Das also ist die digitale Boh√¼me …

Den zugehörigen Spot gibt’s unter YouTube, einen – wie ich meine – ganz passenden Kommentar hier; die ersten KurseinbrĂŒche der Ich-Aktie Lobo kann man hier einsehen – zumindest wenn man auf die Idee der “WĂ€hrung Respekt” – laut Lobo u.a. das Zahlungsmittel des web 2.0 – auch nur einen Heller gibt.

David Bowie fand ich irgendwie geiler …

Die Tage von MySpace sind gezÀhlt

“Auf die anhaltenden EinbrĂŒche bei den Besucherzahlen folgt eine Entlassungswelle: MySpace hat fast alle wichtigen Trends im Social Web verschlafen und wenig Möglichkeiten, die AbwĂ€rtsspirale zu stoppen.
Wir werden gerade Zeuge eines im globalen Kontext bisher einmaligen Ereignisses: der Niedergang eines sozialen Netzwerkes, das noch vor zwei Jahren weltweit fĂŒhrend war. Die Rede ist natĂŒrlich von MySpace, dem zur News Corporation gehörenden Dienst, der gerade tiefgehende Personaleinschnitte verkĂŒnden mĂŒsste. So entlĂ€sst das Unternehmen rund 500 Angestellte in den USA und 300 in den 15 internationalen BĂŒros. Die Zahl der Mitarbeitenden außerhalb der USA sinkt deutlich von 450 auf 150.”

(siehe http://netzwertig.com/2009/06/24/niedergang-eines-social-networks-die-tage-von-myspace-sind-gezaehlt/)

Netz-Passwörter von Jobsuchenden

Gestern bei Spiegel online:

“Wer sich fĂŒr einen Job bei der Stadtverwaltung von Bozeman im US-Bundesstaat Montana bewirbt, sollte ein sehr offener Mensch sein. Bewerber mĂŒssen neben den ĂŒblichen Unterlagen auch ein Formular ausdrucken und unterschreiben, das es den Behörden dort erlaubt, sogenannte Background Checks durchzufĂŒhren – also sich etwa bei vorigen Arbeitgebern nach dem Bewerber zu erkunden. Eine Passage dieses Formulars erregt derzeit die GemĂŒter: “Bitte listen Sie hier alle gegenwĂ€rtigen persönlichen oder geschĂ€ftlich genutzten Websites oder Mitgliedschaften bei Internet-basierten Chatrooms, sozialen Clubs oder Foren auf, einschließlich, aber nicht beschrĂ€nkt auf: Facebook, Google, Yahoo, YouTube.com, MySpace, etc.”"

“‘New Edge’ tarnte in Wahrheit den Erfolg der Computer-Industrie als gesellschaftliche Revolution

Vielleicht noch ein Nachtrag zu meinem Nachtrag zur Ideologie. Andrian Kreye – Feuilletonist der SĂŒddeutschen – schrieb 2002 in seinem Beitrag mit dem Titel “Wenn wir surfen Seit— an Seit—” im Rahmen einer m.E. sehr lesenswerten Reihe zur Geschichte des Internet ebendort:

“Eigentlich sollte Schluss sein mit den Ideologien. Im Sommer 1989 verkuÃàndete der Politologe Francis Fukuyama in der Zeitschrift The National Interest das Ende der Geschichte und den Beginn des postideologischen Zeitalters. Zur selben Zeit aber formierten sich dreitausend Meilen westlich davon schon die Grundlagen einer neuen Ideologie. Was mit diesen Cyberpunks der WestkuÃàste begann, wurde von Theoretikern, Politikern und Unternehmern aufgenommen, die als Libertarier der Cyber-Öra fuÃàr die ultimative Freiheit kĂ€mpften. Mit liberaler Demokratie hatte das wenig zu tun. Mit Fukuyamas Forderung nach einem radikalen Optimismus umso mehr.
Im ausgehenden 20. Jahrhundert begriff man die neue Ideologie als Rebellion gegen bekannte Denkmuster und traditionelle Gesellschaftsformen, den Nationalstaat und sogar gegen die Begrenzungen der Geographie – ihr virtueller Mittelpunkt ist der dezentralisierte Cyberspace. Von Anfang an beharrten die neuen Ideologen darauf, keine Ideologie zu vertreten. Doch wenn man Ideologie als sĂ€kulares Dogma definiert, dann erfuÃàllten die Cyberpunks in San Francisco und Amsterdam die Kriterien als Ideologen genauso wie die Cybertarians im Silicon Valley oder Washington D.C.. Sie beanspruchten die Weisheit. Wer anders dachte, war noch nicht weit genug.”

Letztlich aber vielleicht noch ein Wort zur Ideologie. Ich mag den Begriff nicht. Er unterstellt eine wahre Wahrheit, die Möglichkeit der unabweisbaren Erkenntnis, dass etwas “in Wahheit” – wie Andrian Kreye im Untertitel formuliert; Kinder sagen gern “in echt” – so und nicht anders sei und die man haben könne, wenn man sich nur von den TĂ€uschungen – eben der Ideologie – befreit. Foucault schreibt dazu:

“Wichtig ist, so glaube ich, daß die Wahrheit weder außerhalb der Macht steht noch ohne Macht ist (trotz eines Mythos (…) ist die Wahrheit nicht die Belohnung fĂŒr freie Geister, das Kind einer langen Einsamkeit, das Privileg derer, die sich befreien konnten). Die Wahrheit ist von dieser Welt; in dieser wird sie aufgrund vielfĂ€ltiger ZwĂ€nge produziert, verfĂŒgt sie ĂŒber geregelte Machtwirkungen. Jede Gesellschaft hat ihre eigene Ordnung der Wahrheit, ihre ‘allgemeine Politik’ der Wahrheit (…); es gibt Mechanismen und Instanzen, die eine Unterscheidung von wahren und falschen Aussagen ermöglichen und den Modus festlegen, in dem die einen oder anderen sanktioniert werden. (…) Kurz, die politische Frage ist nicht der Irrtum, die Illusion, das entfremdede Bewußtsein oder die Ideologie, sie ist die Wahrheit selbst.” Foucault, Michel (1978): Dispositive der Macht. Berlin: Merve

Diese Frage nach der Wahrheit bedeutet dann eben, die Mechanismen und Instanzen zu untersuchen, die sie produzieren. Und wenn es Menschen gibt, die ihre Produktion als ideologiefrei bezeichnen, dann muss man eben auch wieder von Ideologien sprechen …

The Evolution of Google

Es gibt ein neues Filmchen, welches es in der Aufmerksamkeit zu etwas bringen könnte …

Krise in plain english

Man konnte in den letzten Jahren viele kleine Filmchen durch die Netze geistern sehen, die uns den Change in peppig aufgemachter Manier unter die Nase rieben, die Notwendigkeit nun schnell auf die VerĂ€nderungen durch die Informationstechnologie zu reagieren: Wir wurden gefragt, ob wir eigentlich wĂŒssten, dass … Did You know? und dann gleich noch Did You Know 2.0? und 3.0 usw. Unser Bildungssystem hĂ€tte versagt, weil es noch Vorlesungen abhĂ€lt, anstatt Videos anzubieten. Schulen seien anachronistisch, weil die nicht wahrhaben wollen, wieviel Stunden ihre Klientel tagtĂ€glich vor den Bildschirmen verbringt … Vieles von dem ist sicherlich nicht falsch, der erhobene Zeigefinger und der ungebrochene Glaube an die Virtualisierung aller Lebensbereiche, die allein Zukunft verspricht, aber m.E. etwas anstrengend.

Seit einigen Wochen gibt es nun ein Video in Ă€hnlicher Machart, dass eher in die Vergangenheit schaut (u.a. auf die Dot-Com-Blase), als in eine Zukunft, von der wir – im Gegensatz zu den technophilen VisionĂ€ren – angeblich nichts wissen. Vielleicht hat diese Vergangenheit viel mehr mit unserer Zukunft zu tun als jene Visionen … Mehr noch: Jene Visionen erscheinen (spĂ€testens inzwischen) eher wie eine Beschwörung, dass diese Vergangenheit niemals auch unsere Zukunft werden möge. Sie bestimmt in jedem Fall unsere Gegenwart …

sorting, counting, ranking, marking

Nun ist auch endlich das bereits erwĂ€hnte Buch von Ram√≄n Reichert erschienen. Gelesen habe ich es noch immer nicht. Es gab beim Verlag aber schon eine Leseprobe der Einleitung. Dort kann man u.a. diese – m.E. durchaus treffenden – Zeilen lesen:

“Als â€šĂ„âˆ«Freiheitstechnologieâ€šĂ„Ï€ ermöglicht die soziale Software Designkonzepte freiheitlicher Lebensformen und Lebensstile und versucht, ihre Protagonisten möglichst effektiv und effizient anzusprechen. Unter der Beibehaltung der Illusion der Selbsterschaffung soll auf jeden einzelnen ein indirekter Zwang ausgeĂŒbt werden, sich zu den eigenen FĂ€higkeiten, Begabungen und Fertigkeiten zu bekennen und sich beraten, belehren und evaluieren zu lassen. Normative Bildungsanforderungen wie das lebenslange Lernen mit Hilfe digitaler Lernjournale im eLearning, das Erlernen der Selbstreflexion und Selbststeuerung in LerntagebĂŒchern und multimedialen TagebĂŒchern, das regelmĂ€ĂŸige Update persönlicher ePortfolios, die Selbstevaluierung in Kompetenzrastern und Credit-Point-Systemen und die Ego-Taktiken der Virtuosen der Biografiearbeit haben dazu gefĂŒhrt, dass die Rechtfertigungssysteme kapitalistischer Diskurse die Freiheitsdiskurse mehr oder weniger absorbieren (vgl. Kap. 3.8, 3.9 und 3.10).
Die vormals alternativen Begriffe der Kulturrevolution wie Autonomie, KreativitĂ€t und AuthentizitĂ€t, die sich einst gegen die Leistungsgesellschaft richteten, bezeichnen heute Alleinstellungsmerkmale der Leistungseliten. Sich selbst als aktiv, unabhĂ€ngig, kreativ und individualistisch zu verstehen ist heute Commonsense geworden. Der Commonsense ist ein Produkt der kulturellen Hegemonie und verwandelt Prozeduren der FremdfĂŒhrung in IdentitĂ€tsentwĂŒrfe der SelbstfĂŒhrung.” (S.20)

Die Absorbtion der Diskurse der Freiheit durch jene der kulturellen Hegemonie verortet Reichert im Übrigen nicht zuletzt auch in der technischen Struktur der web 2.0 Anwendungen selbst (die trotzdem immer von kulturellen Wissensformen und Praktiken durchzogen und gerahmt wird) – nicht zuletzt in den Prozeduren des “sorting, counting, ranking, marking” (S.8)

Social Networking wichtiger als Sex …

Heute bei Spiegel-online:

“Erschreckend aber wahr: Porno spielt eine immer geringere Rolle im Internet. Zumindest, wenn es um Web-Suchen und Website-Traffic geht. Der neue Star am AmĂŒsierhimmel heißt “Social Networking”. Meint zumindest der “Web-Guru” und selbsternannte “Daten-Geek” Bill Tancer. [...] FĂŒr ihn ist der Bedeutungsverlust von Porno in den letzten Jahren die wichtigste VerĂ€nderung im Netz. Die Leute surfen um zehn Prozent weniger auf Pornoseiten, suchen 20 Prozent weniger per Suchmaschine nach Porno als noch vor zehn Jahren. An die Stelle von Porno seien soziale Netzwerke getreten.
Aber lĂ€sst sich aus dem Suchverhalten auf Suchseiten auch etwas ĂŒber das Leben eines Individuums, vielleicht sogar der ganzen Gesellschaft ableiten? Interessieren sich die Leute weniger fĂŒr Sex oder mĂŒssen sie einfach nicht mehr so lange danach suchen, weil sie lĂ€ngst ihre Lieblings-Sex-Website haben? [...] Die Leute seien ihrem Computer gegenĂŒber aufrichtig – und verrieten damit viel ĂŒber ihre Öngste und WĂŒnsche: Wenn zu Thanksgiving in den USA besonders viele Menschen depressive Episoden durchmachen, steigt auch im Netz die Zahl der Suchanfragen nach Antidepressiva und Rat”

Die vernetzte Schule

Mal wieder in der Financial Times:

Mit Computern und dem Unterrichtsfach “emotionale Intelligenz” will eine Schule in England zum Vorzeigeprojekt werden. Die Klassenzimmer sehen aus wie BĂŒros einer Werbeagentur, die SchĂŒler verabreden sich via Facebook.

Wen’s interessiert, hier selber lesen und in dem Zusammenhang vielleicht auch gleich dies: Kampf der kreischenden Kreide

… zwischen egalitĂ€rer Teilhabe und ökonomischer Vermachtung

Nur ein kurzer Hinweis. Dies scheint mir eine schöne Tagung zu werden:

“Seit einer Konferenz im Herbst 2004 wird der Begriff „Web 2.0« verwendet, um neue Nutzungsmöglichkeiten des Internets zu beschreiben, die sich weniger durch grundlegend andere Techniken als vielmehr durch dezentrale Anwendungen auszeichnen, die den „user generated content« in den Mittelpunkt stellen. Jeder Nutzer des Netzes wird gleichzeitig als potentieller Produzent von Inhalten angesehen. Bekannte Beispiele sind weblogs, Wikis oder Tauschbörsen. Damit entfernt sich das weltweite Netz noch weiter von den klassischen Massenmedien als es ohnehin in seiner interaktiven technischen Struktur angelegt ist. Der Begriff „Web 2.0« ist aber unscharf und verdeckt, dass auch diese neuen Formen der Generierung und Verbreitung von Inhalten in soziale, ökonomische und juristische Strukturen eingebunden sind, die dem Ideal der egalitĂ€ren Teilhabe aller Nutzer Grenzen setzen.”

Alles weitere hier: http://www.zmi.uni-giessen.de/veranstaltungen/event-dasinternet.html



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