Das Kapital. Ideen im Spieldesign

In den regulativen Elementen des Spiels spielen Zahlen und Werte üblicherweise eine im wahrsten Sinne des Wortes entscheidende Rolle:

  • Wieviel Geld oder Güter einer Art besitze ich? Wieviel gewinne oder verliere ich bei einer bestimmten Handlung (Ordinalzahlen)?
  • Welcher Spieler ist erster, zweiter, letzter auf einem Spielbrett? Wer handelt in der Reihenfolge der Spieler zuerst, wer zuletzt (Kardinalzahlen)?
  • Wie groß sind die Chancen, einen bestimmten Wert zu würfeln oder eine bestimmte Karte zu ziehen? Wer hat z.B. mehr Armeen auf einem Feld und daher in einem Konflikt die größeren Siegschancen? (Wahrscheinlichkeiten)?
  • Entspricht der Geldwert eines zu erwerbenden Gutes seinem wirtschaftlichen Mehrwert (Tauschwerte, Rentabilität)?
  • In welchem Verhältnis stehen verschiedene ‘Währungen’ im Spiel zueinander? (Kurswerte)?
  • Wie einfach oder kompliziert lassen sich die Werte von Geld und Tauschobjekten im Spielgeschehen handhaben (Optimierung von Nennwerten/Nominalwerten)?

Kaum eine Spielerin wird betriebswirtschaftlich oder mathematisch fundiert an die Frage herantreten, ob es sich in Monopoly lohnt, ein Hotel für die Badstrasse zu kaufen oder welche Werte beim Wurf mit zwei Würfeln sich häufiger einstellen werden; aber ein intuitives Verständnis für verschiedene Zahlenarten, Verhältnisse und Werte mag sich einstellen, wenn davon abhängt, wie bedeutungsvolle Entscheidungen getroffen und Strategien gewählt werden.

Regulative numerische Elemente ermöglichen das Treffen rein rationaler “Entscheidungen” im Sinne der mathematischen Spieltheorie. Für das Treffen rein rationaler Entscheidungen braucht man dementsprechend eigentlich keine Spieler, sondern einen entscheidungstreffenden Algorithmus. Allerdings kann dann das Herausfinden dieses optimalen Algorithmus bereits das Ziel des Spiels sein! Tica-Tac-Toe wird z.B. so lange Spaß machen, bis dieser Algorithmus gefunden und das Spiel damit “gelöst” wird.

Trotzdem ist es lohnend, im didaktischen Spieldesign ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, wie mit diesem Designelement umgegangen wird  – allerdings ohne die narrativen Elemente zu vernachlässigen, die neben dem “wie” und “wieviel” das “warum” und “wofür” begründen.

 

 

About Wey-Han Tan

Ich habe bis 2012 das eLearning-Büro der Fakultät EPB geleitet, lehre im Rahmen von Lehraufträgen in Hamburg, Köln und Helsinki. Seit 2012 bin ich im Universitätskolleg der UHH, Teilprojekt 32 – “Mentorenbegleitetes, akademisch-wissenschaftliches ePortfolio” beschäftigt.
Thematisch kreist mein Interesse um Spiele im weitesten Sinne, in Kombination mit Kunst, Kultur und Bildung. Spiele, als dynamische Abbildungen, waren schon immer faszinierend für mich: Aus einfachen Regeln erwachsen komplexe Spielhandlungen, aus einfachen Geschichten ergreifende Dramen.

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2 Responses to Das Kapital. Ideen im Spieldesign

    • Wey-Han Tan says:

      Cornelius – lange Zeit nichts mehr von dir gehört. Danke für den Tipp, Escape-Room-Spiele sind ziemlich trendig; erinnern ein wenig an hochverdichtete Computer- oder Tischrollenspiele mit vorgefertigten oder ganz ohne Charaktere(n)…

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