Monatsarchiv für Juni 2009

 
 

MasterplĂ€tze fĂŒr alle

Folgenden Aufruf erhielt ich gerade ĂŒber den Community-Raum “Rettet die Bildung” und stelle ihn hiermit gern einer interessierten Öffentlichkeit vor …

“Hallo liebe Leute,

Es gibt eine Petition fĂŒr den Bundestag mit dem Titel “Petition: Hochschulwesen – Masterstudienplatz fĂŒr Bachelorabsolventen vom 14.06.2009″. Bisher haben 2300 Leute unterschrieben, ab 50.000 wird eine Petition direkt in den Bundestag eingereicht. Bei allem was darunter ist, entscheidet der Petitionsausschuss. Es lohnt sich also in jedem Fall, diese Petition online mitzuzeichnen (das geht noch bis 7.8.), auch wenn ich die BegrĂŒndung fĂŒr ausbaufĂ€hig halte…
Bitte leitet dies an alle, die ihr kennt weiter.

Hier der Link:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=5178

Text der Petition
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass jeder Bachelorabsolvent einen Masterstudienplatz erhĂ€lt, unabhĂ€ngig von Note, Herkunft und sozialem Stand.

BegrĂŒndung
Mit der jetzigen Regel, bei der es so organisiert ist, dass nicht alle einen Masterplatz erhalten, steigt der Konkurrenzkampf unter den Studenten. Es geht nur noch darum gute Noten zu erzielen, um einen Masterstudienplatz zu erhalten. Die Möglichkeit Interessen auch innerhalb des Studiums zu vertiefen bleibt aus. Der Bachelor ist meist nicht berufsqualifizierend, sodass die ĂŒbrig gebliebenen Studenten kaum etwas mit dem Abschluss erreichen können. Zunehmend wird die QualitĂ€t sinken durch das angestrebte Ziel, dass die Studenten möglichst schnell
das Studium beendet haben mĂŒssen. Dies alles ist nicht tragbar, wenn ein Studium interessant sein soll und auf den Beruf vorbereiten soll!

Gruß … Katrin Becker
Rettet die Bildung!

http://www.educommsy.uni-hamburg.de/commsy.php?cid=1476605

Elite im Container

Als ich vorgestern darĂŒber schrieb, dass die Privatschul-AG Phorms sich einem Rating unterzogen hat und damit auch darauf aufmerksam machen wollte, dass es vielleicht keine gute Idee ist, das Bildungssystem im Zuge der allseits geforderten Reformen Regulierungsverfahren zu unterstellen, die uns momentan die grĂ¶ĂŸte Weltwirtschaftskrise seit ca. 80 Jahren bescheren, erschien zeitgleich in der tageszeitung ein Artikel, der diesen Zusammenhang in einer Eindeutigkeit beschreibt, der mich selber erstaunt hat. Da heißt es u.a.:

“Lehman-Opfer. Man hat inzwischen ein genaues Bild, wie die auszusehen haben. Grauhaarige Ă€ltere Herrschaften vor Banken, mit Schildern um den Hals, auf denen irgendetwas von Zertifikaten steht und Abzocke. Aber Kinder, nicht Ă€lter als zwölf Jahre alt, die Leon heißen und Amelie, Julius oder Hannah? Das ist neu.
Wegen der Pleite der US-Bank Lehman Brothers lernen 76 Berliner GrundschĂŒlerInnen seit Monaten in einem grauen Container, umgeben von einem zweieinhalb Meter hohen Zaun, obendrauf Stacheldraht. Ihre Eltern bezahlen dafĂŒr Geld, viel Geld sogar, bis zu 800 Euro im Monat. Die Schule gehört der Phorms AG, eine Privatschulkette, die angetreten ist, die deutsche Bildung zu revolutionieren.” (weiterlesen ... – mehr zu Phorms)”

Auf ein anderes Beispiel, das zeigt, mit welchen Risiken die Privatisierung der Bildungsfinanzierung verbunden ist, habe ich schon vor geraumer Zeit hingewiesen … siehe: Konkurs im Kindergarten

Phorms erhĂ€lt ein “B”-Rating – Witten entlĂ€sst Mitarbeiter

Die Financial Time erfreut heute mit zwei Nachrichten, die uns einen Vorgeschmack auf das geben, was demnĂ€chst unser Bildungssystem sein und ausmachen wird, wenn die Reformen erst mal auch in den (noch) staatlichen Bildungseinrichtungen so richtig greifen …

“Als erster deutscher Bildungsanbieter hat sich die Privatschulkette Phorms einem Rating unterzogen. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s vergab die Klassifizierung “B”.

(…) Positiv gewertet wurden das professionelle Management und das bilinguale Ganztagskonzept fĂŒr die Schulen.

“Wir glauben, dass sich die Nachfrage sehr dynamisch entwickeln wird”, sagt S&P-Analyst Michael Teig. Dadurch wĂŒrden die Einnahmen aus SchulgebĂŒhren und staatlichen Subventionen steigen.

(…) “Wir sehen durch das Rating unser GeschĂ€ftsmodell komplett bestĂ€tigt”, sagte Phorms-Finanzvorstand Johannes Nagel der FTD.

FĂŒr den Privatschulbetreiber ist diese PrĂŒfung wichtig, weil Phorms eine Kapitalerhöhung anstrebt und durch das Rating um mehr private Investoren werben kann. Langfristig will sich die Berliner Firma auch fĂŒr institutionelle Anleger öffnen.” (mehr lesen … – mehr zu Phorms)

Und in der gleichen Ausgabe heißt es ĂŒber die Privatuni Witten-Herdecke:

“Die im vergangenen Jahr knapp der Insolvenz entkommene PrivatuniversitĂ€t Witten-Herdecke spart weiter: 29 ihrer knapp 400 Mitarbeiter werden entlassen.
Betroffen sind vor allem SekretĂ€rinnen, Sachbearbeiter und medizinische Assistenten, jedoch auch drei wissenschaftliche Mitarbeiter, die am Institut fĂŒr Corporate Governance beschĂ€ftigt sind. Der Lehrstuhl wurde vom insolventen Arcandor-Konzern finanziert.

(…) Trotz der Entlassungen will die Uni in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren 500 zusĂ€tzliche StudienplĂ€tze schaffen (…)

DafĂŒr sollen jedoch keine neuen LehrkrĂ€fte eingestellt werden, sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Michael Anders der FTD. “Wir haben derzeit mehr Professoren, als wir brauchen.” Dennoch werde sich das BetreuungsverhĂ€ltnis “leicht verschlechtern”, rĂ€umte er ein.” (mehr lesen …)

Zur Erinnerung: Rating-Agenturen waren diejenigen Einrichtungen, die uns doch sehr lange haben weiß machen wollten, dass jene Wertpapiere, die nun auf Kosten der Steuerzahler wie GiftmĂŒll in irgendwelchen Bad Banks entsorgt werden, völlig sicher und unbedenklich sind … Im August 2007 – also zu einem Zeitpunkt als sich die Krise so langsam abzeichnete – konnte man bei spiegel online unter dem Titel “Die böse Macht der Krisen-Katalysatoren“ folgendes lesen:

“Der “New York Times”-Kolumnist Thomas Friedman schrieb schon vor etwa einem Jahrzehnt, seiner Meinung nach gebe es heute zwei SupermĂ€chte. Erstens die Vereinigten Staaten von Amerika, zweitens die Rating-Agentur Moody’s. “Und glauben Sie mir, es ist keinesfalls sicher, wer der MĂ€chtigere von beiden ist.” Moody’s ist neben Standard & Poor’s und Fitch Publishing Company eine der drei Großen der Branche.

Die US-Immobilienkrise hat viel mit unĂŒberlegtem Handeln, Hoffen auf das schnelle Geld, Ausnutzen guter Gelegenheit zu tun. Jahrelang fachte die US-Notenbank mit ihrer Niedrigzinspolitik den HĂ€userboom in den USA an: Banken vergaben massenhaft Kredite an Menschen, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten, und verkauften die Kredite weiter an Investoren, die diese in ihr Portfolio aufnahmen. Das Risiko lag damit nicht mehr bei den Kreditgebern, sondern am Kapitalmarkt. Die Rating-Agenturen bewerteten die entsprechenden Fonds zu lange zu gut – und stuften sie innerhalb weniger Tage zurĂŒck, als lĂ€ngst klar war, dass viele Kredite nicht zurĂŒckgezahlt werden wĂŒrden. Panikartig zogen Investoren ihr Geld aus den Fonds. Plötzlich war die Krise da.”

Brief einer Unbelehrbaren

gestern in der taz

“KOMMENTAR VON MARCO CARINI

Ihr Abschied ist nur eine Frage von Tagen: Uni-PrĂ€sidentin Monika Auweter-Kurtz ist nicht zu halten. Die Breite des universitĂ€ren Widerstands gegen sie spricht schon BĂ€nde und ist geradezu beispiellos. Die Art und Weise, in der sie Kritik begegnet zeigt auch, dass diese absolut berechtigt und das Tischtuch zwischen ihr undgroßen Teilen der UniversitĂ€t zerschnitten ist.

Denn die verbale Buße, die Auweter-Kurtz abliefert, ist ein fast perfides Zeichen eigener Selbstgerechtigkeit. Ihr Tenor lautet: Ich habe notwendige Reformen so schnell, so entschlossen angepackt, dass leider viele Mitarbeiter nicht mitkamen, ĂŒberfordert waren. Nun will sie auch auf die Langsamen, die ihrem Tempo, ihrer Durchschlagskraft nicht gewachsenen RĂŒcksicht nehmen, ihren Weg besser vermitteln, damit auch der Begriffsstutzigste sie endlich begreift.

Doch den Kurs, fĂŒr den Auweter-Kurtz steht, stellt sie in keinem Wort in Frage. Dass es nicht um Kommunikationsprobleme, sondern fehlende demokratische Strukturen, nicht um ihr Tempo, sondern ihre inhaltlichen Ziele und darum geht, dass sie Karrieren von Wissenschaftlern aushebelt, deren Einstellung ihr nicht passt – all das will oder kann Auweter-Kurtz nicht begreifen.”

Netz-Passwörter von Jobsuchenden

Gestern bei Spiegel online:

“Wer sich fĂŒr einen Job bei der Stadtverwaltung von Bozeman im US-Bundesstaat Montana bewirbt, sollte ein sehr offener Mensch sein. Bewerber mĂŒssen neben den ĂŒblichen Unterlagen auch ein Formular ausdrucken und unterschreiben, das es den Behörden dort erlaubt, sogenannte Background Checks durchzufĂŒhren – also sich etwa bei vorigen Arbeitgebern nach dem Bewerber zu erkunden. Eine Passage dieses Formulars erregt derzeit die GemĂŒter: “Bitte listen Sie hier alle gegenwĂ€rtigen persönlichen oder geschĂ€ftlich genutzten Websites oder Mitgliedschaften bei Internet-basierten Chatrooms, sozialen Clubs oder Foren auf, einschließlich, aber nicht beschrĂ€nkt auf: Facebook, Google, Yahoo, YouTube.com, MySpace, etc.”"

Inzwischen auch die FAZ …

… bzw. in der FAZ von Dorothea Frede: Zur Deformation der UniversitĂ€t Hamburg. Wobei die Ă€lteren Artikel “Zum Thema” durchaus auch sehr spannend sind. Interessant auch der auf der selben Seite abgedruckte Kommentar zum Bildungsstreik (siehe anhĂ€ngendes PDF)

Drittmittel, Betrug und Untreue

Neulich in der FTD:

Die Hochschulen sind gezwungen, mehr Drittmittel einzuwerben. In Göttingen haben sich Forscher sogar Geld erschlichen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Betrugs und Untreue. (…)

Die DFG-Ombudsfrau Ulrike Beisiegel beobachtet seit Jahren, dass gehĂ€uft gefĂ€lschte BeitrĂ€ge und falsche Angaben zu Publikationen gestellt werden. “Es wird schon lange getrickst und gemogelt”, bestĂ€tigt Wilhelm Krull, GeneralsekretĂ€r der Volkswagen-Stiftung, die jĂ€hrlich 115 Mio. Euro Forschungsgeld verteilt.

Eine Anfang der Woche veröffentlichte Studie der UniversitĂ€t Edinburgh belegt zudem, wie verbreitet Tricksereien in der Wissenschaft mittlerweile sind: Jeder dritte befragte Forscher gab zu, schon einmal widersprĂŒchliche Daten verheimlicht oder wichtige Details nicht berĂŒcksichtigt zu haben, damit das Ergebnis stimmt. (…)

Der Göttinger Fall wirft ein Schlaglicht auf die zunehmend drittmittelfinanzierte Forschung in Deutschland. Die Hochschulen sind seit vielen Jahren unterfinanziert und zunehmend gezwungen, sich neue Einkommensquellen zu erschließen. In vielen BundeslĂ€ndern knĂŒpfen Wissenschaftsminister ihre ZuschĂŒsse fĂŒr Hochschulen an deren Drittmittelquote – nach dem Motto: Wer hat, dem wird gegeben.

Der Wettbewerb um die milliardenschweren Fördertöpfe ist deutlich hĂ€rter geworden. Die Unis kĂ€mpfen um jedes Projekt, das ihnen ein paar Millionen Euro extra in den Haushalt spĂŒlt. Wissenschaftler beklagen sich seit Langem, sie wĂŒrden mehr Zeit mit dem AusfĂŒllen von FörderantrĂ€ge verbringen als mit Forschen.

Als QualitĂ€tsmaßstab fĂŒr gute Forschungsleistungen gelten die Anzahl an Publikationen und die HĂ€ufigkeit der Zitate in internationalen Fachzeitschriften. So wie Banker nach immer höheren Renditen streben, werden Forscher daran gemessen, wie viel sie veröffentlichen.

“Der Publikationsdruck fĂŒhrt dazu, dass mehr gemogelt wird”, sagt DFG-Ombudsfrau Beisiegel. Sie ist zugleich Professorin am UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Konkurrenz der Unis untereinander ist stark gewachsen: Wer international die besten Köpfe haben möchte, kann bei der Laborausstattung nicht knausern.

“‘New Edge’ tarnte in Wahrheit den Erfolg der Computer-Industrie als gesellschaftliche Revolution

Vielleicht noch ein Nachtrag zu meinem Nachtrag zur Ideologie. Andrian Kreye – Feuilletonist der SĂŒddeutschen – schrieb 2002 in seinem Beitrag mit dem Titel “Wenn wir surfen Seit— an Seit—” im Rahmen einer m.E. sehr lesenswerten Reihe zur Geschichte des Internet ebendort:

“Eigentlich sollte Schluss sein mit den Ideologien. Im Sommer 1989 verkuÃàndete der Politologe Francis Fukuyama in der Zeitschrift The National Interest das Ende der Geschichte und den Beginn des postideologischen Zeitalters. Zur selben Zeit aber formierten sich dreitausend Meilen westlich davon schon die Grundlagen einer neuen Ideologie. Was mit diesen Cyberpunks der WestkuÃàste begann, wurde von Theoretikern, Politikern und Unternehmern aufgenommen, die als Libertarier der Cyber-Öra fuÃàr die ultimative Freiheit kĂ€mpften. Mit liberaler Demokratie hatte das wenig zu tun. Mit Fukuyamas Forderung nach einem radikalen Optimismus umso mehr.
Im ausgehenden 20. Jahrhundert begriff man die neue Ideologie als Rebellion gegen bekannte Denkmuster und traditionelle Gesellschaftsformen, den Nationalstaat und sogar gegen die Begrenzungen der Geographie – ihr virtueller Mittelpunkt ist der dezentralisierte Cyberspace. Von Anfang an beharrten die neuen Ideologen darauf, keine Ideologie zu vertreten. Doch wenn man Ideologie als sĂ€kulares Dogma definiert, dann erfuÃàllten die Cyberpunks in San Francisco und Amsterdam die Kriterien als Ideologen genauso wie die Cybertarians im Silicon Valley oder Washington D.C.. Sie beanspruchten die Weisheit. Wer anders dachte, war noch nicht weit genug.”

Letztlich aber vielleicht noch ein Wort zur Ideologie. Ich mag den Begriff nicht. Er unterstellt eine wahre Wahrheit, die Möglichkeit der unabweisbaren Erkenntnis, dass etwas “in Wahheit” – wie Andrian Kreye im Untertitel formuliert; Kinder sagen gern “in echt” – so und nicht anders sei und die man haben könne, wenn man sich nur von den TĂ€uschungen – eben der Ideologie – befreit. Foucault schreibt dazu:

“Wichtig ist, so glaube ich, daß die Wahrheit weder außerhalb der Macht steht noch ohne Macht ist (trotz eines Mythos (…) ist die Wahrheit nicht die Belohnung fĂŒr freie Geister, das Kind einer langen Einsamkeit, das Privileg derer, die sich befreien konnten). Die Wahrheit ist von dieser Welt; in dieser wird sie aufgrund vielfĂ€ltiger ZwĂ€nge produziert, verfĂŒgt sie ĂŒber geregelte Machtwirkungen. Jede Gesellschaft hat ihre eigene Ordnung der Wahrheit, ihre ‘allgemeine Politik’ der Wahrheit (…); es gibt Mechanismen und Instanzen, die eine Unterscheidung von wahren und falschen Aussagen ermöglichen und den Modus festlegen, in dem die einen oder anderen sanktioniert werden. (…) Kurz, die politische Frage ist nicht der Irrtum, die Illusion, das entfremdede Bewußtsein oder die Ideologie, sie ist die Wahrheit selbst.” Foucault, Michel (1978): Dispositive der Macht. Berlin: Merve

Diese Frage nach der Wahrheit bedeutet dann eben, die Mechanismen und Instanzen zu untersuchen, die sie produzieren. Und wenn es Menschen gibt, die ihre Produktion als ideologiefrei bezeichnen, dann muss man eben auch wieder von Ideologien sprechen …

“Besonders gefĂ€hrlich sind Ideologien, die sich als solche nicht wahrhaben wollen.”

Ich habe inzwischen den Kontext zu jenem Zitat von Johannes Rau gefunden, welches ich neulich in einem Beitrag ohne Quellenangabe zitiert habe. Es stammt aus der Rede anlĂ€sslich der Verleihung des „Hans-Böckler-Preises 2000« in Potsdam – ist also schon fast zehn Jahre alt. Leider ist es so aktuell wie nie zuvor. Im etwas grĂ¶ĂŸeren Zusammenhang liest es sich so:

“Wer die Zukunft bestimmen will, darf nicht nur dem angeblichen Verlust von Werten nachtrauern. Er muss vielmehr unter verĂ€nderten Bedingungen versuchen, das, was er fĂŒr richtig hĂ€lt, immer neu mit Leben zu erfĂŒllen. Das betrifft vor allem die Fragen, die mit der sozialen Gerechtigkeit und mit der QualitĂ€t unseres Lebens zu tun haben.
Wenn wir formulieren, nach welchen Ideen wir leben wollen, welche Ziele wir uns setzen, welche Orientierung wir uns selber und anderen geben wollen, dann begegnen wir immer hÀufiger dem Vorwurf, weltfremden Idealen oder gar Ideologien anzuhÀngen.
Viele sagen, mit dem Jahre 1989 sei das Jahrhundert der Ideologien zu Ende gegangen.
Das sehe ich nicht so, denn diese Aussage ist selber ein StĂŒck Ideologie. Ja, vielerorts haben sich ein Denken und eine Haltung etabliert, die man durchaus als neue Ideologie kennzeichnen kann.
Ich meine den Anspruch, alle Lebensbeziehungen, alle Interessen der Gesellschaften und Staaten den Gesetzen des Marktes zu unterwerfen.
Gewiss: FĂŒr die wirtschaftliche Welt ist der Markt unverzichtbar. Und innerhalb des Rahmens der sozialen Marktwirtschaft hat er uns insgesamt großen Wohlstand gebracht. Aber nun scheint der unbeschrĂ€nkte, globalisierte Markt weiter zu greifen und mehr erfassen zu wollen als die Wirtschaftswelt.
Seine Herrschaft scheint alles in Frage zu stellen, was bisher Gewicht und Bedeutung hatte: Kulturelle und regionale IdentitĂ€t, nationale SouverĂ€nitĂ€t, religiöse und weltanschauliche Überzeugungen und Wertorientierungen.
Die Ökonomie, der Wettbewerb scheint das einzige Koordinatensystem zu sein, das ĂŒber Wert und Unwert von Ideen und PlĂ€nen, von Projekten und Orten bestimmt.
Es wird manchmal so getan, als gebe es keine anderen tauglichen MaßstĂ€be mehr fĂŒr das Zusammenleben der Menschen als die ökonomische RationalitĂ€t. Dieses Denken und eine Praxis, die sich daran orientiert, trĂ€gt ZĂŒge einer Ideologie, die Demokratie und soziale StabilitĂ€t gefĂ€hrdet.
Besonders gefĂ€hrlich sind Ideologien, die sich als solche nicht wahrhaben wollen.”

Auch an anderen Hochschulen rumort es …

… quasi als Nachtrag zu meinem letzten Eintrag

“Putsch der Professoren
Viele Hochschullehrer haben Probleme mit einem starken PrĂ€sidium. So droht die PrĂ€sidentin der Uni Hamburg ĂŒber ihren FĂŒhrungsstil zu stĂŒrzen. Auch an anderen Hochschulen rumort es.” weiterlesen …


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