Christina Schwalbe

Nachgedacht statt nachgemacht!

Ein Manifest für das EduCamp?

Posted on | September 10, 2009 | Kommentare deaktiviert für Ein Manifest für das EduCamp?

Nach dem vor einigen Tagen ein Internet-Manifest herausgegeben und auch zahlreich diskutiert wurde, gibt es nun auch aus den Reihen der EduCamper Bestrebungen, ein gemeinsames Manifest zu erstellen.

Ich persönlich finde die Idee des EduCamps – einer partizipativ organisierten Tagung zu aktuellen pädagogischen Fragestellungen – sehr sympathisch und habe mich auch gerne schon als Teilnehmerin aktiv mit eingebracht. Außerdem haben wir gerade mit der Planung für ein EduCamp im Februar hier in Hamburg begonnen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ein EduCamp Manifest für dieses schöne, offene Projekt der richtige Weg ist. Ich möchte das einmal versuchen, zu begründen:

  1. EduCamps zeichnen sich meiner Meinung nach dadurch aus, dass durch eine gemeinsame Initiative offene Räume geschaffen werden, sich intensiv mit aktuellen Fragestellungen im Bildungsbereich auseinanderzusetzen und durch genau diese gemeinsame Initiative an manchen Stellen auch im pädagogischen Denken etwas bewegen zu können.
    Ein Manifest ist eine Veröffentlichung von gemeinsamen Zielen und hat damit automatisch einen stark normativen Charakter. Und mit einer Formulierung von Forderungen legt man sich meiner Meinung nach zu stark fest und gibt damit genau das auf, was das EduCamp so besonders macht: die Offenheit im Denken, die Offenheit für Interessierte, die Offenheit für Neues.
    Ich fände es sympathischer und auch sinnvoller, eine Leitidee zu formulieren. Es mag vielleicht nur eine kleine sprachliche Spitzfindigkeit sein, aber wie ich finde eine sehr bedeutende. Es wirkt offener, wenn man keine festen Forderungen aufstellt, sondern eben nur eine Idee – denn der Begriff Idee vermittelt, dass man hier an etwas weiter denken und weiter arbeiten möchte.
  2. Ich sehe es auch kritisch, Forderungen aufzustellen und damit mit erhobenem Zeigefinger nach „außen“ zu kommunizieren, dass wir EduCamper wissen, wie Bildung/Pädagogik im digitalen Zeitalter „richtig funktioniert“ bzw. wie Bildung zu verstehen ist und welche Bildungspraxis die richtige ist. Ich für meinen Teil möchte dies nämlich für mich nicht beanspruchen, sondern ich versuche zu erforschen, wie sich Medien, Kultur und Gesellschaft aktuell veränderen und was das für das Bildungssystem bedeutet.
    Mit dem wohl allen Aktiven aus dem Dunstkreist des EduCamp gemeinsamen Anliegen, auch Pädagogen, Erziehungswissenschaftler… für die aktuellen Herausforderungen zu sensibilisieren und das Thema „digitale Medien“ stärker in den Fokus von pädagogischer Theorie und Praxis zu rücken, halte ich es für notwendig, sensibel und integrativ zu handeln. Sich mit Forderungen und Festlegungen zu positionieren, die von Personen, die diesem Thema eh schon kritisch gegenüber stehen, als überheblich aufgefasst werden können, scheint mir doch eher exklusiv und damit nicht zielführend zu sein.
  3. Mir persönlich ist insbesondere der Fokus auf Bildung im EduCamp wichtig. Selbstverständlich stehen aktuelle Medien stark im Fokus, wenn man sich Gedanken über Veränderungen von Bildungskonzepten in Theorie und Praxis macht – denn die medialen Veränderungen wirken sich auf Prozesse der Kommunikation und Zusammenarbeit aus. Damit sind im Kern natürlich auch pädagogische Fragen betroffen – ohne Medien und ohne Kommunikation keine Pädagogik. Keine Frage, es ist ein wichtiges Thema, aber es sind eben auch grundsätzliche erziehungswissenschaftliche und auch bildungstheoretische Fragen hier mit zu bedenken – und das Mitdenken und Einbeziehen dieser grundlegenden Fragen bringt einen auch in Fragen der (medien-)pädagogischen Praxis weiter.

Weitere Meinungen und Diskussionsbeiträge zu diesem Thema können im Forum der EduCamp-Community verfolgt werden.

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Christina Schwalbe

*1978 :: Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaft - Forschungsschwerpunkte: Medien & Bildung, Mediengeschichte & Kulturgeschichte, Kommunikation

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EduCamp Hamburg :: 5./6. Februar 2010.



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