Thesenpapier: Das Geschichtszeichen II

Abschnitt 236: L. konstatiert, dass der Marxismus nicht zu Ende gekommen sei und wirft die Frage auf, in welcher Weise dieser fortbestehe. Marx gehe von einer notwenigen Verallgemeinerung des Unrechts aus. Nach L. drĂĽcke sich dieses Unrecht „im Schweigen des GefĂĽhls, im Leid aus.” Die Zweckmäßigkeit des Kapitals reguliere die Satzuniversen und sämtliche Verkettungen. Diese Zurichtung  bezeichnet L. als allgemeines Unrecht. Der Marxismus existiere als ein GefĂĽhl des Widerstreits fort.

Frage. Wie ist das Verhältnis zwischen Kapital und Diskursarten genau vorstellbar? Versteht L. das Kapital als eine Art Master-Diskurs? Ist es sinnvoll von einer ökonomischen Diskursart zu sprechen? Da nach Marx, dass Sein das Bewusstsein bestimme und seine materialistische Kritik an der Trennung der „Ideen” von den konkreten gesellschaftlichen Bedingungen ansetzt, ist die Rede von einem ökonomischen Diskurs aus marxistischer Perspektive vermutlich nicht sinnvoll.

Abschnitt 237: Welches Idiom klagt das vom Kapital verursachte Leid ein? Marx verorte die Forderung nach der Anerkennung des erfahrenen Unrechts im Sinne einer Artikulation des Widerstreits im Klassenkampf als einem Referent kognitiver Sätze. Das Proletariat fordere den Kommunismus als „die freie Verkettung von Sätzen, die Zerstörung der Diskursarten.” 


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Protokoll der 12. Sitzung am 20.01.09.

Besprechung des Thesenpapiers Widerstreit und Widerstand von Kim

Frage: Wo öffnen sich bei Lyotard Räume / Handlungsperspektiven für Widerstand?¬†
These: Der einzige Raum für Widerstand liegt bei Lyotard in der Negation, in der Verweigerung, im Schweigen.¬†
ÔɆ nur die Totalverweigerung bietet die Möglichkeit, auf einen bestehenden Widerstreit aufmerksam zu machen.

Frage: kann es ĂĽberhaupt Widerstand geben?
These: nur bedingt und nicht grundlegend, weil der Widerstand die zu kritisierende Diskursart durch Verkettung weiterführt und somit diese manifestiert.¬†
Gegenargument / -frage: ist die WeiterfĂĽhrung des Diskurses in der Kritik nicht ein neuer Diskurs?


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Thesenpapier: Das Geschichtszeichen I

In diesem Abschnitt führt Lyotard seine Gedanken zur Frage der Übergänge sowie, weiter hinten, zur Idee der Einbildungskraft (Kant ‚óä Vernunft, Enthusiasmus) fort.

Grenzland, Heim, Pakt & Frieden

251

Der Satz als „Grenzland”, auf dem der „Pakt” geschlossen oder gebrochen wird.

 „Heim” als Zone, in der der Widerstreit zwischen Diskursarten aufgehoben ist.

Wie ist das vorstellbar? 

„Innerer `Frieden´ zum Preis des immerwährenden Widerstreits an den Rändern.”

Wieso innerer, was ist damit gemeint?

Erzählung als die Diskursart, in der die Heterogenität der Diskursarten am ehesten verschwindet.

Warum?

Mythos

Mythos (L nimmt Bezug auf Mythologie im NS) besitzt identifikatorische Kraft. L kritisiert die Annahme, der Mythos sei mimetisch (nachahmend), er verdecke vielmehr die Mimesis (also den Prozess des Nachahmens) und neutralisiere das Ereignis (als sei es unmittelbar darstellbar).

Cashinahua – Eskurs

L stellt die narrative Diskursart der Cashinahua vor, die durch starke Reglementierung und die Relevanz von Namen charakterisiert ist. Auf diese nicht-kosmopolitische („wilde”) Diskursart bezieht er sich in der folgenden GegenĂĽberstellung von kosmop. und nicht-kosmop. Erzähung.


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Diskussionsthesen: Widerstreit & Widerstand

Seit einigen Tagen mache ich mir Gedanken ĂĽber den Ort – die Handlungsperspektiven – von Widerstand in Lyotards Philosophie des Widerstreits. Ausgehend von einem Gespräch, das wir nach dem Seminar fĂĽhrten wollte ich eine These in den Raum stellen, die wir unter Umständen im Rahmen des Protesttages diskutieren können.

Wie ist Widerstand denkbar?

Widerstand muss den Widerstreit zum Ausdruck bringen. In einer (zb. politischen oder sozialen) Diskursart sind bestimmte Dinge nicht sagbar, die aber danach drängen gesagt zu werden. Kapitalismus als Regelsystem des ökonomischen Diskurses, lässt beispielsweise keine Sätze zu, die sich dem ökonomischen Diskurs entziehen. Das ist der Widerstreit. Widerstand gegen die diskursive Formation der Ökonomie findet aber dennoch innerhalb eben dieser statt (beispielsweise durch Aneignung der Produktionsmittel durch die Proletarier).

An dieser Stelle muss der Einwand erfolgen: Widerstand kann nicht als aktive Opposition zu gegebenen Umständen gedacht werden. Jedes Einlassen auf die Diskursart verknĂĽpft die Sätze auf die gleiche Art weiter, „legitimiert” somit den Diskurs und stabilisiert ihn. Widerstand und Fundamentalkritik dĂĽrfen sich also nicht auf diskursimmanente Positionen beziehen, sie dĂĽrfen den Diskurs nicht fortfĂĽhren.

Was aber, wenn ein Diskurs eine Quasi-Hegemoniale Stellung (in einer Gesellschaft) einnimmt (wie das im ökonomischen Diskurs der Fall ist). Wie lässt sich Widerstand nach Lyotard dann überhaupt denken. Wo sind die Ansatzpunkte?


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Protokoll der 4. Sitzung am 11.11.08

Vorweg:

Es gibt im Blog ab sofort die Möglichkeit, sich über Lyotards Begriffe zu verständigen. Angemerkt wurde in diesem Zusammenhang, dass sich der Versuch einer exakten Begriffsklärung möglicherweise im Verlauf der Lektüre als erfolgreicher erweisen wird.¬†

Wir einigten uns außerdem darauf, unsere Diskussion in Zukunft stärker am konkreten Text auszurichten.

Der Widerstreit/Teil 2:

Ein möglicher Anknüpfungspunkt für die weitere Textarbeit war zunächst das Verhältnis zwischen dem Platon-Exkurs und dem zweiten Teil des Widerstreit-Kapitels. Zu klären wäre in diesem Zusammenhang, welchen Stellenwert der im Diskurs verhandelte Dialog einnimmt und welche Bedeutung der Schrift dabei zukommt. Als eine mögliche Verbindung zwischen den beiden Textteilen wurde der Versuch beschrieben, eine gemeinsame Sprache zu finden. Dieser sei sowohl für den Dialog als auch für das Gerichtsverfahren charakteristisch.¬†

Der Platon-Exkurs markiert nach der Einschätzung einiger TeilnehmerInnen dennoch einen Bruch mit dem übrigen Text.

Im zweiten Teil des Widerstreit-Kapitels versucht Lyotard, seine AusfĂĽhrungen im ersten Teil zu differenzieren.


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Protokoll der 3. Sitzung am 04.11.08

1.Stand des Seminars? Bevor wir uns der Verknüpfung Lyotards (via Koller) mit Bildungs- und Erziehungswissenschaft zuwenden, nähert sich das Seminar zuerst allgemein der post bzw. spät-modernen Philosophie.

2.Das Seminar stellte in dem besprochenen Abschnitt des Buches deutlich mehr Schwierigkeiten mit dem Text fest, als in den ersten beiden Teilen. Lyotards Arbeitsweise seine eigene Erkenntnis als einen Prozess darzustellen und nicht ein fertiges Produkt abzuliefern trägt vermutlich zu diesen Schwierigkeiten bei. Das Anfangs erwähnte Beispiel der „Gaskammern” und der Leugnung des Holocaust findet sich in diesem Teil des Textes nicht wieder und die Referenzen zum Anfang sind schwer auszumachen. So beschränkt sich das Thesenpapier zu dieser Sitzung auf den Platon-Exkurs

3.Der 1. Satz des Exkurses „Meletos, sagt Sokrates, hat mich vor Gericht beschuldigt” wird aufgrund der Frage des „Senders” diskutiert. Es kann aber nicht abschlieĂźend geklärt werden welche Bedeutung die Form der Rede hier hat, zumindest erscheint sierelevant fĂĽr die Demonstration von Lyotards Strategie zu sein (Demonstration der Verschränkung von Sender-Empfänger-Bedeutung-Referent ?)

4.Gott ist nicht mehr Sender & Referent sonder nur noch Referent. Anstatt mit den Göttern wird ĂĽber sie geredet. Aus Sagen – Empfangen wird Sagen – Argumentation. Nicht die schwachen aber rhetorisch gut aufbereiteten Argumente sollen gewinnen, sondern die besten.


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Protokoll der 2. Sitzung am 28.10.08

Diskussionsfragen:

1. Es geht mir vor allem um Begriffe. Und zunächst frage ich mich, was der Referent genau bezeichnet. Das worüber man spricht. Wie ist das zu denken?

2. Gibt es eine Differenz zwischen Diskursart und Idiom?

3. Wie sind die Instanzen Sender und Empfänger zu verstehen?

4. Welche Funktion habe die logischen Operationen (S. 21)?

5. Warum wählt Lyotard das Beispiel des Holocaust bzw. des Bezeugens der Existenz der Gaskammern um seine Ăśberlegungen auszufĂĽhren und das Problem herauszustellen? Ist das nicht makaber oder gar unangemessen? Und was ist in diesem Zusammenhang mit „Bezeugen” gemeint?

6. Was ist es, das im Widerstreit nach „Setzung” verlangt, also das Movens des Widerstreits?

7. Was sind die oppositionellen Diskursarten von denen Lyotard spricht und wo verortet er sich selbst darin, wenn es keinen Metadiskurs geben kann? 


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Thesenpapier: Merkzettel zur LektĂĽre & Der Widerstreit I

1.Merkzettel zur LektĂĽre (Seite 9-16)

1.AnknĂĽpfend an den Titel erläutert Lyotard, dass ein Widerstreit im Gegensatz zum Rechtsstreit unentscheidbar sei, denn es fehlten Urteilsregeln, die allen Parteien gerecht werden könnte. Problematisch sei die potentielle Verkennung des Widerstreits als ein Rechtsstreit, wenn von der Existenz universeller Urteilsregeln ausgegangen wĂĽrde. Alles sei anzweifelbar, nur nicht, dass den Satz und damit die Sätze gebe und somit könne der Satz als Gegenstand des Buches benannt werden. Die These sei nun, dass Sätze sich immer nach bestimmten Regeln verketten wĂĽrden, sodass unterschiedlich, z. T. widersprĂĽchliche und nicht ineinander ĂĽbersetzbare Regelsysteme entstĂĽnden. Die Verkettung erfolge dem Zweck der Diskursart folgend. Es gebe also verschiedene Diskursarten, aber keine Sprache im Allgemeinen. Und die Frage sei nun, ob nicht dieses Fehlen einer universellen, „schlichtenden” Diskursart dazu fĂĽhre, dass solchen Diskursarten, deren mögliche Sätze nicht artikuliert werden (Schweigen), Unrecht zugefĂĽgt werde. Und das Problem sei, dass es keine neutrale/universelle Instanz gebe und damit auch keinen unparteiischen Richter.


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