mal was in eigener Sache …
Meyer, Torsten; Münte-Goussar, Stephan; Kerstin Mayrberger et al. (2011):
Kontrolle und Selbstkontrolle. Zur Ambivalenz von ePortfolios in Bildungsprozessen
Wiesbaden, VS-Verlag
Meyer, Torsten; Münte-Goussar, Stephan; Kerstin Mayrberger et al. (2011):
Kontrolle und Selbstkontrolle. Zur Ambivalenz von ePortfolios in Bildungsprozessen
Wiesbaden, VS-Verlag
Dieter Lenzen:
Gebildete Menschen brauchen kein Qualitätsmanagement
In ungewöhnlich scharfer Form hat Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, die europäische Hochschulreform kritisiert. “Bologna riecht nach Truppenversorgung und Zwangsernährung”, sagte Lenzen bei einer Veranstaltung der Wochenzeitung “Die Zeit” in Frankfurt. Bei den neuen Studiengängen handele es sich nicht um ein Angebot, sondern um eine “Zumutung”. Bildung könne in ihnen nicht stattfinden. Dieter Lenzen weiter: “Die Universität ist von der Bildungsstätte zur Erziehungsanstalt mutiert.”
Die Etablierung von “Career Services, Mentoring-Programmen und einem Qualitätsmanagement sind in einer Bildungseinrichtung völlig überflüssig”, so Lenzen. “Gebildete Menschen brauchen weder sozialpädagogische Betreuung, noch brauchen sie Coaches und Ratschläge … und schon gar nicht brauchen sie ein Qualitätsmanagementsystem.” In einer Bildungseinrichtung sei Qualität eine Frage der Ehre und nicht des Managements, so Lenzen weiter.
Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, forderte die Hochschulen auf, ihre Freiräume verantwortungsbewusst zu nutzen: Hochschulen dürften sich nicht nur durch Forschung profilieren. “Die Interessen der Studenten dürfen nicht vernachlässigt werden.” Die Einführung eines Elite-Stipendienprogramms, dem der Bundesrat nach Finanzzusagen von Kanzlerin Merkel an die Länder überraschend zugestimmt hat, hält Schütte für “die richtige Entwicklung”. (HA)
Ich erhielt gerade folgende Nachricht aus dem Audimax Hamburg:
Hallo!
Das Audimax der Uni Hamburg wurde von Studierenden besetzt. Damit wird sich zum einen eingereiht in eine europaweite Protestwelle gegen die Studienbedingungen und den Bologna-Prozess. Inzwischen sind an über 30 Universitäten aus diesem Grunde Räumlichkeiten besetzt. Zum anderen geht es auch um hamburg-spezifische Themen wie die mögliche Nachfolge für Auweter-Kurtz.
Informationen finden sich auf der Homepage der Besetzung (http://hamburgbrennt.blogspot.com/) und bei twitter.com mit Hilfe des Hashtags #hamburgbrennt. Außerdem gibt es aktuelle einen Video-Livestream aus dem Audimax unter http://www.ustream.tv/channel/uni-hamburg.Bald brennt vielleicht die gnaze Welt – aber dieses Feuer kein zerstörerisches
Mail plus Anhang, verschickt über die Lernplattform CommSy der epb-Fakultät der Uni Hamburg: “Rettet die Bildung!”
“vom 12.-14.Mai (Dienstag bis Donnerstag) findet eine uniweite Urabstimmung für die Gebührenfreiheit des Studiums statt. Die zur Entscheidung stehende Frage lautet:
Bist Du für die Gebührenfreiheit des Studiums?
[ ] Ja, ich bin für die Gebührenfreiheit des Studiums.
[ ] Nein, ich bin für die Beibehaltung von Studiengebühren.Zuletzt wurde im Mai 2005 eine Urabstimmung über Studiengebühren durchgeführt, an der sich 13.196 Studierende beteiligten. Von denen stimmten 12.467 (94,5%) mit ‘Ja zur Gebührenfreiheit!’ ab. Wissenschaftsstaatsrat Reinert (CDU) hatte Anfang des Jahres mit Bezug auf die sogenannten nachgelagerten Studiengebühren behauptet: ‘Für uns ist das Zeichen, dass viele die Gebühren sofort bezahlen, auch ein Beleg, dass Studiengebühren akzeptiert werden.’
Dass dies nicht so ist, soll mittels der Urabstimmung öffentlich deutlich gemacht werden.”
Jürgen Habermas hatte es als erster gemerkt, nämlich, dass der «Privatisierungswahn” nun ans Ende gekommen sei. Auch Ole von Beusts Sensibilität für Ungerechtigkeit nimmt offenbar zu und er an, dass die Idee gescheitert sei, der Kapitalismus würde den Himmel auf Erden bringen. Dafür hat ihm das Hamburger Abendblatt eine Montage von Marx und ihm selbst geschenk. Helmut Schmidt, der von sich wohl zu recht sagen kann, als Vorspiel von Helmut Kohl der erste bundesdeutsche Kanzler gewesen zu sein, der neolibarales Denken in tätige Politik umgesetzt hat, hält im Hinblick auf die Wirtschaftskrise einen Vergleich mit den Jahren 1929/30 keineswegs für abwegig und hat Vorschläge zur Abwendung der Gefahr der “Depressionsfalle” gemacht, die von Oskar Lafontain sofort aufgegriffen wurden. Bei Anne Will wird der Kapitalismus im Allgemeinen inzwischen offen auf den Tisch gelegt und Marxs Konterfei in die Kamera gehalten. Ebenso in der MOPO, da Banken nun angeblich “enteignet” werden dürfen. Letztlich hat jetzt auch Frank-Walter Steinmeier ausgerufen: “Der Turbokapitalismus ist am Ende” – nachzulesen überall und z.B. in der Financial Times.
All das konnte ich einfach nicht mehr unkommentiert lassen. Allerdings frage ich mich dabei stets, wie lange es wohl dauern wird, bis man auch das Ende des neoliberalen Umbaus des Bildungssystems ausruft. Immerhin haben wir einen Versatz – so kann man argumentieren – von ca. 30 Jahren zwischen der Anwendung neoliberaler Prinzipien in der Wirtschaftspolitik und jener in allen anderen Politikfeldern. Müssen wir nun im Bildungswesen 30 Jahre ausharren bis auch hier die Krise ausbricht und das Ende der Turbobildung als gescheitert erklärt wird …?? Und was kann man auf diese Beschwörungen des Endes eigentlich geben? Was kommt nach dem Ende?
letzte Woche hat Jürgen Habermas vor dem Hintergrund der jüngsten Wirtschaftskrise und dem sich abzeichnenden Wahlsieg von Barack Obama in einem Interview in der Zeit das – damit nun auch offizielle – Ende des Neoliberalismus verkündet. Unter dem Titel “Nach dem Bankrott” sieht er den “Privatisierungswahn” an sein Ende gekommen: Nicht der Markt, sondern die Politik sei für das Gemeinwohl zuständig.
In der selben Ausgabe der Zeit wird dann auch Keynes als “Retter des Kapitalismus” erkohren und den Bänkern ein Fehlen an Wissen und Moral attestiert, das mit ihrer mangelhaften – zu sehr an den unmittelbaren Praxisanforderungen orientierten und dennoch zu abstrakten – Ausbildung zu erklären sei.
Wirklich neu ist das alles nicht – z.B. bereits 2004 nachzulesen bei Burchardt, Hans-Jürgen: Zeitenwende. Politik nach dem Neoliberalismus (hier allerdings eher bezogen auf makroökonomische Steuerung insbesondere in Latein- und Südamerika); den Kollaps der Modernisierung hatte im Übrigen Robert Kurz bereits Anfang der 90er direkt nach und als Folges des Zusammenbruchs des Realsozialismus prophezeit (das beschert ihm nun eine gewisse Konjunktur im Zeichen der Krise); und im Grunde wusste es ja schon Marx; wobei mal wohl den Neoliberalismus als Reaktion auf die letzte Krise interpretieren muss, nämlich die von 1929 – also neu ist das alles nicht und deshalb ist meine These an dieser Stelle stets die:
Es hat über 30 Jahre – und wenn man gar auf die ersten Ideen zurückgeht, über 70 Jahre – gedauert, bis sich eine neoliberale Rationalität global und in allen Lebensbereichen Geltung verschaffen konnte. Foucault sprach bereits Ende der 70er Jahre in seinen Vorlesungen davon, dass der Neoliberalismus etwas sei, was uns noch lange beschäftigen werde. Und bekanntlich haben z.B. Milton Friedmans Chicago Boys bereits in den 70ern in Pinochets Chile mit entsprechenden Reformen – nicht zuletzt im Bildungsbereich – begonnen. Bis also der “Privatisierungswahn” und insbesondere die Ökonomisierung – sprich die Subsumtion allen Denkens und Handelns unter eine ökonomische, unternehmerische, manageriale und marketingförmige Logik – ihren vorläufigen gegenwärtigen Höhepunkt erreicht haben, sind einige Dekaden verstrichen. Deshalb fürchte ich, es wird weitere 30 oder 70 Jahre und weitere Krisenerscheinungen brauchen, bis eine “Politik danach” etabliert ist und gar den Bildungsbereich erreicht hat (vgl. hierzu z.B. meinen letzten Eintrag.) Aber ich kann mich ja täuschen …
Bemerkenswert an dem Zeit-Interview mit Habermas ist auch das beigestellte Bild, das aus dem aktuellen Film von Erwin Wagenhofer stammt: Let’s make Money!
“Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und die Financial Times Deutschland haben Dieter Lenzen, Präsident der FU Berlin, zum Hochschulmanager des Jahres gekürt. Ziel des in diesem Jahr erstmals vergebenen Preises ist es, Leiter deutscher Hochschulen auszuzeichnen, die besonders weitreichende Reformen vorangetrieben und si
ch durch ein professionelles Management auszeichnen.” FTD.de, 14.11.2008
Neulich in der Financial Times
“Das Unternehmen bestellt, die Hochschule liefert gegen Bezahlung: Immer mehr Bachelorstudiengänge werden auf die Bedürfnisse einzelner Firmen zugeschnitten. Davon profitieren beide Seiten. [...]
Immer mehr Unternehmen suchen passgenau ausgebildete Mitarbeiter und versuchen, über Bildungsangebote ihr Image zu verbessern. Die Zahl der Studiengänge auf Bestellung steigt. Besonders private Hochschulen, die ohne staatliche Zuschüsse kostendeckend arbeiten müssen, sind aufgeschlossen für Kooperationen mit Unternehmen.
So bietet die Internationale Berufsakademie an ihren sieben Standorten bundesweit ausschließlich Studiengänge an, die von Firmen nachgefragt werden. Für McDonald’s richtete die Akademie einen Bachelor in Hotel- und Tourismusmanagement ein. Die Erstsemester binden sich bereits vor Studienbeginn vertraglich an ihren Arbeitgeber. Nur so lohnt sich für das Unternehmen die Investition in die monatlichen Studiengebühren – für die McDonald’s-Studenten sind es 515 Euro pro Kopf.”
“Wahre Bildung … macht reich, zufrieden und glücklich,
sie ist ein Schatz, der, einmal erworben,
nicht verloren gehen noch an Wert verlieren kann,
denn er hat keinen Marktwert.
Ich bin mir zwar nicht sicher, ob Bildung wirklich glücklich macht, aber dennoch fand ich das Zitat sehr erbaulich …
Zu finden in der Enzyklopädie von REIN – das behauptet zumindest Volker Bank in Bank, Volker (Hrsg.) (2005): Vom Wert der Bildung. Haupt Verlag, Bern/Stuttgart/Wien, S.7