“Masterplan” fĂĽr Reformen
Nicht mehr ganz neu, aber dennoch aktuell, hier ein Auszug aus einem Artikel in der SĂĽddeutschen vom 07.03.2007. Bezug genommen wird wohl auf das Jahresgutachten 2007 des „Aktionsrat Bildung«. Ă–hnliche Empfehlungen konnte man aber auch schon 2003 unter dem Titel Bildung neu denken! Das Zukunftsprojekt nachlesen. Seit Anfang diesen Jahres gibt es auch schon das Jahresgutachten 2008 mit dem Untertitel “Bildungsrisiken und -chancen im Globalisierungsprozess”. Weitere werden sicherlich folgen.
Schön an dem Artikel der SĂĽddeutschen fand ich einfach die Behauptung, dass die Vorschläge der Bildungsforscher revolutionär seien. Auch die von den Reformern selbst gewählte Formulierung, dass es sich hier um einen “Masterplan” handele, sind m.E. bemerkenswert:
“Die Vorschläge der Bildungsforscher sind revolutionär: Kita-Pflicht fĂĽr Vierjährige und befristete Stellen fĂĽr Lehrer. Nach SZ-Informationen soll fĂĽr die Uni kein Abitur mehr nötig sein.
(…)FĂĽhrende deutsche Bildungsforscher verlangen einen revolutionären Umbau des Bildungssystems. Schulen sollten zwar staatlich finanziert, aber von privaten Trägern geleitet werden. Lehrer mĂĽssten regelmäßig ihre „Lizenz« durch die Teilnahme an Fortbildungen erneuern.
In einem Gutachten empfiehlt der ‚ÄûAktionsrat Bildung«, dem sieben namhafte Professoren angehören, eine deutlich größere Autonomie der Schulen. Sie sollen selbst verantwortlich sein für Auswahl und Einsatz der Pädagogen, aber auch für ihre leistungsbezogene Bezahlung. Zudem sollen Lehrer grundsätzlich befristet beschäftigt werden.
“Masterplan” fĂĽr Reformen
Ihre Arbeitsverträge sollen nur nach Teilnahme an Fortbildungen verlängert werden. Lehrpläne und Budgetrahmen müssten jedoch weiter vom Staat vorgegeben werden. Um Migranten und Kinder aus armen Familien besser zu fördern, soll der Staat Zielvereinbarungen mit einzelnen Schulen schließen und erfolgreiche Einrichtungen belohnen.
Mit ihrer Expertise, die an diesem Donnerstag öffentlich vorgestellt werden soll, wollen die Experten die Politik zum Handeln zwingen. (…)
Die Forderung, das Schulsystem zu entstaatlichen und Pädagogen nur noch befristet einzustellen, wird wohl auf massiven Widerstand der Lehrerverbände stoĂźen. Diese klagen seit Jahren ĂĽber Verschlechterungen fĂĽr ihren Berufsstand und warnen zudem vor einer „Testiritis« durch immer mehr Leistungskontrollen. Sie wehren sich auch gegen ein öffentliches Schulranking, das der Aktionsrat nun befĂĽrwortet. (…) Im Streit ĂĽber das gegliederte Schulsystem plädieren die Experten fĂĽr eine bundesweite Umstellung auf eine zweigliedrige Struktur aus Sekundarschulen und Gymnasien.Auch fĂĽr die Hochschulen gibt es radikale Reformvorschläge. In Zukunft soll bei der Zulassung zum Studium weniger auf „formale Rechtstitel« wie das Abitur oder eine abgeschlossene Ausbildung geachtet werden, sondern allein die „Studierfähigkeit« entscheiden. Dies wĂĽrde eine weitgehende Ă–ffnung der Universitäten bedeuten; neben dem Abitur bekämen fächerspezifische Tests, die Hochschulen oder spezielle Test-Firmen anbieten, größeres Gewicht. In der Vergangenheit hat der Philologenverband immer wieder davor gewarnt, das Abitur zu entwerten.”


