Hausarbeit Gesellschaftliche Bedingungen

Universität Hamburg

SS 15

Hausarbeit zum Seminar „Gesellschaftliche Bedingungen von Bildung und Erziehung: Bildung im digitalen Medium“ im SS 15

Leitung: Dipl. Ing. Christina Schwalbe

 

Malte Gründling

Matrikelnr.: 6656408

malte.gruendling@studium.uni-hamburg.de

2.FS Erziehungswissenschaft/Soziologie

 

Inhaltsverzeichnis:

1. Reflexion des Seminar

1.1 Das Führen meines eigenen Blogs

1.2 Literatur des Seminars

2. Seminar erweiternde Arbeit zur Thematik Cybermobbing

2.1 Medienkompetenz in der Jugendarbeit

2.2 Erkenntnisse der Studie „Cybermobbing an Schulen“ der Uni Münster

2.3 Beispiele und Auswirkungen von Cybermobbing

2.4 Lehrer/Pädagogen und Cybermobbing

2.5 Konzepte für einen Eingriff bei Bekanntwerden von Cybermobbing

2.6 Präventive Maßnahmen

2.7 Gesetzliche Lage

3. Fazit

4. Quellenverzeichnis

 

Mit diesem Beitrag beginne ich meine Hausarbeit und möchte im Folgenden das Seminar reflektieren.

1.1 Das Führen meines eigenen Blogs

Der Arbeit mit Blogs gegenüber war ich anfangs skeptisch. Ich betrachte mich als jemanden, der sich nicht gut mit digitalen Medien auskennt und hatte keinerlei Vorerfahrung im „bloggen“. Die Erstellung und das Führen meines eigenen Blogs entpuppte sich aber als einfacher, als ich gedacht hätte. Im Nachhinein kann ich diesen Ansatz als positiv bewerten, wobei der einzige Kritikpunkt wäre, dass die Vernetzung der Blogs unter den Studierenden doch eher gering war. Das lag zum einen daran, dass viele Teilnehmer ihren Blog auf privat stellten. Zum anderen lag es daran, dass Blogbeiträge anderer Seminarteilnehmer zwar angeschaut wurden, aber meistens unkommentiert blieben. Letztendlich bleibt dies aber eine Randkritik. Der Hauptgedanke hinter dem Führen eines eigenen Blogs war, dass man sich selber nochmal Gedanken macht und sich zuhause auch nochmals mit der Thematik auseinandersetzt. Diese Gedanken, Exzerpte, Meinungen und Erkenntnisse, die in der Arbeit mit den Blogs entstanden sind, sollten auch nach einiger Zeit noch nachvollziehbar und vorallem auch nachlesbar sein. Es sollte eine nachhaltige Dokumentation der Erkenntnisse und Ergebnisse des Seminars gewährleistet werden. Dieses Ziel wurde meiner Meinung nach (bei regelmäßiger Führung des Blogs) erreicht. Das Literaturverzeichnis und die Exzerpte der Texte haben ebenfalls zum Erreichen dieses Zieles beitragen.

1.2 Literatur des Seminars

Der Einstiegstext zum Seminar war „Zwischen Kanal und Lebens-Mittel: pädagogisches Medium und mediologisches Milieu“ von Torsten Meyer. In diesem Text werden die Neuen Medien und das dadurch erschaffene neue Medium behandelt. Das Medium wird dabei als „Dazwischen“ zwischen Sender und Empfänger definiert, wodurch es ein neues Milieu und eine Art Lebensraum schafft.

In der Gruppenarbeit sind wir den Text noch einmals durchgegangen. In dieser Gruppenarbeit ist mir die historische Einbettung des Themas deutlich geworden. Unterschiedliche Medien beeinflussten die Gesellschaft schon immer und es standen je nach Zeit immer andere Medien im Vordergrund (Zeitstrahl der Medien). Dabei beeinflusst Gesellschaft nicht nur die Medien sondern eben auch andersherum, wie am Beispiel des Buchdrucks und der darauffolgenden gesellschaftlichen Anpassung deutlich wird. Eine solche Medienrevolution, wie es sie damals schon gab, hat massiven Einfluss auf die Gesellschaft, da sich Ihre Struktur nun stark verändert und mehr Leute Zugang zu mehr Wissen haben. Zwischen Gesellschaft und Medien wirkt ein gegenseitiger Prozess, indem beide Seiten aufeinandertreffen und sich gegenseitig vorantreiben und beeinflussen.

Nachdem wir unsere Blogs eingerichtet und erstes Input verarbeitet hatten, behandelten wir Kapitel 3 des Textes „“Selbstdarstellung und Privatsphäre in sozialen Medien” von Jan-Hinrik Schmidt. In diesem Text ging es das erste mal wirklich speziell um soziale Medien (wie bspw. Facebook).  Was sind ihre Regeln, wieso verhalten sich Menschen in Social Medias anders, was sind Gefahren und Chancen der sozialen Medien. Dabei fand ich besonders die 4 grundlegenden Eigenschaften digitaler Medien einprägsam und gut formuliert: Persistenz, Kopierbarkeit, unbegrenzte Reichweite und Durchsuchbarkeit. (LINK)

Im darauffolgenden 4. Kapitel ¨Medienöffentlichkeit und Journalismus¨ geht Jan-Hinrik Schmidt vorallem auf den Wandel des Journalismus bis hin zum modernen Journalismus ein und macht dabei auch explizit Unterschiede zwischen journalistischen Nachrichten und privat verbreiteten Nachrichten deutlich. Dabei nimmt er insbesondere Informationsaufbereitung, Informationsauswahl und den letztendlich veröffentlichten Beitrag unter die Lupe und stellt dabei erhebliche Unterschiede zwischen Journalisten und Privatpersonen heraus. Interessant hierbei war sicherlich die eigene Informationsauswahl, bei der man oftmals denkt, man hätte mehr Auswahl und Einfluss, als man eigentlich hat. Denn letztendlich kann ich (zugespitzt auf Facebook) zwar bestimmte Seiten ¨liken¨ und abonnieren, die bei mir dann auf der Seite gewünschter Weise auftreten, aber die wirklichen Informationen werden von Dritten und Suchmaschinen bereitgestellt. Deren Programmierung und Anzeige stellt die Grundlage für den Wissenshorizont dar und kann zugleich eine Meinung zu einer bestimmten Thematik unterbewusst formen und beeinflussen. Die Hauptthesen des Kapitels lassen sich auch in diesem Blogbeitrag noch einmal von mir zusammengefasst nachlesen.

Diese Verbindung über das Neue Medium, speziell auch auf Social Medias, spielt in der Jugendpädagogik und in der Schulpädagogik eine immer größer werdende Rolle. Dieses möchte ich weiterführend zum Seminar an dem Beispiel Cybermobbing ausarbeiten. Cybermobbing stellt ein sehr klar sichtbares und bekanntes Problem der Social Medias dar und ist daher eine nähere Betrachtung auch im Bezug auf zukünftige Arbeitsmöglichkeiten in der Jugendpädagogik wert.

2. Seminar erweiternde Arbeit zum Thema Cybermobbing

2.1 Medienkompetenz in der Jugendarbeit

Medienkompetenz an Kinder und Jugendliche zu vermitteln ist seit mehr als 30 Jahren Aufgabe Erziehender und Lehrender. Doch mit der digitalen Revolution hat sich auch das soziale Leben verändert. Jeder Heranwachsende muss Urteilskraft entwickeln, um der Netzwelt nicht hilflos ausgesetzt zu sein. Medienkompetenz wird damit zu einer Schlüsselkompetenz.

Dabei gibt es Mobbing, Hänseleien und Streit unter Schülern seit der Geschichte der Schule. Die Probleme haben sich nicht verändert, Sie sind dieselben geblieben. Verändert hat sich die Dimensionen die diese Attacken einnehmen. Die Dimension ändert sich durch die im Seminar besprochenen 4 grundlegenden Eigenschaften digitaler Medien: Cybermobbing ist somit persistent, beliebig oft vervielfältigbar, kann eine unbegrenzte Anzahl von Menschen erreichen die nicht mehr kontrollierbar ist und ist durch die großen Suchmaschinen auch durchsuchbar. Damit wird Cybermobbing zu einem gefährlichen Problem, dass soziale Netzwerke mit sich bringen. Es gilt daher die Jugendlichen zu Medienkompetenz in sozialen Netzwerken zu befähigen. Sie sollten in der Lage sein, Informationen kritisch zu beurteilen und gezielt auszuwählen. Weiterhin sollten Sie Hintergrundwissen zur vernetzten Welt erlernen: Welche Möglichkeiten werden geboten, wie kann man diese Nutzen, was sind Gefahren und Risiken und welche Interessen stecken überhaupt aus Anbietersicht dahinter? Zu guter letzt fehlt der zu erreichenden Medienkompetenz noch die Wichtigkeit der Privatsphäre, wie man diese größtmöglichst schützen kann und welchen Stellenwert und Interessen Medienkonzerne und Nachrichtendienste haben.

2.2 Erkenntnisse der Studie „Cybermobbing an Schulen“ der Uni Münster

Leider ist diese wünschenswerte Medienkompetenz in der Praxis in Deutschlands Schulen nicht vorhanden. Im Gegenteil: Der Studie „Cybermobbing an Schulen“von Thorsten Quandt und Ruth Festl  zufolge ist Cybermobbing leider nicht nur Ausnahme sondern ein Alltagsphänomen an unseren Schulen geworden. Die Studie der beiden Forscher aus dem Jahre 2013 ist verhaltensbasiert, d.h. die Schülerinnen und Schüler wurden nicht explizit nach Cybermobbing gefragt, sondern lediglich nach ihrer Internetnutzung. Schüler, die relevante Verhaltensweisen, wie bspw. die Verbreitung von Gerüchten über eine Person, auf den Ihnen ausgeteilten Fragebögen mindestens mit ¨manchmal¨ angekreuzt hatten, werden als Täter oder Opfer von Cybermobbing gewertet. Im Gegensatz zur definitionsbasierten Forschung erhofft man sich realistischere Zahlen mit einer niedrigeren Dunkelziffer. Bei einer definitionsbasierten Forschung zum Thema Cybermobbing bekommen Befragte oft eine Definition von Cybermobbing zum Fragebogen dazu und sollen dann  ankreuzen ob sie einen Mitschüler über das Internet gemobbt haben oder selbst gemobbt wurden. Der Vorteil ist, dass hier die Befragten genau wissen, worum es geht. Andererseits besteht gerade bei den Tätern die Gefahr, dass Sie ihr Mobbing nicht zugeben bzw. öffentlich machen wollen und ihr Handeln lieber verschweigen. Daher kommt es bei der definitionsbasierten Forschung zu einer höheren Dunkelziffer.

Nach Zahlen der Studie von Quandt/Festl (n=5.500) waren 23% der Jugendlichen bereits Opfer von Cybermobbing. Die verschiedenen Formen von Cybermobbing und ihre Häufigkeit werden im folgenden Säulendiagramm noch einmal dargestellt:

Diagramm

(Eigendarstellung nach Quandt/Festl, 2015 S.12)

Deutlich wird hier, dass der direkte Weg, also das Schreiben beleidigender Nachrichten oder Drohungen direkt an eine andere Person, die häufigste Art des Cybermobbings ist. An zweiter Stelle steht das Weiterleiten Vertraulicher Informationen (¨Geheimnisse¨) an Dritte.

Perfider und weniger vorkommend sind die anderen Aspekte des Cybermobbings: Schreiben von Nachrichten unter falschem Namen sowie Beleidigungen einer Person auf einer öffentlichen Website werden an 3. und 4. Stelle genannt. Die Verbreitung von Gerüchten über eine Person und das Hochladen peinlicher Bilder oder Videos von einer Person stehen am Schluss. Die letztgenannteren Formen des Cybermobbings kommen zwar weniger häufig vor, greifen Opfer dafür umso massiver an: Das Publikum wird meist größer und die Chancen sich zu wehren kleiner. Hinzu kommt, dass in sozialen Medien wie YouTube und Twitter auch für Täter die Gefahr besteht, keine Kontrolle mehr über das Publikum zu haben. Jeder könnte die Mobbing Nachricht teilen oder sich unbegrenzt ansehen, es ist bekannt wie rasend schnell sich manche Internet Phänomene ausbreiten können. Diese riesige Anzahl von Personen, die erreicht werden kann, erhöht die Scham des Opfers um ein Vielfaches.

Ein weiterer Aspekt des Cybermobbings ist nach Quandt/Festl, dass an Cybermobbing beteiligte Mädchen und Jungen keineswegs Außenseiter in der Schul- bzw. Klassengemeinschaft sind. „Es sind sogar gerade die beliebteren Mädchen und Jungen, die durch das Cybermobbing ihren eigenen sozialen Status in der Gruppe festigen oder ausbauen wollen“ (Quandt/Festl, 2015 S.13).

Die Schulen spielen in der Thematik des Cybermobbings eine sehr große und wichtige Rolle. Denn obwohl Cybermobbing online stattfindet, ist es nach Erkenntnissen der Studie sehr eng mit dem Klima an Schulen verbunden.

2.3 Beispiele und Auswirkungen von Cybermobbing

Wir haben bereits festgestellt, dass Auswirkungen des Cybermobbings viel weitreichender sind im Gegensatz zu traditionellem Mobbing. Welche konkreten Folgen Opfer erleiden können möchte ich nun anhand von einigen Beispielen näher ausführen.

In den Medien wird oft nur von tragischen Einzelfällen des Cybermobbings berichtet, in denen es ein extremes Ende nimmt, wie beim Suizid der US-amerikanischen Schülerin Megan Meier. Sie nahm sich 2006 das Leben, nachdem Sie zuvor systematisch über das Portal Myspace gemobbt wurde.

Ich möchte nun aber kein tragisches, sondern meiner Meinung nach eher realistischeres Beispiel für ein Cybermobbing Opfer geben:

Ein Mädchen hat ihrem Freund ein Nacktfoto von sich geschickt, nachdem dieser Sie wiederholt gefragt hatte und sie sich von ihm dazu gedrängt fühlte. Zwei Monate später macht das Mädchen mit ihrem Freund Schluss und erkennt Tage später, dass dieser ihr Nacktfoto an all seine Freunde und in der Schule herumgeschickt hat. Sie wird als ¨Schulschlampe¨ abgestempelt und ist bei allen unten durch. Das Mädchen bekommt Depressionen, tut sich selber weh und grübelt oft nächtelang, warum ausgerechnet ihr das passieren musste.

Ein anderes  Mädchen wird online massiv beleidigt, dann in ihrem schulischen Umfeld ausgegrenzt und aus der WhatsApp Klassengruppe ausgeschlossen. Es wurde sogar eine Facebook Gruppe gegründet, die bei ihr zuhause zu einer „Abrissparty“ einlud. An dem Abend standen mehrere Personen vor ihrer Haustür, klingelten, verschmutzten Auffahrt und Straße und machten jede Menge Lärm.

Es ist klar, dass solche Handlungen die Entwicklungen eines Menschen empfindlich stören. Jugendliche reagieren total verunsichert, ziehen sich zurück, klagen über Bauchweh, tragen jede Menge Scham mit sich herum und reden nur in den seltensten Fällen mit ihren Eltern. Es können Depressionen und psychische Probleme auftreten und Opfer tragen diese schlimmen Erlebnisse oft ein Leben lang mit sich herum, wenn es nicht richtig geklärt und verarbeitet wird.

2.4 Lehrer/Pädagogen und Cybermobbing

Doch nicht nur Schüler können Opfer von Cybermobbing werden. Oft stehen auch Lehrer bzw. Pädagogen selbst im Visier. Ein heimlicher Schnappschuss der den Lehrenden unglücklich erwischt, wird versehen mit Sprüchen oder bildlich nachbearbeitet und online gestellt. Oftmals sind es sogar komplette Videos, die von Pädagogen aufgezeichnet und online gestellt werden. Ein Video, in dem eine Lehrerin lange provoziert wurde bis Sie den Schüler anschrie: ¨Pack endlich das verdammte Telefon weg¨, bekam auf YouTube knapp 29.000 Aufrufe, bis Sie es zufällig merkte und die Polizei einschaltete.

Lehrkräfte rechnen oft nicht damit, selbst zum Opfer zu werden und reagieren auf Angriffe genauso sensibel wie Schülerinnen/Schüler. Denn Sie schämen sich genauso und haben Angst, als schlechte Pädagogen dazustehen. Das eigene Idealbild der Lehrkraft, die man sein möchte, wird zerstört.

Ob selbst betroffen oder Cybermobbing unter Schülern: Lehrkräfte sind oft überfordert wenn Sie es mit einem konkreten Fall von Cybermobbing zutun haben. Daraus ergeben sich aus meiner Sicht Forderungen, die sich stark mit denen der Initiative Keine Bildung ohne Medien überschneiden (hier). Genau wie die Initiative sehe ich starken Bedarf an Fortbildungs- und Beratungsangeboten für Lehrkräfte. Zusätzlich, und ebenfalls übereinstimmend mit den Forderungen der Initiative, müsste es meiner Meinung nach ein eigenes Schulfach ¨Medienkompetenz¨ geben oder aber wenigstens Themen wie Datenschutz oder Persönlichkeitsrechte mehr im Unterricht besprochen werden.

2.5 Konzepte für einen Eingriff bei Bekanntwerden von Cybermobbing

Was aber sind die richtigen Schritte, die gegangen werden sollten, nachdem man einen Fall von Cybermobbing mitbekommen hat? Wenn es zu spät für präventive Maßnahmen und Aufklärung ist und ein Mädchen oder Junge sich zuhause abschottet und nicht mehr zur Schule gehen möchte?

Das Allerwichtigste sei laut Klaus Seifried ¨(…) das Opfer zuerst wahrzunehmen und nicht den Täter, der sich oft herauszureden versucht, indem er behauptet: ¨War doch nur Spaߨ (…) Die Lehrkräfte müssen dem Opfer deutlich machen: Wir nehmen dich ernst, wir sind für dich da.¨ (Seifried, 2015 S.14) Weiterhin müsse sofort und konsequent durchgegriffen werden: ¨den Klassenleiter informieren, bei den Schülern nachhaken. Wer weiß was? Cybermobbing muss öffentlich gemacht werden, die Täter müssen raus aus dem Schutz der Anonymität.¨ (Seifried, 2015 S.14) Zusätzlich sollte so schnell wie möglich Kontakt zum Webanbieter aufgenommen werden und das entsprechende Bild/Video/Post aus dem Netzwerk entfernt werden. Durch das Gesetz der ¨beliebigen Verfielfältigbarkeit¨ nach Jan-Hinrik Schmidt wissen wir aber, wie schwer bis unmöglich es ist, so etwas dauerhaft zu löschen. Selbstverständlich müssen zusätzlich auch die Schüler aufgefordert werden, die entsprechenden Dokumente auf ihrem Smartphone zu löschen. Danach muss je nach Fall entweder die Schulleitung und Polizei eingeschaltet werden sowie Schulpsychologen und Eltern kontaktiert werden oder bei weniger gravierenden Vorfällen ein Gespräch mit den Betroffenen geführt werden, wobei das Opfer emotionale Unterstützung und der Täter sehr klare Ansagen braucht. Der schulische Fokus ist häufig stärker darauf gerichtet, den Täter zu bestrafen als den Opfern zu helfen, dabei sollten gemeinsame Lösungen erarbeitet werden, bspw. auch wie der Täter seine Tat wieder gutmachen könnte (gemeinsame soziale Aktion; Einladung ins Kino oder zu einem Sportevent). Schaltet man die Polizei und/oder einen Rechtsanwalt ein, droht ein langwieriger Prozess. Dieser Prozess stellt eine zusätzliche Belastung für das Opfer dar und macht es schwer das Geschehene hinter sich zu lassen. Daher sollte die Situation und der Nutzen für das Opfer genau überdacht werden.

Die Eltern spielen beim gesamten Prozess eine entscheidende Rolle. Sie müssen, sobald Kenntnis von einem Cybermobbing Fall besteht, von Anfang an involviert werden. Auch sie sollten bei den Klärungsgesprächen dabei sein, denn das gibt Sicherheit für die Opfer, die immer das Gefühl haben sollten, dass ihre Mütter und Väter hinter ihnen stehen und den Vorfall ernst nehmen. Wenn Eltern diese Konflikte nicht ernst nehmen oder ihre Kinder mit der Situation allein lassen wirkt dies kontraproduktiv.

Oftmals sind Eltern laut Klaus Seifried erschrocken, wenn Sie davon hören das ihr Kind in einen solchen Vorfall verwickelt ist.¨Viele haben überhaupt keine Vorstellung davon, was ihr Kind mit dem Handy so treibt¨(Seifried, 2015, S.15). Hier wird deutlich, wie auch schon im Seminar angeklungen, dass auch Eltern medienpädagogisch gefördert und ein Stück weit ausgebildet werden müssen!

2.6 Präventive Maßnahmen

Was kann getan werden, um das Phänomen des Cybermobbings einzudämmen und schon im Keim zu ersticken? Im Folgenden präsentiere ich ein paar Lösungsansätze, die helfen , das Problem einzudämmen.

Der erste Ansatz ist die Ausbildung von Schülern zu ¨Medienscouts¨. Die Scouts ziehen durch die Klassen, geben Tipps zur Mediennutzung, klären auf und bieten sich als Ansprechpartner bei Problemen an. Dies ist wichtig, da viele Opfer nicht direkt mit Lehrern, Eltern oder Polizei sprechen wollen. Die Medienscouts stellen ein sehr niedrigschwelliges Angebot dar, auf das Schüler/innen ohne großen Aufwand und Angst zurückgreifen können. Sie überlegen und entscheiden gemeinsam wie vorgegangen werden soll und ob und wem der Vorfall gemeldet wird. Medienscouts treffen keine Entscheidung ohne das Einverständnis des Betroffenen. Gerade solch niedrigschwellige Angebote werden aus allen Richtungen immer wieder gefordert, da Mobbing Scham erzeugt und es ungeheuer schwierig ist, sich zu offenbaren, wenn man im Fadenkreuz einer Cybermobbing-Attacke steht. Ähnlich zu den Medienscouts könnten auch ¨Antimobbing-Beauftragte¨ oder ¨Streitschlichter¨ als niedrigschwellige Angebote fungieren.

Ein weiteres niedrigschwelliges Angebot ist die Einrichtung eines Notfalltelefons zum Thema ¨Cybermobbing¨. Hier können sich Schüler anonym melden und werden professionell beraten. Es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht.

Weitere Lösungsansätze auf Schulebene können regelmäßige Sprechstunden der Klassen- und Vertrauenslehrkräfte sowie (zusätzliche) Schulpsychologen und Sozialpädagogen sein. Vorallem die Klassengemeinschaft muss gestärkt und aufgeklärt werden. Denn wenn diese funktioniert und Cybermobbing verurteilt und gemeldet wird, wird es für potenzielle Täter schwerer und unattraktiver. Jugendliche müssen für die Verletzlichkeit des Einzelnen sensibilisiert werden und ihnen ihre gegenseitige Verantwortung bewusst werden.

Klaus Seifried fordert die Schulen auf, in ihre Schulordnung zu schreiben:

¨ Unsere Schule duldet kein Mobbing, jede Lehrkraft hat die Verpflichtung, in solchen Fällen einzuschreiten, jeder Schüler sollte Stopp sagen und es melden, sobald er Mobbing in der Klasse oder im Internet beobachtet¨(Seifried, 2015, S.15).

2.7 Gesetzliche Lage

Nach deutschem Recht wird ein Fall von Cybermobbing verfolgt und verurteilt, „wenn das Mobbing in der Absicht begangen wurde, die Lebensgestaltung des Opfers schwerwiegend zu beeinträchtigen.“ (Thomas Kutschaty, 2015, S.10) Derzeit wird noch  darüber diskutiert, ob eine Beleidigung im Internet im Strafmaß höher anzusiedeln ist als eine Beschimpfung auf der Straße, da Beleidigungen im Internet durch die 4 Grundeigenschaften digitaler Medien eine ganz andere Qualität bekommen im Vergleich zur Beleidigung auf der Straße.

Deutsches Recht gilt jedoch nur für ältere Jugendliche und junge Erwachsene; Personen unter 14 Jahren können überhaupt nicht belangt werden und Jugendliche bis 16 Jahren nur in sehr geringem Maße. Dennoch sollten junge Täter wissen und erkennen, dass solch ein Verhalten in Zukunft erhebliche Konsequenzen mit sich bringt.

Es wird auch überlegt, einen eigenen Gesetzentwurf speziell für Cybermobbing zu entwerfen. Problem dabei ist es, den Tatbestand abzugrenzen:“Das wird jetzt die Aufgabe des Gesetzgebers sein, eine Definition zu finden, die hinreichend präzise und klar gestaltet ist, um ein Gesetz rechtlich bestandskräftig zu gestalten.“  Laut Thomas Kutschaty sollten bis Jahresende 2015 Vorschläge für einen Gesetzentwurf  beim Bund vorliegen. (Thomas Kutschaty, 2015, S.10)

3. Fazit

Cybermobbing stellt ein ernstzunehmendes Problem an deutschen Schulen dar. Es gibt allerdings Möglichkeiten, dieses Problem einzudämmen und ihm entgegenzuwirken. Aufklärung und Medienkompetenz stehen dabei ganz oben. Dieses gilt es nun in den Bildungseinrichtungen umzusetzen. Dazu werden allerdings erweiterte Möglichkeiten und Kapazitäten im Bereich Medienpädagogik benötigt. Wir haben uns Beispiele angeschaut und gesehen, was für tiefgreifende Auswirkungen Cybermobbing auf Jugendliche haben kann. Aber nicht nur Jugendliche sind von Cybermobbing betroffen: auch wir als angehende und zukünftige Pädagogen sind angreifbar für Cybermobbing. Dies muss uns bewusst sein und sollte Motivation geben, gemeinsam an Bildungseinrichtungen gegen Cybermobbing präventiv vorzugehen. Tätern muss die Reichweite ihres Handelns bewusst werden.

Auch wenn ich nur bruchstückhaft das Seminar in dieser Hausarbeit mit reflektiert und einbezogen habe, so haben wir doch viel mehr gelernt, bearbeitet und diskutiert. Der Bereich Medienpädagogik wurde mir in seinem Gegenstand bewusst und der Bezug auf digitale Medien und auch soziale Medien hat mir sehr gefallen. Ich freue mich auf weitere spannende Seminare im Bereich Medienpädagogik.

4. Quellenverzeichnis

Schmidt, Jan-Hinrik: „Medienöffentlichkeit und Journalismus“. In:Klaus Beck (Hrsg.), Gunter Reus (Hrsg.): Social Media.  VS Verlag, Wiesbaden, 2013 (S.43-56)

Schmidt, Jan-Hinrik: „Selbstdarstellung und Privatsphäre in sozialen Medien“. In:Klaus Beck (Hrsg.), Gunter Reus (Hrsg.): Social Media. VS Verlag, Wiesbaden, 2013 (S.23-41)

Meyer, Torsten: “Zwischen Kanal und Lebens-Mittel: pädagogisches Medium und mediologisches Milieu”. In: Johannes Fromme, Werner Sesink (Hrsg.): Pädagogische Medientheorie. VS Verlag, Wiesbaden, 2008 (S. 71-94)

Julia Riebel: „Spotten, Schimpfen, Schlagen … Gewalt unter Schülern – Bullying und Cyberbullying. Verlag Empirische Pädagogik, Landau, 2008

Quandt, Thorsten; Festl, Ruth: „Alltagsphänomen Cybermobbing“, Erziehung & Wissenschaft, Juni 2015 S.12

Seifried, Klaus: „Anonymität enthemmt“, Erziehung & Wissenschaft, Juni 2015, S. 14-15.

Kutschaty, Thomas: „Schwerwiegende Beeinträchtigung“, Erziehung & Wissenschaft, Juni 2015, S.10

 

Internetquellen:

Studie „Cybermobbing an Schulen“: https://www.uni-muenster.de/Kowi/forschen/projekte/cyber-mobbing-an-schulen.html; Studie wurde im Rahmen des Projektes durchgeführt, welches seid 2012 bis Ende September 2015 gefördert wird. Veröffentlicht im E&W Magazin 06/2015 S.12/13

http://www.keine-bildung-ohne-medien.de/publications/grundbildung-medien-fuer-alle-paedagogischen-fachkraefte/ Stand 29.09.2015

 

Keine Bildung ohne Medien & das Medienpädagogische Manifest

Die Initiative „Keine Bildung ohne Medien“ fordert ein Umdenken in der Gesellschaft im Umgang und in der Vermittlung von Medien. Dies soll durch strukturelle Veränderungen erreicht werden, anstatt der derzeitigen „Phase der Modellprojekte“. Es sollen Infrastruktur und organisatorische Rahmenbedingungen in Bildungseinrichtungen geschaffen werden, die den gesellschaftlichen Anforderungen nachhaltig entsprechen können.

Explizit geäußert wird diese Forderung in 5 Kernpunkten:

  • Medienbildung in frühkindlicher Bildung und Schule, in außerschulischen Bildungsangeboten und bei der Inklusion von Menschen mit Behinderungen
  • Medienpädagogische Elternarbeit besonders in bildungsbenachteiligten Milieus
  • Regelfinanzierung medienpädagogischer Angebote
  • Ausbau und Förderung medienpädagogischer Netzwerke
  • Verpflichtende Grundbildung Medien in allen pädagogischen Studiengängen und feste Verankerung der Medienbildung in der Fort- und Weiterbildung
  • Ausbau der medienpädagogischen Forschung.

(Kernpunkte kopiert von der Internetseite http://www.keine-bildung-ohne-medien.de/pages/ueber-uns/; Stand 18.06.2015)

Das „Medienpädagogische Manifest“ ist eine Petition, die Unterschriften sammelt, um in der Gesellschaft Neuerungen zum Thema Umgang mit Medien zu schaffen.

Gefordert wird hier, medienpädagogische Programme in den Einrichtungen der Elementarpädagogik sowie in der Jugend‐,  Familien‐ und Elternbildung zu verstärken. Medienpädagogische Aspekte sollen in den Curricula der einzelnen Schulfächern festgeschrieben werden. Es wird ein weiterer Schwerpunkt auf Jugendliche mit Migrationshintergründen und bildungsbenachteiligten Milieus sowie auf die geschlechtersensible Arbeit gelegt. Schon in Ihrer Ausbildung sollen Soziale Berufe den Erzieher/innen, Lehrer/innen, Erwachsenenbildnern/innen und Sozialpädagogen/innen die Kompetenzen, die Forderungen überhaupt umsetzen zu können, vermittelt werden. Um diesen Punkt erreichen zu können, sollen Professuren und Lehrstühle an deutschen Hochschulen und Universitäten erheblich ausgebaut werden. Dazu ist auch mehr als genug Anlass: Nach Meinung des „Medienpädagogische Manifest“ und Ihren Befürwortern gibt es noch jede Menge aufzuholen im tiefergehenden Forschungsbereich „Medien“, vor allem wird hier die Mediensozialisationsforschung und die medienpädagogischen Begleit- und Praxisforschung genannt.

 

Wie erlange ich Zugang zu Informationen?

Als Beispiel dazu, möchte ich meinen Tagesablauf beschreiben, wenn ich meinen Computer hochfahre.

Das Wichtigste am Morgen sind für mich die Ergebnisse aus der NBA und NHL. Dazu besuche ich direkt die amerikanischen Seiten NBA.com und NHL.com, auf europäische Versuche die Seiten zu übersetzen oder zu kopieren, verzichte ich. Auf den Webseiten sind verschiedene Videos verlinkt, die Spiele zusammenfassen, Stimmen nach dem Spiel einfangen, Pressekonferenzen etc. Je nach Laune schaue ich mir dort 1-2 Videos mit ca. 4 Minuten länge an. Zusätzlich schaue ich mir noch Statistiken der einzelnen Spiele an, dies nimmt ca. auch nochmal 5 Minuten in Anspruch.

Danach gehe ich auf Facebook und checke die Infos aus meinem Freundes- und Familienkreis. Meistens ist es einfach 2-3 minuten scrollen. Bei manchen besonders interessant oder lustig erscheinenden Videos klicke ich sogar rauf und schaue es mir an. Kommentieren tue ich sogut wie nichts auf Facebook; drücke höchstens „Gefällt Mir“. An wirklich gesellschaftlich und politisch relevante Themen und Informationen gelange ich klassisch über Nachrichten im Fernsehen. Filtermechanismen auf der Suche nach Informationen benutze ich keine. Ich vertraue auf meinen Verstand und glaube nicht jeden Schwachsinn. Eigene Inhalte veröffentliche ich sogut wie nie auf Facebook (und allgemein im Internet).

Zusammenfassung der Thesen des. 4 Kapitels aus „Social Media“ von Jan-Hinrik Schmidt

Nachfolgend versuche ich stichpunktartig die Hauptthesen des Autoren Jan-Hinrik Schmidt des. 4. Kapitels „Medienöffentlichkeit und Journalismus“ aus seinem Buch „Social Media“.

 

-Durch die sozialen Medien wird der Journalismus beeinflusst und verändert

-Abstufung der Medienöffentlichkeit nach Reichweite

-„Apparat“ (S.44), verstanden als komplexes und professionelles System des Journalismus, verleiht der Medienöffentlichkeit ihre Stabilität

-Die Massenmedien setzen Thematiken auf die „gesellschaftliche Agenda“, die dann breit in der Gesellschaft diskutiert werden können (es wird ein Forum geboten, da die Informationen über diesen Sachverhalt viele Gesellschaftsmitglieder durch Zeitungen oder Nachrichten mitbekommen haben)

-Massenmedien schaffen Transparenz, bspw. bei politischen Vorgängen

-Bieten ein Forum für Leserbriefe, Politiker, Bürgerinitiativen oder Verbände auch zu Wort zu kommen und Leute zu erreichen ( verschiedeneMeinungen werden sichtbar)

-Massenmedien tragen zum Funktionieren und zum Zusammenhalt einer Gesellschaft bei

-Die Entwicklung von Gesellschaft und Massenmedien ist historisch miteinander verknüpft

-Bürger suchen und gründeten eigene Medien um auch kontroverse Meinungen äußern und verbreiten zu können -> Gegenöffentlichkeit zu den Massenmedien wurde geschaffen

-Nicht nur journalistische Redaktionen veröffentlichen ihre Berichte im Internet, auch normale Nutzer können unter Umständen ein Massenpublikum erreichen

– Der Journalismus verliert sein Monopol darauf, Informationen aufzubereiten und öffentlich bereitzustellen

-Informationen werden von einzelnen Nutzern nach persönlicher Relevanz ausgewählt und aufbereitet

-Persönliche Öffentlichkeiten folgen anderen Kriterien als Journalisten bei der Aufbereitung und Präsentation von Themen: Auf Konversation und Austausch angelegt

-Welche Quellen der Nutzer angezeigt bekommt, hängt von der Suchmaschine und ihrer Programmierung ab; Unser Informationshorizont wird also von vornherein von verschiedenen Programmen und Software festgelegt

-Zugang der Nutzer zu Informationen hat sich verändert: Aktualität und soziale Nähe

-Soziale Medien schaffen „vernetzte Öffentlichkeit“ in dreifacher Hinsicht: 1. Vernetzte Computer 2. In sozialer Hinsicht Beziehungsnetzwerke zwischen Menschen 3. Verknüpfte Informationsströme die durch die Beziehungsnetzwerke miteinander geteilt werden

-Als „virale Effekte“ werden Sachen (Videos, Posts etc.) bezeichnet, die sich ähnlich wie eine Epidemie rasend schnell in der Internetgemeinde verbreiten und ein Massenpublikum erreichen.

-Erhöhter Aufwand für Massenmedien, da Sie sich in die sozialen Netzwerke mit einbinden müssen

 

 

Exzerpt 3. Kapitel aus „Social Media“ von Jan-Hinrik Schmidt

Im folgenden verfasse ich ein Exzerpt des Kapitels „Selbstdarstellung und Privatsphäre in sozialen Medien“ aus dem Buch „Social Media“ von Jan-Hinrik Schmidt.

Der Autor beginnt mit der These, dass ein grundlegend neues Verständnis von Privatsphäre in der Gesellschaft geschaffen werden muss. Die sozialen Normen müssen neu angepasst werden, um eine klare Grenze zwischen privat und öffentlich ziehen zu können. Die aktuellen gesellschaftlichen Normen hinken der Technologie hinterher, Sie müsen sich erst noch anpassen an diese neue Form von „Öffentlichkeit“. Von außen betrachtet, könnte man von so manch einem User in sozialen Netzwerken von „Selbstentblößung“ oder „Cyber-Exhibitionismus“ sprechen. Dieser Eindruck kommt zustande, da eine ganz andere Logik und Auswahl der Informationen in sozialen Netzwerken herrscht. Vom jeweiligen User aus gesehen soll schließlich nur das eigene soziale Netzwerk erreicht werden und nicht die ganze Gesellschaft. Es wird nichts journalistisch veröffentlich, sondern man strebt durch seine Beiträge in sozialen Netzwerken Konversation an. Hier zieht Jan-Hinrik Schmidt eine klare Linie zwischen Journalismus und sozialen Medien. Journalismus verbreitet geprüfte Informationen, die die gesellschaftliche Öffentlichkeit ansprechen soll und für eine große Bandbreite an Personen relevanz besitzt. In sozialen Medien hingegen herrscht nur eine persönliche Öffentlichkeit, die Informationen besitzen in der Regel nur für einen kleinen Kreis an Personen Relevanz. Es wird von den Personen also vorrangig die Pflege des eigenen sozialen Umfelds betrieben, statt dem zuvor durchscheinenden „Cyber-Exhibitionismus“.

In den Netzwerken gilt zusätzlich eine Authentizitätserwartung. Das was wir von einer Person lesen, soll auch tatsächlich von ihr kommen und ihre Gedanken oder Meinung wiederspiegeln. Daher gilt auch das aus der Soziologie stammende „impression Management“ in sozialen Netzwerken: Man handelt in einer Rolle mit an einen gestellten Erwartungen.

Die Privatsphäre kann in solch einem Netzwerk nur durch die Auswahl der Personen, die meine Beiträge lesen können, gewahrt und geschützt werden. Dies ist allerdings kritisch zu betrachten, beispielsweise wenn eine Person meine Beiträge teilt und es so wiederum auch seinem Netzwerk öffentlich stellt, kann ein Schneeballeffekt eintreten der meine Beiträge einer Masse an Personen zugänglich macht, die ich überhaupt nicht erreichen wollte. Diese Gefahr wird als „Lurking“ bezeichnet.

Als grundsätzliche Eigenschaften der digitalen Medien (die sowohl positive Eigenschaften als auch Risiken mit sich bringen) nennt der Autor folgende 4:

-1.) Digitale Medien sind persistent, lassen also eine dauerhafte Speicherung zu (und damit verbunden die Schwierigkeit einmal veröffentlichte Informationen wieder zu „löschen“)

-2.) Digitale Medien sind ohne qualitätsverlust beliebig oft kopierbar und verfielfältigbar

-3.) Digitale Medien besitzen eine unbegrenzte Reichweite und sind überall auf der Welt abrufbar

-4.) Digitale Medien sind durchsuchbar (durch Suchmaschinen wie Google, YaHoo etc.)

Abschließend stellt Jan-Hinrik Schmidt den Apell Datenschutz und Privatsphäre ganz neu zu denken – unter dem Schlagwort „post-privacy“.

 

Relevanz der Medien für mich als Pädagoge

Als ich über diese Frage noch einmal reflektiert habe, wozu das Ganze denn nun wichtig für mich in meiner Rolle als Pädagoge ist, kam ich zuerst auf die Idee des Verständnisses. Wie soll man die Jugend und ihre Kultur verstehen, die mit Medien aufgewachsen sind und ihre Kultur fest mit Medien verwoben ist, ohne sich selbst mit Medien auszukennen bzw. diese auch zu Nutzen. Ignoriert man die mediale Seite der aktuellen Jugendkultur so scheint diese Betrachtung lückenhaft. Dieses grundlegende Verständnis um der Kultur folgen und auch nachvollziehen zu können, erscheint für mich als wichtigster Punkt, warum man sich mit den neuen Medien auseinandersetzen sollte und auch deren Einfluss auf die Kultur (allgemeine sowie Jugendkultur) untersuchen muss.

Das pädagogische Handeln wird so verständnissvoller (vielleicht auch mit mehr Hintergrund) und kann besser angepasst werden. Man hat zusätzliche Kompetenzen auf dem medialen Gebiet für z.B. Fragen, Anregungen, Erklärungen, Hilfestellungen, Kommunikation etc.

Zusammenfassung des Textes von Torsten Meyer

Torsten Meyer beschreibt in seinem Text „Zwischen Kanal und Lebens-Mittel: pädagogisches Medium und mediologisches Milieu“ den anzugehenden Umstrukturierungsprozess und dessen Ausmaß für die Übermittlungsinstitutionen.

Er geht dabei auf Grundfragen ein wie:Was ist „neu“ an den Medien; Was ist überhaupt ein Medium; Wie übertragen/vermitteln wir Wissen und könnten wir überhaupt ohne Medien auskommen. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass eine Pädagogik ohne Medien „lückenhaft erscheint“ (S.73).

Weiterhin schreibt Torsten Meyer, dass wir über unseren Horizont nur in Imagination herausblicken können. Man kann Dinge, die man noch nie erfahren hat, sich nicht vorstellen. Dort ist eine Grenze, die erst überschritten werden muss.

In den verschiedenen Epochen der Historie konnte die Kultur (und das Denken in dieser Kultur) dementsprechend nur so weit sein, wie es die Technik (die Medien) zuließen. Kultur und Technik seien eng miteinander verwoben und trieben sich gegenseitig an, wobei unklar ist, wer was vorantreibt.

Torsten Meyer stellt die Mediologie vor, die sich mit der Korrelation zwischen „einem symbolischen Körper, einer Form der kollektiven Organisation und einem technischen System der Kommunikation“(S.81) beschäftigt.

Später kritisiert Torsten Meyer in seinem Text noch den Aspekt, dass durch die neuen Medien die Gefahr entstünde, dass Menschen ihr Wissen nicht mehr inkorporieren und sich mit ihm verbinden. Wissen würde zu etwas „Äußerlichem, zum Ding und zur Ware“(S.92)

Erwartungen an das Seminar

Von diesem Seminar erhoffe ich mir, dass ich allgemein besser mit Medien und Technologien zurechtkomme. Ich würde gerne erfahren, wie man Medien didaktisch sinnvoll Nutzen kann und wie man es eher nicht tun sollte. Ansonsten habe ich wenige konkrete Erwartungen, bin aber immer offen neue Dinge zu lernen und auszuprobieren – wie zum Beispiel das Führen eines eigenen Blogs.