Grußwort des Staatsrats Herrn Ulrich Vieluf zur Festveranstaltung „10 Jahre PriMa“ an der Universität Hamburg am 19. September 2009

Sehr geehrte Frau Prof. Kaiser, sehr geehrte Frau Prof. Nolte
liebe PriMa-Verantwortliche,
sehr geehrte Eltern,
liebe Schülerinnen und Schüler,

wir feiern heute das 10-jährige Bestehen des Grundschulprojekts PriMa. Dass Mathematik prima ist, weiß jeder der hier Anwesenden. In der breiten Öffentlichkeit dagegen ist das Bild der Mathematik leider nach wie vor ambivalent.
Die Bedeutung der Mathematik als Wissenschaft für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft ist unbestritten, in der Einschätzung dieses Wertes jedes Einzelnen für sich selbst ist dies jedoch häufig anders. Wesentliches Moment ist dabei, welche Erfahrungen in jungen Jahren im schulischen Unterricht gemacht wurden.

Mit den Untersuchungen zur Lernausgangslage hat Hamburg bereits seit Mitte der neunziger Jahre als erstes Bundesland flächendeckend ermittelt, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler am Ende der Grundschule sowie in den weiterführenden Schuljahren zu bestimmten Zeitpunkten erworben haben.
Diese Untersuchungen sowie die Ergebnisse der internationalen TIMS-Studie machten sensibel dafür, dass es einen erheblichen Handlungsbedarf gab hinsichtlich der Verbesserung des Mathematikunterrichts.

In dieser Situation erreichte die Schulbehörde ein Antrag der Professoren Karl Kießwetter, Marianne Nolte und Wilhelm Wieczerkowski als Mitglieder der William-Stern-Gesellschaft, der ein Grundschulprojekt zur Erforschung mathematischer Begabun-gen zum Inhalt hatte. Analog zum seit vielen Jahren im Mittel- und Oberstufenbereich erfolgreich laufenden Projekt der William-Stern-Gesellschaft, dem so genannten „Hamburger Modell“, sollten Förderangebote auch für Kinder der dritten und vierten Klasse eingerichtet werden.

Als Leiter des Büros der damaligen Schulsenatorin Rosemarie Raab war ich in die Antragsprüfung einbezogen. Gemeinsam mit den Antragstellern und anderen Beteiligten entstand in intensiven Gesprächen das Projekt PriMa, das nicht nur die Förderung mathematisch begabter Grundschulkinder zum Ziel hatte, sondern insgesamt Rahmenbedingungen für eine nachhaltige qualitative Weiterentwicklung des Mathematikunterrichts der Grundschule schaffen sollte.

Zum einen sollten in diesem neuen Projekt Kinder mit einer besonderen mathematischen Begabung gefördert werden, zum anderen sollte die methodisch-didaktische Kompetenz von Mathematiklehrkräften der Grundschule durch qualifizierende Maßnahmen an der Universität und am damaligen Institut für Lehrerfortbildung weiterentwickelt und verstärkt werden.

Die Talentsuche unter den Drittklässlern erschien uns problematisch. Denn – so unsere damaligen Überlegungen – die Mehrzahl der Kinder, die mit großer Freude und Interesse an den geplanten Mathe-Treffs teilnehmen, wegen der Begrenztheit der Plätze an der Universität aber nicht aufgenommen werden können, hatten wir zwangsläufig enttäuscht.

So wurde die Idee der Mathematikzirkel geboren. Parallel zur Förderung an der Uni-versität sollte ein flächendeckendes Netz von Schülerzirkeln entwickelt werden, die an der Mathematik interessierten Grundschulkindern die Möglichkeit bot, sich mit Gleichgesinnten zu treffen und unter fachkundiger Begleitung interessante mathematische Problemstellungen zu bearbeiten. Im laufenden Schuljahr werden hamburgweit 72 Schülerzirkel Mathematik angeboten.

Mit dem gleichzeitigen Angebot von Mathezirkeln und der Förderung an der Universität bietet Hamburg eine bundesweit einmalige Kombination von Förderangeboten: Spitzen- und Breitenförderung in der Mathematik. Jedes Kind kann an der Talentsuche teilnehmen. Den Eltern entstehen keine Kosten für die sehr aufwendige Talentsuche und die weitere Förderung. Damit wird auch Kindern eine Teilnahme an der Förderung ermöglicht, deren Eltern sich keine Zusatzangebote neben der Schule leisten können.

Zeitgleich mit dem Start des Begabtenförderprojekts legte die Schulbehörde als zweite Säule von PriMa eine Qualifizierungsmaßnahme für bereits im Dienst befindliche Mathematiklehrerinnen und Mathematiklehrer der Grundschule auf. Ausgehend von der Einschätzung, die auch von unseren Gesprächspartnern der Fachdidaktik geteilt wurde, dass die fachdidaktische Ausbildung angehender Mathematiklehrerinnen und -lehrer verstärkt werden müsse, erhalten seit 10 Jahren jährlich ca. 25 Grundschullehrkräfte eine zweijährige Qualifizierung, die sie im ersten Jahr zwei Semester lang eine Vertiefung ihrer methodischen und fachdidaktischen Kompetenz erfahren lässt.
Im zweiten Jahr der Maßnahme werden die Kolleginnen und Kollegen am Landesinstitut zu Mathematikmoderatorinnen und -moderatoren qualifiziert und stehen danach dem Projekt als Fortbildner/innen, Zirkelleiter/innen oder bei der Diagnostik von Lernschwierigkeiten zur Verfügung.

Dass sich dieser Teil der Maßnahme erfolgreich auf die Steigerung der Effizienz des Mathematikunterrichts in der Grundschule ausgewirkt hat, konnte inzwischen durch wissenschaftliche Untersuchungen des Lernstands von Grundschulkindern am Ende des vierten Schuljahres nachgewiesen werden.

So erreichten Hamburger Drittklässler, die im Rahmen der KESS-Studie Mathematikaufgaben aus der TIMS-/IGLU-Studie bearbeiteten, einen über dem deutschlandweit ermittelten Durchschnittswert liegenden Lernstand.

PriMa – das Kürzel leitet sich etwas mühsam aus seinem Untertitel „Kinder der Primarstufe auf unterschiedlichen Wegen zur Mathematik“ ab – ist ein Erfolgsprojekt, das inzwischen bundesweite Aufmerksamkeit erlangt hat und als Referenzprojekt der Begabtenförderung Mathematik anerkannt ist. Im Jahre 2004 erschien im Verlag Franzbecker das Buch von Frau Prof. Nolte mit dem Titel „Der Mathe-Treff für Mathe-Fans“, in dem die Erfahrungen und Ergebnisse der ersten fünf Jahre PriMa beschrieben wurden.

Der Erfolg von PriMa hat viele Mütter und Väter, denen ich auf diesem Wege herzlich für die engagierte Arbeit danken möchte. Da es bei der Vielzahl der Beteiligten nicht möglich ist, alle PriMa-Beteiligten in diesem Rahmen zu nennen, geht mein Dank stellvertretend für alle an
• Frau Prof. Dr. Marianne Nolte als wissenschaftliche Leiterin des Uni-Projekts und ihren Stab,
• wieder an Frau Prof. Dr. Nolte und an Herrn Prof. Dr. Günther Krauthausen, die im Wechsel die universitäre Qualifizierung von Grundschullehrkräften betreuen,
den im Förderprojekt beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Fortbildungsbereichs Mathematik und der Beratungsstelle besondere Begabungen des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung und last but not least
• den zahlreichen Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern, die im Rahmen von PriMa engagiert arbeiten.
Meine Glückwünsche verbinde ich mit der Hoffnung, dass PriMa auch in den nächsten 10 Jahren weiterhin erfolgreich bleibt und seinen essenziellen Beitrag zur Förderung mathematisch interessierter und mathematisch besonders begabter Grund-schulkinder, zur Qualifizierung von Grundschullehrkräften und insgesamt zur Weiterentwicklung des Mathematikunterrichts in der Grundschule und insbesondere in der kommenden Primarschule leistet.

Hamburg, den 19. September 2009
Ulrich Vieluf

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