Intro

 

Der Geburtstag der Pädagogin und Psychologin Martha Muchow (1892–1933) jährte sich am 25. September 2012 zum 120sten Mal. Die Ausstellung in der Martha-Muchow-Bibliothek verfolgt primär das Ziel, über Martha Muchow zu informieren und auf ihre wissenschaftliche Arbeit aufmerksam zu machen. Das Projekt besteht einerseits aus einer temporären Ausstellung und andererseits aus dauerhaft visuellen Setzungen im Innen- und Außenraum der Fakultätsbibliothek.

Die Martha-Muchow-Bibliothek ist entweder vom Gebäude Von-Melle Park 8 aus zu erreichen oder direkt vom Josef-Carlebach-Platz aus. Sie ist von montags bis freitags 9 bis 20 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Die Vitrinen-Ausstellung erstreckt sich räumlich über alle vier Stockwerke der Bibliothek und ist somit in den laufenden Betrieb der Bibliothek integriert. Bitte benutzen Sie deshalb in der Bibliothek auf jeden Fall Kopfhörer, um diese Audioführung zu hören.

Die Stationen orientieren sich chronologisch an der Biografie von Martha Muchow und machen Leben, Werk und Wirken der Wissenschaftlerin nachvollziehbar. In den Schaukästen und Vitrinen sind größtenteils Reproduktionen, aber auch einige Original-Dokumente und Bücher zu sehen, die nicht nur Informationen gespeichert haben, sondern als Artefakte Zeit-Geschichte lebendig werden lassen. Diese Dokumente wurden mit Objekten und Bildmaterial kombiniert, um den Betrachtenden einen visuell-assoziativen Zugang zu ermöglichen.

Die Ausstellung ist als Einladung zu verstehen, gerichtet an Lehrende, Studierende, Mitarbeiter/innen der Universität sowie Besucher/innen der Bibliothek, sich mit Martha Muchow und ihrem Wirken zu beschäftigen. Einige Publikationen in den Schaukästen im Eingangsbereich der Bibliothek belegen die Aktualität ihrer Forschungsthemen. Um die Namensträgerin der Fakultätsbibliothek als Person sichtbarer zu machen, wurden vier visuelle Markierungen im Innen- und Außenraum der Bibliothek realisiert. Außerdem ist eigens ein Graffiti-Wandbild mit Martha Muchow als Bildmotiv entstanden, welches der Bibliothek buchstäblich ein Gesicht nach außen verleiht.

Martha Muchow gehört zu den Universitätsangehörigen, für die seitens der Universität durch die Benennung einer Einrichtung – in diesem Fall der Fakultätsbibliothek der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft – eine Wiedererinnerung an während des Faschismus entstandenes Unrecht versucht wird. Im Fall Muchows war dies ihre Entlassung im September 1933, die sie in den Selbstmord trieb. Martha Muchow war eine Frau, die für ihre Arbeit gelebt hat. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit lagen auf den Gebieten Begabungsforschung, Schulgestaltung, Kinderpsychologie, Kindergartenpädagogik sowie Lebensraum- und Entwicklungstheorie. Mit ihrer multiperspektivischen und -methodischen Herangehensweise verstand sie es, Psychologie mit Pädagogik, Theorie mit Empirie und wissenschaftliche Forschung mit Praxis zu verbinden, wobei sie stets die Perspektive der Kinder einbezog. Ihre Biografie ist im Wesentlichen durch die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. William Stern am »Psychologischen Institut« der Hamburgischen Universität sowie durch die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten geprägt, die ihr berufliches und privates Umfeld zerstörte. Ihre Anregungen wirken fort.

Die Ausstellung wurde großzügig durch die Martha Muchow-Stiftung und die KURT UND KÄTHE KLINGER – STIFTUNG gefördert.

Ausstellungsteam
Konzeption & Umsetzung: Cynthia Krell, Melanie Pieper
Mitarbeit: Alf-Tomas Epstein, Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland, Prof. Dr. Peter Faulstich, Hans-Georg Krüger, Jörn Trottenberg

Besonderer Dank geht an
Ali Alici und sein Haustechnik-Team, Eva Arnold, Reinhard Eckstein, Anke Grotlüschen, Geschichtswerkstatt Barmbek, Philipp Kabbe, Andreas Körber, Falko Oldenburg, Andrea Sabisch, Norbert Schröder, Ellen Schwantes, Jana Reimer, Annette Szendera, Birgit Wandersleben, Marita Vietmeyer, sowie an alle Mitarbeiter/innen der Martha-Muchow-Bibliothek.

Die gezeigten Dokumente stammen aus den folgenden Bibliotheken, Archiven und Institutionen:
–       Staatsarchiv Hamburg
–       Martha-Muchow-Bibliothek
–       Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky
–       Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte
–       Service für Studierende (Referat 33)
–       Geschichtswerkstatt Barmbek

Der »Garten der Frauen e.V.« hat uns freundlicherweise zwei Exemplare von der Publikation »Garten der Frauen« zur Verfügung gestellt und der Wallstein Verlag ein PDF des erst im November 2012 erscheinenden Artikels über Martha Muchow aus dem 6. Band der Hamburgischen Biografie.