung des vielschichtigen Begriffs „Medium“ beschäftigt haben. Am wichtigsten erschien mir, dass wir abstrakte und für den Lehrerberuf so elementare Begriffe wie das Lernen und die Erziehung behandelt haben, da mir vorher noch nicht bewusst war, was für komplexe Vorgänge diese beschreiben. Ich bin mir dennoch nicht sicher, inwieweit mir das für den Lehrerberuf Vorteile bringen wird, da ich glaube, dass man als Lehrer instinktiv nach eigenem Verständnis von Erziehung und Lernen handelt und daher besonders die Erziehung der Eltern und die Erfahrungen, die man in der Schule als Schüler gesammelt hat, eine wichtige Rolle spielen. Es hat mir möglicherweise die Augen dahingehend geöffnet, dass dieses instinktive Verhalten nichts Negatives ist, da bestimmte Lernmethoden und Erziehungsmaßnahmen bei jedem Schüler anders wirken und es keine Methoden und Maßnahmen gibt, die bei allen Schülern den gleichen Effekt erzeugen. Des Weiteren hat mir diese Thematik die Vorstellung genommen, dass man aus pädagogischer und lerntheoretischer Sicht im Lehrerberuf vieles richtig oder falsch machen kann, da es nicht unbedingt ein Richtig und ein Falsch gibt.

Veröffentlicht unter Essays

Lernen

In dem Auszug aus dem Werk „Einführung in die Erziehungswissenschaft“ von Winfried Marotzki und Heinz-Hermann Krüger, erschienen im Jahr 2009, wird das Lernen behandelt. Konstruktivistisch ausgerichtete Lerntheorien und Modelle, die Lernen u.a. als geschlossenen (instinktive, routinierte Handlungen) oder unterbrochenen (Konstruktion von neuen Reizen und Handlungsmöglichkeiten) Handlungskreis beschreiben; situations- lebenslauf- und biographieorientierte Theorien und Modelle, in denen die individuelle Situation, Vergangenheit, Familie etc. über das eigene Lernen entscheidet; sowie klassische verhaltenstheoretisch ausgerichtete Theorie und Modelle, auf die noch genauer eingegangen wird.

Am häufigsten wird Lernen mit dem Wissenserwerb und dem Erwerb von Fähigkeiten und Qualifikationen gleichgesetzt. Das Lernen ist nicht mit dem Durchlaufen entsprechender Institutionen (z.B. Schule) identisch (formelles Lernen), sondern findet auch außerhalb solcher Institutionen statt (informelles Lernen) und zieht sich durch das ganze Leben (lebenslanges oder lebensbegleitendes Lernen).

In dem am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten Behaviorismus geht es um den Zusammenhang zwischen einem Reiz („stimulus“) und der Reaktion („response“). Das Verständnis von Lernen beruht darauf, es als Mechanik zwischen diesen beiden Komponenten zu sehen, welche die Grundlage liefert, Verhalten zu kontrollieren oder zu konditionieren. Das Lernen funktioniert dann in der Art und Weise, dass unerwünschtes Verhalten bestätigt und bekräftigt wird und unerwünschtes Verhalten abgeschwächt und korrigiert wird. Es können also Verhaltensweisen trainiert werden. Positive (Erfolg, Lob, positive Sanktionen) oder negative Verstärkungen (Misserfolg, Strafe, Tadel, negative Sanktionen) entscheiden und steuern den Erwerb von Verhaltensweisen. Durch den Behavorismus können laut Marotzki und Krüger routinemäßige Abläufe (z.B. das „Gute-Morgen“-Sagen) eingeübt werden. Im Text wird aber auch Kritik an diesem Lern-Modell geübt. Es bildet sich durch den Behavorismus z.B. ein mechanischer Charakter. Zudem spielen innerpsychische Vorgänge keine Rolle und es wird nicht bedacht, dass der Mensch auf unterschiedliche Weisen auf Umwelt-Impulse reagieren kann.

Im weiteren Textverlauf stellen Marotzki und Krüger dar, welche hohe Bedeutung dem Lehrerberuf, den Pädagogen und den Erziehern für die Lösung globaler Probleme von Teilen der Gesellschaft (Club of Rome) zugeschrieben wird. Marotzki und Krüger üben Kritik an dieser Auffassung, da diesen Berufsfeldern eine zu große Bürde aufgelastet wird, stellen aber gleichzeitig klar, dass die Erziehung nachfolgender Generationen nicht vollständig unabhängig von der Reflexion gesellschaftlicher Problemlagen erfolgen kann.

Im letzten Abschnitt des Textes wird hervorgehoben, wie sich das Lernverhalten durch neue Technologien wie z.B. das Internet verändert. Das Lernen wird sich durch die neuen Informationstechnologien nur noch zu einem geringen Teil in der Schule abspielen und zum größten Teil im außerschulischen Bereich. Die Schule muss sich dementsprechend auch verändern und das Internet aktiv nutzen (um z.B. individuelleres Lernen zu ermöglichen oder mit Universitäten und Bibliotheken vernetzt zu sein).

 

Erziehung

In dem Auszug aus dem Werk „Einführung in die Erziehungswissenschaft“ von Winfried Marotzki und Heinz-Hermann Krüger, erschienen im Jahr 2009, wird der Erziehungsbegriff behandelt.

In der Erziehungswissenschaft gibt es mehrere Bestimmungen dessen, wie Erziehung verstanden werden kann: Assimilierung der jüngeren Generation an die ältere, Vermittlung der Mündigkeit an Unmündige, Aufforderung zur Selbsttätigkeit, Lernhilfe, Hilfe zur Lebensbewältigung oder Eingreifen von Menschen in den Prozess des Werdens der Person.

Erziehung kann z.B. nach dem Grad der Einwirkung thematisiert werden. Als ein Extrema können klassische lerntheoretische Konzepte, wie z.B. das Konditionieren angesehen werden, welche ganz auf direkte Einwirkung setzen. Dabei wird die Erziehung als ein herstellendes Machen verstanden und es handelt sich um reine Instruktionspädagogiken, die auf Befehl und Gehorsam basieren. Auf der anderen Seite steht die Auffassung von Erziehung, die ganz auf die Einwirkung des Erziehers auf den Zögling verzichtet (Sich-Entwickeln). Der Erzieher beschränkt sich darauf, schädliche Einwirkungen der Umwelt zu verhindern und ab und zu geschickt Dinge und Umweltreize für das Kind zu arrangieren.

Warum erziehen? Mit der Geburt des Kindes obliegt den Eltern eine Totalverantwortung, die im Laufe des Lebens des Kindes immer mehr abnimmt und dem Kind immer mehr Verantwortung übertragen wird. Es gibt verschieden Begründungen, warum Erziehung notwendig ist. Immanuel Kant ist der Auffassung, dass es darum geht, dem Kind zu ermöglichen, einen Zustand zu erreichen, der es ihm erlaubt, als Person zu leben. Dabei muss es erst lernen Regeln zu befolgen, bevor es seinen eigenen Regeln folgen kann. Dieser Prozess ist als Übergang von der Unmündigkeit zur Mündigkeit charakterisiert worden. Eine weitere Begründung wird mit „Machtausgleich“ bezeichnet. Am Anfang besitzen die Eltern eine uneingeschränkte Macht gegenüber dem Kind, welche durch die Erziehung langsam ausgeglichen wird, so dass das Kind seiner selbst mächtig wird. Schleiermacher liefert eine andere Begründung (Begründung des Generationsverhältnisses) und stellt die Frage: Was will denn eigentlich die ältere mit der jüngeren Generation? Die ältere muss der jüngeren Wissen und Erfahrung weitergeben, um zu verhindern, dass jede Generation von vorn anfangen muss. Erziehung ist nach Schleiermacher eine asymmetrische Relation, die in dem Maße symmetrisch wird, indem das einseitige Einwirken der älteren auf die jüngere Generation in eine gleichberechtigte Interaktion beider überführt wird. Das Ziel dabei auf individueller Ebene ist die Mündigkeit des einzelnen und auf kollektiver Ebene die Mitwirkung und die Teilhabe am kollektiven Ganzen.

Grundstruktur von Erziehung

Wer soll erziehen? Wenn man die Erziehungsnotwendigkeit mit der Geburt des Kindes setzt, sind zunächst die Eltern diejenigen, die ihre Kinder zu erziehen haben. Dann ist es das pädagogische Personal, welches in den Institutionen Hort, Kindergarten und Schule tätig ist.

Wer soll erzogen werden? Diese Frage ist klar zu beantworten: Kinder. In den frühen Jahren besteht eine größere Erziehungsnotwendigkeit, die in den Jahren der späten Kindheit abnimmt.

Wie soll erzogen werden? Unabhängig davon welche Mittel gewählt werden, besteht grundsätzlich das Problem, dass wir nicht wissen können, ob die Intentionen, also das, was mit dem Mitteleinsatz beabsichtigt wird, auch wirklich realisiert werden.

Welche Absichten und Ziele werden durch die Erziehung verfolgt? Unter erzieherischen Handlungen werden nur solche verstanden, denen eine Absicht zugrunde liegt, denn Erziehung ist ein intentionalisiertes und auf Intentionen zurechenbares Handeln. Stellt man nun die erzieherische Wirkung ins Zentrum der Frage, ob eine Handlung als erzieherisch angesehen werden kann, so ist es nach Eintreten einer erzieherischen Wirkung nicht möglich, von dieser kausal auf die Handlungen zurück zu schließen, die diese Wirkung hervorgebracht haben könnten. Unabhängig davon wie man Absicht und Wirkung miteinander verbindet, um soziale Handlungen als erzieherisch zu erkennen, bleibt der Grundsachverhalt, dass die Intentionalität eine notwendige, wenn auch keine hinreichende Bedingung einer Handlung darstellt, die als erzieherisch angesehen werden kann. Die Absicht bezieht sich auf ein Ziel, das durch die Handlung erreicht werden soll. Auf diese Weise soll Erziehung ein rationales, planbares und verantwortbares Handeln sein.

Wozu soll erzogen werden? Der Erziehungszweck beinhaltet in der Regel eine ethische Dimension. Die Erziehenden haben nämlich Wertorientierungen und moralische Überzeugungen davon, was gut und böse, was erstrebenswert und was nicht erstrebenswert ist. Das Problem in erziehungstheoretischer und -praktischer Hinsicht besteht darin, wie die Erziehenden ihren Kindern diese Wertorientierungen weitergeben. Wer die Gefahr der Indoktrination (eine vehemente, keinen Widerspruch und keine Diskussion zulassende Belehrung) vermeiden will, der muss seine erzieherische Praxis von Beginn an so organisieren, dass der Adressat erzieherischen Handelns befähigt wird, den unvermeidbaren erzieherischen Vorgriff auf die Selbstbestimmung des Zu- oder Sich-Erziehenden einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

Erzieherische Handlungen sind überwiegend sprachliche Handlungen.

Was ist ein Medium?

In dem Artikel „Was ist ein Medium“ stellt Thomas Mock verschiedene, bereits bestehende Definitionen des Begriffs „Medium“ nebeneinander, um einen Überblick über diesen so umstrittenen Begriff zu verschaffen.

„Medium“ ist nicht nur ein wissenschaftlicher Terminus, sondern auch ein Alltagssprachlicher Begriff. Ursprünglich kommt „Medium“ von lateinischem Wort medius („in der Mitte, vermittelnd“). Heute gibt es allein sieben Bedeutungen für das Wort „Medium“ in unserem Sprachgebrauch, wobei die bekannteste die des Kommunikationsmittels ist und einen Informationsträger (z.B. Schrift, Werbemittel etc.) oder  auch eine „Informationen vermittelnde Einrichtungen“ (z.B. Presse, Rundfunk) bezeichnet.

Laut Faulstich gibt es drei Verwendungszusammenhänge des Wortes „Medium“. Neben dem schon angeführten alltäglichen Sprachgebrauch tritt das Wort „Medium“ auch als Fachbegriff in verschiedene Disziplinen auf wie z.B. der Psychologie (Versuchspersonen als Medium), der Pädagogik (Unterrichtsmaterial als Medium) oder der Physik (Stoffe oder Körper als Medium). Als dritte Verwendung des Begriffs wird der Ausdruck von theoretischen reflektierten Vorstellungen, wie z.B. bei kommunikations- und medienwissenschaftlichen Modellen, angeführt.

Wiederum Faulstich nennt vier Disziplinen, die sich mit den Medien befassen.  Die Informationstheorie versteht die Medien als technische Übertragungskanäle, in denen Informationen von einem Sender zu einem Empfänger transportiert werden. Die Kommunikationswissenschaft versteht unter „Medium“ im Singular ebenfalls technische Kanäle und unter „Medien“ die Massenmedien. Auch die Medienwissenschaft beschäftigt sich mit den Massenmedien. In der Soziologie bzw. Systemtheorie hingegen fungieren „Medien“ als „Tausch- oder Interaktionsmedien“, die Interaktionen, Handlungen und Systeme etc. steuern und damit entlasten.

Die Kommunikation wird als ein Signal- oder Informationstransfer zwischen einem Sender und einem Empfänger, genauer als intentionale Informationsübertragung zwischen zwei oder mehr Systemen, die der Informationsabgabe und -aufnahme fähig sind, definiert. Jede Kommunikation benötigt ein Mittel , durch das hindurch oder mit dessen Hilfe kommuniziert wird. Im Allgemeinen ist das „Medium“ also eine Bezeichnung für Gegenstände oder Objekte, mit deren Hilfe Kommunikation hergestellt wird. Es handelt sich bei der Kern-Bedeutung von „Medium“, die in allen kommunikations- und medienwissenschaftlichen Konzeptionen zugrunde liegt,  um einen Funktions- und Beziehungsbegriff. Das Medium ist nämlich nur in Bezug auf etwas anderes ein „Medium“, innerhalb eines bestimmten kommunikativen Kontextes. In allen Konzeptionen ist das „Medium“ die Grundlage jeglicher Transfer- und Konstruktionsleistung und damit notwendige Voraussetzung einer Kommunikation.

Es gibt drei kommunikations- und medienwissenschaftliche Grundverständnisse von dem begriff „Medium“. Die Medien als Mittel der Wahrnehmung umfasst solche Mittel, die als physikalische Medien/Kontaktmaterie Grundlage jeglicher menschlicher Wahrnehmung sind (z.B. elektromagnetische Felder, gasförmige, feste und flüssige Stoffe, vor allem Luft). Das Medium als Mittel der Verständigung hebt ab auf die Mittel, die die Grundlage für Transfer, Austausch oder Konsruktion von Bedeutungen etc. zwischen Kommunikationsbeteiligten bilden (z.B. Zeichen und Zeichensysteme [mündliche und schriftliche Sprache, Mimik, Gestik, Bilder, Töne und Klänge]). Gemeint sind also die Mittel, die es überhaupt erst ermöglichen Gedanken oder Bedeutungen in materielle, übertragbare bzw. wahrnehmbare Signale umzusetzen. Medium als Mittel der Vebreitung bezieht sich schließlich auf solche Mittel, die der Übermittlung von kommunikativen Äußerungen über die räumlichen oder (raum-)zeitlichen Grenzen der Kommunikation hinaus dienen (z.B. Papier, Internet, Computer, CD). Die genannten Ebenen (Kontaktmaterie, Kode, Technik) lassen sich nur aus analytischen Gründen trennen, in ablaufenden Kommunikationen jedoch stellen sie einen untrennbaren, systematischen Zusammenhang dar, in dem die Mittel der einen Ebene Voraussetzung für die Elemente der anderen Ebenen sind bzw. diese festlegen. Damit ist schon ein viertes Grundverständnis angedeutet, das die drei Bedeutungen in sich aufnimmt und unter Zunahme eines „sozialen“ Aspektes zu einem „Kompaktbegriff“ erweitert. So kommt es zu einer Ausbildung relativ stabiler, empirisch abgegrenzter Typen von Kommunikation, in denen die drei Ebenen kombiniert sind. Diese lassen sich als Formen der Kommunikation verstehen (z.B. Theater, Vorlesung, Brief, E-Mail, Telefon, Presse, Fernsehen).

Mediensozialisation – verschiedene Ansätze

Interaktionistische Perspektive:

  • aneignungstheoretischer Ansatz: aktive Auseinandersetzung mit Medienangebot und Einbindung von Medien in Situationen des Lebensalltags
  • strukturanalytische Rezeptionsforschung: Bedeutung der Medien für die Lebensbewältigung und Identitäsbildung; Rolle von Medien und Funktion im Alltag von Familien
  • Theorie von Sutter (Orientierung an konstruktivistischer Sozialisationstheorie): 3 Dimensionen: Kommunikation, Rezeption und Anschlusskommunikation -> aktive Reflexion

 

Medienzentrierte Perspektive:

  • Wirkungsperspektive: Wirkung von Fernseher und Computer auf Kinder

 

Rezipientenorientierte Perspektive:

  • Selbstsozialisation: aktive Nutzung von Medieninhalten für das Verständnis der Welt und für die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben
  • medienökologischer Ansatz: Rezeption hängt von kognitiven, sozialen und moralischen Fähigkeiten  der Empfänger (zumeist Jugendliche) ab

Mediensozialisation

In dem Werk „Handbuch Medienpädagogik“, erschienen 2008, wurde ein Artikel von Stefan Aufenanger über die Mediensozialisation veröffentlicht, der zum einen behandelt, was Mediensozialisation ist und welche Ansätze es gibt und zum anderen die Lücken in der Forschung der Mediensozialisation aufdeckt.

Es gibt verschiedene Herangehensweisen, um eine mögliche Antwort zu finden, was Mediensozialisation ist. Da wäre einerseits die medienzentrierte Perspektive, die sich die Frage stellt, was Medien mit Menschen machen und andererseits die rezipientenzentrierte Perspektvie, die versucht herauszufinden, was Menschen mit Medien machen. Aufgrund der neuen Erkenntnisse in der Forschung der Sozialisation, die besagen, dass die Sozialisation nicht mehr nur die Anpassung eines Subjekts an die Gesellschaft ist, sondern dass das Subjekt aktiv ist und durch sein Handeln Einfluss auf die Gesellschaft nimmt, kann nicht einfach mehr davon ausgegangen werden, dass Medien Menschen beeinflussen oder Menschen das Medienangebot selektieren. Die Menschen und die Medien interagieren miteinander und es muss betrachtet werden, welchen Einfluss die Medien auf den Menschen nehmen und andersherum welchen Einfluss die Menschen auf die Medien nehmen. Daher kann die Mediensozialisation als eine Auseinandersetzung des sich entwickelnden Subjekts mit zahlreichen, omnipräsenten Medien angesehen werden, die die Persönlichkeit des Subjekts prägen. Gleichzeitig interpretiert das Subjekt die Medien und wirkt aktiv in ihnen. Das Individuum muss sich damit auseinandersetzen, dass sich die mediale Umwelt stetig verändert, da sie sich an die Gegebenheiten der Gesellschaft anpasst. Die Medienkompetenz beschreibt dabei die Fähigkeit zur aktiven, selbstbestimmten und sozial-verantwortlichen Auseinandersetzung mit Medien.

Zur Mediensozialisation gibt es mehrere Ansätze, doch es fehlen theoretische Arbeiten, die die Thesen stützen. Außerdem beziehen sich die Studien nur auf bestimmte Altersgruppen und bestimmte Phänomene wie Gewalt und Werbung, nicht aber auf allgemeine Persönlichkeitsmerkmale.

 

Sozialisation – Milieutheorie

In dem Auszug aus dem Werk „Einführung in die Erziehungswissenschaft“ von Winfried Marotzki und Heinz-Hermann Krüger, erschienen im Jahr 2009, wird der Begriff Sozialisation behandelt. Dabei werden die Interaktionstheorie, die Rollentheorie und die Milieutheorie vorgestellt, die auf unterschiedliche Weisen das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft analysieren.

Milieutheorie: Die von Karl Mannheim und Ralf Bohnsack entwickelte Theorie besagt, dass das Individuum auch durch die kollektive Einbindung in ein Milieu sozialisiert wird. Die Zugehörigkeit zu einem Milieu unterliegt nicht einer bewussten Entscheidung des Individuums, sondern gründet sich in einem gemeinsamen Habitus der Angehörigen eines Milieus. Dieses milieuspezifische Wissen entsteht durch die Interaktion der Individuen und hat dadurch einen kollektiven Charakter. Es werden durch die Menschen, die in ein Milieu während der Sozialisation hineinwachsen, sogenannte Selbstverständlichkeiten ausgebildet, die nur innerhalb des Milieus verstanden werden. Des Weiteren sind die Milieus mehrdimensional, d.h., dass mehrere Faktoren, wie z.B. das Alter, die Herkunft oder die Bildung ein Milieu prägen. Heutzutage ist die Beständigkeit bestimmter Milieus nicht mehr gegeben. Daraus kann zum einen folgen, dass die Menschen als isolierte Individuen leben oder zum anderen, dass die Menschen durch die gleichartige Erfahrung eines zerfallenen Milieus zusammengeführt werden, wodurch neue Milieus entstehen können. Dadurch dass Milieus auch als Räume gleicher Erfahrungen aufgefasst werden können, kann man sie auch als virtuell bezeichnen. Das bedeutet, dass ein Milieu nicht zwangsläufig durch konkrete Gruppen oder Personen repräsentiert werden muss.

Was ist Wissenschaft?

Eine wissenschaftliche Denkweise zu entwickeln, bedeutet…

  • kritisch zu hinterfragen und die Bereitschaft zu zeigen, Bestehendes zu verändern.
  • Eine eigene Meinung zu entwickeln und diese argumentativ zu belegen.
  • Sich Literatur und fachspezifisches Wissen anzueignen.

 

Um wissenschaftlich zu arbeiten, muss ich…

  • frei von Vorurteilen sein und objektiv denken.
  • Das Fach beherrschen.
  • Wissen, worauf ich hinaus will (Fragestellung!).

Placemat

Im Zuge unserer Gruppenarbeit bezüglich unserer Essays sind wir auf folgende Ergebnisse gekommen:

Unserer Meinung nach ist ein erziehungswissenschaftliches Studium wichtig, da man im Beruf mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Situationen und Menschen konfrontiert wird und man daher die Fähigkeit besitzen sollte, allgemein formulierte, erziehungswissenschaftliche Theorien auf Alltagssituationen zu transferien. Des Weiteren wird einem im Studium ein kreatives Denken vermittelt. Dies ist nötig, da man im pädagogischen Beruf kein „Schema F“ anwenden kann, sondern in der Lage sein sollte, eigene Lösungswege zu Problemen, vor die man gestellt wird, zu finden. Darüber hinaus sollte das Gelernte lange gültig sein. Man muss also in der Lage sein, aus seinem Wissen Theorien zu entwickeln , da die Theorien der Erziehungswissenschaft schnell überholt sind. Als letzter Punkt ist anzuführen, dass während des Studiums ein kritisches, differenziertes Denken gefördert wird. Dadurch ist es möglich die unterschiedlichen Meinungen darüber, wie man pädagogisch korrekt handelt, kritisch zu beleuchten und zu einem eigenen Urteil zu gelangen.