Station 8

3. OG, Bibliotheksraum

Die Zerstörung von Martha Muchows Welt durch die Nationalsozialisten, der Suizidversuch und der zwei Tage später folgende Tod einerseits, sowie heutige Orte des Erinnerns an die Wissenschaftlerin in Hamburg andererseits, werden in der Glasvitrine im 3. OG thematisiert. Zu sehen sind dazu unter anderem Kopien von Dokumenten aus dem Staatsarchiv Hamburg, sowie aktuelle Fotografien und Veröffentlichungen zu Stätten des Gedenkens an die Pädagogin und Psychologin aus dem heutigen Hamburg.

Zu sehen ist auch die Abschrift des Briefes an die Hochschulbehörde vom 10.7.1933 über die noch verbliebenen Mitglieder des Instituts, in dem Martha Muchow diffamiert wurde. Es heißt dort:

„Fräulein Dr. Muchow, die engste Vertraute von Prof. Stern, die ihn auch heute täglich besucht und mit ihm alle Pläne ausarbeitet, ist die Gefährlichste von allen dreien. Sie war aktivstes Mitglied des marxistischen ‚Weltbundes für Erneuerung der Erziehung‘, hat auf internationalen Tagungen, z.B. Genf, in seinem Sinne gewirkt, und war von Oberschulrat Götze in dessen letztem Amtsjahr beauftragt, das hamburgische Schulwesen ‚psychologisch‘ im marxistischen Sinne zu durchdringen. Ihr pädagogisch-psychologischer Einfluss ist unheilvoll und einer deutschen Staatsauffassung direkt zuwider laufend“ (Moser 1991, S. 497).
Die Wirkung dieses Briefes war denn auch fatal.

Seit 1995 erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig mit seinem Projekt STOLPERSTEINE durch kleine Gedenksteine an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor deren früheren Wohn- oder auch Arbeitsorten. Stolpersteine sind Betonwürfel im Format 10 x 10 x 10 cm, die auf ihrer Oberseite mit einer Messingplatte versehen sind, auf der die Lebensdaten eines Opfers eingraviert werden. Allein in Hamburg sind bis Oktober 2012 insgesamt 4.322 Steine verlegt worden.
Der Stolperstein von Martha Muchow – dessen Nachbildung in der Vitrine zu sehen ist – befindet sich am Haupteingang der Universität Hamburg in der Edmund-Siemers-Allee 1. Insgesamt liegen dort 10 Stolpersteine, die im April 2010 gesetzt worden sind zu Ehren derer, die an der Universität lehrten und zu Zeiten des Nationalsozialismus gedemütigt, entrechtet, deportiert, zur Flucht oder in den Tod getrieben wurden.

Seit kurzem gibt es auch einen Stolperstein für Martha Muchow vor ihrem letzten Wohnhaus in der Bundesstr. 74 – der ebenfalls als Nachbildung gezeigt wird.

Im Ohlsdorfer Friedhof gibt es seit 2001 eine vom Verein Garten der Frauen e.V. getragene Gedenkstätte, in der alte Grabsteine von Frauen aufgestellt werden bzw. in einer Erinnerungsspirale das Gedenken an bedeutende Frauen aufrechterhalten wird. In dieser Spirale gibt es auch einen Platz für Martha Muchow.

Erst seit 2012 gibt es in Hamburg auch einen „Martha Muchow Weg“. In der Vitrine liegt eine Kopie der Ausgabe des Amtsblattes, in dem diese Benennung verkündet wurde. Außerdem zeigt ein Foto die Beschriftung des Weges.