Station 6

2. OG, Bibliotheksraum

Die Forschertätigkeit Martha Muchows wird mit der Darstellung des Themas »magische Alltagspraktiken« visualisiert. Zu sehen sind u.a. eine Kopie des Fragebogens des Hamburger Psychologischen Laboratoriums über persönliche Bräuche, bearbeitet von Martha Muchow, und einige der Original-Antwortbögen, die im Besitz der Martha-Muchow-Bibliothek sind. Die darin genannten »magischen« Bräuche von Jugendlichen (und Erwachsenen) werden durch Objekte in der Vitrine veranschaulicht.

In der Laudatio zu Martha Muchow, die Hannelore Faulstich-Wieland anlässlich der Eröffnung der Bibliothek Ende 2006 gehalten hat, wurden diese Fragebögen als verschollen gekennzeichnet. Da mit dem Nachlass von Martha Muchow zunächst einmal sehr nachlässig umgegangen worden war, vermutete Andreas Hartmann 1996 in einem Zeitschriftenbeitrag zu forschungsgeschichtlichen Perspektiven des Themas „private Magie im Deutschland des 20. Jahrhunderts“, dass es die Fragebögen nicht mehr gäbe.

Überraschenderweise gab es im Jahr 2009 eine mail von Privatdozentin Dr. Meike Watzlawik an Hannelore Faulstich-Wieland, in der Frau Watzlawik mitteilte, dass sie im Rahmen eines Gastaufenthaltes an der Clark-University in Massachussetts in den USA mit genau diesen Fragebögen arbeiten würde. Es ließ sich rekonstruieren, dass Heinz Werner, der zweite Psychologieprofessor neben William Stern am Psychologischen Institut in Hamburg, der ebenfalls gleich 1933 entlassen wurde, die Materialien mit genommen hatte. Er war nach verschiedenen Stationen in den USA ab 1947 an der Clark University tätig.

Frau Watzlawik konnte arrangieren, dass wir die Originale sowie die Digitalisierung der noch vorhandenen 488 Antwortbögen für die Martha Muchow Bibliothek bekommen konnten. In einer feierlichen Übergabe im Januar 2010 wurden sie dem damaligen Dekan, Prof. Dr. Karl-Dieter Schuck überreicht, der sie dem Leiter der Bibliothek, Herrn Hans-Georg Krüger, überantwortete. Diese Fragebögen sind für weitere Forschungen verfügbar.