Phorms erhält ein “B”-Rating – Witten entlässt Mitarbeiter
Die Financial Time erfreut heute mit zwei Nachrichten, die uns einen Vorgeschmack auf das geben, was demnächst unser Bildungssystem sein und ausmachen wird, wenn die Reformen erst mal auch in den (noch) staatlichen Bildungseinrichtungen so richtig greifen …
“Als erster deutscher Bildungsanbieter hat sich die Privatschulkette Phorms einem Rating unterzogen. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s vergab die Klassifizierung “B”.
(…) Positiv gewertet wurden das professionelle Management und das bilinguale Ganztagskonzept fĂĽr die Schulen.
“Wir glauben, dass sich die Nachfrage sehr dynamisch entwickeln wird”, sagt S&P-Analyst Michael Teig. Dadurch wĂĽrden die Einnahmen aus SchulgebĂĽhren und staatlichen Subventionen steigen.
(…) “Wir sehen durch das Rating unser Geschäftsmodell komplett bestätigt”, sagte Phorms-Finanzvorstand Johannes Nagel der FTD.
FĂĽr den Privatschulbetreiber ist diese PrĂĽfung wichtig, weil Phorms eine Kapitalerhöhung anstrebt und durch das Rating um mehr private Investoren werben kann. Langfristig will sich die Berliner Firma auch fĂĽr institutionelle Anleger öffnen.” (mehr lesen … – mehr zu Phorms)
Und in der gleichen Ausgabe heiĂźt es ĂĽber die Privatuni Witten-Herdecke:
“Die im vergangenen Jahr knapp der Insolvenz entkommene Privatuniversität Witten-Herdecke spart weiter: 29 ihrer knapp 400 Mitarbeiter werden entlassen.
Betroffen sind vor allem Sekretärinnen, Sachbearbeiter und medizinische Assistenten, jedoch auch drei wissenschaftliche Mitarbeiter, die am Institut fĂĽr Corporate Governance beschäftigt sind. Der Lehrstuhl wurde vom insolventen Arcandor-Konzern finanziert.(…) Trotz der Entlassungen will die Uni in den nächsten fĂĽnf Jahren 500 zusätzliche Studienplätze schaffen (…)
DafĂĽr sollen jedoch keine neuen Lehrkräfte eingestellt werden, sagte GeschäftsfĂĽhrer Michael Anders der FTD. “Wir haben derzeit mehr Professoren, als wir brauchen.” Dennoch werde sich das Betreuungsverhältnis “leicht verschlechtern”, räumte er ein.” (mehr lesen …)
Zur Erinnerung: Rating-Agenturen waren diejenigen Einrichtungen, die uns doch sehr lange haben weiĂź machen wollten, dass jene Wertpapiere, die nun auf Kosten der Steuerzahler wie GiftmĂĽll in irgendwelchen Bad Banks entsorgt werden, völlig sicher und unbedenklich sind … Im August 2007 – also zu einem Zeitpunkt als sich die Krise so langsam abzeichnete – konnte man bei spiegel online unter dem Titel “Die böse Macht der Krisen-Katalysatoren“ folgendes lesen:
“Der “New York Times”-Kolumnist Thomas Friedman schrieb schon vor etwa einem Jahrzehnt, seiner Meinung nach gebe es heute zwei Supermächte. Erstens die Vereinigten Staaten von Amerika, zweitens die Rating-Agentur Moody’s. “Und glauben Sie mir, es ist keinesfalls sicher, wer der Mächtigere von beiden ist.” Moody’s ist neben Standard & Poor’s und Fitch Publishing Company eine der drei GroĂźen der Branche.
Die US-Immobilienkrise hat viel mit unĂĽberlegtem Handeln, Hoffen auf das schnelle Geld, Ausnutzen guter Gelegenheit zu tun. Jahrelang fachte die US-Notenbank mit ihrer Niedrigzinspolitik den Häuserboom in den USA an: Banken vergaben massenhaft Kredite an Menschen, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten, und verkauften die Kredite weiter an Investoren, die diese in ihr Portfolio aufnahmen. Das Risiko lag damit nicht mehr bei den Kreditgebern, sondern am Kapitalmarkt. Die Rating-Agenturen bewerteten die entsprechenden Fonds zu lange zu gut – und stuften sie innerhalb weniger Tage zurĂĽck, als längst klar war, dass viele Kredite nicht zurĂĽckgezahlt werden wĂĽrden. Panikartig zogen Investoren ihr Geld aus den Fonds. Plötzlich war die Krise da.”


