Essay

Essay zum Seminar Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft:

Medien als Forschungsfeld der Erziehungswissenschaft

 

Medienkompetenz – eine nette Qualifikation oder Pflicht in der neuen Informationsgesellschaft?

Wenn in einer Klasse die Lehrkraft verkündet, dass die Stunde in den Computerraum verlegt wird, ist der Jubel meist groß; auf einer weiterführenden Schule ist nahezu jeder mit dem Umgang mit dem Computer vertraut, zu Hause besteht in der Regel Zugang zu einem internetfähigen Rechner und über soziale Netzwerke ist man meist befreundet. Doch vielfach hört es mit der so genannten Medienkompetenz hier schon auf. Recherche im Internet, der richtige Umgang mit Schreibprogrammen und Informationsaustausch in Foren sind für die meisten Jugendlichen nur schwer zu bewältigende Disziplinen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinkt Deutschland nicht nur bei der Ausstattung der Schulen mit neuen Medien hinterher, auch vorhandene Geräte werden im Vergleich unterdurchschnittlich genutzt. Viele Lehrkräfte erkennen entweder nicht den Sinn des Einsatzes dieser Medien, da sie der Meinung sind, dass die Schülerinnen und Schüler zu Hause schon genug mit ihnen in Kontakt kommen und auf altbewährte Erziehung als Gegenpol setzen. Andere hingegen sind selbst nur unzureichend mit dem Umgang neuer Medien vertraut und sehen sich entweder nicht in der Lage, mit ihnen Wissen zu vermitteln oder fürchten die Blamage, vor der Schülerschaft als unwissend dazustehen. Fakt durch Studien ist, dass in richtiger Einbettung neue Medien den Lernerfolg maßgeblich steigern können. Doch stellt sich die Frage, ob durch die mangelnde Nutzung moderner Medien nicht nur langsamer in Deutschen Schulen gelernt wird, sondern der gesamte Umgang mit den Medien den Schülern selbst überlassen wird und die Medienkompetenz nicht ausgebildet wird. Folgerichtig stellt sich die Frage, wie schwer ein solches Defizit zu werten ist?

 

Der Begriff Medium stammt aus dem lateinischem und heißt frei übersetzt „etwas vermittelndes“. Nach Mock lässt sich dies auf verschiedene Ebenen aufteilen: Auf physikalischer Ebene ist Luft oder ein elektromagnetisches Feld ein Medium, dass dem Menschen eine Wahrnehmung ermöglicht. Sprache, Mimik und Gesten zählen zu symbolischen/semiotischen Medien, die eine Verständigung ermöglichen. Wiederum Bücher, aber auch Computer und das Internet sind technische Mittel, die zur Verbreitung von Inhalten dienen. Medienkompetenz heißt also auch die Beherrschung von Verständigung und Verbreitung von Informationen – und bezogen auf die neuen Medien – in der gesamten Welt. Im Umkehrschluss lässt sich schließen, dass bei mangelhafter Medienkompetenz im Vergleich eine Erschwernis beim Austausch von Informationen besteht oder sogar ein kompletter Ausschluss von der Kommunikation erfolgt. Bei der rasanten Ausbreitung von Informationsangeboten im Internet zulasten von herkömmlichen Informationsquellen ist die Vorstellung einer unzureichend medienkompetenten Gesellschaft beunruhigend. Sowohl in der Schule als auch im Elternhaus herrscht meist selbst keine große Medienkompetenz; die durchschnittliche Lehrkraft und die meisten Eltern entstammen selbst einer Generation, die oftmals noch abweisend den neuen Medien gegenübersteht. Deswegen ist eine gezielte Förderung in der Schule nur durch jüngeres und fachkundigeres Personal zu erreichen und wird bis dato viel zu sehr vernachlässigt. Zwar haben die Teilnehmer in diesem Seminar viel zu diesem Thema gelernt und sind sicher später im Lehrerberuf auch befähigt, diese Information weiterzugeben. Auf Lehrplänen allerdings kommt dieses Thema wenig vor und Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte bestehen wenige.

 

Doch nicht nur der korrekte Umgang mit den Medien gehört zur Medienkompetenz. Die Frage der Mediensozialisation ist eng mit der Medienkompetenz verbunden. Medienzentriert betrachtet stellt sich die Frage, was die Medien mit den Menschen machen und welchen Einfluss sie auf ihn haben: Die Medien beeinflussen ihn durch besonders starker Zurschaustellung von Inhalten mit besonderem Wirkungspotenzial wie Gewaltdarstellungen und Werbungen. Dies lässt sich aber schon aus eigener Praxiserfahrung widerlegen; jeder Mensch reagiert unterschiedlich, z.T. auch gar nicht auf Reize in Medien. Wäre diese Theorie Praxis, müssten alle Menschen mit Medienzugang einen fast identischen Sozialisationsgrad aufweisen. Untersucht man die Fragestellung hingegen rezipientenzentrierter, nähert man sich dem bereits Untersuchtem: Was kann der Mensch mit den Medien machen? Er kann die Medien aktiv nutzen und das Informationsangebot eigenständig nutzen, was eine gewisse Medienkompetenz voraussetzt. Dies wiederum allein zu glauben, stellt den Menschen in ein etwas zu positives Licht: Denn der komplett objektive Beobachter, der positive von negativen Einflüssen stets trennen kann ist utopisch. In der Praxis mischen sich die beiden Theorien, so dass der Mensch sich bewusst Medienprogramme aussucht, die ihn beeinflussen und dieser Einfluss teils gewünscht ist (Identifikation mit Heldenfiguren, etc.). Ob aber und wie stark der Einfluss der Medien gerade auf Kinder ist, hängt nach dem medienökologischen Ansatz davon ab, welchen Stellenwert die Medien innerhalb der Familie haben und in wie weit die Kinder schon eigenständig sind. Medienkompetenz bedeutet also ferner, dass Jugendliche verschiedene Medienangebote voneinander zu unterscheiden wissen und sich des Realitätsgrads der ihnen vorgesetzten Informationen bewusst sind. Gleichzeitig darf aber auch nicht vor den neuen Medien abgeschreckt werden: Aktueller, genauer und ohne Begrenzung an Informationen kann nur das Internet sein. Der menschliche Drang zur Neugier, die gefühlte Pflicht der Allgemeinbildung willen stets über die aktuellen Schlagzeilen Bescheid zu wissen und die kostenlose Bereitstellung der Informationen treibt immer mehr Menschen, nicht nur junge, ins Internet. Über verstärkte Angebote in der Erwachsenenbildung in Sachen Medienkompetenz sollte demnach auch nachgedacht werden, gerade wenn entsprechende Erwachsene selbst auch Kinder haben. Wichtig scheint mir bei der Medienkompetenz aber auch eine deutlich stärkere Fähigkeit zur Medienkritik. Videobeispiele aus Syrien zeigen, wie ein einzelnes Video von beiden Seiten als vermeintlicher Beweis für eine angebliche Tat präsentiert wird. Im Internet ist die Möglichkeit Informationen zu verbreiten fast jedem in Sekundenschnelle gegeben und entzieht sich einer objektiven Prüfung, wodurch polarisierende Meldungen, Videos und Kommentare, oftmals im Schutz der Anonymität, zunehmen. Im Essay wurde am Anfang gefragt, wie schwer das Defizit von Medienkompetenz zu werten ist. Es ist schwer zu beurteilen, ob Kinder den Rückstand, den sie durch ihre im europäischen Vergleich schlechte Medienkompetenz erleiden, nicht eigenständig irgendwann selbst aufholen können. Aber warum soll man dieses Risiko eingehen und nicht schon im frühen, lernfähigsten Alter damit beginnen, Kinder zum Einsatz von Medien zum Zweck des Meinungsaustausch zu ermutigen? Wie kann man besser beibringen, welche Quellen im Internet vertrauenswürdig und seriös sind als bei Recherchearbeiten in der Schule? Die Gefahr der anonymen Beleidigungen, die auch oft unter Mitschülern in sozialen Netzen grassieren, könnten am eigenen Beispiel in der Klasse verstanden und diskutiert werden, wodurch so die Schüler ein Gespür für einen verantwortungsvollen Medienkonsum entwickeln könnten, das sowohl die reichhaltigen Privilegien der unbegrenzten Informationen hervorhebt, als auch die Pflicht zur gegenseitigen Achtung in einem anonymen, teils rechtsfreien Raum anmahnt. Betrachtet man die technische Entwicklung der neuen Medien des letzten Jahrzehnts, sieht man einen rasenden Prozess hin zu einer modernen Informationsgesellschaft, deren Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist und an Bedeutung wohl kaum abnehmen, aber viel wahrscheinlicher zunehmen wird. So ist schon heute ein Defizit in Medienkompetenz beunruhigend, in Zukunft aber noch alarmierender, so dass eine Beibehaltung des status quo eine vertane Chance wäre, Kinder und Jugendliche für das neue Informationszeitalter bereit zu machen.

 

Quellen:

Aufenanger, S. (2008): Mediensozialisation. In: Sander, U., Gross, von F., & Hugger, K. – U. Handbuch Medienpädagogik.Verlag für Sozialwissenschaften, Stuttgart S. 87-92.

Mock, T. (2006): Was ist ein Medium? Eine Unterscheidung kommunikations- und medienwissenschaftlicher Grundverständnisse eines zentralen Begriffs. In: Publizistik, 51(2), S. 183-200

„Schüler sind fit bei Facebook, aber nicht in Excel“ http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article108287418/Schueler-sind-fit-bei-Facebook-aber-nicht-in-Excel.html, Abgerufen am 09.09.2012

Fazit

Das Seminar begann mit einer Auseinandersetzung mit der Frage, ob und inwiefern ein wissenschaftliches Studium einer pädagogischen Beschäftigung zuträglich ist. Deswegen beschäftigten wir uns zunächst mit dem Begriff des wissenschaftlichen Arbeitens an sich und lasen von W.D. Narr einen interessanten Brief, der Studierende der Notwendigkeit wissenschaftlicher Arbeit versicherte.

Der Text von Koller präzisierte diese Ansicht mit der Begründung, dass nur ein wissenschaftliches Studium die erforderliche Flexibilität und Anpassung über die Zeit, die der Beruf als Pädagoge fordert, schafft und eine rein praktische Ausbildung bei dem sich so rasch änderndem Ausbildungsbedarf schnell unwirksam wird und der Individualität der Menschen nicht gerecht wird.

Später beschäftigten wir uns mit der Beziehung von Mensch und Medien und dem dazugehörigen Text von Aufenanger, ein sehr interessantes Gebiet, in dem wohl nie eine eine einzige Definition gefunden werden kann. Ich denke, dass ich wegen dieser interessanten Perspektive auch meinen Essay auf dieses Thema bezogen schreiben werde.

Lernen

Nach Marotzki ist das Lernen nicht nur Teil der Schulausbildung (formelles Lernen) sondern auch außerhalb der Schule sich über das ganze Leben erstreckt (informelles Lernen).

Die Theorie des Behaviorismus besagt, dass Lernen über Reize und Reaktionen stattfindet. Erwünschtes Verhalten wird bestätigt, unerwünschtes Verhalten wird korrigiert. Wenn sich mehrere Reaktionen aneinanderreihen spricht man von einem Verhaltensmuster. Schwierig allerdings ist die Trennung und Definition von Reiz und Reaktion. So wird z.B. das Beispiel einer Flamme und dem Finger eines Kindes angeführt; unklar ist, ob die Flamme der Reiz selbst ist oder nur eine Situation, die einen Reiz hervorbringt.

Der pragmatische Konstruktivismus hingegen stellt die Handlung in den Vordergrund und vernachlässigt die Betrachtung von Reiz und Reaktion und einem entsprechenden Handlungsbogen und betrachtet einen Handlungskreislauf. Diese Handlungskreisläufe sind entweder geschlossen (instinktives Handeln) oder unterbrochen, wo kein Reiz da ist und erst gefunden werden muss (Kind sieht Flamme und verbindet sowohl Essen als auch verbrannten Finger damit). Die Suche nach diesem Reiz ist eine Form von Lernen durch einen Konstruktionsprozess.

Situations-, lebenslauf- und biographieorientierte Theorien
und Modelle sehen nicht das Individuum sondern die Situation im Vordergrund. So ist das Denken mehr ein Aspekt der sozialen Praxis und Situationsbewältigung geschieht nicht gleichmäßig sondern abhängig vom Lernniveau.

 

Erziehung

In seinem Text beschäftigt sich Marotzki mit den Aspekt Erziehung im Themenfeld Erziehungswissenschaft und stellt unterschiedliche Ansichten vor.

Er unterscheidet zunächst Erziehung zwischen „spezieller Form direkter Einwirkung“ und „Sich-Entwickeln“:

Die „Spezielle Form direkter Einwirkung“ basiert auf autoritärer Erziehung, in der der zu Erziehende sich dem Kommando des Erziehers unterwirft und so von ihm geformt wird.

Die Form des „Sich-Entwickelns“ basiert hingegen auf einer anti-autoritären Erziehungsmethode, die zum Ziel hat, den zu Erziehenden im weitesten Sinne nicht zu beeinflussen und allenfalls Schaden von ihm abwenden, aber ansonsten ihn selbst Erfahrungen sammeln lassen und dazu Reize geben.

Die Notwendigkeit der Erziehung sieht Marotzki darin, dass Kinder erst Eigenverantwortung lernen müssen, bevor sie ohne erzieherische Maßnahmen bestehen können. Erziehung endet mit der erfolgreichen Vermittlung der Gemeinschaftswerte von älteren Generationen, die ihr Wissen vermitteln, so dass die Person auch eigenständig leben kann.

 

 

Thomas Mock: Was ist ein Medium?

Elementare Grundlage für eine Kommunikation ist neben Sender und Empfänger das Medium, über das die Kommunikation stattfindet. Offenkundig bietet hiernach das Wort „Medium“ einen sehr breit gefächerten Interpretationsspielraum und ist auch nicht spezifisch definierbar; es reicht von einfachen Signalen, z.B. akustischen, bis hin zu komplexeren wie Sprache oder moderner Technik und ist deshalb interessant für das kommunikations- und medienwissenschaftliche Grundverständnis, da ein Medium nie alleine, sondern in Zusammenhang mit seiner Beziehung und Funktion betrachtet werden muss.

 

Mock unterscheidet die Betrachtung des Mediums in den heutigen und in den wissenschaftlichen Gebrauch. In dem heutigen sieht er das Medium als Trägersubstanz für eine zu vermittelnde Sache und erklärt damit die fast ausschließliche Benutzung des Wortes „Medium“ als Informationsquelle wie etwa Zeitung und Fernsehn.

 

Im wissenschaftlichen Gebrauch bedarf das Medium immer einen kommunikativen Prozess, um zu existieren. Die Rolle des Mediums hingegen wird unterschiedlich bewertet:

(1) Medium als Mittel der Wahrnehmung

Hiermit sind in erster Linie die Sinne gemeint, die physikalische Wahrnehmung ermöglichen.

(2) Medien als Mittel der Verständigung

Durch den Gebrauch von Sprache oder Schrift werden Informationen zwischen zwei Kommunikatoren ausgetauscht

(3) Medien als Mittel der Verbreitung

Mittel zur Überwindung von räumlichen oder zeitlichen Hindernissen, über die Informationen sonst nicht ausgetauscht werden könnten, wie z.B. beim Fax.

Mediensozialisation

Aufenanger stellt zunächst dar, dass seit dem Bestehen von Medien über ihre Bedeutung und ihren Einfluss gestritten wird; dies geht von Theaterstücken aus der griechischen Epoche bis hin zur Verbreitung des Buches. Der Begriff der Mediensozialisation allerdings ist erst mit dem Aufkommen der elektronischen Medien, die zu Massenmedien geworden sind, entstanden, der das klassische Verhältnis von Subjekt und Medium verändert hat. Dazu stellt Aufenanger drei verschiedene Perspektiven vor:

– Medien wirken auf Menschen ein: Die Medien beeinflussen das Subjekt durch Darstellung von Gewalt und Werbung und üben meistens negative Einflüsse aus

– Menschen sind medienkompetent: Die Medien werden vom Subjekt selektiert und aktiv zur Informationsbeschaffung herangezogen

-Interaktion von Mensch und Medium: Zum Teil wird der Mensch von den Medien beeinflusst, allerdings nur von denen, die er sich ausgesucht hat und die ihm z.T. auch Positives vermitteln

 

Für das Management dieses Medienangebotes sei deswegen eine Medienkompetenz nötig. Zum einem kann die Mediensozialisation in der Wirkungsperspektive gesehen werden. Sie beschäftigt sich mit der Frage, in welchem Umfang die elektronischen Medien auf die Subjekte sind.

Der medienökologische Ansatz beschäftigt sich hingegen mehr mit der Frage, wie oft und in welchem Teil die Medien eine Rolle in der Erhiehung von Kindern spielt, weniger in welcher Wirkungsweise.

Nach der Aneignungstheorie gliedern die Subjekte in alltäglichen Situationen Medien in ihr Leben ein und setzen sich aktiv mit dem Medienangebot auseinander.

Der Medienkonsum ist nach der strukturanalytischen Rezeptionstehrie Ausdruck sozialen Handelns; die Lebensbewältigung und der Umgang mit der Familie, die Bildung der eigenen Identität sind besonders dabei im Fokus.

Bei der Selbstsozialisation sind die Medien ein Bestandteil des Heranwachsens, da sie von den Kindern bewusst herangezogen werden, um sich weiterzuentwickeln.

Die Medienpsychologie hingegen untersucht die kausalen Zusammenhänge von Erziehung von Kindern und den konsumierten Medien.

 

Aufenanger selbst zweifelt, ob es einen gesamt erklärenden Ansatz der Mediensozialisation gibt, da es zu verschiedene Medien und Konsumenten gibt, so dass eine einheitliche Aussage getroffen werden könnte. Des Weiteren kritisiert er, dass bei dem Thema vordergründig Kinder und Jugendliche beachtet werden, nicht aber Erwachsene, um so die möglicherweise lebenslange Beeinflussung zu untersuchen.

Sozialisationstheorien – Mileutheorie

In dem zu lesenden Ausschnitt aus Marotzkis und Krügers „Einführung in die Erziehungswissenschaft“ beschreiben die Autoren die Interaktionstheorie, die Rollentheorie und die Milieutheorie.

Nach letzerer Theorie ist die Vergesellschaftung eines Individuums (die Definition von Sozialisierung) abhängig von den sozialen Umständen des betroffenen Individuums, seinem Milieu. Das Individuum ist sich nicht bewusst, einem bestimmten Milieu zuzugehören, teilt aber mit Mitgliedern des selben Milieus gemeinsame Interessen und verfügt über einen ähnlichen Wissensstand (milieuspezifisches Wissen, auch „Insider-Jargon“ gennant). So sind Kontakte zu anderen Milieus von Unverständnis bis hin zu Konflikten geprägt und müssen erst überbrückt werden, wobei man von mehrdimensionalen Milieus ausgeht, die einander überlappen. Diese Mileus sind aber nicht fest für Individuen verankert, sonder können und werden oftmals durch einen Lebenswandel verändert.

Die Kernaussagen des Textes von C. Koller zur Auseinandersetzung mit Grundbegriffen, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaftes

Der Text von C. Koller beschäftigt sich mit der Frage, ob und warum die Beschäftigung mit theoretischen und methodischen Grundsätzen der Erziehungswissenschaft es wert ist, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Als zentralen Punkt seiner These, dass die theoretische Ausbildung unabdingbar ist, ist die Unvorhersehbarkeit, die der Beruf als Pädagoge, gerade im Wandel der Zeit, birgt; es ist kein einfaches Handwerk mit festgesetzten Regeln, es gibt kein „Kochrezept“ für Unterrichtsgestaltung und Konfliktlösung. Mit den verschiedenen im Studium zu erlenenden Theorien wird einem so zwar keine direkte Lösung, aber eine Orientierungshilfe im späteren Berufsleben gegeben, denn erst durch das Erlernen der Theorie wird man zu einem Urteil befähigt.

Warum ist ein wissenschaftliches Studium sinnvoll für pädagogische Praxis?

Bei meinem Studium mit dem Berufsziel Gymnasiallehramt werde ich nach erfolgreichem Abschluss eine Schülerschaft unterrichten, deren Alter zwischen 11 und 20 Jahren liegt. Neben den fachlichen Anforderungen werde ich für jede verschiedene Altersklasse auch verschiedene Lehr- und Erziehungsmethoden anwenden müssen, um den Unterrichtsstoff gut vermitteln zu können und auch z.B. als Klassenlehrer grundlegende Erziehungsfragen, angefangen von Streitschlichtung bis zur Förderung des klasseninternen Zusammenhalts, lösen zu können.

 

Gerade bei einer jüngeren Schülerschaft ist es wichtig, mit bestimmten pädagogischen Konzepten behutsam die jungen Schülerinnen und Schüler an komplexe Sachverhalte heranzuführen. Die Erziehung zu Hause durch die Eltern ist oftmals sehr unterschiedlich. So hat der Pädagoge die Aufgabe, in einer Klassengemeinschaft Werte zu vermitteln, die nur in einer solchen Gemeinschaft zu lernen sind und durch die von der Gemeinschaft auch verursachten Konflikte zu schlichten.

 

Die Handlungskompetenz des Pädagogen ist allerdings nicht so weit gefasst, dass er jeden Konflikt als eine Art Richter oder Autorität beenden soll, er muss vielmehr dafür sorgen, dass seine Schülerinnen und Schüler selbst lernen, mit Konflikten umzugehen. An das Studium der Erziehungswissenschaft habe ich die Erwartung, dass ich sowohl in der Theorie als auch in der Praxis geschult werde, die oben beschriebenen Aufgaben zu meistern. Da sich bereits im ersten Semester ein relativ hoher Anteil an psychologischer Theorie und Geschichte abzeichnete, hoffe ich, dass auch noch ein gebührender Teil des Studiums sich mit etwas greifbareren Themen der Erziehung beschäftigt als mit der sicherlich nicht uninteressanten, aber gleichwohl in vielen aktuellen Fragen der Erziehungswissenschaft weniger hilfreichen Geschichte der erziehungswissenschaftlichen Theorien. Dies wäre sicherlich ein Vorteil einer praktischen Ausbildung, in der vielleicht die reine Handlungskompetenz in Konfliktfällen besser geschult werden könnte. So eine Ausbildung würde bei einem entsprechenden Verzicht auf Theorie auch gewiss eine kürzere Dauer haben und vielleicht mehr wirklich an Erziehung interessierte Leute reizen, die in einer wissenschaftlichen Ausbildung keinen Sinn sehen oder vor dem Theorieanteil zurückschrecken. Andererseits hilft gerade den Hauptfachstudenten der Erziehungswissenschaft, die Ursprünge und Entwicklungen der Erziehung nachzuvollziehen, um sich genauer mit bestimmten „Spezialfällen“ der Erziehung zu beschäftigen. Deswegen sollte man darüber nachdenken, ob man nicht die Studenten mit dem Ziel der praktischen Ausübung ihres Berufes auch eher eine Ausbildung zukommen lässt, die sich weniger auf die Theorie stützt. So könnte man auch sicherlich den Berufseinstieg derjenigen erleichtern.

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