Jetzt ist es amtlich …
letzte Woche hat Jürgen Habermas vor dem Hintergrund der jüngsten Wirtschaftskrise und dem sich abzeichnenden Wahlsieg von Barack Obama in einem Interview in der Zeit das – damit nun auch offizielle – Ende des Neoliberalismus verkündet. Unter dem Titel “Nach dem Bankrott” sieht er den “Privatisierungswahn” an sein Ende gekommen: Nicht der Markt, sondern die Politik sei für das Gemeinwohl zuständig.
In der selben Ausgabe der Zeit wird dann auch Keynes als “Retter des Kapitalismus” erkohren und den Bänkern ein Fehlen an Wissen und Moral attestiert, das mit ihrer mangelhaften – zu sehr an den unmittelbaren Praxisanforderungen orientierten und dennoch zu abstrakten – Ausbildung zu erklären sei.
Wirklich neu ist das alles nicht – z.B. bereits 2004 nachzulesen bei Burchardt, Hans-Jürgen: Zeitenwende. Politik nach dem Neoliberalismus (hier allerdings eher bezogen auf makroökonomische Steuerung insbesondere in Latein- und Südamerika); den Kollaps der Modernisierung hatte im Übrigen Robert Kurz bereits Anfang der 90er direkt nach und als Folges des Zusammenbruchs des Realsozialismus prophezeit (das beschert ihm nun eine gewisse Konjunktur im Zeichen der Krise); und im Grunde wusste es ja schon Marx; wobei mal wohl den Neoliberalismus als Reaktion auf die letzte Krise interpretieren muss, nämlich die von 1929 – also neu ist das alles nicht und deshalb ist meine These an dieser Stelle stets die:
Es hat über 30 Jahre – und wenn man gar auf die ersten Ideen zurückgeht, über 70 Jahre – gedauert, bis sich eine neoliberale Rationalität global und in allen Lebensbereichen Geltung verschaffen konnte. Foucault sprach bereits Ende der 70er Jahre in seinen Vorlesungen davon, dass der Neoliberalismus etwas sei, was uns noch lange beschäftigen werde. Und bekanntlich haben z.B. Milton Friedmans Chicago Boys bereits in den 70ern in Pinochets Chile mit entsprechenden Reformen – nicht zuletzt im Bildungsbereich – begonnen. Bis also der “Privatisierungswahn” und insbesondere die Ökonomisierung – sprich die Subsumtion allen Denkens und Handelns unter eine ökonomische, unternehmerische, manageriale und marketingförmige Logik – ihren vorläufigen gegenwärtigen Höhepunkt erreicht haben, sind einige Dekaden verstrichen. Deshalb fürchte ich, es wird weitere 30 oder 70 Jahre und weitere Krisenerscheinungen brauchen, bis eine “Politik danach” etabliert ist und gar den Bildungsbereich erreicht hat (vgl. hierzu z.B. meinen letzten Eintrag.) Aber ich kann mich ja täuschen …
Bemerkenswert an dem Zeit-Interview mit Habermas ist auch das beigestellte Bild, das aus dem aktuellen Film von Erwin Wagenhofer stammt: Let’s make Money!




“Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und die Financial Times Deutschland haben Dieter Lenzen, Präsident der FU Berlin, zum Hochschulmanager des Jahres gekürt. Ziel des in diesem Jahr erstmals vergebenen Preises ist es, Leiter deutscher Hochschulen auszuzeichnen, die besonders weitreichende Reformen vorangetrieben und si
ch durch ein professionelles Management auszeichnen.” 