Archiv der Kategorie ‘Fundstücke‘

 
 

Digital Natives …

Rolf Schulmeister hatte es ja schon seit längerem gewusst (siehe Gibt es eine »Net Generation«? – Version 2.0). Auch die Kollegen vom Hans-Bredow-Institut haben es vor Kurzem herausgefunden (siehe Heranwachsen mit dem Social Web). Inzwischen schreibt es sogar der Spiegel: Die Netzgeneration gibt es gar nicht – vielmehr nur eine Generation Null Blog:

Dabei schwärmen Experten seit Jahren von einer technikbeseelten Jugend neuen Typs: mobil, vernetzt und chronisch ungeduldig, verwöhnt von der Überfülle der Reize im Internet. Ihr Leben verbringe sie in steter Symbiose mit Computern und Mobiltelefonen; die Netztechnik sei ihr quasi schon ins Erbgut übergegangen. Die Medien nennen sie deshalb “Cyberkids”, “Generation @” oder schlicht die “Netzgeneration”.

Zu den vielzitierten Wortführern der Bewegung gehören der US-Autor Marc Prensky, 64, und sein kanadischer Kollege Don Tapscott, 62. Prensky hat sich das Bild von den “Digital Natives” ausgedacht, den Eingeborenen von Digitalien, traumwandlerisch vertraut mit allem, was das Internet möglich macht an Teilhabe und Selbstinszenierung – und den Älteren in diesen Dingen uneinholbar voraus. Wer über 25 ist, zählt bei Prensky zu den “Digital Immigrants”, den Zugezogenen, die sich durch ihre Unbeholfenheit verraten wie sonst die Migranten mit ihren ulkigen Akzenten.

Eine kleine Industrie von Autoren, Beratern und findigen Therapeuten lebt von der immer gleichen Botschaft: Die Jugend sei durch und durch geformt von dem Online-Medium, in dem sie groß geworden ist. Speziell die Schule müsse ihr deshalb ganz neue Angebote machen; der herkömmliche Unterricht erreiche diese Jugend gar nicht mehr.

Belege dafür gibt es kaum. Statt auf Studien stützen die Visionäre sich vor allem auf eindrucksvolle Einzelbeispiele jugendlicher Netzvirtuosen. Für die ganze Generation besagt das freilich wenig, wie die Forschung inzwischen weiß [...]. Ihre Befunde lassen vom Bild der “Netzgeneration” wenig übrig [...]

Der Marke “Netzgeneration” dürfte das freilich nicht schaden. “Das ist so eine naheliegende, billige Metapher”, sagt Schulmeister, “die kommt einfach immer wieder hoch.”

Im Übrigen stimmt es nicht, dass sich Marc Prensky das Bild von den “Digital Natives” ausgedacht hat. Diese Metapher findet sich schon in dem Klassiker von John Perry Barlow aus dem Jahr 1996 – nämlich in der “Declaration of the Independence of Cyberspace”. Dort heißt es:

You are terrified of your own children, since they are natives in a world where you will always be immigrants. Because you fear them, you entrust your bureaucracies with the parental responsibilities you are too cowardly to confront yourselves. In our world, all the sentiments and expressions of humanity, from the debasing to the angelic, are parts of a seamless whole, the global conversation of bits. We cannot separate the air that chokes from the air upon which wings beat.

(In der Übersetzung von Stefan Münker:
Ihr erschreckt Euch vor Euren eigenen Kindern, weil sie Eingeborene einer Welt sind, in der Ihr stets Einwanderer bleiben werdet. Weil Ihr sie fürchtet, übertragt Ihr auf Eure Bürokratien die elterliche Verantwortung, die Ihr zu feige seid, selber auszüben. In unserer Welt sind alle Gefühle und Ausdrucksformen der Humanität Teile einer umfassenden und weltumspannenden Konversation der Bits. Wir können die Luft, die uns erstickt, von der nicht trennen, die unsere Flügel emporhebt.)

Die Netz-Hippies werden selbstgerecht

Nachdem nun die Datenschutzbeauftragten und die Verbraucherschutzministerin die social-networks anprangern; nachdem auch Stiftung Warentest schlechte Noten an facebook und MySpace verteilt; nachdem sogar Ralf Appelt Empfehlungen verschickt, wie man seinen facebook-Account dauerhaft und restlos löscht; und nachdem nun twitter endlich ein Geschäftsmodell hat (Werbung nämlich (sic!)), dachte ich, es sei an der Zeit, auf einen Artikel bei – wie originell – Spiegel-online hinzuweisen, auf den die wiederum selbst im besagten Kontext ständig verweisen. Der Artikel ist nämlich m.E. sehr hübsch und hat einen schönen Titel:

Die Netz-Hippies werden selbstgerecht.

Zur besseren Einordnung der in dem kurzen Artikel geäußerten Gedanken empfiehlt es sich, zudem einen schon fast als klassisch zu bezeichnenden Artikel aus dem Jahr 1995 in Erinnerung zu rufen, der offenbar nichts an Aktualität eingebüßt hat. Er ist nach wie vor online. Auf Deutsch in der Telepolis zu haben: Die kalifornische Ideologie von Richard Barbrook und Andy Cameron.

Es sei noch vermerkt, dass

1. es damals eine rege Debatte um den Text gab, siehe z.B. hier: Die kalifornische Ideologie – ein Phantom? von Florian Rötzer

2. man annehmen kann, dass Lutz Dammbecks Film Das Netz von 2004 u.a. auch von dem Text inspiriert wurde – zumindest verhandelt er ähnliche Themen (zudem verpackt in eine herrliche, ins Absurde driftende Verschwörungstheorie – das ist eben Kunst – und einem wunderschönen Interview mit dem beinahe senilen, aber gerade deshalb so liebenswerten Heinz von Förster. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

(Den gesamten Film gibt es hier)

3. es sogar einen wikipedia-Eintrag zur Kalifornischen Ideologie gibt

4. die Wissenschaft festgestellt hat, das die Kalifornische Ideologie eh längst von der Folksonomy abgelöst wurde: Von der „kalifornischen Ideologie“ zur „Folksonomy“ – die Entwicklung der Internetkultur von Udo Thiedeke.

Endlich: Sinnvoller Einsatz von Social Software!

Das ist doch mal eine innovative Idee für den kreativen Gebrauch von Social Software …

In Social Networks gilt es als normal und erwünscht, alles mögliche preiszugeben. Wie bescheuert das ist, macht die niederländische Webseite PleaseRobMe klar – indem sie Twitter dazu nutzt, Einbrecher auf aktuell unbeaufsichtigte Wohnungen aufmerksam zu machen. Ein toller Service.

“11 Uhr. Muss jetzt in den Flieger.” So liest sich das, wenn ein Twitter-Süchtiger die Welt an den Wasserstandsmeldungen seines Lebens teilhaben lässt: Alles vom Fernflug bis zur Flatulenz wird treulich protokolliert. Mitunter ist das weniger belanglos, als man im ersten Moment glaubt. Denn selbst Kommunikations- Koprolithen wie “Bin im Cafe. Lecker” oder “Noch sieben Stunden. Hab ich die Katze rausgelassen?” könnten für bestimmte Berufsgruppen relevant sein.

weiterlesen unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,678934,00.html

Was du auch machst – Mach es nicht selbst

Markus Schwarzer hat mich dankenswerterweise darauf aufmerksam gemacht, dass sich auf dem neusten Album von Tocotronic sowas wie ein Kommentar auf das Social Web und die Digitale Boheme (siehe “Marke: Eigenbau“) zu finden ist. Tocotronic textet:

Was du auch machst
Mach es nicht selbst
Auch wenn du dir
Darin gefällst
Wer zuviel selber macht
Der macht sich krumm
(Ausgenommen
Selbstauslöschung)

(http://www.3min.de/Video/Musik/Tocotronic/Macht-es-nicht-selbst)

Schön ist auch ein weiterer Song des Albums, wenn sie sich quasi selbst antworten und vorschlagen:

Im Zweifel für Ziellosigkeit
Ihr Menschen, hört mich rufen!
Im Zweifel für Zerwürfnisse
Und für die Zwischenstufen

Im Zweifel für den Zweifel
Das Zaudern und den Zorn
Im Zweifel fürs Zerreißen
Der eigenen Uniform

Augmented Portfolio

… ganz hübsch wie ich meine und gar nicht so abstrus … zudem passend zum Thema Portfolio! siehe auch: CityU ePortfolio: Have you got your ePortfolio created?

augmented reality

… mal wieder was zum Portfolio

Karikatur

Baustelle Universität: Abbruch oder Aufbau?

Die Uni Hamburg im Reformprozess

Dienstag, 10.11.2009, 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr
Podiumsdiskussion des FSR Germanistik

Philosophenturm, Von-Melle-Park 6, Hörsaal D

Im Rahmen einer vom Fachschaftsrat Germanistik veranstalteten Ringvorlesung findet am 10.11.2009 eine Podiumsdiskussion zum Thema Baustelle Universität: Abbruch oder Aufbau? Die Uni Hamburg im Reformprozess statt. Zu Gast sind:

Weitere Informationen

Schwarm-Intelligenz?

Spiegel-online berichtete neulich über eine etwas andere Variante der “Weisheit der Vielen” als sie den Vordenkern der “Smart Mobs” wohl vorschwebt. Meines Erachtens bemerkenswert:

“Großbritannien
Unternehmer macht Netznutzer zu Hobby-Überwachern

Von Christian Stöcker

In Großbritannien soll jeder Big Brother spielen können. Eine Firma will die Bilder der Millionen Überwachungskameras im Königreich online stellen – wer ein Verbrechen entdeckt, soll es per Mausklick melden. Der erfolgreichste Späher bekommt am Monatsende 1000 Pfund. Datenschützer sind empört.

EXPLOSION-NEWYORK/

London – Großbritannien ist Weltmarktführer in Sachen Videoüberwachung. Im Schnitt kommt auf jeweils 14 Briten eine Überwachungskamera, 4,2 Millionen davon gibt es insgesamt im Land. Nun will ein Unternehmen namens Internet Eyes möglichst viele davon vernetzen – und die Bilder von Internetnutzern auswerten lassen.

Wer dort ein Verbrechen erspäht, soll es melden können, etwa an den zuständigen Kaufhausdetektiv. Wer oft genug erfolgreich zusieht, soll Geld gewinnen können – 1000 britische Pfund, jeden Monat. Besitzer von Ladengeschäften oder anderen Privateinrichtungen mit Überwachungskameras, sollen im Gegenzug 20 Pfund im Monat bezahlen, damit ihre Bilder bei Internet Eyes zu sehen sind.Internet-Eyes-Chef Tony Morgan setzt auf die “voyeuristischen Tendenzen” der Menschen: “Wie viele Leute sehen sich Big Brother sogar dann noch an, wenn die Lichter aus sind und nichts mehr passiert?”, fragt Morgan rhetorisch und fügt hinzu: “Internet Eyes wird stattdessen ein Programm bieten, das interessant ist.” Worüber sich streiten ließe – so viele spannende Dinge dürften vor den vielen Überwachungskameras kaum passieren. Ab November soll Internet Eyes zunächst in einer einzigen britischen Stadt getestet werden – in Shakespeares Heimat Stratford-upon-Avon.”

weiterlesen unter: Spiegel-online


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