mal was in eigener Sache …

Meyer, Torsten; Münte-Goussar, Stephan; Kerstin Mayrberger et al. (2011):
Kontrolle und Selbstkontrolle. Zur Ambivalenz von ePortfolios in Bildungsprozessen

Wiesbaden, VS-Verlag

Augmented Portfolio

… ganz hübsch wie ich meine und gar nicht so abstrus … zudem passend zum Thema Portfolio! siehe auch: CityU ePortfolio: Have you got your ePortfolio created?

augmented reality

… mal wieder was zum Portfolio

Karikatur

… klare Worte

gefunden unter: http://www.oeportfolio.at/1281433.1:

“E-Portfolios fördern die Karriereentwicklung und das Kompetenzmanagement im Unternehmen. Christoph Raber – Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit * * * … mit Hilfe der digitalen Identitäten der MitarbeiterInnen mehr Überblick über das Humankapital des Unternehmens. Friedrich Ortlieb – bit media * * * (…) E-Portfolios ermöglichen die Dokumentation der persönlichen Erwerbs- und Bildungsbiografie und unterstützen die aktive Karriere- und Entwicklungsplanung der MitarbeiterInnen. Yuri Goldfuss – Microsoft Education * * * E-Portfolios machen uns die Möglichkeiten des Mitarbeiters und damit des Unternehmens bewusst. Sie machen das wesentlichste Element, das Human Capital, sichtbar, auf dem wir alle unsere gemeinsame Zukunft aufbauen können. Franz Ritter – Schweifer &Partne”

sorting, counting, ranking, marking

Nun ist auch endlich das bereits erwähnte Buch von Ramón Reichert erschienen. Gelesen habe ich es noch immer nicht. Es gab beim Verlag aber schon eine Leseprobe der Einleitung. Dort kann man u.a. diese – m.E. durchaus treffenden – Zeilen lesen:

“Als ›Freiheitstechnologie‹ ermöglicht die soziale Software Designkonzepte freiheitlicher Lebensformen und Lebensstile und versucht, ihre Protagonisten möglichst effektiv und effizient anzusprechen. Unter der Beibehaltung der Illusion der Selbsterschaffung soll auf jeden einzelnen ein indirekter Zwang ausgeübt werden, sich zu den eigenen Fähigkeiten, Begabungen und Fertigkeiten zu bekennen und sich beraten, belehren und evaluieren zu lassen. Normative Bildungsanforderungen wie das lebenslange Lernen mit Hilfe digitaler Lernjournale im eLearning, das Erlernen der Selbstreflexion und Selbststeuerung in Lerntagebüchern und multimedialen Tagebüchern, das regelmäßige Update persönlicher ePortfolios, die Selbstevaluierung in Kompetenzrastern und Credit-Point-Systemen und die Ego-Taktiken der Virtuosen der Biografiearbeit haben dazu geführt, dass die Rechtfertigungssysteme kapitalistischer Diskurse die Freiheitsdiskurse mehr oder weniger absorbieren (vgl. Kap. 3.8, 3.9 und 3.10).
Die vormals alternativen Begriffe der Kulturrevolution wie Autonomie, Kreativität und Authentizität, die sich einst gegen die Leistungsgesellschaft richteten, bezeichnen heute Alleinstellungsmerkmale der Leistungseliten. Sich selbst als aktiv, unabhängig, kreativ und individualistisch zu verstehen ist heute Commonsense geworden. Der Commonsense ist ein Produkt der kulturellen Hegemonie und verwandelt Prozeduren der Fremdführung in Identitätsentwürfe der Selbstführung.” (S.20)

Die Absorbtion der Diskurse der Freiheit durch jene der kulturellen Hegemonie verortet Reichert im Übrigen nicht zuletzt auch in der technischen Struktur der web 2.0 Anwendungen selbst (die trotzdem immer von kulturellen Wissensformen und Praktiken durchzogen und gerahmt wird) – nicht zuletzt in den Prozeduren des “sorting, counting, ranking, marking” (S.8)

… Teil eines neoliberalen Programmes!

Quasi als Nachtrag zu meinem letzten Eintrag, ist¬† noch zu vermerken, dass Thomas Häcker schon vor einigen Jahren in seiner Habil (Portfolio: ein Entwicklungsinstrument für selbstbestimmtes Lernen,¬† Schneider, Hohengehren 2007) gleich auf der ersten Seite der Einleitung folgendes geschrieben hat, womit er im Grunde die leitende Frage der gesamten Arbeit benennt:

Angesichts der Zielstellung der Portfolioarbeit, die Selbststeuerung im Lernen zu fördern, ist zu fragen, ob bzw. in wie weit sie Teil eines neoliberalen Programmes in der Pädagogik ist, das unter der Etikette der Stärkung der Eigenverantwortung die Rückdelegation der Verantwortung für Erfolg und Misserfolg an die Lernenden betreibt.

(e)Portfolio: Neoliberale Führungspraxis oder … was?

Mal etwas zum Thema (e)Portfolio: Ein Thema, zu dem ich mich ja zum einen bemühe eine Diss zu verfassen, was zum anderen auch im Rahmen der Organisationsentwicklung unserer Fakultät eine gewisse – wenn auch noch recht verhaltene – Aufmerksamkeit auf sich zieht, etwa im Rahmen des Projektes ePUSH (im Rahmen dessen es eine extra eingerichtete Arbeitsgruppe ePortfolio gibt).
In dem Zusammenhang ist mir in jedem Fall eine kleine Vortragsankündigung in die Hände gefallen, die ich sehr anregend fand. Thomas Häcker hat den Vortrag in diesem Rahmen an der Uni Tübingen zwar schon gehalten, aber vielleicht wird der ja beizeiten veröffentlicht:

‚ÄûNeoliberale Führungspraxis oder kooperative Lernprozesseinschätzung? Portfolioarbeit im Spannungsfeld zwischen (Selbst-) Steuerung und Selbstbestimmung«

Das Portfolio ist ein Medium, das – dem bildungspolitischen Klima der Zeit entsprechend – auf die Rückdelegation der Verantwortung für das Lernen an die Lernenden setzt. Die damit verbundene Reformsemantik der Eigenständigkeit und Selbstverantwortlichkeit im Lernen ist jedoch fragwürdig, wenn sie die Lernenden und Lehrenden dem Leitbild des Unternehmers / der Unternehmerin entsprechend konzeptualisiert.”

Mir scheint, dass die eher schulpädagogische Debatte um das Portfolio, innerhalb derer Thomas Häcker sicherlich als einer der Wortführer gelten kann, eine etwas andere Ausrichtung nimmt, als dies momentan in der Portfoliodiskussion innerhalb der Hochschule der Fall ist.


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