Was du auch machst – Mach es nicht selbst

Markus Schwarzer hat mich dankenswerterweise darauf aufmerksam gemacht, dass sich auf dem neusten Album von Tocotronic sowas wie ein Kommentar auf das Social Web und die Digitale Boheme (siehe “Marke: Eigenbau“) zu finden ist. Tocotronic textet:

Was du auch machst
Mach es nicht selbst
Auch wenn du dir
Darin gefällst
Wer zuviel selber macht
Der macht sich krumm
(Ausgenommen
Selbstauslöschung)

(http://www.3min.de/Video/Musik/Tocotronic/Macht-es-nicht-selbst)

Schön ist auch ein weiterer Song des Albums, wenn sie sich quasi selbst antworten und vorschlagen:

Im Zweifel für Ziellosigkeit
Ihr Menschen, hört mich rufen!
Im Zweifel für Zerwürfnisse
Und für die Zwischenstufen

Im Zweifel für den Zweifel
Das Zaudern und den Zorn
Im Zweifel fürs Zerreißen
Der eigenen Uniform

Für die Freiheit des Subjekts!!

Kommentar eines Studenten nach einer Seminarsitzung am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Uni Hamburg:

Für die Freiheit des Subjekts!!

Für mich hat sich in den letzten Seminarsitzungen gezeigt, dass viele Studierende immer noch in einem pubertären Dagegen-sein Gutmensch-Gehabe stecken, und ideologieverblendet die reale Freiheit der Menschen einfach nicht sehen können. Diese „Linke« Nörgelei geht mir so langsam auf die Nerven. Ich bin für mehr pragmatisches Denken anstatt ewiges kritische-Theorie-Gelaber. Wir alle sollten uns ein Beispiel an Florian Lucke nehmen, der in sein Zukunftspotential investieren lässt und sich selbst als Wertanlage verkauf. (siehe „STUDENTEN-AKTIE – Kauf mich, ich mach Dich reich!«)

Insbesondere wir am Fachbereich Erziehungswissenschaft sollten mehr an die positive Zukunft unserer pädagogisierten Subjekte denken. Und warum soll man nicht, wie bei den PHORMS Schulen Lehrerinnen als eine Zukunftsmanagerin sehen, die Kompetenzen fördert, damit sich bei den Schülerinnen eine eigenverantwortliche und autonome Unternehmerpersönlichkeit bilden kann?

Wir müssen uns von der Lethargie der Vergangenheit befreien und endlich selbständig werden. Die uns vom Staat auferlege kollektive Regulierung von Arbeit, führt im Gegensatz zur autonomen und selbstbestimmten Regulierung, zu einem passiven, sicherheitsorientieren und¬† unselbständigen Subjekt, welches ein nur mangelndes Vertrauen in die eigenen Karrierechancen hat. Die Zukunft ist Anders, und ein mentales festklammern am Modell der Beruflichkeit und der Normalarbeit ist einfach innovationshemmend.
Außerdem bietet die selbstverwirklichte Leistungsoptimierung unheimlich viel Spaß und führt zu einer „Befreiung (…) aus hemmenden traditionellen Bindungen und bevormundenden gesellschaftlichen Institutionen« (vgl. “Arbeitskraftunternehmer” – Leitbild der neoliberalen Arbeitsgesellschaft?)

Gott (bzw. der unsichtbaren Hand von Adam Smith) sei dank, hat sich diese an der Freiheit des Mensch orientierte Glaube, an den Hochschulen (fast) durchgesetzt. „Die derzeitige, sich teils in Planung und teils bereits in Durchführung begriffene Umstrukturierung der Universitäten unterscheidet sich von früheren Reformversuchen durch die Radikalität der Veränderung. Und zwar dadurch, daß das gesamte Verhältnis von Staat, Gesellschaft und Universität sowie die Rolle von Wissenschaft und Bildung fundamental neu definiert werden.« (Hauke Ritz: Bewusstseinsdesign im Namen der Exzellenz – Wie man durch die Umstrukturierung der Universitäten das gesellschaftspolitische Bewusstsein der nächsten Generationen plant.)

Privatschule für alle!

Die Phorms Management AG ist als privater Träger von Ersatzschulen seit kurzem am Bildungsmarkt aktiv (siehe wikiPedia: Phorms). PHORMS Berlin Mitte, die erste Schulgründung, startete im Sommer 2006 mit einer Grundschule und läuft seither mit großem Erfolg. Im August 2007 hat in Berlin das erste PHORMS-Gymnasium den Unterricht aufgenommen. Auch in München, Köln und Frankfurt haben im Herbst 2007 weitere¬† PHORMS-Schulen eröffnet. 2008 wurde an neuen Schulstandorten in Hamburg, Hannover sowie in Berlins Süden gearbeiet. Die Schule in Hamburg hat ihren Betrieb im Sommer diesen Jahres aufgenommen (siehe: http://www.hamburg.phorms.de).

Die Financial Times berichtete jüngst unter dem Titel “Privatschule für alle“, dass Phorms nun auch staatliche Schulen im Management unterstützt. Dazu heißt es u.a.:

“Die neue Firmentochter Rephorms soll ‘Strategien und Mechanismen der Marktwirtschaft im öffentlichen Sektor anwenden [...] Phorms will aber nicht nur Heizungen warten, sondern auch bei Unterrichtsinhalten und Personalführung mitreden.”

Eines der fünf Leitthemen aller Phorms-Schulen ist die optimischtische Unternehmerische Persönlichkeit. (siehe hierzu den “Phorms-Minifilm“)

Im Rahmen einer Veranstaltung an der Uni Rosstock gibt Bea Beste, eine der GründerInnen der Phorms AG, ein Beispiel davon, was eine Unternehmerische Persönlichkeit sei, indem sie insbesondere von sich selbst als Schul-Unternehmerin spricht (siehe: “Unternehmerpersönlichkeit“). An erster Stelle verkörpere eine solche Persönlichkeit einen “unerschütterlichen Optimismus” der jeglicher “Bedenkenträgerei” entgegengestellt sei.

Dr. Alexander Olek, “Entrepreneur des Jahres” 2001 und ein weiterer Gründer von Phorms, hat sich vor seinem Engagement im privaten Schulbereich als Unternehmensgründer eines Vertriebs von Gendiagnostik-Verfahren zur Früherkennung von Krebs verdient gemacht, bevor er das Unternehmen dann nach dessen Börsengang und nachfolgenden hohen Wertverlusten nach zwei Jahren 2006 verlassen hat. Weiteres hierzu ist z.B. hier, hier und hier nachzulesen.


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