Christina Schwalbe

Nachgedacht statt nachgemacht!

Digitale Gesellschaft – Digitale Bildung?!

Christina Schwalbe | Oktober 13, 2014 | Kommentare deaktiviert für Digitale Gesellschaft – Digitale Bildung?!

Das BMBF hat in diesem Jahr das Wissenschaftsjahr „Digitale Gesellschaft“ ausgerufen – und damit deutlich gemacht, dass der aktuelle technologische Wandel eben nicht nur ein technologischer Wandel ist, sondern vor allem auch ein sozialer und kultureller Wandel.

Unter der Schirmherrschaft von Vizepräsidentin Prof. Dr. Rupp haben wir, das eLearning-Netzwerk der Uni Hamburg, aus diesem Grund eine Ringvorlesung „Digitale Gesellschaft“ auf die Beine gestellt. Den Auftakt macht eine Podiumsdiskussion zum Thema „Digitale Gesellschaft – Digitale Bildung?!“

http://www.aww.uni-hamburg.de/de/oeffentliche-vortraege/programm/11-digitalgesellschaft.html

Die Zeit und auch andere große Massenmedien postulieren seit geraumer Zeit immer wieder die „Revolution der Bildung“ – und sprechen hier vor allem über MOOCs, d.h. über große, frei zugängliche Kurse im Netz, die zunehmend auch von großen Universitäten meist in den USA aber seit einer Ausschreibung des Stifterverbandes im letzten Jahr auch hier in Deutschland angeboten werden. Aber ist das nun die große Revolution? Endlich der große neue Wurf, nachdem das Schulfernsehen der 70er und die eLearning-Euphorie der 90er bisher ihre Versprechen nicht einlösen konnten? Das Internet verändert auf jeden Fall vieles – insbesondere die Formen der Kommunikation und Produktion von Wissen.

Zumindest auf den ersten Blick aber scheinen Bildungsinstitutionen noch nicht sonderlich revolutionär auf die technologischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen zu reagieren. Aber müssen sie das denn? Brauchen wir nicht auch weiterhin Orte der Konzentration, der Auseinandersetzung mit Wissen, in denen das Internet als permanente Ablenkung soweit wie möglich rausgehalten wird? Oder machen sich Bildungsinstitutionen auf lange Zeit überflüssig, wenn sie die Digitalisierung verschlafen und gleichzeitig im Netz zahlreiche offene Bildungsangebote entstehen? Verändert sich das Lernen im Netz tatsächlich? Und müssen wir davon ausgehen, dass auch die gesellschaftliche Selektion, die traditionell von Bildungsinstitutionen durch das Prüfungswesen mit übernommen wird, neue Formen annehmen wird? …?

Die Meinungen zur Digitalisierung der Bildung schwanken zwischen euphorischem Glauben an eine Demokratisierung von Bildung, einem offenen und freien Zugang zu Wissen und zur Ermächtigung des Individuums durch die erweiterten Möglichkeit zur Partizipation auf der einen Seite und zwischen kritischer Ablehnung digitaler Medien wegen fehlender oder nicht akzeptierter Formen der Qualitätssicherung von Inhalten, Kritisierung neuer Formen der öffentlichen Kommunikation, die stark geprägt ist von privaten, scheinbar irrelevanten Inhalten, die Ablehnung der zunehmenden Individualisierung und Neoliberalisierung im Netz sowie der Angst nach einer Entmenschlichung des Sozialen durch die digitalen Medien auf der anderen Seite.

Gemeinsam mit vier fachkundigen und kritischen Experten wollen wir diskutieren, was das denn eigentlich sein soll, die „Digitale Gesellschaft“, was Bildung in und für eine „Digitale Gesellschaft“ bedeutet – und vor allem, welche Rolle dem Bildungssystem in der aktuellen Umbruchsituation zukommen kann (und sollte). Sie sind herzlich eingeladen, sich an der Diskussion vor Ort zu beteiligen!

TeilnehmerInnen auf dem Podium sind:

Dr. Nils Weichert, Leitung Abteilung Bildung und Wissen, Wikimedia Deutschland, Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V. , Berlin
Lisa Rosa, Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung, Referat für Gesellschaft
Jun.-Prof. Dr. Mandy Schiefner-Rohs, Fachbereich Sozialwissenschaften, Arbeitsbereich Schul­entwicklung, Technische Universität Kaiserslautern
Prof. Dr. Thomas Weber, Institut für Medien und Kommunikation, Universität Hamburg
Dr. Martin Lindner, Consultant und Partner bei wissmuth: wissen | visuell | sozial, Freising

Moderation: Christina Schwalbe, Leitung eLearning Büro der Fakultät für Erziehungswissenschaft

Wann und wo?
Donnerstag, 23.10.2014, 18-20 Uhr, Philosophenturm, Von-Melle-Park 6, Hörsaal F

Holt die Gadgets in die Schule!

Christina Schwalbe | September 29, 2014 | Kommentare deaktiviert für Holt die Gadgets in die Schule!

Kürzlich durften mein Kollege Ralf Appelt und ich Klartext reden auf Xing – und haben ein paar Forderungen an die Bildungspolitik und die Schulentwicklung formuliert. Es geht uns in unserer täglichen Arbeit und in dem Artikel insbesondere darum, endlich den digitalen Alltag auch in die Schulen einziehen zu lassen und das „Neuland“ als Teil unserer Lebenswelt zu akzeptieren und vor allem die Bedeutung für Leben, Lernen, Arbeiten gemeinsam mit den Lernenden zu reflektieren. Unser knappes Fazit lautete:

Kurz gesagt: Wenn digitale Medien in die Schule kommen, geht es nicht nur um alten Wein in neuen digitalen Schläuchen, nicht nur um die Fortführung gewohnter Lehre mit neuen Mitteln, mit neuer Technik. Die Leitfrage muss viel eher – eigentlich ganz simpel – lauten: Was sind notwendige Bildungsziele für eine digitale Welt? Und wie können diese sinnvoll erreicht werden?

Der vollständige Artikel ist zu finden  im Xing Spielraum.

Die VHS in der digitalen Gesellschaft

Christina Schwalbe | September 15, 2014 | 4 Comments

Am 29. und 30.9.2014 findet in Offenburg die Bundesfachbereichskonferenz Arbeit und Beruf des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (#vhsberuf14) statt. Thema der diesjährigen Fachtagung ist „Neue Onlinekultur“. Die Konferenz dreht sich dabei um zentrale Fragen, die sich für Volkshochschulen durch die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft stellen:

Wie verändern sich Lernen und Lehren in Zukunft? Welche Chancen bieten sich und wo sind (noch) die Grenzen? Wo wird schon heute digitales Lehren und Lernen gelebt und wo müssen wir uns noch auf den Weg machen?

 

Du bist die Konferenz – Du bist das BarCamp!
Am zweiten Konferenztag wird es ein Mini-BarCamp geben, um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit zum intensiven Austausch über konzeptionelle oder praktische Fragen zu geben. Als Oberthema wurde mit „Weblernwelten in der VHS planen, entwickeln, implementieren“ ein Titel gewählt, der explizit die praktische Arbeit an dem Thema in den Mittelpunkt rückt.

Keynote zu Herausforderungen für die VHS in der digitalen Gesellschaft
Ich werde zur Eröffnung der Konferenz einen Vortrag halten zum Thema „VHS to go?! – Herausforderungen für Volkshochschulen in der digitalen Gesellschaft“. Der Vortrag soll als Einstieg in die Fachtagung Fragen aufwerfen über die Position und Rolle von Volkshochschulen in einer digitalen Gesellschaft, die während der Tagung – und vielleicht auch insbesondere im BarCamp am zweiten Tagungstag – als Hintergrund für Überlegungen zur zukünftigen Gestaltung des VHS-Bildungsangebotes dienen können und sollen. Read more

Perspektivwechsel in der Hochschulentwicklung

Christina Schwalbe | Juni 18, 2014 | Kommentare deaktiviert für Perspektivwechsel in der Hochschulentwicklung

Vor ein paar Tagen durfte ich auf der Tagung „Junges Forum Medien und Hochschulentwicklung“ in Dresden die Keynote halten. Über diese Anfrage habe ich mich sehr gefreut – und dann diese tolle Chance genutzt, um bei den Tagungsteilnehmern, die fast alle aus einer anwendungsorientierten Forschungsperspektive auf das Feld Medien – Bildung – Lernen – Hochschulentwicklung schauen, einen kleinen Blick über den eigenen Tellerrand anzuregen.

Das Tagungsmotto war „Trendy, hip und cool – Auf dem Weg zu einer innovativen Hochschule?“ und der Titel meines Vortrags lautete „Medien, Bildung, Innovationen – Medienentwicklung an der Hochschule zwischen Theorie und Praxis“.  Unter diesem Titel habe ich – soweit es in der Kürze der Zeit möglich war – dargelegt, welche theoretisch-konzeptionellen Rahmungen unserer praktischen Arbeit zugrunde liegen. In erster Linie ging es um eine kulturwissenschaftliche Rahmung für die Hochschulentwicklung, gegründet auf der grundlegenden Frage, was die Funktion der Universität ist, war und sein wird – und welche Rolle Medien hier abseits von ihrer Funktion als Mittel und Mittler in Lernprozessen spielen. Ich freue mich sehr, dass ich mit meinem zum Teil sehr theorielastigen und abstrakten Vortrag über die Funktion der Universität und dem generellen Zusammenhang von Medienentwicklung und kultureller Entwicklung der Universität zu einigen spannenden Nachfragen und Diskussionen anregen konnte.

Medien, Bildung, Innovationen – Medienentwicklung an der Hochschule zwischen Theorie und Praxis from Christina Schwalbe

(Wieso) Brauchen wir den Begriff „eLearning“?

Christina Schwalbe | Juni 6, 2014 | Kommentare deaktiviert für (Wieso) Brauchen wir den Begriff „eLearning“?

Für das kommende Hamburger eLearning Magazin (#12 – eLearning in der Erziehungswissenschaft) habe ich gemeinsam mit Ralf Appelt einen einführenden Artikel zur besonderen Beziehung von eLearning und Erziehungswissenschaft geschrieben. Meine Gedanken zu diesem Thema, die in den Artikel eingeflossen sind, zielen ab auf die Frage, warum eLearning in der Erziehungswissenschaft eben mehr ist als ein methodischer Ansatz und welchen Sinn der Begriff „eLearning“ in diesem Zusammenhang hat. Ähnliche Gedanken hatte ich auch zuvor bei einem Vortrag auf der Campus Innovation 2013 geäußert.

Auszug aus dem Artikel:

“Eine zentrale pädagogische Aufgabe ist die Begleitung von Lern- und Bildungsprozessen Heranwachsender, um nachfolgende Generationen zur aktiven Teilhabe an der Gesellschaft zu befähigen. Auch im Bereich der Erwachsenenbildung geht es sehr häufig um die Begleitung von Prozessen des Lebenslangen Lernens mit dem Ziel, die Fähigkeit zur Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen zu steigern. Pädagoginnen und Pädagogen müssen daher ein Problembewusstsein für die aktuellen und kommenden gesellschaftlichen Herausforderungen besitzen bzw. während des Studiums dabei gefördert werden, dieses zu entwickeln, um als Begleiter bei der Entwicklung von Kompetenzen zur Orientierung und Partizipation in der Gesellschaft zu unterstützen.

Als Leitkonzept universitärer erziehungswissenschaftlicher Lehre ist in diesem Sinne ein Bildungsverständnis notwendig, dass sich nicht nur an einer materialen Bildungstheorie orientiert, d.h. Bildungsziele über zu vermittelnde Inhalte definiert, sondern vielmehr eine kategoriale Bildung als Bildungsideal anstrebt, die darüber hinaus auch formale Elemente enthält, wie dies z.B. Klafki vorschlägt. Er versteht Bildung als „Zusammenhang dreier Grundfähigkeiten“: der Fähigkeit zu Selbstbestimmung, zur Mitbestimmung und zur Solidarität1. Diese Fähigkeiten sollen Pädagogen auf ihre Educanten übertragen, insofern ist es natürlich erforderlich diese zunächst selbst zu erlangen. Explizit mitgedacht in Klafkis Bildungstheorie sind die gesellschaftlichen Dimensionen von Bildungsprozessen. Durch die rasante medientechnologische Entwicklung und die zunehmende Allgegenwärtigkeit digitaler Medien in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen und Prozessen sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Bildungsprozessen permanent im Wandel. Die für eine aktive Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen notwendigen Kompetenzen sind andere als noch vor einigen Jahren. Als zentral wird in dieser Hinsicht die Entwicklung eine reflexiven Medienbildung angesehen, die über eine rein anwendungsorientierte Mediennutzungskompetenz hinausgeht. Eine ebenfalls nicht materiale sondern formale Bildungstheorie liefert hier das Konzept der Strukturalen Medienbildung nach Jörissen und Marotzki2. Die Strukturale Medienbildung fokussiert auf die Analyse medialer Strukturen und nicht medialer Inhalte als Ausgangspunkt von Bildungsprozessen. Und genau an dieser Stelle greift die besondere Bedeutung digitaler Medien als Teil der erziehungswissenschaftlichen Lehre: Eine selbstverständliche und reflektierte Nutzung unterschiedlicher Formen digitaler Medien in der Lehre ist grundlegend notwendig, um die Auseinandersetzung seitens der Studierenden mit den strukturellen Herausforderungen im Umgang mit unterschiedlichen Medien zu fördern. Nur durch die aktive Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Formen der Kommunikation und Kollaboration kann es gelingen, ein Bewusstsein für die Merkmale digitaler Kommunikations- und Partizipationsformen und des Umgangs mit Wissen in digitalen Strukturen zu entwickeln.

Insbesondere in der Erziehungswissenschaft ist es daher notwendig, eLearning nicht als eine spezielle didaktische Form der Wissensvermittlung zu begreifen, sondern vielmehr generell die Bedeutung des “e”s beim “Learning” zu stärken. Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Begriff des eLearning in diesem Sinne (noch) sinnvoll ist, weil man die Beratung Lehrender zum Einsatz von eLearning als eine Art Trojanisches Pferd nutzen kann, um auch bei Lehrenden, die sich bisher weniger mit digitalen Strukturen auseinandergesetzt haben, ein Bewusstsein für die Notwendigkeit zur sinnvollen Integration digitaler Medien zu entwickeln. Oder wäre es vor diesem Hintergrund (wenigstens für die Erziehungswissenschaft) angebracht über alternative Begrifflichkeiten wie z.B. Digitale Bildung oder eben, wie oben bereits angesprochen Medienbildung nachzudenken?

  1. Klafki, Wolfgang (1994). Konturen eines neuen Allgemeinbildungskonzepts. In W. Klafki (Hrsg.), Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Zeitgemäße Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik. (S. 43-81). Weinheim [u.a.]: Beltz., S. 52 []
  2. Jörissen, Benjamin; Marotzki, Winfried (2009). Medienbildung – Eine Einführung. Stuttgart: UTB. []

„Die Schnittstelle von Theorie und Praxis produktiv nutzen…“

Christina Schwalbe | April 15, 2013 | Kommentare deaktiviert für „Die Schnittstelle von Theorie und Praxis produktiv nutzen…“

Das Projekt werkstatt.bpb.de – Digitale Bildung in der Praxis hat anlässlich des Starts der aktuellen Ringvorlesung »Medien & Bildung« Ralf Appelt und mich zum Hintergrund, der Geschichte und Zukunft der Veranstaltung befragt. Das Interview ist hier zu lesen – es zeigt ganz gut, welche Grundprinzipien unserer Arbeit insgesamt zugrunde liegen.

bpb: Warum wurde die Ringvorlesung »Medien & Bildung« 2006 ins Leben gerufen? Welche Absicht stand dahinter?

Christina Schwalbe / Ralf Appelt: Die Idee zur Ringvorlesung stammt von Prof. Dr. Torsten Meyer, der bis 2009 an der Universität Hamburg als Juniorprofessor für ästhetische Bildung mit dem Schwerpunkt Multimedia tätig war. Dem Konzept der Vorlesungsreihe liegt das Verständnis zugrunde, dass eine Pädagogik, die ohne Mittel und Mittelnde auskommt, die sozusagen un-mittel-bar ist, nicht denkbar ist. Daher ist es vor allem wichtig, den Begriff des Mediums nicht auf »neue« oder digitale Medien zu beschränken, sondern einen grundsätzlichen Zusammenhang von Medium und Bildung herzustellen und zu diskutieren. Denn auch bildungstheoretische oder pädagogisch-praktische Konzepte bleiben – vor dem Hintergrund eines umfassenden Verständnisses von Medien als zentralem Element pädagogischer bzw. kommunikativer Prozesse – lückenhaft, wenn der Zusammenhang von medientechnologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nicht mitgedacht wird. Die Ringvorlesung ist also nicht primär als eine medienpädagogische Veranstaltungsreihe zu verstehen, sondern bietet einen Raum, um interdisziplinäre Perspektiven auf das Themenfeld »Medien & Bildung« zu ermöglichen. Ziel der Ringvorlesung in dieser offenen Form ist es, durch die Integration unterschiedlichster Blickwinkel zum Nach- und Weiterdenken anzuregen.

bpb: Wie hat sich das Konzept seit 2006 durch Technik und Fortschritt in den Bereichen Medien und Bildung verändert?

Die inhaltliche Konzeption der Veranstaltung hat sich zumindest hinsichtlich der grundlegenden Gedanken wenig verändert. Mittlerweile gibt es inzwischen jeweils semesterweise wechselnde thematische Schwerpunkte.
Insbesondere in der Form der Veranstaltung änderten sich ein paar Dinge: Bereits ab der zweiten Durchführung gab es Videoaufzeichnungen fast aller Vorträge, die online bereit gestellt wurden – zunächst nur in einem geschlossenen System, nur für die Teilnehmenden an der Ringvorlesung. Etwas später wurden diese dann in ein Blog eingebunden. Mittlerweile wird auch ein Hashtag (#mms2013) angeboten, um die unterschiedlich rezipierenden Teilnehmenden via Twitter zu vernetzen; allerdings wurde dieses Angebot nur in geringem Umfang wahrgenommen. Im vergangenen Semester haben wir überlegt, die Veranstaltung in Richtung MOOC (Massive Open Online Course) zu entwickeln, wobei das »M« in diesem Fall eher für »Minimal« gestanden hätte. Leider konnten wir dieses Experiment aufgrund mangelnder Ressourcen – zumindest bisher – nicht durchführen. Die Idee bleibt jedoch bestehen…

bpb: Gibt es Themen, die in den Vorlesungen immer wieder relevant sind und denen daher ein hoher Stellenwert beigemessen werden kann? Welche sind das?

Technische Innovationen und insbesondere damit zusammenhängende kulturelle und soziale Veränderungen haben die Vortragsthemen stets beeinflusst. Dabei lag der Fokus der Vortragsthemen von Anfang an sehr häufig auf der Beobachtung und Beschreibung medientechnologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. Von dauerhafter Bedeutung sind dabei von Anfang an bis heute die schon zu beobachtenden bzw. auch potentiell noch kommenden Folgen dieser Veränderungen für Bildungsinstitutionen und Bildungsprozesse. Schule, Hochschule und außerschulische Bildung waren und sind somit – mindestens implizit – immer wieder Thema der Vorlesungen.

bpb: Auf der Webseite der Ringvorlesung wird diese u.a. damit beschrieben, dass es darum gehe, ein interdisziplinäres Bezugsfeld zu erkunden. Spiegelt sich diese Interdisziplinarität auch in der Zusammensetzung der Vorlesungsteilnehmerinnen und -teilnehmer wider? Aus welchen Fachbereichen kommen die Teilnehmenden?

Die Ringvorlesung wendet sich zunächst an alle an dem Themenkomplex interessierten Personen. Ein Großteil der Vorlesungsteilnehmenden sind jedoch Lehramtsstudierende. Hierbei ist die Fachrichtung unerheblich. Teilweise haben auch Studierende anderer Fächer (Psychologie, Informatik, Soziologie und Ethnographie) teilgenommen. Darüber hinaus waren häufig Lehrende oder Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen außerschulischer Bildungseinrichtungen zu Gast, die in den anschließenden Diskussionen aus der Praxis berichtet haben. Insofern war stets ein Abgleich zwischen theoretischen Erkenntnissen, Machbarkeiten und Anforderungen aus der Praxis möglich.

bpb: An Schulen wird meist in Fächer getrennt und weniger interdisziplinär gearbeitet. Ist das ein Problem bei der Verwirklichung von Medienbildung im Schulkontext?

Grundsätzlich lässt sich wohl sagen, dass weniger die Fächertrennung für die Integration der Medienbildung in den Schulalltag entscheidend ist, als vielmehr die Fähigkeit und Bereitschaft der Lehrenden, sich auf die aktuellen gesellschaftlichen und medialen Veränderungen einzulassen und zu akzeptieren, dass sich diese Entwicklungen auch grundlegend auf die pädagogische Arbeit auswirken (sollten). Dies ist ganz im Sinne dessen, was als elementare Botschaft der Ringvorlesung von Anfang an mitschwingt: Es ist notwendig, sich den grundlegenden Zusammenhang von Medien und Bildung zu verdeutlichen und anzuerkennen, dass die aktuellen medientechnologischen Veränderungen in Zusammenhang stehen mit kulturellen Entwicklungen, die auch die Prozesse von Lehren und Lernen nicht unberührt lassen.

bpb: Die Ringvorlesung identifiziert ein Spannungsfeld zwischen Theorie, Euphorie und Utopie einerseits sowie praxisbezogenen Aspekten andererseits. Können Sie das genauer erläutern?

Dieses Spannungsfeld war von Beginn an wahrnehmbar: theoretische Konzepte und Betrachtungen sind zumindest auf den ersten Blick recht abgekoppelt von der Praxis – oft geprägt von utopischen Ideen. Und gerade mit Blick auf die Potentiale aktueller Medien für die Unterstützung und Gestaltung von Bildungsprozessen gibt es einige Konzepte und theoriegeleitete Ausarbeitungen, die die neuen Kommunikations- und Partizipationsmöglichkeiten recht euphorisch als Katalysatoren einer neuen, eigenverantwortlichen, emanzipatorischen, partizipartiven und basisdemokratischen Bildungspraxis ansehen. Dabei werden diese recht idealtypischen Vorstellungen nicht auf ihre Realisierbarkeit hin überprüft. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche (medien-)pädagogische Projekte, die sich kaum mit theoretischen Gedanken zum Thema auseinandersetzen. Die Schnittstelle von Theorie und Praxis produktiv zu nutzen, für beide Seiten einen »Benefit« zu erzielen und sich nicht zu sehr in dem einen oder anderen Teilbereich zu verlieren, war stets die Herausforderung der Veranstaltung. Mit der Wahl des Themas “Medienbildung zwischen Utopie und Praxis” im Wintersemester 2012/2013 wollten wir genau dieses zentrale Anliegen der Ringvorlesung in den Fokus rücken und dazu anregen, Zusammenhänge zwischen (utopischer) Theorie und (medien-)pädagogischer Praxis herzustellen und zu reflektieren.

bpb: Wie wird es mit der Ringvorlesung »Medien & Bildung« künftig weitergehen? Welche großen Themenschwerpunkte wird es 2013 geben?

Seit Ende 2012 ist Alexander Unger als neuer Juniorprofessor für Medienpädagogik an der Universität Hamburg mit im Boot – damit wird es natürlich auch neue inhaltliche Impulse geben. Der Grundgedanke des interdisziplinären Austauschs und die Berücksichtigung gesellschaftlicher Bedingungen von Bildung, Lehren und Lernen bleiben jedoch als Leitthemen bestehen.
Die Ringvorlesung wird im kommenden Sommersemester 2013 die Diskussion um »Die medialisierte Gesellschaft?« in den Mittelpunkt rücken. Zentraler Ausgangspunkt dieses Themenschwerpunktes ist die Beobachtung, dass digital-vernetzte Medien mittlerweile alle Bereiche unseres Alltagslebens durchdrungen haben und eine kaum mehr wegzudenkende Grundlage unseres alltäglichen Handelns bilden. Es stellt sich vor dem Hintergrund der zunehmenden Ubiquität digitaler Medien die Frage, welche Beschreibung sich als viabel für die sich aktuell im Umbruch befindliche Gesellschaft erweist und welche Folgerungen sich daraus ableiten lassen.
Spätestens in den 1960er Jahren wurde deutlich, dass das Konzept der Industriegesellschaft nicht mehr hinreichend war, um den gesellschaftlichen Wandlungsprozess in seinem Kern zu erfassen. Lange Zeit dominierte in der Diskussion das Konzept der Wissensgesellschaft. In der aktuellen Diskussion zeichnet sich allerdings ab, dass insbesondere die sogenannten »Neuen Medien« eine zentrale Antriebskraft des gesellschaftlichen Wandels darstellen. Leben wir also in einer medialisierten Gesellschaft? Und was bedeutet die zunehmende mediale Durchdringung für unterschiedliche gesellschaftliche Felder und Institutionen? Welche Auswirkungen hat dieser mediale und kulturelle Wandel auf das Leben in dieser Gesellschaft?
Die Ringvorlesung »Medien & Bildung« widmet sich im Sommersemester 2013 diesen zentralen Fragen und eröffnet dabei die Sicht auf verschiedene Felder und Medien: Von der Fotografie über den Hörfunk bis zu Social Networks, vom Bereich der Freizeit bis zum Journalismus. Diese Umschau soll es ermöglichen die durch Medialisierung ausgelösten Umbrüche in verschiedenen Bereichen in den Blick zu nehmen, die für viele schon zur Normalität geworden sind.

Verantwortlich für die Koordination der Ringvorlesung im Sommersemester 2013 sind Jun. Prof. Alexander Unger und Christina Schwalbe.

Das Interview führte Jaana Müller für werkstatt.bpb.de, cc-Lizenz.

Social Media – Demokratie, Partizipation, Manipulation?

Christina Schwalbe | Oktober 28, 2011 | Kommentare deaktiviert für Social Media – Demokratie, Partizipation, Manipulation?

Diskussions- und Informationsabend
Freitag, 4. November 2011, 18-21 Uhr
VHS-Zentrum Mitte, Schanzenstraße 75

Social Media-Anwendungen wie Twitter, Facebook, Blogs, Wikis & Co. verändern die Formen von Kommunikation und Information – und damit auch die Formen gesellschaftlicher Willensbildung, der Grundlage demokratischer Prozesse. Statt Top-Down, also der Kontrolle medialer Kommunikation „von oben“ in Form redaktionell gesteuerter Massenmedien, gestaltet sich das Netz als ein Medium, dass dem Bottom-Up-Prinzip folgt: Es eröffnen sich potentiell jedem Bürger zahlreiche Chancen der Artikulation. Kommunikation verläuft im Netz ungesteuert, unkontrollierbar, vernetzt, schnell, direkt – und vor allem nicht notwendigerweise abhängig von Parteien, Institutionen, Massenmedien und deren Filtermechanismen. Die Offenheit von Information und Kommunikation könnte die Chance bieten auf einfache politische Partizipation für Jedermann. Das Social Web verspricht Transparenz, Freiheit, Ermächtigung und eine neue Form kollektiver Entscheidungsfindung – einige sogenannte Netcitizens beschwören hier einen Siegeszug basisdemokratischer Strukturen. Aber wie zuverlässig sind die Informationen, auf die wir permanent und überall Zugriff haben, als Grundlage politischer Meinungsbildung, wenn tradierte Filtermechanismen ins Wanken geraten? Wie stark beeinflussen kollektive Prozesse die individuelle Meinungsbildung? Entwickelt sich tatsächliche eine kollektive Intelligenz, oder ist es doch eher „mob stupidity“? Und welche Rolle spielt Bildung für Orientierung, Mündigkeit und Partizipation in den komplexen Informationsstrukturen des Social Web?

Zu diesem Thema veranstaltet die VHS Hamburg am Freitag, den 4. November 2011 | 18 – 21 Uhr  im VHS-Mitte einen Informations- und Diskussionsabend – als Fortsetzung der letztjährigen Diskussionsrunde zum Thema „Mehr Demokratie mit Web 2.0?“

Nach einem einleitenden Vortrag von Prof. Dr. Torsten Meyer zum medienkulturellen Wandel wollen wir Chancen und Risiken des Social Web als Medium politischer Partizipation und als Herausforderung für die politische Bildungsarbeit diskutieren.

Es diskutieren:

Guido Brombach (DGB Bildungswerk, pb21)
Agnieszka Krzeminska (Social Media Führerschein)
Dr. Jan Schmidt (Hans-Bredow-Institut Hamburg)
Wey-Han Tan (Universität Hamburg)
Henning Wötzel-Herber (ABC Bildungs- und Tagungszentrum e.V.)

Moderation: Christina Schwalbe (Universität Hamburg)

Vortrag: Prof. Dr. Torsten Meyer (Universität Köln)

Auch mal wieder was auf Papier…

Christina Schwalbe | April 16, 2011 | Kommentare deaktiviert für Auch mal wieder was auf Papier…

Die Veröffentlichungstermine sind zwar schon etwas her, dennoch möchte ich noch auf zwei Publikationen hinweisen, die kürzlich beim VS Verlag in der Reihe „Medienbildung & Gesellschaft“ erschienen sind und an deren Herausgabe ich beteiligt war:

Kontrolle und Selbstkontrolle – Zur Ambivalenz von E-Portfolios in Bildungsprozessen
Hrsg: Meyer, Torsten; Mayrberger, Kerstin; Münte-Goussar, Stephan; Schwalbe, Christina

E-Portfolios und digitale Lerntagebücher, Social Networks und Bewertungs-Plattformen für Schulen, Lehrer und Lehrveranstaltungen – die aktuellen Entwicklungen der Medientechnologie fördern Transparenz und Öffentlichkeit. Durch die damit zusammenhängenden Kulturtechniken entwickeln sich neue Formen von Kontrolle und Selbstkontrolle. Die Individuen übernehmen selbst die Verantwortung für ihre Bildung. Durch freiere Wahl der Lernwege und -ziele verlieren traditionelle Verfahren der Leistungsmessung und Zugangsberechtigung an Bedeutung. Lernende können für ihre Kompetenzen und Talente direkt um Anerkennung werben. Die Liberalisierung von Bildung geht aber mit ihrer Ökonomisierung einher. Der Gegenstand der bildenden Bemächtigung ist nicht mehr die Welt, sondern die eigene Vita.
Vor dem Hintergrund der ambivalenten Mechanismen von Kontrolle und Selbstkontrolle eröffnen die Beiträge in diesem Band ebenso weite wie fokussierte Perspektiven auf neue Medientechnologie und die Konjunktur des Portfolios in der Bildung.

http://www.vs-verlag.de/Buch/978-3-531-17683-3/Kontrolle-und-Selbstkontrolle.html

Medien & Bildung – Institutionelle Kontexte und medialer Wandel
Hrsg: Meyer, Torsten; Tan, Wey-Han; Schwalbe, Christina; Appelt, Ralf

Medien und Bildung hängen auf vielfältige Weise zusammen, auch wenn der Medienbegriff nicht auf ›Neue‹ oder ›elektrische‹ Medien verkürzt wird. Vor dem Hintergrund der aktuellen medientechnologischen Entwicklungen und der damit zusammenhängenden kulturellen Veränderungen sind (neue) Medien zu einem ›prioritären Thema‹ geworden, das die Bildungswissenschaften in ihrem institutionellen und disziplinären Selbstverständnis betrifft. Dieser Band dokumentiert ein interdisziplinäres Diskussionsfeld, das von der Philosophie und Soziologie über die Kunst-, Medien- und Kulturwissenschaften bis zur Informatik reicht und den Raum für ein breit angelegtes Nachdenken über pädagogisch-praktische wie bildungstheoretische Implikationen des medienkulturellen Wandels für Schule und Hochschule im Rahmen einer weltweit werdenden ›Wissensgesellschaft‹ öffnet.

http://www.vs-verlag.de/Buch/978-3-531-17708-3/Medien—Bildung.html

Mehr Demokratie mit Web 2.0?

Christina Schwalbe | September 17, 2010 | 6 Comments

Mit dem Schwerpunktthema „VHS im Netz“ möchte die Volkshochschule Hamburg im Herbst 2010 unterschiedliche Zugänge zum Bildungsraum Internet schaffen. Im Rahmen dieses Themenschwerpunktes wird es am Freitag, den 24. September 2010 um 16 Uhr (im VHS-Zentrum Mitte, Schanzenstr. 75) eine Podiumsveranstaltung zum Thema „Mehr Demokratie mit Web 2.0?“ geben. Dabei werden verschiedene (lokale) Initiativen und Projekte vorgestellt, die sich auf unterschiedliche Art und Weise das Netz zunutze machen.

Teilnehmer auf dem Podium sind:

  • Dirk Mirow, Mitgründer der Hamburger Facebookinitiative gegen die Kitagebührenerhöhung
  • Gregor Hackmack von abgeordnetenwatch.de
  • Tom Alby, Mitglied der Jury des Grimme Online Award
  • Ralf Appelt, Pädagoge und Medienexperte, Uni Hamburg
  • Christopher Lauer, Piratenpartei
  • Tina Fritsche für das Netzwerk Centro Soziale
  • Dr. Hans-Joachim Menzel, stellvertretender Hamburgischer Beauftragter für Datenschutz únd Informationsfreiheit,.
  • Moderation: Christina Schwalbe

Ausgehend von diesen praktischen Beispielen sollen grundlegende Fragen angesprochen und diskutiert werden: Was bedeuten diese verschiedenen politischen Initiativen für demokratische Prozesse? Erleben wir im Web 2.0 tatsächlich eine neue Form der Bürgerbeteiligung und der Partizipation? Oder entwickeln sich einfach nur neue Plattformen und Foren für Öffentlichkeitsarbeit? Wer beteiligt sich denn eigentlich aktiv an Initiativen und Prozessen im Netz? Gibt es – neben den technischen Hürden – noch weitere Mechanismen, die über Beiteiligung oder Exklusion entscheiden? Welche Folgen haben hier neue Exklusionsmechanismen und wie kann man evtl. hier entgegenwirken? Verändern sich durch die Verschiebung von Öffentlichkeit und Privatheit evtl. auch die Prozesse der (individuellen und kollektiven) Meinungsbildung? Was bedeutet die neue Öffentlichkeit politischer Prozesse für den Datenschutz?

Cat Content & Pausenfüller

Christina Schwalbe | April 22, 2010 | 4 Comments

Hier wird es in den nächsten Monaten etwas (noch…) ruhiger zugehen – ich werde mich für eine Weile ins Private verabschieden und etwas für unsere Rentenabsicherung tun…

Als kleiner Pausenfüller daher hier ein wunderschöner Klassiker:

[youtube:http://www.youtube.com/v/_TjRXqFvCj8]
keep looking »

Christina Schwalbe

*1978 :: Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaft - Forschungsschwerpunkte: Medien & Bildung, Mediengeschichte & Kulturgeschichte, Kommunikation

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EduCamp Hamburg :: 5./6. Februar 2010.



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