Didaktik heiliger Texte

Die Hermeneutik sakraler Texte

 

reihe caligraphy

 

Reading behind the text

Die Absicht des Autors bestimmt den Sinn des Texts

Hier geht es darum, die UmstĂ€nde zu beschreiben unter denen ein spezieller Text produziert wurde.  Was wollte der ursprĂŒngliche Autor/die Autoren kommunizieren und wie könnte die damalige Zuhörerschaft reagiert haben? Die eigentliche Herausforderung ist, den Kernpunkt herauszuarbeiten. Daher ist es unsere Aufgabe durch Hinterfragen, den Horizont des Autors (der oft anonym bleibt) zu ermitteln. Sobald mehr Klarheit ĂŒber das Genre eines Texts besteht – sei es ein MĂ€rchen, ein Gesetz, eine Liturgie, ein Sprichwort oder eine Predigt – kann man RĂŒckschlĂŒsse ĂŒber seinen Sitz im Leben ziehen. Es ist auch möglich, im Text nach Hinweisen zu suchen, die Informationen ĂŒber das Warum, Wann und Wo des Zustandekommen eines Textes liefern.  Also, die standardisierten Methoden mit denen Historiker alte Texte lesen.

Um den SchĂŒlern die Möglichkeit zu geben, sich als Historiker zu betĂ€tigen, sollte man ihnen Lernstrategien vermitteln.

 

Reading within the text

Der Sinn erschließt sich innerhalb des Texthorizonts

Der Text wird hier als zeitloses Kunstwerk betrachtet. Die Frage der Autorenschaft und Entstehungsgeschichte des Texts ist somit irrelevant. Das Genre des Texts ist nur relevant um geeignete Mittel der Textanalyse auszuwÀhlen. Die Interpretation kann sich daher u. a. beziehen auf  die Struktur, den ErzÀhler, die Rollen oder die Handlung.

Auch hier sollte man den SchĂŒlern Lernstrategien der literarischen Analyse nahe bringen, damit sie sich als Literaturkritiker betĂ€tigen können.

 

Reading in front of the text

Die Bedeutung des Texts liegt in der Reaktion des Lesers. Der Schwerpunkt liegt hier in dem Horizont des Lesers

Der Text wird zur Inspiration um etwas Neues zu produzieren – er wird somit zum Spiegel in dem das Hauptaugenmerk auf dem Horizont des Lesers liegt.  Themen des Texts, wie z.B. Dilemmata der menschlichen Existenz, aber auch das Genre des Texts sowie andere aufgeworfene Fragen dienen als Ausgangspunkt. Sie können radikal verĂ€ndert werden und neue Ausdrucksformen annehmen, z.B. visuelle Kunst, Tanz, darstellendes Spiel etc. Diese Art den Text zu lesen nimmt starken Bezug auf den Leser und fördert seine Selbsterkenntnis und auch sein Selbstbewusstsein, da Parameter wie Alter, sexuelle Orientierung und soziale Klasse der Interpreten eine wesentliche Rolle spielen. Im allgemeinen gilt, dass Re-interpretation ja ein besonderes Merkmal von vielen Kunstformen ist.

Der SchĂŒler sollte sich hier dem Text gegenĂŒber als kreativer KĂŒnstler betĂ€tigen.

 

Reading the text

Die Bedeutung des Texts wird erfahren

Der Fokus liegt auf der Reproduktion des Texts, als öffentliche Lesung, als Gesang oder Sprechchor, Rezitation oder als Kalligraphie. Es findet in dem Prozess der Reproduktion jedoch auch eine subtile Interpretation statt, visuell oder das Gehör betreffend. Diese Art der Interpretation ist auch eine Art des „Reading in front of the text“, allerdings innerhalb festgelegter Parameter. In vielen religiösen Kulturen hat sich diese Art der Ă€sthetischen BeschĂ€ftigung mit dem Text in eine Vielzahl von Kunstformen entwickelt.

Der SchĂŒler sollte hier Hilfestellung bekommen um Texte direkt zu erfahren, sei es durch Nachschreiben fremder Texte oder der Erfahrung einer Rezitation.

 

 

GM/2014

 

 

 

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