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Ich habe soeben eine gekürtze Fassung der Einleitung aus Geert Lovinks neuem, nun auch auf Deutsch erschienenen Buch “Zero Comments“ gelesen. Dieser Vorabdruck ist schon im September 2006 (!) in der Jungle World unter dem Titel: “Zugriff verweigert. Web 2.0: Von wegen Glanz und Ruhm – Geert Lovink kritisiert einen Hype erschienen.
Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber wenn das Buch das weiter- und ausführt, was die Einleitung einführt, dann wird es spannend. Die Perspektive der Lovinkschen Netzkritik fasziniert mich nicht zuletzt immer wieder deshalb, weil sie inmitten des Netzes dessen Probleme und Gefahren benennt. Oder anders gesagt, da sie durchaus Möglichkeiten im Sinne von mehr Partizipation, Demokratie, Gerechtigkeit etc. benennt, die mit dem Netz verbunden sein könnten, aber eben auch jene Entwicklungen, die diese Versprechen wieder aufheben, in ihr Gegenteil verkehren oder zumindest unerfüllt lassen – mit noch mal anderen Worten: ich mag jene Unterscheidungen, die Entwicklungen in besagter Richtung von jenen trennen, die einen Hype generieren, um selbst auf dieser Welle zu surfen.
Aus eben jener Einleitung:
In meiner Arbeit uÃà ber die Kultur des Internet unterscheide ich drei Phasen: erstens die vorkommerzielle Phase bis zur Entstehung des World Wide Web, in der ausschließlich mit Text und zu wissenschaftlichen Zwecken gearbeitet wurde. Zweitens die Phase der Euphorie und Spekulation, in der das Internet fuÃà r die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich wurde, was schließlich in der Dotcom-Manie der späten neunziger Jahre kulminierte. Drittens die Phase nach dem Dotcom-Crash und dem 11. September, die gegenwärtig mit der kleinen Web 2.0-Blase an ihr Ende kommt. Blogs bzw. Weblogs entstanden um 1996/97, während der zweiten, euphorischen Phase, wurden aber zunächst kaum beachtet, da sie keine E-Commerce-Komponente enthielten. [...]
Technologien wie das Internet leben zweifellos vom Prinzip permanenter Veränderung; Normalisierung ist nicht in Sicht. Es herrscht nach wie vor die Tyrannei des Neuen, und weil das Web 2.0 in dieser Hinsicht eine Neuauflage der Dotcom-Öra darstellt, macht es schon in seinen Anfängen einen muÃà den Eindruck. Wir können diese immerwährende Instabilität als Marketingtrick verachten und uns selbst die Frage stellen, warum wir uns immer wieder fuÃà r das nächste Gadget und die neueste Anwendung begeistern. Doch anstatt dem Lärm des Marktes zu entfliehen und sich abzusondern, könnte man ebenso gut mit der immergleichen ¬ªVeränderung¬´ Frieden schließen und sich an einigen sorgfältig ausgewählten ¬ªRevolutionen¬´ erfreuen. [...]
Der US-Netzkritiker Nicholas Carr hat die Frage gestellt, ob sich gegen den Hype um das Web 2.0 uÃà berhaupt etwas einwenden lässt. ¬ªAlles, wofuÃà r das Web 2.0 steht ‚Äì Partizipation, Kollektivismus, virtuelle Gemeinschaft, eine Kultur der Amateure ‚Äì gilt als unzweifelhaft gut, als Zeichen des Fortschritts zu einer aufgeklärteren Welt, den man begruÃà ßen und fördern sollte. Aber stimmt das uÃà berhaupt?¬´ [...]
Mir geht es in diesem Zusammenhang darum, wie man das Loblied auf den Amateur in Frage stellen kann, aber nicht aus der Perspektive des bedrohten Establishments, sondern aus der Perspektive der kreativen (Unter-)Klasse, der virtuellen Intelligenzija, des Prekariats, der Multitude, der neuen Medienarbeiter, die ihre soziale Stellung professionalisieren wollen. Was wir brauchen, sind ökonomische Modelle, die ambitionierten Amateuren dabei helfen, von ihrer Arbeit zu leben.





