Monatsarchiv für Juli 2009

 
 

… so geht’s vielleicht auch

‚ÄûZartheit zwischen Menschen ist nichts anderes als das Bewusstsein von der Möglichkeit zweckfreier Beziehungen, das noch die Zweckverhafteten tröstlich streift.«

Adorno, Minima Moralia

Geht doch …

Das Internet als Klassengesellschaft

“MySpace für Doofe, Facebook für Akademiker, Xing fürs Geschäft? Die Web-Communities von heute sind längst keine klassenlosen Räume mehr, in denen alle auf Augenhöhe kommunizieren. Die Netzgesellschaft differenziert sich rasant aus – bis hin zum persönlichen Suchmaschinenmarketing.

Die höheren Kasten der High School sind zu Facebook umgezogen. Das war zivilisierter, und weniger kitschig. Die niedrigeren Klassen waren üblicherweise zufrieden, bei MySpace zu bleiben.’

[...]

Der erste Google-Eindruck zählt

Die gute alte Homepage kommt zurück, könnte man also sagen. Digitale Selbstdarstellung, die Kontrolle über den ersten Google-Eindruck wird täglich wichtiger, gerade für Freiberufler oder Menschen auf der Suche nach einem neuen Job.

Genau auf diesen Markt zielt auch das deutsche Angebot MyOnID: Es ist eine Mischung aus Business-Community, Webseiten-Baukasten – und persönlicher Google-Manipulation. Die Betreiber versprechen ihren Kunden, durch Suchmaschinenoptimierung dabei zu helfen, dass das säuberlich gepflegte Profil bei einer Google-Suche auch schön weit oben landet.
Gegen eine Extra-Gebühr kann man sich von MyOnID sogar zum beworbenen Produkt machen lassen: Für sechs Euro pro Monat kaufen die Betreiber auch Suchmaschinenanzeigen, die dann bei Google in der rechten Spalte neben den Ergebnissen auftauchen, wenn jemand nach dem Namen des Kunden sucht – wie sonst die Verweise auf Webshops, Ebay und Co. [...] Die Betreiber sprechen denn auch von “Personal Branding”: “Hier stellen sich Nutzer als Marke dar.”

Wer zahlt, das ist die Botschaft, bekommt dafür Kontrolle über das, was man im Netz über ihn findet. Mit Geld gegen den großen Gleichmacher Google.”

unbedingt weiterlesen bei Spiegel online - sehr lesenswert !!!

Kuckucksei in den Hochschulen

“In der Hamburger Hochschulpolitik zeichnet sich in diesen Tagen eine Schwäche der Hochschulreformen ab

Die Hamburger Hochschulpolitik ist überregional in die Schlagzeilen geraten. Zur Zeit liegt der Focus der Kritik auf der nun scheidenden Uni-Präsidentin Auweter-Kurtz. Sie sei eine Fehlbesetzung gewesen. Doch durch wen wurde sie überhaupt eingesetzt? Durch einen externen Hochschulrat. Und nur diesem war sie verpflichtet. Die Hochschulreformen haben die demokratische Wahl des Präsidiums durch das Diktat des externen Hochschulrates ersetzt, der nicht einmal mehrheitlich von Universitätsangehörigen besetzt ist. “Gefunden” wurde Auweter-Kurtz schließlich von einem Headhunter. All diese Vorgänge entsprechen nicht den Erfordernissen des akademischen Lebens und sind entlehnt aus der sog. freien Wirtschaft.

[...]

Darüber hinaus produziert die Reformgesetzgebung eindimensionale Selbstdarsteller und Konformisten. Credit Points und Kennziffern, Evaluationen und Rankings sollen zwar objektive Werte über den “Wert” aller vorkommenden Elemente liefern. Doch sind die gewonnenen magischen Ziffern wissenschaftstheoretisch mehr als fragwürdig. In der Praxis begünstigt das Prozedere den Weg des geringsten Widerstandes und kurzfristiges Kalkül. Wissenschaftliche Auseinandersetzungen werden mit einem Mechanismus überformt, der dem Regelkreis der Quotenmessung im Fernsehen verblüffend nahe kommt. Das Resultat ist allseits bekannt: Alle Sender senden das Gleiche auf den gleichen Programmplätzen. Vielfalt und Niveau spielen in diesem normierenden Mechanismus keine Rolle.

In Hamburg zeichnet sich in diesen Tagen überdeutlich eine wesentliche Schwäche der Hochschulreformen ab: Die Deplatziertheit der unternehmensähnlichen Strukturen. Jeder Hochschulrat, der die Funktion des Aufsichtsrats einnimmt, adaptiert blind die Steuerungsparameter aus der Wirtschaftspraxis gleich mit: “Sichtbarer” Erfolg, glänzende Corporate Identity, die Magie der Zahlen. Ein Präsidium, das mit umfassender Macht ausgestattet ist, verpflichtet sich dieser fremden Belange und setzt sie nach innen durch. Was auf der Strecke bleibt, sind die konkreten Wissenschaften mit ihren legitimen Eigeninteressen”

Der gesamte – m.E. sehr lesenswerte – Artikel ist hier nachzulesen

Der Staat fördert Studierende aus armen und reichen Haushalten fast gleich

“In kaum einem anderen Land auf der Welt ist die Studienfinanzierung so vielfältig und unübersichtlich wie in Deutschland. In einem Vergleich zwischen Tschechien, England, den Niederlanden, Norwegen, Spanien und Deutschland stellte ein internationales Forscher-Konsortium unter der Beteiligung der HIS GmbH [PDF - 1.6 MB] fest, dass bei uns die staatliche Unterstützung der Studierenden aus einkommensstarken Familien (über 64.000 Euro p.a.) in Höhe von 5.135 Euro pro Jahr über indirekte Leistungen z.B. in Form von Steuererleichterungen nahezu gleich hoch ist, wie die Unterstützung von Studierenden in Höhe von 5.720 Euro pro Jahr aus einkommensschwachen Familien (bis knapp 31.000 Euro p.a.) durch indirekte zuzüglich direkter Leistungen z.B. durch das Bafög.

Noch geringer sind die Unterschiede bei den staatlichen Vergünstigungen für Studierenden, die bei ihren Eltern wohnen, nämlich 4.523 Euro pro Jahr bei einkommensstarken Haushalten gegenüber 4.669 Euro pro Jahr in der unteren Einkommensstufe.
In Deutschland werden überwiegend die Eltern gefördert und nicht die Studierenden unmittelbar.
Würde man die direkten und indirekten Unterstützungsleistungen zusammenfassen, dann könnte man damit auch eine elternunabhängige Förderung der Studierenden – wie etwa in Finnland – finanzieren.”

Hier weiterlesen …

Katerstimmung …

… gefunden in der aktuellen Ausgabe der Erziehung und Wissenschaft – also der Zeitschrift der GEW: jener GEW, die im Übrigen neulich gerade beschlossen hat, nicht mehr mit Bertelsmann zusammen zu arbeiten:

Das also ist die digitale Bohème …

Den zugehörigen Spot gibt’s unter YouTube, einen – wie ich meine – ganz passenden Kommentar hier; die ersten Kurseinbrüche der Ich-Aktie Lobo kann man hier einsehen – zumindest wenn man auf die Idee der “Währung Respekt” – laut Lobo u.a. das Zahlungsmittel des web 2.0 – auch nur einen Heller gibt.

David Bowie fand ich irgendwie geiler …

Der Schrecken ausländischer Studenten

Neulich in der Financial Times:

“Deutschland wird bei Studierenden aus dem Ausland unbeliebter. Das belegen aktuelle Zahlen. Der straffe Bachelor und die Studiengebühren machen das Studium in Deutschland nicht leicht.
2006 waren rund 190 000 Studenten an deutschen Hochschulen eingeschrieben, 2008 waren es knapp 11 600 weniger. „Diese Zahl ist sehr deutlich«, sagte Ulrich Heublein, Projektleiter vom HIS.”

Im Vergleich dazu eine Pressemeldung des BMBF von gestern:

“Mobilität: Seit 1999 hat sich die Zahl der Studierenden, die einen Abschnitt ihres Studiums im Ausland verbracht haben, nahezu verdoppelt.
Deutschland ist weltweit das drittbeliebteste Land für ausländische Studenten.
Wie der letzte Studierenden-Survey gezeigt hat, sind die Studierenden an deutschen Universitäten und Fachhochschulen zunehmend zufrieden. Das gilt insbesondere für     inhaltliche Qualität, Aufbau des Studienganges und Durchführung der Lehrveranstaltungen.”

Die Tage von MySpace sind gezählt

“Auf die anhaltenden Einbrüche bei den Besucherzahlen folgt eine Entlassungswelle: MySpace hat fast alle wichtigen Trends im Social Web verschlafen und wenig Möglichkeiten, die Abwärtsspirale zu stoppen.
Wir werden gerade Zeuge eines im globalen Kontext bisher einmaligen Ereignisses: der Niedergang eines sozialen Netzwerkes, das noch vor zwei Jahren weltweit führend war. Die Rede ist natürlich von MySpace, dem zur News Corporation gehörenden Dienst, der gerade tiefgehende Personaleinschnitte verkünden müsste. So entlässt das Unternehmen rund 500 Angestellte in den USA und 300 in den 15 internationalen Büros. Die Zahl der Mitarbeitenden außerhalb der USA sinkt deutlich von 450 auf 150.”

(siehe http://netzwertig.com/2009/06/24/niedergang-eines-social-networks-die-tage-von-myspace-sind-gezaehlt/)

Klamme Abiturienten verzichten auf Uni

Den bundesweiten Bildungsstreik kommentierte die HRK-Präsidentin¬†Margret Wintermantel vor ein paar Tagen laut einer kleinen Notiz unter bildungsklick.de wie folgt:

“Auch die von den Streikenden geforderte bedingungslose Abschaffung von Studienbeiträgen stößt bei Wintermantel auf Ablehnung: “Es ist nicht richtig, dass Studienbeiträge per se die Chancengleichheit beim Zugang zur Bildung behindern. Ein Rückgang der Studierendenzahlen nach Einführung von Studienbeiträgen kann nicht festgestellt werden. Die große Mehrzahl der Studierenden begreift eben Studienbeiträge als Chance, die Qualität der Lehre zu verbessern.”

Die FTD kommentiert am 29.6. unter dem Titel¬†Klamme Abiturienten verzichten auf Uni die so genannte¬†Allensbach-Umfrage. Ob diese tatsächlich schon die potenziellen BA-Studierenden im Blick hat oder eher auf ältere Zahlen zurückgreift, weiß ich gerade nicht, aber man darf wohl mutmaßen, dass sich die beschriebenen Verhältnisse durch die Einführung von Studiengebühren nicht verbessern werden:

“Geldnot ist bei potenziellen Studenten ein großes Thema. Weil sie sich vor einem Schuldenberg fürchten, den sie später zurückzahlen müssen, lassen viele junge Abiturienten die Finger von der Hochschulkarriere.
Wer ein finanzielles Polster hat, studiert am ehesten: 79 Prozent der Abiturienten, die keine Geldsorgen während ihrer Ausbildung zu befürchten haben, gaben bei der Umfrage an, auch studieren zu wollen. Von denen, die nicht wissen, ob sie sich ihr Studium finanzieren können und mit entsprechenden Problemen rechnen, wagen nur 44 Prozent den Gang an die Hochschule.”

Alles nicht neu – kann man bekanntlich alles schon bei z.B. Bourdieu aus den 60ern nachlesen – aber dann doch immer wieder aktuell und durch die ganzen vielversprechenden Reformen irgendwie auch immer wieder spannend.

Das Studiendekanat der MIN-Fakultät der Uni Hamburg hat seine Studierenden – wenn es denn schon Studiengebühren gibt – jüngst angeboten, über deren Verwendung zumindest in den Dialog zu treten. Möglicherweise ist dies nur ein Korruptionsversuch – ich weiß es nicht. Zumindest würde ich anregen, dass unsere epb-Fakultät sowas auch in Erwägung zieht … (gefunden unter “Rettet die Bildung!”)

“Mail an die FSR-E-Mail-Adresse vom 23.06.09:

Liebe Studierenden,

wie bereits angekündigt, möchte das Studiendekanat mit den Fachschaften in einen regelmäßigen Dialog über die Verwendung von Studiengebühren treten. Wir laden Sie herzlich für

Montag, 29. Juni 2009, 17:00 bis 19:00 Uhr
Geomatikum, Bundesstraße 55, Raum 1241

zu einem ersten Gespräch ein. Wir werden Ihnen über den Stand der Dinge berichten und Sie sollen die Möglichkeit haben, Fragen, Anregungen und Kritik anzubringen. Darüber hinaus möchten wir Sie gerne in die Entwicklung von Verfahren zur Verwendung der Studiengebühren einbeziehen.

Vorläufige Tagesordnung:

1. Bericht über den aktuellen Stand der Studiengebührenmaßnahmen
2. Studierendenbeteiligung bei der Mittelvergabe
- In welcher Form fand die Beteiligung bisher statt?
- Welche Form der Beteiligung erwarten die Studierenden?
3. Verwendungszweck und Mittelverteilung
- Welche Maßnahmen sollen schwerpunktmäßig gefördert werden?
- Welche Verteilungsverfahren sollen in Aktion III angewandt werden (z. B. nach Zahl der Studierenden, Wettbewerbsverfahren)?
4. Evaluierung
- Welche Verfahren zur Überprüfung und Bewertung der Maßnahmen erwarten die Studierenden?
- Wie soll mit bereits laufenden oder abgeschlossenen Maßnahmen verfahren werden?
5. Informationen über die Verwendung der Studiengebühren
- Worüber wollen die Studierenden auf welchem Weg informiert werden?
- Was soll auf Departmentebene veröffentlicht werden, was durch das Dekanat?

Die gültigen Richtlinien zur Verwendung der Studiengebühren entnehmen Sie bitte dem Anhang.

Mit besten Grüßen,
Karin Renner

…………………………………………………….
Dr. Karin Renner
Assistentin des Studiendekanats
Dekanat der Fakultät für Mathematik,
Informatik und Naturwissenschaften
an der Universität Hamburg
Bundesstr. 55, 20146 Hamburg
Tel. +49-(0)40-42838-7903  Fax -7437
E-Mail: Karin.Renner@uni-hamburg.de”


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