Thesenpapier: Der Referent, Der Name II

Im weiteren Verlauf von ‚ÄûDer Referent, Der Name« setzt sich Lyotard mit den Problemen der (Sprach-)Logik und der Sprachphilosophie auseinander.

Lyotard stellt die Frage, wie Bedeutung und Name verbunden sind, wenn sie nicht durch das jeweils andere determiniert werden. Er fĂĽhrt die Erfahrung als mögliche Erklärung ein. Diese kann zum Beispiel durch Wahrnehmung erschaffen werden. Die Wahrnehmung ist wiederum abhängig von Zeit und Ort des Betrachters sowie des betrachteten Objekts. Analog zur Wahrnehmung, die nie eindeutig sein kann, kann ein Satz nicht die Wirklichkeit erfassen („die Wirklichkeit läßt sich also nicht durch einen Satz ausdrĂĽcken wie: x ist derart sondern durch einen Satz wie: x ist so und nicht so”). Bei Sätzen handelt es sich also um eine Näherung an die, aber nicht um die Erfassung der Wirklichkeit.

Er bezieht sich nochmal auf das Anfangs geschilderte Dilemma (Entweder sind Sie das Opfer eines Unrechts oder Sie sind es nicht. Wenn Sie es nicht sind täuschen sie sich (oder lügen), wenn Sie das Gegenteil bezeugen. Sind Sie es, da Sie ja dieses Unrecht bezeugen können, so ist es kein Unrecht und Sie täuschen sich (oder lügen), wenn Sie aussagen, daß Sie Opfer eines Unrechts seien) und bringt dieses in Verbindung mit Validierung eines Satzes mithilfe eines ostensiven Satzes. Da der Sender (Zeuge) nicht alles sehen kann (aufgrund seiner von Raum und Zeit beschränkten Wahrnehmung), würde er lügen wenn er behaupten würde, dass er alles gesehen hat. Würde er aussagen, dass er nur ein Teil gesehen hat, wäre er auch nur für diesen bezeugten Teil glaubwürdig. Also ist er nur teilweise glaubwürdig.


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Protokoll der 4. Sitzung am 11.11.08

Vorweg:

Es gibt im Blog ab sofort die Möglichkeit, sich über Lyotards Begriffe zu verständigen. Angemerkt wurde in diesem Zusammenhang, dass sich der Versuch einer exakten Begriffsklärung möglicherweise im Verlauf der Lektüre als erfolgreicher erweisen wird.¬†

Wir einigten uns außerdem darauf, unsere Diskussion in Zukunft stärker am konkreten Text auszurichten.

Der Widerstreit/Teil 2:

Ein möglicher Anknüpfungspunkt für die weitere Textarbeit war zunächst das Verhältnis zwischen dem Platon-Exkurs und dem zweiten Teil des Widerstreit-Kapitels. Zu klären wäre in diesem Zusammenhang, welchen Stellenwert der im Diskurs verhandelte Dialog einnimmt und welche Bedeutung der Schrift dabei zukommt. Als eine mögliche Verbindung zwischen den beiden Textteilen wurde der Versuch beschrieben, eine gemeinsame Sprache zu finden. Dieser sei sowohl für den Dialog als auch für das Gerichtsverfahren charakteristisch.¬†

Der Platon-Exkurs markiert nach der Einschätzung einiger TeilnehmerInnen dennoch einen Bruch mit dem übrigen Text.

Im zweiten Teil des Widerstreit-Kapitels versucht Lyotard, seine AusfĂĽhrungen im ersten Teil zu differenzieren.


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Thesenpapier: Der Referent, Der Name I

(47, 48) Wie ist die Beziehung der Sprache zu dem, was sie nennt? (oder der Wissenschaft zur Realität?)
Lässt sich die Wirklichkeit eines Referenten beweisen?
Kann die Wirklichkeit durch ein Verifikationsverfahren entstehen?
Intuitiv haben wir die Vorstellung (, die „seit die Götter nicht mehr sprechen” ge-/erfunden wurde), dass die Wirklichkeit unabhängig von unserem Sprechen (unserem Denken, unserem Tun, unserer Existenz) da ist. Diese Vorstellung kann durch das schon aufgefĂĽhrte Dilemma widerlegt werden.

(49) Daraus folgt, dass Nennen nicht Zeigen ist.
Deswegen müssen wir das, was wir nennen, durch eine Beschreibung, die uns nicht implizieren soll, verifizieren können.

(50, 51) Die deiktischen Indikatoren (AusdrĂĽcke, die keinen eigenen semantischen Wert haben. Dieser wird durch die Situation des Sprechens ihnen zugeteilt, z. B.: ich, du, jetzt, dort, usw.) bezeichnen eine auĂźer der Sprache permanente und uns gegebene Wirklichkeit, beziehen das Gesagte zu einem raum-zeitlichen Koordinatenursprung („ich-hier-jetzt”) der in dem Satz auch dargestellt wird.
„Subjekt des Aussageakts”: Sender-Instanz. Kann markiert oder nicht markiert werden.
„Subjekt der Aussage”: Subjekt eines Satzes.


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