
Teach First ist eine Private Public Partnership Initiative. Sie ermutigt High Potentials, also hochqualifizierte, angeblich hochtalentierete und hoch engagierte Hochschulabsolventen – z.B. von Privatuniversitäten – dazu, vor dem Berufseinstieg in die angestrebten Führungspositionen zunächst für ein Jahr in der Schule zu unterrichten. Dies bevorzugt in so genannten sozialen Brennpunkten und für ein relativ niedriges Gehalt. Die Idee schmückt sich mit ihrem sozialen Engagement und auch die TeilnehmerInnen können sich rühmen, den Kontakt zum echten Leben nicht verloren, sondern durchaus ein Herz für weniger Previlegierte zu haben. Zudem sei dies für diese eine gute Weiterqualifizierung, denn: Wer eine Klasse von eher “schwierigen SchülerInnen” bändigen kann, der kann auch ein Unternehmen führen (siehe hierzu auch das Interview mit der Projektleiterin Kaija Landsberg bei Spiegel online: “Karriere-Kick statt Karriere-Knick”; zudem: Von der Eliteuni an die Problemschule).
Zum einen passt diese Initiative zu einem Eintrag, den ich hier vor ein paar Tagen eingestellt habe, der Frage nämlich: Sollen SchülerInnen lernen wie man Banken ruiniert ? Zum anderen lese ich gerade, dass die Initiative zu einem nicht unerheblichem Teil vom Staat finanziert wird, sich das zumindest finanzielle Engagement der Partner aus der Wirtschaft also in Grenzen hält.
Wolfgang Lieb hat dies und ein paar andere kritische Einwände auf den Nachdenkseiten zusammengestellt:
Teach First ist eine gemeinnützige GmbH und strebt eine Partnerschaft zwischen Zivilgesellschaft, öffentlicher Hand und Wirtschaft die „führende Kräfte von morgen für die Schulen von heute gewinnen« will „damit Chancengerechtigkeit Realität wird«. Dabei geht es um nichts anderes als um die Privatisierung von Lehrkräften auf Staatskosten. (…)
Über den schon erwähnten Beitrag in den Nachdenkseiten hinaus wirft die auf den ersten Blick so sympathisch erscheinende Initiative weitere bildungspolitische Fragen auf:
- Brauchen nicht unsere unterstützungsbedürftigsten Schüler¬†die bestausgebildetsten Lehrer?
- Reicht dreimonatige Ausbildung auch bei größtem persönlichem Engagement aus, um Lehrer zu sein und das auch noch für benachteiligte Schüler?
- 1.700 brutto zahlt der Staat für eine Vollzeittätigkeit. Ist das der Weg zum Niedriglohnlehrer mit Schmalspurqualifikation?
- Begünstigt das Projektdesign nicht eine Haltung «Lehrer kann jeder‚Äù?
- Was soll denn der Hinweis auf die «neue Quelle für die Anwerbung hervorragenden Schulpersonals‚Äù bedeuten? Wird hier nicht die Hoffnung geweckt, hier werde eine Seiteneinstiegsmöglichkeit in den Lehrerberuf oder gar ins Schulmanagement geschaffen?
- Wie müssen sich eigentlich Studierende fühlen, die ordnungsgemäß auf ein Lehramt hin studieren?
- Was sagen eigentlich Personalräte und Lehrergewerkschaften dazu?
Wer es noch genauer wissen will, dem sei auch dieser Artikel von Wolfgang Lieb empfohlen, auf den er verweist: Teach First Deutschland und die Privatisierung (zuerst) der Lehrerausbildung