Portfolioarbeit im Kunstunterricht (Planungsraster für eine eigene Portfolioarbeit)

In diesem Beitrag möchte ich gerne mein eigen erdachtes (e)Portfoliokonzept vorstellen und zusätzlich ein Beispiel geben, wie ich den Arbeitsauftrag behandeln würde.

Rahmenbedingungen:

Art des Portfolios: (e)Portfolio, Entwicklungsportfolio, Rechercheportfolio
Portfolio-Modell: Einheitsmodell – Der ganze Unterricht dient der Erstellung und Auswertung der Portfolios.
Programme zur Erstellung des (e)Portfolios: Word, WordPress, Tumblr, InDesign(optimal)
Schule/ Klasse: 11. – 13. Klasse, Gymnasium (Leistungskurs Kunst)
Fach: Kunst
Thema: (Post-) Moderne Kunst, Gegenwartskunst, 21. Jhd.
Zeitrahmen: 20 – 24 Schulstunden
Voraussetzungen: Die SuS haben die Kunst des 20. Jahrhunderts schon behandelt. Die SuS haben bereit gelernt wie man Bildbeschreibungen und Bildinterpretationen erstellt. Die Schüler haben diverse Bücher über Künstler des 21. Jahrhunderts zur Verfügung.
Schüler-Laptops vorhanden. Smartboard im Klassenraum.

Arbeitsauftrag: Such dir einen Künstler/ eine Künstlerin der Moderne heraus und untersuche seine/ihre Arbeit in Form eines (e)Portfolios. Fertige zusätzlich eine eigene künstlerische Arbeit an, die mit dem/der von dir gewählten Künstler/in zusammen hängt. Deine künstlerische Arbeit kann den/die Künstler/in thematisieren, zitieren sowie seiner/ihrer Arbeit ähneln(muss aber nicht). Denk dir was aus!

Vorgaben/ Arbeitsauftrag:

1. Themenfindung, Ziele, persönlicher Bezug
2. Gliederung – Inhaltsverzeichnis, Seitenzahl
3. Zeitliche Planung
4. Lebensgeschichte des Künstlers/ der Künstlerin
5. Stil und Kunstrichtung
6. Die künstlerische Arbeit/ Vorstellen
7. Werkbeschreibung einer Arbeit
8. Interpretation der selben Arbeit
9. Eigene Meinung zu der Arbeit des Künstlers (Kritik)
10. Eigene Ideen/ eigene künstlerische Arbeit zu dem Künstler/ der Künstlerin
11. Reflexionstext zu der Portfolioarbeit
12. Präsentation und Feedback

Behandlung der Vorgaben in kurzer Ausführung:
1. Thema: Die Malerei von Daniel Richter, Ziel: mehr über den Künstler und seine Kunstwerke zu erfahren Persönlicher Bezug: Interesse an den Arbeiten, sympatischer Typ
2. Gliederung
3. Zeitliche Planung
4. Lebensgeschichte des Künstlers: 1962 in Eutin geboren usw.
5. Stil und Kunstrichtung: Malerei, Post-Moderne Kunst. Neo-Expressionismus
6. Die künstlerische Arbeit: Großformatige Bilder, die meistens Bezug auf politische Themen nehmen.
7. Werkbeschreibung einer Arbeit: Das Bild „Dog Planet“ ist ein Ölgemälde im Querformat, 280 cm x 351 cm. Es zeigt mehrere uniformierte Gestalten und Schäferhunde. usw.
8. Interpretation einer Arbeit: Das Bild „Dog Planet“ von 2002, thematisiert möglicherweise die zunehmende staatliche Überwachung und Kontrolle. usw.
9. Eigene Meinung zu der Arbeit des Künstlers (Kritik): Ich habe Schwierigkeiten damit, dass Daniel Richter politische Themen in der Gegenwartskunst thematisiert. Kunst ist für politische Aussagen die falsche Plattform, da moderne Kunst zu wenig Menschen erreicht. usw.
10. Eigene Ideen, eigene künstlerische Arbeit: Ich möchte, ebenso wie Daniel Richter, ein großformatiges Bild malen. Thematisch soll es von Amokläufen an Schulen handeln.
11. Reflexiontext: Durch die Arbeit an meinem Portfolio und an meiner künstlerischen Arbeit habe ich mich intensiv mit dem Künstler und mit modernen Kunst beschäftigt. Dadurch habe ich viele neue Erkenntnisse gewonnen. usw.
12. Präsentation und Feedback

Daniel Richter, Dog Planet 2002

 Arbeitsphasen (4-5 Doppelstunden):

4 Stunden: Recherche und (e)Portfolioarbeit. Lehrkraft als Berater.
4 Stunden: Bildbeschreibung, Bildinterpretation und Kritik im (e)Portfolio.
HA: Vorbereiten auf die Praktische Arbeit (Überlegen was man machen möchte, Materialien sammeln usw.).
8 Stunden: Praktische künstlerische Arbeit.
HA: Die eigene künstlerische Arbeit dokumentieren und in das (e)Portfolio mit einbauen.
4 Stunden: Präsentation der (e)Portfolioarbeit und der praktischen Arbeit vor der gesamten Klasse. Gemeinsame Gespräche über das Portfolio und die künstlerische Arbeit. Feedback.

Lernziele:

Auseinandersetzung mit einer fachlichen Herausforderung.
Fähigkeit, sich Zugang zu neuem Wissen zu erschließen und es zu sichern.
Fähigkeit zum selbstständigen kritischen Denken und Urteilen.
Eigenständiges und kreatives Arbeiten, sowohl an der künstlerischen Arbeit als auch am Portfolio.
Kommunikationsfähigkeit bei der Präsentation der eigenen Arbeit.

Individuelle Förderung, Stärken der SuS herausfinden.
besonderen Interessen.
Phantasietätigkeit.
Reflexionsfähigkeit.

Bewertung:
(Ist immer schwierig im Kunstunterricht.)
Vollständigkeit
Qualität der Bearbeitung (Bildbeschreibung und Interpretation, (e)Portfolio)
Individualität
Qualität der künstlerischen Arbeit
Feedback durch die Lehrkraft

Portfolios werden ausgedruckt und als Heft gebunden. Schüler erhalten eine Sammlung von modernen Künstlern.
 

Lunas Blaudruckportfolio

blaudruck

Lunas Blaudruckportfolio – Vorstellung und Reflexion

Rahmenbedingungen

Art des Portfolios: Entwicklungsportfolio – Themen- oder Rechercheportfolio
Schule/ Klasse: 2. Klasse, Grundschule, Berliner Schule am Rohrgarten
Fach: Bezüge zur Heimatkunde, zu Deutsch und zu Kunst bzw. Handarbeit
Oberthema: Ein Spaziergang durch Zehlendorf
Die SuS mussten sich in diesem Rahmen ein Thema wählen. Insbesondere sollte es um Handwerke gehen, die dort auch vertreten waren.
Schülerin: Luna Behrens
Lehrerin: Cordula Witte
Lunas gewähltes Thema zum Oberthema: Wie haben die Menschen früher gelebt. Wie die Mode früher war.
Bei einem Museumsbesuch sah Luna eine Blaudruckerin und interessierte sich für diese alte Technik. Damit sie ihr Portfolio erstellen konnte, besuchte sie die Blaudruckerin noch einmal mit ihrer Mutter und schrieb dann – entsprechend den Vorgaben – einen Bericht, eine Phantasiegeschichte und fertigte auch künstlerische Produkte an.

Die Schülerin:
• erarbeitet Grundlagen und Fragen
• hat Lernphasen, in denen sie recherchiert, problemlösend oder entdeckend arbeitet
• beobachtet ihre Arbeitsprozesse, berichtet darüber, reflektiert und bewertet sie.
• hat Phasen in denen die Lernerträge präsentiert und besprochen werden
• bekommt ausführliche inhaltliche Rückmeldungen
• hat Gespräche, in denen Arbeiten und die darin zutage getretenen besonderen Stärken, Talente und Entwicklungsschritte behandelt werden und auch die Mängel, Defizite und Lernerfordernisse, die deutlich geworden sind;
• eine Dokumentation der Leistungen, in der wichtige Spuren und Erträge der Arbeit festgehalten sind.
• die Eltern werden in die Portfolioarbeit mit einbezogen (Luna hat mit ihrer Mutter die Blaudruckerin besucht und auch am Portfolio lässt sich, Anhand der Rechtschreibung und des Satzbaus, erkennen das eine weitere Person mitgewirkt hat)

Was man Anhand des Portfolios über die Schülerin erfährt:
• ihre Fähigkeit, Vorgänge zu versprachlichen;
• der Stand ihrer Schreibentwicklung;
• ihre künstlerischen Fähigkeiten;
• ihre Fähigkeit, selbst einen Arbeits- und Lernprozess zu organisieren
• ihre besonderen Interessen
• Phantasietätigkeit
• Reflexionsfähigkeit

Stärken, Schwächen und Förderbedarf:
• Stärken: kommunikative, künstlerisch-handwerkliche und reflexive Fähigkeiten
• Schwächen: es könnte überlegt werden, welche Ordnungsmittel sie nutzen lernen könnte, damit die Arbeitsabläufe nicht durch ihre Tendenz zur Unordnung gestört werden
• Förderung: beispielsweise, dass Lunas künstlerische und handwerkliche Fähigkeiten und ihr besonderes Interesse an Stoff und für das Nähen weitere Betätigungsfelder bekommen und so gefördert werden

Eigene Stellungnahme:
An dem Beispiel von Lunas Blaudruckportfolio habe ich nichts auszusetzen. Mir gefällt das Konzept des Rechercheportfolios. Im bereich des kreativen Arbeitens sowie in der Kunstpädagogik bietet sich Portfolio arbeit an. Die SuS verinnerlichen die bearbeitete Thematik, durch die Auseinandersetzung mit ihrem Portfolio. Zudem haben sie am Ende, mit ihrem Portfolio, ein eigenes Werk geschaffen bzw. erarbeiten sich ein eigenes Werk oder Produkt, was die SuS zusätzlich motiviert. Ich denke, dass man von einem kreativ gestalteten oder künstlerischen Portfolio sehr lange seine Freude hat. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass ich mir alte Portfolio-Arbeiten gerne wieder anschaue. (Z.B. ein Portfolio zu dem Roman „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink, welches ich im Deutsch und Kunstunterricht erstellt habe). Genauso kann ich mir bei Luna vorstelle, dass sie ihr Portfolio aufbewahren wird und sich immer wieder daran erfreuen wird.

Portfolio Definition/ Typen/ Zweck

Definition

Portfolio – abgeleitet vom italienischen „portafoglio“, portare = tragen, foglio = Blatt, Portfolios zeichnen sich durch ihre Transportierbarkeit aus. Ursprünglich kommt der Begriff aus der Renaissance und bezeichnet eine Mappe zur Sammlung von Dokumenten. Die enthaltenen Dokumente sind Arbeiten, die die Qualität und die Entwicklung von beispielsweise Künstlern oder Architekten zeigen sollen.

Nachweis bzw. Darstellung und Einschätzung bzw. Bewertung von Kompetenzen und deren Weiterentwicklung.

„Ein Portfolio ist eine zielgerichtete Sammlung von Arbeiten, welche die individuellen Bemühungen, Fortschritte und Leistungen der/des Lernenden auf einem oder mehreren Gebieten zeigt. Die Sammlung muss die Beteiligung der/des Lernenden an der Auswahl der Inhalte der Kriterien für die Auswahl, der Festlegung der Beurteilungskriterien sowie Hinweise auf die Selbstreflexion der/der Lernenden einschließen. (Paulson et. al. 1991)“

Typen – Arten von Portfolios

Produktportfolio
Entwicklungsportfolio
Dokumentationsportfolio
Bewertungsportfolio – direkte Leistungsvorlage
Lehrportfolio – verbindet Evaluation, Qualifikation und Weiterbildung. Dokumentiert und bewertet selbstbestimmt die eigenen Lehrleistungen. Dieser Prozess wird zugleich als selbstgesteuerte Verbesserung und Weiterentwicklung der eigenen Lehrkompetenz  wahrgenommen und genutzt.

Prozessportfolio, Abschlussportfolio, Vorzeigeportfolio, Projektpotfolio, Lernportfolio Bewerbungsportfolio, Beurteilungsportfolio, Talentportfolio, Arbeitsportfolio, Medienportfolio, Kompetenzportfolio, electronic portfolio
Kompetenzportfolio – Nachweis bestimmter Qualifikationen
Projektportfolio – in der Form mit dem Unterricht verbunden
Epochenportfolio – der Zeitraum über den ein Portfolio geführt wird
Medienportfolio – ein Medium in dem ein Portfolio erstellt wird

Zweck eines Portfolios

Leistungsvorlage.
Auseinandersetzung mit einer fachlichen Herausforderung.
Veränderung der Leistungsbewertung
Individuelle Förderung (Stärken suchen, Talente fördern). Differenzierte Förderung. Beurteilung von Fähigkeiten.
Persönlichkeitsentwicklung,
Ein Portfolio dient dazu, den Lernprozess besser zu steuern.
Problemorientiertes Handeln.
Sichern des Wissens.
Fähigkeit zum selbstständigen kritischen Denken und Urteilen.
Fähigkeit, sich Zugang zu neuem Wissen zu erschließen.
Fähigkeit allein und in Gruppen zu arbeiten. Entfaltung der Kommunikationsfähigkeit.
Fähigkeit zum intuitiven, analogen und vernetzten denken.
Sorgfältiges Ressourcenmanagement

Dialogische Didaktik

Wechsel der Gesprächsrollen und der Perspektiven (z.B. Lehrer, Schüler).

Die Lernenden können verschiedene Rollen einnehmen:
Sprecher: Die Lernenden dokumentieren und erklären
Zuhörer: Die Lernenden nehmen die Perspektive ihrer Lehrkräfte oder Lernpartner ein und versuchen zu verstehen: Wie machst du es?
Beobachter: Die Lernenden ziehen Bilanz, strukturieren und automatisieren ihr Wissen um in der Rückschau, Gelerntes zu zeigen und zu erklären

 Handhabungen von Portfolios im Unterricht

Parallel Modell – Schüler erstellen Portfolios thematisch und zeitlich unabhängig im Unterricht unter einem Coaching durch die Lehrkraft.
Zentripetal Modell – Lehrkraft integriert  Elemente der Schüler-Portfolios punktuell in den Unterricht.
Zentrifugal Modell – Schüler behandeln aufgrund exemplarischer Unterrichtsinputs ihre eigenen Themen methodisch gleich oder ähnlich in ihren Portfolios.
Einheitsmodell – Der ganze Unterricht dient der Erstellung und Auswertung der Schüler-Portfolios.

Überlegung: Portfolios in verschiedenen Fächern

Lehrplan und Freiheit (Stichpunkte)

Kunst: Projektmappe – (künstlerisches) Entwicklungsportfolio: Werke zusammentragen, reflektieren, Produktportfolio: Künstler, Gestaltung des Portfolios

Deutsch: Produkt/Entwicklungsportfolio: Buchreflexion, Entwicklungsportfolio: Lerntagebuch, Lesetagebuch.

Mathematik: Entwicklungsportfolio: Bsp.: Modellierungsaufgaben, Modellierungskompetenz weiterentwickeln. Aufgabenpool – Auswahl. Wie die SUS vorgegangen sind, was sie gelernt haben.

Biologie/ Geografie: Entwicklungsportfolio: Fächerübergreifend

AUFBAU:

Einführung des Portfolios, Eltern, Kollegium besprechen

Datenschutz: Blogadresse immer öffentlich! Blog offline???? Rechte an WordPress? Medienkompetenz? Gemeinsame Basis. Gemeinsamer Blog. Sichbarkeit PW-geschützt, Wird der Blog Überwacht

Verfügbarkeit Computer/Tablets

Etablierung im Unterricht, zentrifugal – zentripetal

Zeitliche Einordnung

Motivation

Einzelportfolio, Gruppenportfolio

Raster: Entscheidungen – Design

Lehrplan /Stärken berücksichtigen

Bewertung: Welche Art von Portfolio, Bewertung,Beurteilung, begleitend,

Notendiskussion – formative Evaluation, summative Evaluation

Kriterienraster, Transparenz

Was ist eigentlich ein Portfolio?

Brainstorming:

Sammlung von Objekten eines bestimmten Typs (Wikipedia)

Ein Portfolio ist ein Konstrukt um eigene Leistungen zu präsentieren.

Konzeptionelle Überlegungen

Selbsteinschätzung. Präsentation.

Show Case Portfolio. Entwicklungsportfolio

Neue Lernkultur. Individualisiert. konstruieren denken handeln

Bewertung:  neue Lernkultur/Bewertungsmethoden. Entwicklung? Prozess oder Produkt im Vordergrund.

Prozess begleiten, dokumentieren, reflektieren

Sackgassen beschreiben…

Impressum und Nutzungsbedingungen