Monatsarchiv für Dezember 2008

 
 

“Masterplan” fĂĽr Reformen

Nicht mehr ganz neu, aber dennoch aktuell, hier ein Auszug aus einem Artikel in der SĂĽddeutschen vom 07.03.2007. Bezug genommen wird wohl auf das Jahresgutachten 2007 des „Aktionsrat Bildung«. Ă–hnliche Empfehlungen konnte man aber auch schon 2003 unter dem Titel Bildung neu denken! Das Zukunftsprojekt nachlesen. Seit Anfang diesen Jahres gibt es auch schon das Jahresgutachten 2008 mit dem Untertitel “Bildungsrisiken und -chancen im Globalisierungsprozess”. Weitere werden sicherlich folgen.
Schön an dem Artikel der SĂĽddeutschen fand ich einfach die Behauptung, dass die Vorschläge der Bildungsforscher revolutionär seien. Auch die von den Reformern selbst gewählte Formulierung, dass es sich hier um einen “Masterplan” handele, sind m.E. bemerkenswert:

“Die Vorschläge der Bildungsforscher sind revolutionär: Kita-Pflicht fĂĽr Vierjährige und befristete Stellen fĂĽr Lehrer. Nach SZ-Informationen soll fĂĽr die Uni kein Abitur mehr nötig sein.
(…)

Führende deutsche Bildungsforscher verlangen einen revolutionären Umbau des Bildungssystems. Schulen sollten zwar staatlich finanziert, aber von privaten Trägern geleitet werden. Lehrer müssten regelmäßig ihre ‚ÄûLizenz« durch die Teilnahme an Fortbildungen erneuern.
In einem Gutachten empfiehlt der ‚ÄûAktionsrat Bildung«, dem sieben namhafte Professoren angehören, eine deutlich größere Autonomie der Schulen. Sie sollen selbst verantwortlich sein für Auswahl und Einsatz der Pädagogen, aber auch für ihre leistungsbezogene Bezahlung. Zudem sollen Lehrer grundsätzlich befristet beschäftigt werden.

“Masterplan” fĂĽr Reformen

Ihre Arbeitsverträge sollen nur nach Teilnahme an Fortbildungen verlängert werden. Lehrpläne und Budgetrahmen müssten jedoch weiter vom Staat vorgegeben werden. Um Migranten und Kinder aus armen Familien besser zu fördern, soll der Staat Zielvereinbarungen mit einzelnen Schulen schließen und erfolgreiche Einrichtungen belohnen.
Mit ihrer Expertise, die an diesem Donnerstag öffentlich vorgestellt werden soll, wollen die Experten die Politik zum Handeln zwingen. (…)
Die Forderung, das Schulsystem zu entstaatlichen und Pädagogen nur noch befristet einzustellen, wird wohl auf massiven Widerstand der Lehrerverbände stoĂźen. Diese klagen seit  Jahren ĂĽber Verschlechterungen fĂĽr ihren Berufsstand und warnen zudem vor einer „Testiritis« durch immer mehr Leistungskontrollen. Sie wehren sich auch gegen ein öffentliches Schulranking, das der Aktionsrat nun befĂĽrwortet. (…) Im Streit ĂĽber das gegliederte Schulsystem plädieren die Experten fĂĽr eine bundesweite Umstellung auf eine zweigliedrige Struktur aus Sekundarschulen und Gymnasien.

Auch fĂĽr die Hochschulen gibt es radikale Reformvorschläge. In Zukunft soll bei der Zulassung zum Studium weniger auf „formale Rechtstitel« wie das Abitur oder eine abgeschlossene Ausbildung geachtet werden, sondern allein die „Studierfähigkeit« entscheiden. Dies wĂĽrde eine weitgehende Ă–ffnung der Universitäten bedeuten; neben dem Abitur bekämen fächerspezifische Tests, die Hochschulen oder spezielle Test-Firmen anbieten, größeres Gewicht. In der Vergangenheit hat der Philologenverband immer wieder davor gewarnt, das Abitur zu entwerten.”

FĂĽr die Freiheit des Subjekts!!

Kommentar eines Studenten nach einer Seminarsitzung am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Uni Hamburg:

FĂĽr die Freiheit des Subjekts!!

FĂĽr mich hat sich in den letzten Seminarsitzungen gezeigt, dass viele Studierende immer noch in einem pubertären Dagegen-sein Gutmensch-Gehabe stecken, und ideologieverblendet die reale Freiheit der Menschen einfach nicht sehen können. Diese „Linke« Nörgelei geht mir so langsam auf die Nerven. Ich bin fĂĽr mehr pragmatisches Denken anstatt ewiges kritische-Theorie-Gelaber. Wir alle sollten uns ein Beispiel an Florian Lucke nehmen, der in sein Zukunftspotential investieren lässt und sich selbst als Wertanlage verkauf. (siehe „STUDENTEN-AKTIE – Kauf mich, ich mach Dich reich!«)

Insbesondere wir am Fachbereich Erziehungswissenschaft sollten mehr an die positive Zukunft unserer pädagogisierten Subjekte denken. Und warum soll man nicht, wie bei den PHORMS Schulen Lehrerinnen als eine Zukunftsmanagerin sehen, die Kompetenzen fördert, damit sich bei den Schülerinnen eine eigenverantwortliche und autonome Unternehmerpersönlichkeit bilden kann?

Wir müssen uns von der Lethargie der Vergangenheit befreien und endlich selbständig werden. Die uns vom Staat auferlege kollektive Regulierung von Arbeit, führt im Gegensatz zur autonomen und selbstbestimmten Regulierung, zu einem passiven, sicherheitsorientieren und¬† unselbständigen Subjekt, welches ein nur mangelndes Vertrauen in die eigenen Karrierechancen hat. Die Zukunft ist Anders, und ein mentales festklammern am Modell der Beruflichkeit und der Normalarbeit ist einfach innovationshemmend.
AuĂźerdem bietet die selbstverwirklichte Leistungsoptimierung unheimlich viel SpaĂź und fĂĽhrt zu einer „Befreiung (…) aus hemmenden traditionellen Bindungen und bevormundenden gesellschaftlichen Institutionen« (vgl. “Arbeitskraftunternehmer” – Leitbild der neoliberalen Arbeitsgesellschaft?)

Gott (bzw. der unsichtbaren Hand von Adam Smith) sei dank, hat sich diese an der Freiheit des Mensch orientierte Glaube, an den Hochschulen (fast) durchgesetzt. „Die derzeitige, sich teils in Planung und teils bereits in DurchfĂĽhrung begriffene Umstrukturierung der Universitäten unterscheidet sich von frĂĽheren Reformversuchen durch die Radikalität der Veränderung. Und zwar dadurch, daĂź das gesamte Verhältnis von Staat, Gesellschaft und Universität sowie die Rolle von Wissenschaft und Bildung fundamental neu definiert werden.« (Hauke Ritz: Bewusstseinsdesign im Namen der Exzellenz – Wie man durch die Umstrukturierung der Universitäten das gesellschaftspolitische Bewusstsein der nächsten Generationen plant.)

Privatschule fĂĽr alle!

Die Phorms Management AG ist als privater Träger von Ersatzschulen seit kurzem am Bildungsmarkt aktiv (siehe wikiPedia: Phorms). PHORMS Berlin Mitte, die erste Schulgründung, startete im Sommer 2006 mit einer Grundschule und läuft seither mit großem Erfolg. Im August 2007 hat in Berlin das erste PHORMS-Gymnasium den Unterricht aufgenommen. Auch in München, Köln und Frankfurt haben im Herbst 2007 weitere¬† PHORMS-Schulen eröffnet. 2008 wurde an neuen Schulstandorten in Hamburg, Hannover sowie in Berlins Süden gearbeiet. Die Schule in Hamburg hat ihren Betrieb im Sommer diesen Jahres aufgenommen (siehe: http://www.hamburg.phorms.de).

Die Financial Times berichtete jĂĽngst unter dem Titel “Privatschule fĂĽr alle“, dass Phorms nun auch staatliche Schulen im Management unterstĂĽtzt. Dazu heiĂźt es u.a.:

“Die neue Firmentochter Rephorms soll ‘Strategien und Mechanismen der Marktwirtschaft im öffentlichen Sektor anwenden [...] Phorms will aber nicht nur Heizungen warten, sondern auch bei Unterrichtsinhalten und PersonalfĂĽhrung mitreden.”

Eines der fĂĽnf Leitthemen aller Phorms-Schulen ist die optimischtische Unternehmerische Persönlichkeit. (siehe hierzu den “Phorms-Minifilm“)

Im Rahmen einer Veranstaltung an der Uni Rosstock gibt Bea Beste, eine der GrĂĽnderInnen der Phorms AG, ein Beispiel davon, was eine Unternehmerische Persönlichkeit sei, indem sie insbesondere von sich selbst als Schul-Unternehmerin spricht (siehe: “Unternehmerpersönlichkeit“). An erster Stelle verkörpere eine solche Persönlichkeit einen “unerschĂĽtterlichen Optimismus” der jeglicher “Bedenkenträgerei” entgegengestellt sei.

Dr. Alexander Olek, “Entrepreneur des Jahres” 2001 und ein weiterer GrĂĽnder von Phorms, hat sich vor seinem Engagement im privaten Schulbereich als UnternehmensgrĂĽnder eines Vertriebs von Gendiagnostik-Verfahren zur FrĂĽherkennung von Krebs verdient gemacht, bevor er das Unternehmen dann nach dessen Börsengang und nachfolgenden hohen Wertverlusten nach zwei Jahren 2006 verlassen hat. Weiteres hierzu ist z.B. hier, hier und hier nachzulesen.


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