Schöne Neue Welt
Ich habe gestern 39,90 – den Film – gesehen und darauf sogleich angefangen, das Buch von Frédéric Beigbeder zu lesen (wobei mir der Film sogar besser erscheint: Das, um was es geht – Werbung nämlich – operiert eben selber im Bereich des Sichtbaren). Zusammengefasst handelt es sich – in Romanform – um die Bekenntnisse eines Marketing-Aussteigers, eines Verräters, der das Buch eigens geschrieben habe, um (mit goldenem Handschlag) entlassen zu werden: nicht wirklich neu, aber witzig, (der Film) sehr ansehnlich, widerwärtig, erschütternd.
Schön fand ich insbesondere das Zitat, das dem Buch vorangestellt ist und welches Aldous Huxley angeblich 1946 als neues Vorwort zu seiner Brave New World verfasst hat:
“Es gibt natürlich keinen Grund, warum der neue Totalitarismus dem alten gleichen sollte. Ein Regieren mittels Knüppeln und Exekutionskommandos, mittels künstlicher Hungersnöte, Massenverhaftungen und Massendeportationen ist nicht nur unmenschlich [...]; es ist nachweisbar leistungsunfähig – und in einem Zeitalter fortgeschrittener Technik ist Leistungsunfähigkeit die Sünde gegen den Heiligen Geist. Ein wirklich leistungsfähiger totalitärer Staat wäre ein Staat, in dem die allmächtige Exekutive politischer Machthaber und ihre Armee von Managern eine Bevölkerung von Zwangsarbeitern beherrscht, weil sie ihre Sklaverei lieben. Ihnen die Liebe zu ihr beizubringen ist in heutigen totalitären Staaten die den Propagandaministerien, den Zeitungsredakteuren und den Schullehrern zugewiesene Aufgabe.”
(Etwas überflüssig finde ich die besondere Betonung des Staates – Foucault hat das in den 1970ern Staatsphobie genannt … aber nun ja, was will man für 1946 erwarten …).
Schön ist auch ein Satz aus Beigbeders Buch, der auch als einer der ersten im Film zitiert wird:
“Seit zweitausend Jahren war nie ein verantwortungsloser Idiot so mächtig wie ich.”
In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf das Maketingkonzept für die “größte Lernplattform für Kinder” der Firma scoyo GmbH (Firmensitz Hamburg) hinweisen, welche von Bertelsmann mit angeblich 15 bis 20 Millionen Euro gefördert wurde:



