Monatsarchiv für Februar 2013

 
 

Freitag, 15. Februar 2013

Ich habe mich heute im Matheunterrichten ausprobieren können. Den Tag habe ich nicht in einer Klasse, sondern mit einer Fachlehrerin verbracht und mir den Matheunterricht in der Grundschule angesehen. Zuerst waren wir zwei Stunden in der 2. Klasse, hier habe ich eine Spielezeit geleitet, in denen die Kinder verschiedene Mathespiele ausprobieren konnten. HierfĂŒr gab es eine Liste, in welcher sie die absolvierten Spiele anhaken und mit dem aktuellen Datum versehen sollten. Hiermit sollten die Kinder lernen, zu Dokumentieren.

Einige Beispiele der Mathespiele:

In der 4. und 5. Stunde habe ich den Geometrieunterricht in einer anderen 2. Klasse ĂŒbernommen und das Bauen von Figuren angeleitet. HierfĂŒr wurden auf WĂŒrfeln Figuren gebaut, die die SuS betrachten sollten. WĂ€hrend der Stunde war es Aufgabe der  Kinder, in 4er Gruppen zunĂ€chst einen Bauplan fĂŒr vorgegeben Figuren zu erstellen und anschließend eigene Figuren inklusive Bauanleitung zu erstellen, die dann unter den Gruppen getauscht und nachgebaut werden sollten.

Donnerstag, 14. Februar 2013

Ich habe heute die 1. Klasse einer Berufseinsteigerin besucht. Die Klassenlehrerin ist selbst erst im letzten Jahr mit ihrem Studium bzw. Referendariat fertig geworden und hat seit Beginn des Schuljahres 2012/13 eine eigene erste Klasse. Seltsamerweise steht ihr keine zweite Klassenlehrerin zur Seite, so dass sie die Klasse in der Regel allein, bzw. in EinzelfÀllen mit Fachlehrern unterrichtet.

Hier lernte ich eine andere Morgengestaltung kennen. WĂ€hrend die Klassen bisher an ihrem Platz von Lehrer begrĂŒĂŸt wurden und ein „Guten Morgen Frau / Herr 
“ erwiderten, traf sich die Klasse diesmal vor der Tafel in einem Kreis. Wir fassten uns alle an den HĂ€nden und die Klasse sang ein guten-Morgen-Lied, in dem „guten Morgen“ in verschiedenen Sprachen vorkam. Die Idee finde ich auch sehr schön, da die Kinder zum einen wieder den Zugang zur Musik und zum Singen haben und die MultikulturalitĂ€t der Schule und des Stadtteils in positivem Sinne aufgegriffen werden. Je mehr die Kinder wie selbstverstĂ€ndlich mit den verschiedenen Sprachen und Kulturen, dem „Anderssein“, aufwachsen, desto besser kann das miteinander Leben gestaltet werden.

Die HĂ€lfte der Klasse ist krank, so dass nur 9 Kinder anwesend sind. Trotzdem ist die Klasse eher unruhig. Ich beobachte, dass die SuS die Inkonsequenz der LehrkrĂ€fte ausnutzen und keine klaren Grenzen haben. Besonders auffĂ€llig zeigt sich dies in Mathe. Dieses Fach wird von einem Fachlehrer unterrichtet, die Klassenlehrerin ist aber ebenfalls anwesend. Um den Einstieg in die Geometriestunde zu veranschaulichen, trifft sich die Klasse um einen runden Tisch in der Klassenmitte. Der Fachlehrer möchte eine Aufgabe mit WĂŒrfel visualisieren. Damit alle Kinder etwas sehen können, muss der Kreis um den Tisch herum grĂ¶ĂŸer sein, die Kinder bekommen die klare Ansage, etwas Platz zum Tisch zu lassen und diesen nicht zu berĂŒhren. Sehr schnell setzten sich die ersten Kinder ĂŒber diese Anweisung hinweg, ohne dass sie an die Abmachung erinnert werden.  Dementsprechend pirschen sich immer mehr Kinder an den Tisch, so dass die kleinen und ruhigen Kinder in zweiter Reihe stehen und nichts mehr sehen können. Ein paar Mal greift die Klassenlehrerin ein und schiebt die Kinder ein wenig zurĂŒck, doch 3 Kinder bekommen von der ErklĂ€rung des Mathelehrers gar nichts mit. Schließlich haut ein SchĂŒler, der ĂŒber den Tisch lehnt, auch noch die WĂŒrfeltĂŒrme um und muss dann mit der Klassenlehrerin zu einem GesprĂ€ch in den Gruppenraum und hier als Strafe allein arbeiten.

FĂŒr mich zeigt sich das Verhalten der Lehrerinnen aus meiner 1a als vorbildlich. Indem sie ruhig und konsequent mit den Kindern umgehen, entstehen viele Problemsituationen gar nicht und können andernfalls unspektakulĂ€rer gelöst werden. Als wichtiges Lehrerverhalten im Umgang mit SuS notiere ich mir:

  • Ruhig und sachlich mit den Kindern umgehen
  • Regeln und Verhaltensweisen (evtl. auch mögliche Konsequenzen) gemeinsam vereinbaren
  • Konsequenz im Umgang mit SuS, Regeln und Anweisungen

Nachdem die SuS anschließend in Partnerarbeit die WĂŒrfelaufgaben ausprobiert hatten, sollten sie ein Daumenfeedback abgeben, wie gut ihre Zusammenarbeit funktioniert hat. Leider wurde aus der Feedbackrunde eine „Petzrunde“, da sich alle Kinder ĂŒber ihre Partner beschwert haben und der Lehrer hierfĂŒr Platz ließ, ohne mit dieser Situation irgendwie umzugehen. So schlecht ist die Partnerarbeit eigentlich gar nicht gelaufen, die SuS haben sich von dem gegenseitig anschwĂ€rzen jedoch anstecken lassen. Auch hier fĂ€llt mir das Verhalten der Klassenlehrerinnen meiner 1a ein, die Petzen sofort unterbinden und mit Problemen diplomatischer umgehen, so dass keine Beschuldigungsrunde in der Klasse entsteht. Außerdem wird ĂŒber Streit und Probleme geredet, sich entschuldigt und danach ist das Problem gelöst. Diesen Umgang finde ich glĂŒcklicher, als ein Gegeneinander in der Klasse (zu schĂŒren und) ungelöst stehen zu lassen.

  • Feedback fĂŒr MitschĂŒler muss geĂŒbt und an Regeln orientiert sein
  • Ansonsten lieber EinschĂ€tzung zu sich selbst, ggf. Unterricht / Lehrer
  • Konflikte zwischen SuS nicht bestehen lassen

Mittwoch, 13. Februar 2013

Heute war ich in einer 2. Klasse, bei einer Ă€lteren Lehrerin. Der grĂ¶ĂŸte Unterschied fĂŒr mich war der Umgang mit den SuS, es wurde öfter mal laut in der Klasse und die Lehrerin hat die Kinder lauter zurechtgewiesen, als ich es die Tage zuvor von den jĂŒngeren Kolleginnen gesehen habe. Ein störendes Kind wurde zum Arbeiten allein vor die TĂŒr  geschickt. Solche „Strafen“ habe ich bisher noch nicht wahrgenommen, bisher wurde so etwas mehr im Dialog geklĂ€rt und versucht eine Lösung zu finden. Auch das Lautwerden der Lehrkraft hatte ich nur in einzelnen FĂ€llen erlebt, nicht nahezu durchgĂ€ngig als Mittel, die SuS zum Zuhören zu bringen.

Das Thema des Tages war eine Buchveröffentlichung, an der die SuS mitwirken. Sie sollen eine Art ReisefĂŒhrer fĂŒr ihren Stadtteil erstellen, fĂŒr den die SuS der 2. Klasse bereits einige kleine Artikel geschrieben haben. Da gestern eine Konferenz hierzu stattfand, berichtete die Klassenlehrerin, dass das Gedicht einer SchĂŒlerin der Jury so gut gefallen hat, dass das Buch den Titel ihres Gedichtes bekommt und sie das Vorwort fĂŒr dieses Buch schreiben darf. Der ReisefĂŒhrer soll in alphabetischer Reihenfolge den Stadtteil vorstellen und da noch ein paar Buchstaben fehlten, suchte die Klasse gemeinsam nach typischen Begriffen fĂŒr den Ort, die die restlichen Buchstaben noch bedienen. Danach wurde die Klasse aufgeteilt, die eine HĂ€lfte durfte an den Artikeln weiterschreiben, wĂ€hrend die andere HĂ€lfte in ihrer Lola weiterarbeiteten.

Da ich selbst aus dem gleichen Stadtteil komme und hÀufig mit den gÀngigen Vorurteilen konfrontiert werde, gefÀllt mir dieser regionaler Unterricht sehr. Auch die Lehrerin kommt von hier und ist dementsprechend engagiert bei der Sache.

In der Klasse stehen zwei Computer, die zum Schreiben der Texte genutzt werden können, es zeigt sich, dass die SuS bereits Erfahrungen mit dem Schreibprogramm haben und ihnen die Arbeit am PC keine Schwierigkeiten bereitet. WÀhrend der Schreibarbeit lÀuft im Hintergrund leise, ruhige Musik.

Dienstag, 12. Februar 2013

Um einen möglichst vielfÀltigen Einblick in das Unterrichten an der Grundschule zu bekommen, werde ich in der restlichen Woche noch andere Klassen besuchen und Lehrer begleiten. Heute besuche ich eine andere 1. Klasse, die von einem mÀnnlichen Grundschullehrer unterrichtet wird.

In der ersten Stunde waren wir im Computerraum und die SuS haben selbststÀndig in der Lernwerkstatt gearbeitet. Das Eingeben von Benutzernamen und Passwort, das Starten des Programms sowie die Bedienung der verschiedenen Anwendungen, waren den Kindern bereits gut vertraut. Ich habe wiederum bei Bedarf Hilfestellungen geleistet. Da ich die Arbeit am PC in meiner 1a nicht kannte, notiere ich mir folgende Fragen:

  • Welchen Einsatz von neuen Medien gibt es in der 1a?
  • Welche Nutzung wĂ€hrend des Unterrichts bzw. der SuS privat?

Nachdem wir nach der ersten Stunde wieder im Klassenraum waren, durfte ich gleich die Lesezeit mit der Klasse durchfĂŒhren. Hierbei empfand ich es nicht wie ein Sprung ins kalte Wasser, weil ich nicht das GefĂŒhl hatte, dass die Lehrkraft Arbeit abwĂ€lzt (so wie es am zweiten Praktikumstag mit der Vertretungslehrerin war), sondern dass ich mich einfach ausprobieren durfte. Es war auch sehr angenehm, dass sich der Klassenlehrer an den Rand setzte und den SuS somit zu verstehen gab, dass sie sich jetzt an mir orientieren mussten. Ich hatte also einerseits nicht das GefĂŒhl, allein gelassen zu werden und andererseits wurde mir nicht direkt auf die Finger geschaut. Dementsprechend lief die Leserunde auch super und ich durfte nach der großen Pause gleich mit dem Deutschunterricht weitermachen. Ich fĂŒhrte den Buchstaben R, r ein, indem ich den SuS ein paar Wörter nannte, in denen der Buchstabe vorkam und sie raten mussten, um welchen Buchstaben es sich handelte, Anschließend sammelten wir weitere Wörter mit R oder r. An der Tafel hatte ich bereits ein R und ein r geschrieben sowie die Schreibrichtung mit kleinen Pfeilen markiert. Gemeinsam mit der Klasse haben wir den Buchstaben mit dem Finger in die Luft geschrieben und so herausgefunden, worauf man achten muss. Jetzt sollten die SuS die beiden Buchstaben ĂŒber zwei Reihen in ihr Schreibheft schreiben und ich bin in der Klasse herumgegangen und habe auf die saubere und korrekte Schreibweise geachtet. Nachdem die Kinder diese Aufgabe gemeistert hatten, arbeiteten sie in ihren Lola-Heften zu dem Buchstaben weiter.

Der Tag hat mir sehr viel Spaß gemacht, da ich die AtmosphĂ€re sehr angenehm fand – sowohl fĂŒr mich als neue Lehrkraft als auch fĂŒr die SuS der Klasse zum Arbeiten. Der Klassenlehrer hat die Kinder auch sehr lieb behandelt und NĂ€he zugelassen, die Ausdrucksweise war aber nicht so sehr  „verniedlicht“, wie in meiner 1a.

Neben der Computerarbeit gab es in dieser  1. Klasse eine weitere ErgĂ€nzung zum Unterricht in meiner Klasse. Die Aspekte Musik und Bewegung haben hier eine große Bedeutung. So spielt der Klassenlehrer z-B. Gitarre und bringt seinen SuS Lieder bei, die sie gerne und lauthals mitsingen. Andere Lieder kommen aus den Boxen und animieren die Kinder (und Lehrer), das Besungene darzustellen und sich BewegungsablĂ€ufe zu merken. Und sogar im Kunstunterricht lĂ€uft im Hintergrund (ruhige, klassische) Musik.

Aus diesem Tag nehme ich u.a. folgendes mit:

  • Kindern zwischendurch immer wieder die Möglichkeit geben, sich zu Bewegen. Dabei je nach Situation unterscheiden zwischen Auspowern und wieder zu sich finden.
  • Musik in das Leben der Kinder integrieren, zu Hause evlt. keinen Zugang dazu
  • Computerarbeit kann auch in der ersten Klasse schon durchgefĂŒhrt werden, als Beimischung sinnvoll

Montag, 11. Februar 2013

Heute ist Fasching! Die Schulkonferenz hatte jedoch entschieden, dass in der Schule kein Fasching gefeiert wird, sondern die gesamte Grundschule einen Ausflug zum Zirkus macht. Die Kinder (und Lehrer) sollten sich daher nicht verkleiden. Einige Kollegen haben sich fĂŒr die beiden ersten Stunden, in denen noch regulĂ€rer Unterricht stattfinden sollte, dennoch entschieden, eine Faschingsfeier fĂŒr ihre Klasse zu erlauben. Dadurch, dass einige SuS verkleidet in die Schule kamen und es den meisten anderen aber untersagt wurde, entstand bei einigen Eltern Ärger, da sich fast alle Kinder gerne verkleidet hĂ€tten.

Durch die vielen KrankheitsfĂ€lle im Lehrerkollegium, habe ich die 1a wĂ€hrend des Ausflugs mit einer Klassenlehrerin allein betreut. Wir sind zu Fuß zum BĂŒrgerhaus gegangen, wo der Zirkus, ein Verein mit Kindern fĂŒr Kinder, eine FaschingsauffĂŒhrung gezeigt hat. Der Ausflug und die Beaufsichtigung der Kinder, die ich im BĂŒrgerhaus zeitweise sogar allein hatte, sind gut gelaufen.

Freitag, 08. Februar 2013

Der Tag heute ist sehr schnell vergangen, weil ich wieder stark mit eingespannt war und wie in den letzten Tagen auch, mit einzelnen SuS oder kleinen GrĂŒppchen in den Gruppenraum gegangen und dort allein mit ihnen gearbeitet habe.

Ich habe nach der ersten Woche jedoch festgestellt, dass das Unterrichten und auch die Unterrichtsvorbereitung in der ersten Klasse eine andere ist als in höheren Klassen und dass ich wahrscheinlich nur wenige Stunden so vorbereiten und umfangreich behandeln kann, wie ich es bisher kannte. Der „normale“, alltĂ€gliche Unterricht verlĂ€uft, wie bereits erwĂ€hnt nur mit sehr wenigem Lehrerinput vor der gesamten Klasse und wesentlich mehr im Dialog mit einzelnen SuS wĂ€hrend der eigenstĂ€ndigen Arbeitsphase sowie mit fest vorgegebenen Arbeitsheften. Ich werde sicher Stunden fĂŒr meine Ideen zur VerfĂŒgung bekommen, aber der Unterrichtsalltag sieht anders aus. Und in diesem Sinne unterrichte ich jeden Tag mit.

Donnerstag, 07. Februar 2013

Heute haben die SuS einen neuen Buchstaben kennengelernt: das G, g.

Nachdem die Klassenlehrerin den Buchstaben vorgestellt hat (an die Tafel geschrieben, ein Bild einer Gabel aufgehÀngt und den Buchstaben ausgesprochen), hat sie den Kindern ein HörrÀtsel vorgespielt, dessen Lösungswort mit G beginnt.

 „Du findest mich im Garten, du findest mich am See.

Ich gackere wenn ich rede, ich watschel wenn ich geh.

Ich habe graue Schwestern, doch selber bin ich weiß

Kennst du meinen Namen? Weißt du, wie ich heiß?“

Da man als Erwachsener weiß, worauf dieses RĂ€tsel abzielt, kommt man schnell auf die Lösung. FĂŒr Kinder finde ich es jedoch relativ schwer. Der Hinweis mit den grauen Schwestern halte ich fĂŒr wenig hilfreich. TatsĂ€chlich raten die Kinder erstmal wild drauf los, dass das Lösungswort mit G anfangen muss, ist zunĂ€chst vergessen und es werden ganz verschiedene Tiere genannt. Die Kinder mĂŒssen durch die Lehrerin sehr stark auf die Lösung gelenkt werden.

Nach dem RÀtsel sollen die Kinder den neuen Buchtstaben kneten, ein G und ein g und spÀter auch aufschreiben. Mir gefÀllt, dass in dieser Unterrichtseinheit viele Sinne der Kinder angesprochen werden und sie sich ausprobieren können.

  • Kinder ausprobieren und Erfahrungen sammeln lassen.
  • Wenn möglich  mehrere Sinne ansprechen, unterschiedliche ZugangskanĂ€le zur VerfĂŒgung stellen

Mittwoch, 06. Februar 2013

Heute war ich schon intensiv in der Arbeit mit den SuS integriert. Der Unterricht in der 1a wird ĂŒberwiegend mit selbststĂ€ndigem Arbeiten durchgefĂŒhrt. Es gibt maximal eine kurze EinfĂŒhrung der Lehrerinnen, z.B. wenn ein neuer Buchstabe oder eine neue Aufgabenform in Mathe eingefĂŒhrt wird. Danach arbeiten die Kinder in ihren Lola- bzw. Flex und Flo- Heften und bekommen Hilfestellungen von den anwesenden LehrkrĂ€ften.

Ein SchĂŒler der Klasse hat regelmĂ€ĂŸig Schwierigkeiten, im Klassenverband ruhig zu bleiben und sich zu konzentrieren, er weigert sich dann zu arbeiten und auf die Lehrerin zu hören. Ich habe mich heute mit ihm in den Gruppenraum gesetzt und dort mit ihm allein gearbeitet. Es hat sich gezeigt, dass der SchĂŒler ein cleveres Kerlchen ist und in diesem Rahmen fix und gut gearbeitet hat. Zwischendurch brauchte er etwas Zeit, von Erlebnissen aus der TĂŒrkei zu erzĂ€hlen, die ihm besonders am Herzen lagen, aber die konnte ich ihm auch einrĂ€umen, weil er dann umso konzentrierter und schneller seine Aufgaben erledigt hat, so dass diese Zusammenarbeit sehr erfolgreich war und die Klassenlehrerin sich sehr darĂŒber gefreut hat.

Im Austausch mit der Lehrerin ĂŒber meine EindrĂŒcke von diesem SchĂŒler hat sich gezeigt, dass hinter seinem Verhalten wirklich persönliche GrĂŒnde stecken. Hieran wird deutlich, dass Kinder nicht nur SuS sind, sondern eben auch Kinder mit persönlichem Umfeld und Einflussfaktoren, die sich generell und in jeder Jahrgangsstufe in der Schule widerspiegeln können, aber gerade fĂŒr den Anfangsunterricht eine wichtige Rolle spielen. Die Klassenlehrerinnen der 1a nehmen sich diese HintergrĂŒnde zu Herzen und versuchen auch auf diese einzugehen, um den SuS jeweils einen Zugang zur Schule zu ermöglichen.

Dienstag, 05. Februar 2013

Direkt am zweiten Tag waren morgens beide Klassenlehrerinnen nicht da, ganz kurzfristig wurde eine Vertretungslehrerin organisiert. Da diese Lehrerin die Klasse noch nicht besonders gut kannte, war der Tagesablauf der SuS ein anderer. Die fehlende Routine konnte man den ganzen Schultag ĂŒber erkennen, da die Klasse sehr viel aufgedrehter war.

In der zweiten Stunde ließ mich die Vertretungslehrerin mit der Klasse allein. Direkter Sprung ins kalte Wasser 😉 Ich habe also die Lesezeit mit den Kindern gemacht und ihnen das Buch Heute gehen wir zum Zahnarzt vorgelesen und hinterher mit den SuS ĂŒber deren Erfahrungen mit dem Zahnarzt gesprochen. Leider war die Stunde durch diese SpontanitĂ€t nicht so vorbereitet, wie ich es normalerweise beim ersten Mal gerne gemacht hĂ€tte, aber dennoch hat die Arbeit mit den Kindern gut geklappt und Spaß gemacht. FĂŒr mich haben sich in dieser Situation trotzdem folgende Fragen aufgeworfen, wie ich handeln könnte, wenn die SuS mich nicht als Lehrkraft akzeptiert hĂ€tten:

  • Wie mit den SuS schimpfen?
  •  Welche Strafen / Konsequenzen zeigen Wirkung?

Nach der großen Pause war die Klassenlehrerin wieder da. In der dritten Stunde haben die SuS hauptsĂ€chlich erzĂ€hlt, wie der Tag bisher verlief und wie die Pause war. Es gab einige Rangeleien, von denen die Kinder berichten wollten. Die Klassenlehrerin legt großen Wert darauf, dass nicht gepetzt wird, sie unterbindet dies sofort mit der Frage „XY, warst du das? Nein? Dann musst du jetzt grad gar nichts sagen. Ich möchte von XYZ wissen, wie das passiert ist.“ Und es klappt tatsĂ€chlich. Sogar das Kind, das z.B. jemandem wehgetan hat, erzĂ€hlt, was passiert ist und auch ehrlich, welchen Anteil es selbst dabei hatte. Die Klassenlehrerin tadelt bzw. zeigt mögliche Konsequenzen auf und ist standhaft, falsches Verhalten aufzuzeigen, bleibt dabei aber immer noch ruhig und schreit nicht herum o.Ă€. Ich finde das ist ein sehr respektvoller Umgang, nicht „von oben herab“ vom Lehrer / Erwachsenen zum SchĂŒler / Kind. Und dass es auch so funktioniert, gefĂ€llt mir.

 

Montag, 04. Februar 2013

Mein erster Tag in der Klasse 1a. Am auffĂ€lligsten finde ich auf Anhieb die sehr ruhige und leise Stimme der Klassenlehrerin. Auch wenn ich selbst eine Person bin, die persönlichen Kontakt zu den SuS haben möchte und kein Problem mit NĂ€he hat, so finde ich die Ausdrucksweise der Lehrerin erstmal etwas befremdlich. „Ihr SĂŒĂŸen“, „SchĂ€tzchen“, „das habt ihr super gemacht“, „jetzt kommt ein ganz tolles Buch, das ist mein allergrĂ¶ĂŸtes Lieblingsbuch“ – diese HĂ€ufung der Superlativen ist am ersten Tag fĂŒr mich gewöhnungsbedĂŒrftig.

Doch ich muss sagen, dass die Klasse insgesamt sehr ruhig und gut erzogen erscheint.

Als erstes aktualisiert die zweite Klassenlehrerin mit der Klasse das Datum und den Stundenplan des heutigen Tages. HierfĂŒr gibt es MagnetkĂ€rtchen mit Bildern, die an eine Seitentafel angebracht werden.

Danach folgt ein Lesekreis. Die zweite Klassenlehrerin liest Der rote Max vor. Ein Buch, das, wie ich finde, einige schwierige Begriffe enthĂ€lt und vielleicht nicht unbedingt zum Wortschatz eines ErstklĂ€sslers (mit Migrationshintergrund) gehört. An manchen Stellen gibt die Lehrerein Synonyme fĂŒr Begriffe aus dem Buch und die SuS scheinen  den Inhalt zu verstehen, denn sie denken toll und auch ĂŒber Ecken mit. Mir fĂ€llt auf, dass es schwer ist, allen Kindern gerecht zu werden, d.h. alle Meldungen dranzunehmen und den BeitrĂ€gen einen angemessenen Platz einzurĂ€umen (z.B. „Wie kommst du auf die Idee?“, „Woher kennst du das?“ o.Ă€.) und die Konzentration aller Kinder bei sich zu behalten. Relativ schnell kristallisiert sich in der Runde ein extrovertiertes Kind heraus und auch darĂŒber hinaus bekomme  ich wĂ€hrend der Leserunde einen ersten kleinen Eindruck ĂŒber die verschiedenen Charaktere der SuS, auf die man sich als Lehrer individuell einstellen muss.

Nachdem die Lehrerin das Buch zu Ende vorgelesen hat, gibt sie den SuS eine Schreibaufgabe. HierfĂŒr hat sie SchreibblĂ€tter mit Figuren aus der Geschichte und Gedankenblasen vorbereitet. Die Kinder sollen nun Gedanken zur Geschichte aufschreiben, als Hilfe haben sie eine Anlauttabelle. DarĂŒber hinaus gehen die beiden Klassenlehrerinnen durch die Reihen und helfen durch vorsprechen. Trotz zweier Lehrerinnen, melden sich zwischenzeitlich 6 Kinder, die Fragen haben und in dieser Zeit nicht weiterschreiben können, ein Kind hat aus diesem Grund nach 10 Minuten noch gar nicht anfangen können.

Durch das Lernen von Theorien und „IdealfĂ€llen“ im Studium, bin ich zunĂ€chst sehr sensibilisiert auf bestimmte Aspekte, wie z.B. die Wortwahl der Lehrerinnen oder eben dieser jetzt entstandene Leerlauf fĂŒr einige Kinder, der zu Motivationsverlust fĂŒhren kann. Doch in der Praxis kann natĂŒrlich nicht alles zu 100% umgesetzt werden. Und die Ergebnisse am Ende der Stunde zeigen, dass der Unterricht in dieser Klasse funktioniert. Ein Kind hat so viel Freude an der Schreibaufgabe, dass es immer mehr SĂ€tze schreibt und von der Lehrerin sogar schon gesagt bekommt: „Du darfst ruhig aufhören.“ Die Arbeitsphase wird schließlich nach 30 Minuten von der FrĂŒhstĂŒckszeit beendet. FĂŒr die FrĂŒhstĂŒckszeit wird jeden Tag ein anderes Kind ausgewĂ€hlt, dass das FrĂŒhstĂŒck ansagen darf. Dieses Ritual fĂŒhren die SuS selbststĂ€ndig aus, indem das Kind, was zuletzt angesagt hat, immer abwechselnd einen Jungen oder ein MĂ€dchen auswĂ€hlt, der oder das nach vorne gehen darf. Dann wartet das Kind vorne bis alle SuS ihr FrĂŒhstĂŒck auf dem Tisch haben und alle ganz leise sind. Dann sagt es: „Ich wĂŒnsche euch einen guten Appetit!“ und die Klasse antwortet: „Guten Appetit!“.Neben dem von zu Hause mitgebrachten FrĂŒhstĂŒck, erhĂ€lt die Klassejede Woche eine Kiste Äpfel und MilchtĂŒten.

WĂ€hrend die SuS frĂŒhstĂŒcken, liest die Lehrerin vor, was die Kinder geschrieben haben. Hierbei nennt sie auch die Namen der Kinder, ein weiterer Punkt, der im Studium diskutiert wird, aber in dieser Klasse scheint sich kein Kind bloßgestellt zu fĂŒhlen und auch HĂ€nseleien o.Ă€. kommen nicht vor. Ein Kind wird sogar nach vorne gerufen, um beim Vorlesen seiner Arbeit zu helfen, da die Lehrerin das nur schwer entschlĂŒsseln kann. Aber auch hierauf kommt keine negative Reaktion der MitschĂŒler.

Ich bin beeindruckt, wie eigenstĂ€ndig und kreativ die SuS gearbeitet haben. Im Rahmen eines FDGS Seminars habe ich mit zwei Kommilitoninnen eine Ă€hnliche Stunde in einer 2. Klasse in einer Schule mit sehr geringem Anteil an Migrationshintergrund gehalten. Wir haben auch ein Bilderbuch vorgelesen und hinterher eine Schreibaufgabe mit Gedankenblasen zu den Figuren der Geschichte gestellt. Die ZweitklĂ€ssler haben insgesamt zwar auch gut mitgemacht, die Ergebnisse waren aber nicht so originell. So wurde beispielsweise beim Sitznachbarn abgeschrieben, relativ „banale“ SĂ€tze aufgeschrieben und insgesamt nur kurze Texte verfasst. Das sah in dieser 1. Klasse mit hohem Anteil  von SuS mit Migrationshintergrund ganz anders aus.

Nach der FrĂŒhstĂŒckszeit dĂŒrfen sich die SuS aussuchen, was sie machen wollen. Sie dĂŒrfen sich auch  ausruhen, doch alle Kinder entscheiden sich, etwas zu machen. Sie holen sich BĂŒcher zum Lesen, arbeiten in ihrem Deutschheft weiter und einige Kinder möchten sogar Mathe machen.

In den weiteren Stunden werde ich in den Unterricht integriert, so dass ich nicht mehr von außen beobachte.

Folgende Fragen bzw. Aspekte, die ich beachten möchte, haben sich heute fĂŒr mich ergeben:

  • Kein Montagskreis?
  • Wie viel Korrektur bei der Rechtschreibung generell und insbesondere bei Hilfestellung?
  •  „Du“-Formulierungen in Aufgabenstellung
  •  Gedanken der SuS in Diskussionsrunde aufgreifen (wenn möglich)

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