Markus Schwarzer hat mich dankenswerterweise darauf aufmerksam gemacht, dass sich auf dem neusten Album von Tocotronic sowas wie ein Kommentar auf das Social Web und die Digitale Boheme (siehe “Marke: Eigenbau“) zu finden ist. Tocotronic textet:
Was du auch machst
Mach es nicht selbst
Auch wenn du dir
Darin gefällst
Wer zuviel selber macht
Der macht sich krumm
(Ausgenommen
Selbstauslöschung)
Ich erhielt gerade folgende Nachricht aus dem Audimax Hamburg:
Hallo!
Das Audimax der Uni Hamburg wurde von Studierenden besetzt. Damit wird sich zum einen eingereiht in eine europaweite Protestwelle gegen die Studienbedingungen und den Bologna-Prozess. Inzwischen sind an über 30 Universitäten aus diesem Grunde Räumlichkeiten besetzt. Zum anderen geht es auch um hamburg-spezifische Themen wie die mögliche Nachfolge für Auweter-Kurtz.
Informationen finden sich auf der Homepage der Besetzung (http://hamburgbrennt.blogspot.com/) und bei twitter.com mit Hilfe des Hashtags #hamburgbrennt. Außerdem gibt es aktuelle einen Video-Livestream aus dem Audimax unter http://www.ustream.tv/channel/uni-hamburg.
Bald brennt vielleicht die gnaze Welt – aber dieses Feuer kein zerstörerisches
Dienstag, 10.11.2009, 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr
Podiumsdiskussion des FSR Germanistik
Philosophenturm, Von-Melle-Park 6, Hörsaal D
Im Rahmen einer vom Fachschaftsrat Germanistik veranstalteten Ringvorlesung findet am 10.11.2009 eine Podiumsdiskussion zum Thema Baustelle Universität: Abbruch oder Aufbau? Die Uni Hamburg im Reformprozess statt. Zu Gast sind:
Spiegel-online berichtete neulich über eine etwas andere Variante der “Weisheit der Vielen” als sie den Vordenkern der “Smart Mobs” wohl vorschwebt. Meines Erachtens bemerkenswert:
“Großbritannien Unternehmer macht Netznutzer zu Hobby-Überwachern
Von Christian Stöcker
In Großbritannien soll jeder Big Brother spielen können. Eine Firma will die Bilder der Millionen Überwachungskameras im Königreich online stellen – wer ein Verbrechen entdeckt, soll es per Mausklick melden. Der erfolgreichste Späher bekommt am Monatsende 1000 Pfund. Datenschützer sind empört.
London – Großbritannien ist Weltmarktführer in Sachen Videoüberwachung. Im Schnitt kommt auf jeweils 14 Briten eine Überwachungskamera, 4,2 Millionen davon gibt es insgesamt im Land. Nun will ein Unternehmen namens Internet Eyes möglichst viele davon vernetzen – und die Bilder von Internetnutzern auswerten lassen.
Wer dort ein Verbrechen erspäht, soll es melden können, etwa an den zuständigen Kaufhausdetektiv. Wer oft genug erfolgreich zusieht, soll Geld gewinnen können – 1000 britische Pfund, jeden Monat. Besitzer von Ladengeschäften oder anderen Privateinrichtungen mit Überwachungskameras, sollen im Gegenzug 20 Pfund im Monat bezahlen, damit ihre Bilder bei Internet Eyes zu sehen sind.Internet-Eyes-Chef Tony Morgan setzt auf die “voyeuristischen Tendenzen” der Menschen: “Wie viele Leute sehen sich Big Brother sogar dann noch an, wenn die Lichter aus sind und nichts mehr passiert?”, fragt Morgan rhetorisch und fügt hinzu: “Internet Eyes wird stattdessen ein Programm bieten, das interessant ist.” Worüber sich streiten ließe – so viele spannende Dinge dürften vor den vielen Überwachungskameras kaum passieren. Ab November soll Internet Eyes zunächst in einer einzigen britischen Stadt getestet werden – in Shakespeares Heimat Stratford-upon-Avon.”
Schön fand ich insbesondere das Zitat, das dem Buch vorangestellt ist und welches Aldous Huxley angeblich 1946 als neues Vorwort zu seiner Brave New World verfasst hat:
“Es gibt natürlich keinen Grund, warum der neue Totalitarismus dem alten gleichen sollte. Ein Regieren mittels Knüppeln und Exekutionskommandos, mittels künstlicher Hungersnöte, Massenverhaftungen und Massendeportationen ist nicht nur unmenschlich [...]; es ist nachweisbar leistungsunfähig – und in einem Zeitalter fortgeschrittener Technik ist Leistungsunfähigkeit die Sünde gegen den Heiligen Geist. Ein wirklich leistungsfähiger totalitärer Staat wäre ein Staat, in dem die allmächtige Exekutive politischer Machthaber und ihre Armee von Managern eine Bevölkerung von Zwangsarbeitern beherrscht, weil sie ihre Sklaverei lieben. Ihnen die Liebe zu ihr beizubringen ist in heutigen totalitären Staaten die den Propagandaministerien, den Zeitungsredakteuren und den Schullehrern zugewiesene Aufgabe.”
(Etwas überflüssig finde ich die besondere Betonung des Staates – Foucault hat das in den 1970ern Staatsphobie genannt … aber nun ja, was will man für 1946 erwarten …).
Schön ist auch ein Satz aus Beigbeders Buch, der auch als einer der ersten im Film zitiert wird:
“Seit zweitausend Jahren war nie ein verantwortungsloser Idiot so mächtig wie ich.”
In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf das Maketingkonzept für die “größte Lernplattform für Kinder” der Firma scoyo GmbH (Firmensitz Hamburg) hinweisen, welche von Bertelsmann mit angeblich 15 bis 20 Millionen Euro gefördert wurde:
Heute ereilte mich wieder eine Mail von Claudia Döring. Sie weist auf einen Artikel von N. Göler von Ravensburg hin und schreibt folgendes:
“Schüler-Firmen: selbstgesteuertes Lernen und Vorbereitung auf die Arbeitswelt
Schülerfirmen können hochwertige Beiträge zur Pädagogik und deutliche Entlastungen für LehrerInnen bieten. Dies ergab eine Evaluationsstudie in elf Einrichtungen aller Schulformen. Professorin Dr. Nicole Göler von Ravensburg (Frankfurt M.) bilanziert: “SchülerInnen arbeiten nachgewiesenermaßen mit einem außergewöhnlich hohen Grad an Eigenmotivation und Engagement in ihrer Schülerfirma, nicht zuletzt weil der Arbeitsprozess und damit auch der Lernprozess selbst organisiert wird. Eigeninitiative, Unternehmensgeist, Zielorientierung, Selbstständigkeit, Persönlichkeitsbildung, Verantwortungsbewusstsein und Teamgeist werden gefördert.” [...]
N. Göler von Ravensburg: Genossenschaftliche Schülerfirma im kommunalen Raum
in: W. George, M. Bonow (Hrsg.): Regionales Bildungs- und Wissensmanagement
Pabst, Lengerich/Berlin 2009, 268 Seiten, ISBN 978-3-89967-530-6″
Na schön!
Neulich lass ich in den NachDenkSeiten unter der Überschrift “Die Ausbildung zum Spekulanten geht weiter” folgendes – was zwar nicht ganz das Selbe ist, aber dennoch zumindest Öhnlichkeiten aufweist:
“Unbeeindruckt von den schlimmen Folgen der Spekulation als wesentlicher Ursache der Finanzkrise treibt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft die geistige Infiltration der Schulen weiter.”
Dann werden ein paar Projekte aufgezählt, in denen SchülerInnen die Börse und so – nämlich auch Eigeninitiative, Unternehmensgeist, Zielorientierung, Selbstständigkeit – nahe gebracht werden.
Ganz schön ist noch eine Ergänzung, die auf einen Artikel in der Süddeutschen verweisst:
“Als Ergänzung noch einmal der Hinweis auf die Art der Machenschaften der INSM: Die betroffenen Medien setzen sich endlich zur Wehr
Medien wehren sich gegen INSM: Partner wider Willen
Mit ‚ÄûNeon« und ‚ÄûAnne Will« als vermeintliche Partner suchte die INSM nach Reportern für ein TV-Projekt. Jetzt wehren sich die Genannten gegen den Verdacht, sie würden mit der Lobbygruppe kooperieren.
Quelle: SZ“
… zugegeben schon etwas älter, aber nicht ganz schlecht. Gerade das Ende ist so paranoid nicht, wenn man weiß, dass 23andMe mit Googles Geld und von Anne Wojcicki, der Ehefrau von Google-Pionier Sergey Brin, gegründet wurde und das erklärte Ziel verfolgt, langfristig “98% der Weltbevölkerung genetisch zu kartografieren”.
Interessant in diesem Zusammenhang ist vielleicht auch das, was ich gerade in dem auffallend kurzen wikipedia-Eintrag zu Sergey Brin lese: “Laut eigener Aussage hat er eine Veranlagung zur Parkinson-Krankheit, die durch eine Mutation am LRRK2-Gen ausgelöst wird, welche bei ihm vorhanden ist.”