Station 1

Fensterfront im Gang vom Gebäude Von Melle Park 8 zur Bibliothek

Die erste Station informiert durch eine Zeitleiste stichwortartig über die wichtigsten Daten und Ereignisse aus dem privaten und beruflichen Leben Martha Marie Muchows. Sie wurde am 25.9.1892 in Hamburg geboren. Von 1899 bis 1912 besuchte sie zunächst die Volksschule, danach eine private höhere Mädchenschule in Hamburg, das städtische Lyzeum in Altona und schließlich das dortige städtische Oberlyzeum, wo sie Ostern 1912 ihr Abitur machte. Nach einem Jahr Vorbereitungszeit legte sie 1913 die Lehramtsprüfung ab und erwarb zweieinhalb Jahre lang erste Berufserfahrungen an einer höheren Mädchenschule in Tondern. Von Herbst 1915 an arbeitete sie an Hamburger Volksschulen.

Mit der Neugründung der Hamburger Universität 1919 wurde sie eine der ersten Studentinnen der Psychologie, Philosophie, der deutschen Philologie und Literaturgeschichte.

Im Herbst 1920 erreichte William Stern, der Leiter des Psychologischen Laboratoriums der Universität ihre Beurlaubung aus dem Schuldienst, um sie als „wissenschaftliche Hilfsarbeiterin“ beschäftigen zu können.

1923 schloss sie ihr Studium mit einer summa cum laude bewerteten Promotion über „Studien zur Psychologie des Erziehers“ ab.

Für die Tätigkeit am Psychologischen Laboratorium erwirkte William Stern immer wieder eine Verlängerung der Beurlaubung vom Schuldienst.

Neben ihren engeren dienstlichen Aufgaben engagierte sich Martha Muchow gemeinsam mit ihrem acht Jahre jüngeren Bruder Hans Heinrich in der Jugendbewegung, vor allem in der Volksheimbewegung. Dieser neben der Sozialistischen Arbeiterjugend in den 1920er Jahren größte Jugendverband organisierte kulturelle Veranstaltungen und öffnete in fünf „Niederlassungen“ in Hamburg seine Räume den Kindern und Jugendlichen des jeweiligen Viertels.

Am 18.3.1930 wurde Martha Muchow zum „Wissenschaftlichen Rat“ ernannt – eine weibliche Bezeichnung war damals noch nicht üblich.

1931 war sie maßgeblich an den Vorbereitungen und Durchführungen des 12. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Hamburg beteiligt und erhielt dafür viel Anerkennung und Vertrauen.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten wirkte sich sehr schnell auf das Psychologische Institut aus. William Stern und Heinz Werner wurden als Juden auf Grund des Berufsverbotsgesetzes „Zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7.4.1933 fristlos ihrer Ämter enthoben. Sie durften mit sofortiger Wirkung das Institut nicht mehr betreten. Martha Muchow hatte faktisch die Leitung des Instituts, wurde jedoch ebenfalls heftigen Diffamierungen ausgesetzt. An ihrem 41. Geburtstag, am 25.9.1933, wurde sie von dem Ordinarius für Erziehungswissenschaft, Gustav Deuchler, zurück in den Schuldienst entlassen. Zwei Tage später unternahm sie einen Selbstmordversuch, dem sie am 29.9.1933 erlag.