mal was in eigener Sache …
Meyer, Torsten; Münte-Goussar, Stephan; Kerstin Mayrberger et al. (2011):
Kontrolle und Selbstkontrolle. Zur Ambivalenz von ePortfolios in Bildungsprozessen
Wiesbaden, VS-Verlag
Digital Natives …
Rolf Schulmeister hatte es ja schon seit längerem gewusst (siehe Gibt es eine »Net Generation«? – Version 2.0). Auch die Kollegen vom Hans-Bredow-Institut haben es vor Kurzem herausgefunden (siehe Heranwachsen mit dem Social Web). Inzwischen schreibt es sogar der Spiegel: Die Netzgeneration gibt es gar nicht – vielmehr nur eine Generation Null Blog:
Dabei schwärmen Experten seit Jahren von einer technikbeseelten Jugend neuen Typs: mobil, vernetzt und chronisch ungeduldig, verwöhnt von der Überfülle der Reize im Internet. Ihr Leben verbringe sie in steter Symbiose mit Computern und Mobiltelefonen; die Netztechnik sei ihr quasi schon ins Erbgut übergegangen. Die Medien nennen sie deshalb “Cyberkids”, “Generation @” oder schlicht die “Netzgeneration”.
Zu den vielzitierten Wortführern der Bewegung gehören der US-Autor Marc Prensky, 64, und sein kanadischer Kollege Don Tapscott, 62. Prensky hat sich das Bild von den “Digital Natives” ausgedacht, den Eingeborenen von Digitalien, traumwandlerisch vertraut mit allem, was das Internet möglich macht an Teilhabe und Selbstinszenierung – und den Älteren in diesen Dingen uneinholbar voraus. Wer über 25 ist, zählt bei Prensky zu den “Digital Immigrants”, den Zugezogenen, die sich durch ihre Unbeholfenheit verraten wie sonst die Migranten mit ihren ulkigen Akzenten.
Eine kleine Industrie von Autoren, Beratern und findigen Therapeuten lebt von der immer gleichen Botschaft: Die Jugend sei durch und durch geformt von dem Online-Medium, in dem sie groß geworden ist. Speziell die Schule müsse ihr deshalb ganz neue Angebote machen; der herkömmliche Unterricht erreiche diese Jugend gar nicht mehr.
Belege dafür gibt es kaum. Statt auf Studien stützen die Visionäre sich vor allem auf eindrucksvolle Einzelbeispiele jugendlicher Netzvirtuosen. Für die ganze Generation besagt das freilich wenig, wie die Forschung inzwischen weiß [...]. Ihre Befunde lassen vom Bild der “Netzgeneration” wenig übrig [...]
Der Marke “Netzgeneration” dürfte das freilich nicht schaden. “Das ist so eine naheliegende, billige Metapher”, sagt Schulmeister, “die kommt einfach immer wieder hoch.”
Im Übrigen stimmt es nicht, dass sich Marc Prensky das Bild von den “Digital Natives” ausgedacht hat. Diese Metapher findet sich schon in dem Klassiker von John Perry Barlow aus dem Jahr 1996 – nämlich in der “Declaration of the Independence of Cyberspace”. Dort heißt es:
You are terrified of your own children, since they are natives in a world where you will always be immigrants. Because you fear them, you entrust your bureaucracies with the parental responsibilities you are too cowardly to confront yourselves. In our world, all the sentiments and expressions of humanity, from the debasing to the angelic, are parts of a seamless whole, the global conversation of bits. We cannot separate the air that chokes from the air upon which wings beat.
(In der Übersetzung von Stefan Münker:
Ihr erschreckt Euch vor Euren eigenen Kindern, weil sie Eingeborene einer Welt sind, in der Ihr stets Einwanderer bleiben werdet. Weil Ihr sie fürchtet, übertragt Ihr auf Eure Bürokratien die elterliche Verantwortung, die Ihr zu feige seid, selber auszüben. In unserer Welt sind alle Gefühle und Ausdrucksformen der Humanität Teile einer umfassenden und weltumspannenden Konversation der Bits. Wir können die Luft, die uns erstickt, von der nicht trennen, die unsere Flügel emporhebt.)
Endlich: Sinnvoller Einsatz von Social Software!
Das ist doch mal eine innovative Idee für den kreativen Gebrauch von Social Software …
In Social Networks gilt es als normal und erwünscht, alles mögliche preiszugeben. Wie bescheuert das ist, macht die niederländische Webseite PleaseRobMe klar – indem sie Twitter dazu nutzt, Einbrecher auf aktuell unbeaufsichtigte Wohnungen aufmerksam zu machen. Ein toller Service.
“11 Uhr. Muss jetzt in den Flieger.” So liest sich das, wenn ein Twitter-Süchtiger die Welt an den Wasserstandsmeldungen seines Lebens teilhaben lässt: Alles vom Fernflug bis zur Flatulenz wird treulich protokolliert. Mitunter ist das weniger belanglos, als man im ersten Moment glaubt. Denn selbst Kommunikations- Koprolithen wie “Bin im Cafe. Lecker” oder “Noch sieben Stunden. Hab ich die Katze rausgelassen?” könnten für bestimmte Berufsgruppen relevant sein.
weiterlesen unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,678934,00.html
Was du auch machst – Mach es nicht selbst
Markus Schwarzer hat mich dankenswerterweise darauf aufmerksam gemacht, dass sich auf dem neusten Album von Tocotronic sowas wie ein Kommentar auf das Social Web und die Digitale Boheme (siehe “Marke: Eigenbau“) zu finden ist. Tocotronic textet:
Was du auch machst
Mach es nicht selbst
Auch wenn du dir
Darin gefällst
Wer zuviel selber macht
Der macht sich krumm
(Ausgenommen
Selbstauslöschung)
(http://www.3min.de/Video/Musik/Tocotronic/Macht-es-nicht-selbst)
Schön ist auch ein weiterer Song des Albums, wenn sie sich quasi selbst antworten und vorschlagen:
Im Zweifel für Ziellosigkeit
Ihr Menschen, hört mich rufen!
Im Zweifel für Zerwürfnisse
Und für die ZwischenstufenIm Zweifel für den Zweifel
Das Zaudern und den Zorn
Im Zweifel fürs Zerreißen
Der eigenen Uniform
Augmented Portfolio
… ganz hübsch wie ich meine und gar nicht so abstrus … zudem passend zum Thema Portfolio! siehe auch: CityU ePortfolio: Have you got your ePortfolio created?
Nachricht aus dem Audimax
Ich erhielt gerade folgende Nachricht aus dem Audimax Hamburg:
Hallo!
Das Audimax der Uni Hamburg wurde von Studierenden besetzt. Damit wird sich zum einen eingereiht in eine europaweite Protestwelle gegen die Studienbedingungen und den Bologna-Prozess. Inzwischen sind an über 30 Universitäten aus diesem Grunde Räumlichkeiten besetzt. Zum anderen geht es auch um hamburg-spezifische Themen wie die mögliche Nachfolge für Auweter-Kurtz.
Informationen finden sich auf der Homepage der Besetzung (http://hamburgbrennt.blogspot.com/) und bei twitter.com mit Hilfe des Hashtags #hamburgbrennt. Außerdem gibt es aktuelle einen Video-Livestream aus dem Audimax unter http://www.ustream.tv/channel/uni-hamburg.Bald brennt vielleicht die gnaze Welt – aber dieses Feuer kein zerstörerisches
Schwarm-Intelligenz?
Spiegel-online berichtete neulich über eine etwas andere Variante der “Weisheit der Vielen” als sie den Vordenkern der “Smart Mobs” wohl vorschwebt. Meines Erachtens bemerkenswert:
“Großbritannien
Unternehmer macht Netznutzer zu Hobby-ÜberwachernVon Christian Stöcker
In Großbritannien soll jeder Big Brother spielen können. Eine Firma will die Bilder der Millionen Überwachungskameras im Königreich online stellen – wer ein Verbrechen entdeckt, soll es per Mausklick melden. Der erfolgreichste Späher bekommt am Monatsende 1000 Pfund. Datenschützer sind empört.
London – Großbritannien ist Weltmarktführer in Sachen Videoüberwachung. Im Schnitt kommt auf jeweils 14 Briten eine Überwachungskamera, 4,2 Millionen davon gibt es insgesamt im Land. Nun will ein Unternehmen namens Internet Eyes möglichst viele davon vernetzen – und die Bilder von Internetnutzern auswerten lassen.
Wer dort ein Verbrechen erspäht, soll es melden können, etwa an den zuständigen Kaufhausdetektiv. Wer oft genug erfolgreich zusieht, soll Geld gewinnen können – 1000 britische Pfund, jeden Monat. Besitzer von Ladengeschäften oder anderen Privateinrichtungen mit Überwachungskameras, sollen im Gegenzug 20 Pfund im Monat bezahlen, damit ihre Bilder bei Internet Eyes zu sehen sind.Internet-Eyes-Chef Tony Morgan setzt auf die “voyeuristischen Tendenzen” der Menschen: “Wie viele Leute sehen sich Big Brother sogar dann noch an, wenn die Lichter aus sind und nichts mehr passiert?”, fragt Morgan rhetorisch und fügt hinzu: “Internet Eyes wird stattdessen ein Programm bieten, das interessant ist.” Worüber sich streiten ließe – so viele spannende Dinge dürften vor den vielen Überwachungskameras kaum passieren. Ab November soll Internet Eyes zunächst in einer einzigen britischen Stadt getestet werden – in Shakespeares Heimat Stratford-upon-Avon.”
weiterlesen unter: Spiegel-online
The Masterplan
siehe: http://masterplanthemovie.com/
… zugegeben schon etwas älter, aber nicht ganz schlecht. Gerade das Ende ist so paranoid nicht, wenn man weiß, dass 23andMe mit Googles Geld und von Anne Wojcicki, der Ehefrau von Google-Pionier Sergey Brin, gegründet wurde und das erklärte Ziel verfolgt, langfristig “98% der Weltbevölkerung genetisch zu kartografieren”.
vgl. auch Welt-online: Experten warnen vor neuen Internet-Gentests
Interessant in diesem Zusammenhang ist vielleicht auch das, was ich gerade in dem auffallend kurzen wikipedia-Eintrag zu Sergey Brin lese: “Laut eigener Aussage hat er eine Veranlagung zur Parkinson-Krankheit, die durch eine Mutation am LRRK2-Gen ausgelöst wird, welche bei ihm vorhanden ist.”
Das Internet als Klassengesellschaft
“MySpace für Doofe, Facebook für Akademiker, Xing fürs Geschäft? Die Web-Communities von heute sind längst keine klassenlosen Räume mehr, in denen alle auf Augenhöhe kommunizieren. Die Netzgesellschaft differenziert sich rasant aus – bis hin zum persönlichen Suchmaschinenmarketing.
‘Die höheren Kasten der High School sind zu Facebook umgezogen. Das war zivilisierter, und weniger kitschig. Die niedrigeren Klassen waren üblicherweise zufrieden, bei MySpace zu bleiben.’
[...]
Der erste Google-Eindruck zählt
Die gute alte Homepage kommt zurück, könnte man also sagen. Digitale Selbstdarstellung, die Kontrolle über den ersten Google-Eindruck wird täglich wichtiger, gerade für Freiberufler oder Menschen auf der Suche nach einem neuen Job.
Genau auf diesen Markt zielt auch das deutsche Angebot MyOnID: Es ist eine Mischung aus Business-Community, Webseiten-Baukasten – und persönlicher Google-Manipulation. Die Betreiber versprechen ihren Kunden, durch Suchmaschinenoptimierung dabei zu helfen, dass das säuberlich gepflegte Profil bei einer Google-Suche auch schön weit oben landet.
Gegen eine Extra-Gebühr kann man sich von MyOnID sogar zum beworbenen Produkt machen lassen: Für sechs Euro pro Monat kaufen die Betreiber auch Suchmaschinenanzeigen, die dann bei Google in der rechten Spalte neben den Ergebnissen auftauchen, wenn jemand nach dem Namen des Kunden sucht – wie sonst die Verweise auf Webshops, Ebay und Co. [...] Die Betreiber sprechen denn auch von “Personal Branding”: “Hier stellen sich Nutzer als Marke dar.”Wer zahlt, das ist die Botschaft, bekommt dafür Kontrolle über das, was man im Netz über ihn findet. Mit Geld gegen den großen Gleichmacher Google.”
unbedingt weiterlesen bei Spiegel online - sehr lesenswert !!!









