Idee des Seminars

Wie lässt sich Bildung unter bestehenden gesellschaftlichen und strukturellen Bedingungen denken? Kann ein in der Tradition Humboldts stehender Bildungsbegriff dem Subjekt der Postmoderne gerecht werden oder bedarf es anderer, neuer Denkansätze? Denn, so lässt sich konstatieren, das Subjekt sieht sich heute der Unvorhersehbarkeit und Singularität des eigenen Lebens(verlaufs) gegenüber. Gesellschaftliche Beschleunigungsprozesse und die Rede von einer nicht aufzuhaltenden Individualisierung tragen dazu bei, dass Wertestrukturen und Orientierungsmuster, die vor wenigen Jahrzehnten noch als selbstverständlich galten, zunehmend brüchig werden. Aber auch die sich aktuell stellenden Anforderungen und Probleme, denen sich das Subjekt ausgesetzt sieht, lassen sich in vielen Fällen nicht mit den bestehenden Handlungsschemata bearbeiten.

Jean-Francois Lyotard ist einer der bedeutendsten Theoretiker der Postmoderne, der sich mit dem zunehmenden Bedeutungsverlust der „groĂźen Erzählungen” – zu denen er auch die klassische Bildungstheorie zählt – befasst und die Legitimität der Vormachtstellung bestimmter Diskurse anzweifelt. Er geht der Frage nach, ob und wie bisher nicht Sagbares innerhalb eines Diskurses und zwischen Diskursen (Widerstreit) sagbar werden kann.

In diesem Seminar, das sich an Studierende im Hauptstudium richtet, wollen wir uns in gemeinsamer LektĂĽrearbeit dem Hauptwerk Lyotards, „Der Widerstreit”, annähern. Dabei sollen auch bereits vorliegende bildungstheoretische Perspektiven auf das Konzept des Widerstreits aufgegriffen werden.

Literatur:
Lyotard, Jean-Francois (1989): Der Widerstreit.
Koller, Hans-Christoph (1999): Bildung und Widerstreit.

 

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