Christina Schwalbe

Nachgedacht statt nachgemacht!

Form follows function!

Christina Schwalbe | Dezember 2, 2009 | 5 Comments

Im Nachklang zur Campus Innovation bzw. insbesondere im Nachklang zur Podiumsdiskussion zu ePortfolios, möchte ich noch einmal einen kritischen Blick auf unseren dort gestarteten Versuch zur Öffnung der Diskussion werfen ‚Äì insbesondere auch, um diese Erfahrungen in die Planung für die Podiumsdiskussion auf dem EduCamp im Februar hier in Hamburg mit einfliessen lassen zu können. Die Diskussionsrunde (insgesamt acht Teilnehmer auf dem Podium) wurde durch einen Backchannel auch für Rückmeldungen aus dem Publikum geöffnet und gleichzeitig für nicht physisch anwesende Interessierte per Twitter zusammengefasst – so dass sich damit auch potentiell der Kreis der Mitdiskutanten im Backchannel vergrößerte.

Der Grund, dass wir diesen Versuch gestartet hatten, war die Diskussion zur Integration von Twitter auf Tagungen bzw. bei Podiumsdiskussionen nach der GMW-Tagung (nachzulesen z.B. bei Joachim Wedekind, Michael Kerres oder Mandy Schiefner & Matthias Rohs).

Zur Orientierung möchte ich ganz kurz skizzieren, wie genau diese Öffnung gestaltet wurde:

  • Die Podiumsdiskussion wurde moderiert von Kerstin Mayrberger, die auch schon einen Kommentar zu diesem Versuch verfasst hat. Ralf Appelt protokollierte die gesamte Diskussion öffentlich auf Twitter und sorgte damit für den Kommunikationsfluss von innen nach außen. Ich hielt als Co-Moderation den Backchannel im Auge und brachte ausgewählte Kommentare und Fragen dann in die Diskussion auf dem Podium mit ein – und sorgte damit für den Kommunikationsfluss von außen nach innen.
  • Per Twitter oder backnoise.com konnten die Zuhörer eigene Kommentare und Fragen mit in die Diskussionsrunde einbringen (backnoise.com ermöglicht die Partizipation am Backchannel auch ohne eigenen Twitteraccount). Über eine Twitterwall, die auf eine Leinwand im Rücken der Podiumsteilnehmer projiziert wurde, konnten alle Zuhörer zeitgleich die Diskussion auf dem Podium verfolgen und die Kommentare und Nachfragen des Publikums verfolgen. Dieses Vergnügen hatten aufgrund der räumlichen Anordnung nur einige wenige der Podiumsteilnehmer, die aufgrund ihrer Sitzposition am Rand auch einmal einen Blick zur Seite auf die Twitterwall wagen konnten – was dann auch dazu geführt hat, dass auch aus der Diskussionsrunde direkt getwittert wurde.
  • Zusätzlich zu Rückfragen per Twitter und backnoise.com konnten auch mündliche Nachfragen direkt aus dem Publikum gestellt werden.

Kritik “von innen”

Ich möchte kurz einige wichtige Kritikpunkte ausführen, warum aus meiner Sicht als Co-Moderation die Öffnung dieser Podiumsdiskussion für die Partizipation des Publikums nicht unbedingt gewinnbringend war. Das ist natürlich aufgrund der subjektiven Perspektive nur eine fragmentarische Beurteilung eines doch sehr komplexen Settings. Ich freue mich über weitere Perspektiven und Einschätzungen zu diesem Versuch als Kommentare zu diesem Beitrag.

a. Zeitlicher Versatz & inhaltliche Passung

  • Aus Sicht der Co-Moderation fand ich es sehr schwierig, dem Anspruch gerecht zu werden, die vielen interessanten Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum ausreichend zu würdigen und auch mit in die Podiumsdiskussion einzubringen. Ich hatte mehrmals einige interessante Fragen herausgesucht, die ich dann insgesamt drei Mal mit in die laufende Diskussion einbringen konnte – doch genau hier lag das größte Problem: die Diskussion auf dem Publikum wurde natürlich durch die Podiumsteilnehmer und die Moderatorin inhaltlich geleitet, und ich wollte hier nicht durch das Publikum die inhaltliche Lenkung übernehmen lassen und konnte damit nur Fragen mit einbringen, die auch in dem “Moment der Öffnung” zum Diskussionverlauf passten. Dadurch wurden einige sehr interessante Fragen leider zurück gestellt, die zu dem Zeitpunkt, als sie im Backchannel geschrieben wurden, sehr passend gewesen wären – einige Statements später jedoch den Diskussionsverlauf auf dem Podium wieder auseinander gerissen hätten.
  • Sinnvoller im Sinne eines gut aufgebauten Diskussionsverlaufs wäre es, wenn die Moderation des Podiums und die Integration des Backchannels durch ein und die selbe Person übernommen würde ‚Äì was dann aber wohl wieder zu Lasten der Konzentration der Moderation ginge und damit vermutlich auch hier wieder kein Mehrwert für die inhaltliche Gestaltung der Diskussion durch die Integration eines Backchannels zu erwarten wäre.

b. Reizüberflutung & Konzentration

  • Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass die Konzentration sowohl der Podiumsteilnehmer als auch des Publikums sehr stark auf den Backchannel gerichtet war, und damit eine wirklich kontroverse inhaltliche Diskussion auf dem Podium erschwert wurde. Die Twitterwall direkt hinter den Diskutanten sorgte immer wieder für einige auch etwas lautere Reaktionen aus dem Publikum wie Gemurmel oder Gelächter. Aus dem nicht hörbaren “Rauschen des Backchannels” wurde damit zusätzlich ein deutlich hörbares “Rauschen des Publikums” ‚Äì was dann auch zu Irritationen und Ablenkungen auf dem Podium führte.

c. Form & Inhalt

  • Zudem schien mir die Form teilweise fast wichtiger zu sein als der Inhalt – viele der Kommentare im Backchannel befassten sich mit der Kommunikationssituation und nicht mit dem Diskussionsthema.

Fazit

In Bezug auf die Podiumsdiskussion auf der Campus Innovation würde ich mich hier Kerstin Mayrberger anschließen, die ihren Kommentar betitelte mit ‚Äûweniger ist manchmal mehr…«. Da das Podium mit insgesamt acht geladenen Teilnehmern schon sehr gut besetzt war, war die Integration der Stimmen aus dem Backchannel dann doch zu viel und führte nicht zu weiteren Anreizen für den Diskussionsverlauf. Vielleicht ist es mit weniger Diskutanten auf einem Podium besser zu bewältigen und kann damit dann auch einen tatsächlichen Gewinn für die Diskussion bedeuten.

Hinsichtlich der Podiumsdiskussion beim EduCamp werden wir wohl noch einmal intensiv darüber nachdenken, wie wir diese Diskussionrunde gestalten wollen. Daran hängt natürlich die Frage, welche Bedeutung einer Podiumsdiskussion zukommt: Ist es eine Expertenrunde, die sich intensiv mit einem Thema befasst und dabei in einem kleinen Kreis sehr konzentriert Argumentationsstränge entwickelt und gegenübergestellt werden ‚Äì wobei dem Publikum dabei in Bezug auf die Beteiligung an der Diskussion eine eher passive Empfängerrolle zukommt und die Diskussion damit in erster Linie als Anregung zum Nach- und Weiterdenken anregt? Oder soll es eine offene Diskussion sein, in der sich einige wenige Experten unter anderem auch den Fragen aus dem Publikum stellen und damit vielleicht Aspekte mit in die Diskussion einfließen, die evtl. näher an einer alltäglichen Praxis sind, dafür aber vielleicht nicht so intensiv Argumentationen aufgebaut und miteinander konfrontiert werden können? Hier würde dann der Aspekt der Partizipation im Vordergrund stehen. Auch für die Einbindung neuer, innovativer Verfahren in traditionelle Formen der Kommunikation sollte meiner Meinung nach der Grundsatz “Form follows function!” gelten – was eine kritische und reflektierte Haltung und die Überlegung nach dem Sinn der verwendeten Methoden voraussetzt. Auch unabhängig von den jeweils aktuellen Trends.

Diese Überlegungen könnte man in einem größeren Kontext weiterdenken, denn sie erscheinen mir als ein Teil der Frage nach den Auswirkungen einer zunehmenden Öffnung von Kommunikationsprozessen für Einflüsse und Irritationen aus einem allgegenwärtig vernetzten Medium heraus. Dies ist meines Erachtens nach eine zentrale Frage, die wohl noch in einigen Bereichen die traditionellen Kommunikationsformen des Wissenschaftssystems mit den zugehörigen spezifischen Rollenverteilungen herausfordern und sicher auch teilweise in Frage stellen wird.

Neue digitale Kultur- und Bildungsräume

Christina Schwalbe | Oktober 16, 2009 | No Comments

Neue digitale Kultur- und Bildungsräume

Heute lag er druckfrisch in der Post: der neue Band aus der Reihe “Medienbildung und Gesellschaft”. Unter dem Titel “Neue digitale Kultur- und Bildungsräume” (herausgegeben von Petra Grell, Winfried Marotzki und Heidi Schelhowe) werden verschiedene Sichtweisen auf das Internet als Kultur- und Bildungsraum zusammengetragen. Der Band ist eine Dokumentation der gleichnamigen Ringvorlesung an der Universität Magdeburg.

Der Beitrag “Umbauten im und am Bildungsraum – Zum medieninduzierten Wandel der Kommunikationsstrukturen in der Hochschule”, den ich gemeinsam mit Torsten Meyer geschrieben habe, befasst sich aus einer mediologischen Perspektive mit der Frage, wie sich die offenen Kommunikationsstrukturen eines digital-vernetzten Mediums auf die Universität als traditionell linear und hierarchisch organisierte Institution auswirken.

Weitere Beiträge: A new education for a new educational digital age? – Von der ‘kalifornischen Ideologie’ zur ‘Folksonomy’: die Entwicklung der Internetkultur – Digitale Medien und Transkulturalität – Digitale Kulturen und Ethnizität – Virtuelle Räume und Hybridisierung der Alltagswelt – Avatare: Körperinszenierungen in virtuellen Welten zwischen Tentativität und Normierung – Virtuelle Konsumwelten: Internetalltag zwischen Markt und Gemeinschaft – Digital Game Studies und das Problem der Realität – Medienkunst in digitalen Bildungsräumen

Weitersagen: Ein EduCamp in Hamburg

Christina Schwalbe | Oktober 16, 2009 | No Comments

Seit einiger Zeit ist es beschlossene Sache: es wird am 5./6. Februar 2010 ein EduCamp hier bei uns in Hamburg geben. Nun sind die Vorbereitungen auf Hochtouren angelaufen und wir haben jetzt auch das Konzept für dieses EduCamp veröffentlicht:

Das kommende Hamburger EduCamp wird am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg stattfinden. Damit soll neben dem Lehrbetrieb auch im Rahmen des EduCamps ein Raum entstehen, um aktuelle pädagogische Fragestellungen zu diskutieren und zu bearbeiten. Wir möchten explizit auch Interessierte zur Teilnahme einladen, die sich bisher vielleicht (noch) nicht so intensiv mit dem Thema Medien & Bildung bzw. mit Bildung und Lernen im Web 2.0 auseinander gesetzt haben. Wir freuen uns daher über Themenvorschläge und Sessions zu Fragen der Mediendidaktik, Web 2.0, Lernen ‚Äì Bildung ‚Äì Wissenschaft im Netz, Workshops zum Einsatz digitaler Werkzeuge in Lehr- und Lernprozessen etc. aber auch über Ideen, die sich mit eher klassischen Fragen des Lehrens und Lernens auseinandersetzen, auch jenseits von Wikis, Blogs, Twitter & Co.

Für die Sessions stehen daher in der bisherigen Planung vier thematische Säulen zur Verfügung, die wir im Laufe des Camps gemeinsam mit Inhalten füllen können:

Struktur EduCamp Hamburg

Als Ergänzung zur Auseinandersetzung mit den diversen Fragestellungen in den Sessions möchten wir ein für uns sehr zentrales Thema in einer offen gestalteten Podiumsdiskussion zur Sprache bringen: Vier Vertreter und Vertreterinnen unterschiedlicher Positionen diskutieren untereinander und gemeinsam mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen des EduCamps zu der Frage «Das Internet ‚Äì ein Bildungsraum?‚Äù Wir möchten im Rahmen der Diskussionsrunde unterschiedliche und auch kontroverse Sichtweisen und Meinungen hinsichtlich der Bedeutung des Netzes für Bildungsprozesse zur Sprache bringen. Wir hoffen, damit viele interessante Anregungen und Denkanstöße für die Arbeit in den Sessions und natürlich auch für die Diskussionen «zwischendurch‚Äù zu erhalten.

Weitere und immer aktuelle Informationen zum Stand der Planung finden sich unter http://blogs.epb.uni-hamburg.de/educamp/

Die wichtigsten Infos werden natürlich auch auf dem offiziellen EduCamp Blog veröffentlicht.

In diesem Sinne: Spread the word! Wir freuen uns auf zahlreiche, interessierte Teilnehmer und Teilnehmerinnen beim ersten EduCamp in Hamburg…

Ein Manifest für das EduCamp?

Christina Schwalbe | September 10, 2009 | No Comments

Nach dem vor einigen Tagen ein Internet-Manifest herausgegeben und auch zahlreich diskutiert wurde, gibt es nun auch aus den Reihen der EduCamper Bestrebungen, ein gemeinsames Manifest zu erstellen.

Ich persönlich finde die Idee des EduCamps – einer partizipativ organisierten Tagung zu aktuellen pädagogischen Fragestellungen – sehr sympathisch und habe mich auch gerne schon als Teilnehmerin aktiv mit eingebracht. Außerdem haben wir gerade mit der Planung für ein EduCamp im Februar hier in Hamburg begonnen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ein EduCamp Manifest für dieses schöne, offene Projekt der richtige Weg ist. Ich möchte das einmal versuchen, zu begründen:

  1. EduCamps zeichnen sich meiner Meinung nach dadurch aus, dass durch eine gemeinsame Initiative offene Räume geschaffen werden, sich intensiv mit aktuellen Fragestellungen im Bildungsbereich auseinanderzusetzen und durch genau diese gemeinsame Initiative an manchen Stellen auch im pädagogischen Denken etwas bewegen zu können.
    Ein Manifest ist eine Veröffentlichung von gemeinsamen Zielen und hat damit automatisch einen stark normativen Charakter. Und mit einer Formulierung von Forderungen legt man sich meiner Meinung nach zu stark fest und gibt damit genau das auf, was das EduCamp so besonders macht: die Offenheit im Denken, die Offenheit für Interessierte, die Offenheit für Neues.
    Ich fände es sympathischer und auch sinnvoller, eine Leitidee zu formulieren. Es mag vielleicht nur eine kleine sprachliche Spitzfindigkeit sein, aber wie ich finde eine sehr bedeutende. Es wirkt offener, wenn man keine festen Forderungen aufstellt, sondern eben nur eine Idee – denn der Begriff Idee vermittelt, dass man hier an etwas weiter denken und weiter arbeiten möchte.
  2. Ich sehe es auch kritisch, Forderungen aufzustellen und damit mit erhobenem Zeigefinger nach “außen” zu kommunizieren, dass wir EduCamper wissen, wie Bildung/Pädagogik im digitalen Zeitalter “richtig funktioniert” bzw. wie Bildung zu verstehen ist und welche Bildungspraxis die richtige ist. Ich für meinen Teil möchte dies nämlich für mich nicht beanspruchen, sondern ich versuche zu erforschen, wie sich Medien, Kultur und Gesellschaft aktuell veränderen und was das für das Bildungssystem bedeutet.
    Mit dem wohl allen Aktiven aus dem Dunstkreist des EduCamp gemeinsamen Anliegen, auch Pädagogen, Erziehungswissenschaftler… für die aktuellen Herausforderungen zu sensibilisieren und das Thema “digitale Medien” stärker in den Fokus von pädagogischer Theorie und Praxis zu rücken, halte ich es für notwendig, sensibel und integrativ zu handeln. Sich mit Forderungen und Festlegungen zu positionieren, die von Personen, die diesem Thema eh schon kritisch gegenüber stehen, als überheblich aufgefasst werden können, scheint mir doch eher exklusiv und damit nicht zielführend zu sein.
  3. Mir persönlich ist insbesondere der Fokus auf Bildung im EduCamp wichtig. Selbstverständlich stehen aktuelle Medien stark im Fokus, wenn man sich Gedanken über Veränderungen von Bildungskonzepten in Theorie und Praxis macht – denn die medialen Veränderungen wirken sich auf Prozesse der Kommunikation und Zusammenarbeit aus. Damit sind im Kern natürlich auch pädagogische Fragen betroffen – ohne Medien und ohne Kommunikation keine Pädagogik. Keine Frage, es ist ein wichtiges Thema, aber es sind eben auch grundsätzliche erziehungswissenschaftliche und auch bildungstheoretische Fragen hier mit zu bedenken – und das Mitdenken und Einbeziehen dieser grundlegenden Fragen bringt einen auch in Fragen der (medien-)pädagogischen Praxis weiter.

Weitere Meinungen und Diskussionsbeiträge zu diesem Thema können im Forum der EduCamp-Community verfolgt werden.

Das Paradox des Partizipativen

Christina Schwalbe | Mai 20, 2009 | 1 Comment

Am 19. Mail 2009 habe ich in der Ringvorlesung Medien & Bildung, Schwerpunktthema Kontrolle und Selbstkontrolle in Bildungszusammenhängen einen Vortrag über “Das Paradox des Partizipativen – Social Software in Bildungsprozessen” gehalten.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Abstract zum Vortrag:

Die aktuell zu beobachtenden medientechnologischen und die damit zusammenhängenden kulturellen Veränderungen stellen Bildungsinstitutionen und ihre Akteure vor verschiedene Herausforderungen: Die Institutionen müssen sich in ihren technischen und sozialen Infrastrukturen an die neuen äußeren Gegebenheiten anzupassen. Auf aktuellen Medientechnologien basierende Kommunikationsformen erfordern veränderte Rahmenbedingungen, wie z.B. flexible Computerarbeitsplätze, digitale Infrastruktur wie z.B. CommSy und life, neue Beratungs- und Unterstützungsangebote etc. Gleichzeitig erfordert der kulturelle Wandel, der sich in neuen Kommunikations- und Artikulationsformen, einem sich radikal verändernden Umgang mit Wissen und Information, Verschwimmen von Grenzen von Privatheit und Öffentlichkeit etc. beobachten lässt, neue Konzepte für die Gestaltung von Bildungsprozessen. Dabei ist eine kritische Betrachtung wichtig, das sowohl Chancen als auch Gefahren der neuen Medien berücksichtigt. Wie in den vorherigen Vorträgen bereits aufgezeigt wurde, stehen Web 2.0-Anwendungen wie Weblogs und Social Networks unter dem Verdacht, neoliberale Steuerungsdiskurse zu fördern. Dennoch ‚Äì oder gerade deswegen ‚Äì bieten die aktuellen Medien neue Anlässe und neue Räume für Bildungsprozesse. Die neue Öffentlichkeit und permanente Vernetzung ermöglichen neue Chancen zur Partizipation, Kollaboration und Artikulation ‚Äì und bietet damit als zusätzlicher Lernort neue Möglichkeiten zur Gestaltung von Bildungsprozessen. Gleichzeitig fördert und fordert die Offenheit und gegenseitige Vernetzung eine permanente gegenseitige Anerkennung und Bewertung. Hier zeigen sich Parallelen zu einem zentralen Paradox des Bildungssystems, gleichzeitig schutzbedürftiger Lernort und kompetitives Selektionssystem zu sein. Chancen und Herausforderungen, die sich innerhalb dieses Spannungsfeldes ergeben, sollen im Vortrag kritisch-konstruktiv diskutiert werden.

Auch die Folien zum Vortrag sind unter einer CC-Lizenz online verfügbar.


By rob

Anmerkungen, Diskussionen und Infos zur Ringvorlesung Medien & Bildung 2009 auf Twitter unter dem Hashtag #mub09

Transmission und Kommunikation

Christina Schwalbe | April 16, 2009 | 12 Comments

Bisher war die inhaltliche Planung meiner Dissertation immer noch extrem weit gefasst – aus einer kulturwissenschaftliche Perspektive möchte ich den Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Medientechnologien und (institutionalisierten) Prozessen der Übermittlung von Wissen, kulturellen Bedeutungen, Ideen etc. untersuchen. Also medientheoretisch basierte Fragen nach Kommunikationsstrukturen, dem Konzept von Wissen, Darstellung und Darstellbarkeit von Wissen und nach sich historisch verändernden Strukturen und Bedeutungen von Bildungsinstitutionen.

So langsam beginnt sich nun ein Fokus herauszubilden, der sich am mediologischen Ansatz nach Régis Debray orientiert. Kommentare zu dieser kurzen Skizze meines Themas sind herzlich willkommen.

Die geplante Dissertation beschäftigt sich also im großen und ganzen mit dem Zusammenhang von Medientechnologien und Bildungssystemen. Betrachtungsraum sind Prozesse medialer Umbrüche und damit zusammenhängende kulturelle Veränderungen. Hier schlage ich einen Bogen vom Übergang der oralen Kultur der Stammesgesellschaft zur Schriftkultur der antiken Gesellschaft die sich dann weiterentwickelte zur Buchkultur der modernen Gesellschaft (McLuhan, Baecker). Hauptgegenstand der Untersuchung soll jedoch der aktuell zu beobachtende Übergang von der Buchkultur der modernen Gesellschaft zu einer noch zu benennenden digital-vernetzten Kultur der ‚Äûnächsten Gesellschaft« (Baecker) sein.

Im Zentrum steht die Frage, wie sich mit der Entwicklung der Medien und damit der kulturellen Rahmenbedingungen der Umgang mit Wissen und Information jeweils verändert hat bzw. sich aktuell verändert. Gegenstand der Untersuchung ist hierbei das Verhältnis der Weitergabe von Informationen im Raum (Kommunikation) und der Weitergabe von Informationen in der Zeit (Transmission im Sinne Debrays). Neben unterschiedlichen Transmissions- und Kommunikationsformen, haben sich auch je unterschiedliche Institutionen als Medien der Transmission und Kommunikation herausgebildet. Eine Funktion der Medien der Transmission ist die Archivierung, das heißt die langfristige Speicherung von Wissen sowie dessen kulturelle Kontextualisierung und Indexierung. Bildungsinstitutionen (Schule, Museum, Universität etc.) sind Medien der Transmission. Sie greifen dabei auf technische Transmissionsgeräte (Bücher, Bilder, Datenbanken etc.) sowie auf Archive zurück und binden das gespeicherte Wissen in jeweils aktuelle Kontexte ein.

Das Verhältnis von Kommunikation und Transmission wird zunehmend prekär. Es deutet sich an, dass sich ‚Äì im Unterschied zu bisherigen Medienumbrüchen ‚Äì in einer hochgradig konvergierenden digital-vernetzten Mediosphäre (im Sinne Debrays) weder die Prozesse von Transmission und Kommunikation noch deren Formen weiterhin so deutlich differenzieren lassen. Das Internet ist gleichzeitig Archiv (und damit Transmissionsmedium) und Kommunikationsmedium. Diese These soll im Dissertationsvorhaben untersucht werden.

Was bedeutet es für Bildungsinstitutionen, die traditionell Funktionen der Transmission übernehmen, wenn kommunikative Elemente die Prozesse der Transmission überlagern? Welche Prozesse der Transmission entwickeln sich außerhalb institutioneller Grenzen? Was müssen Ziele von Bildungsprozessen sein, um Transmissionsprozesse in einer flüchtigen Welt zu erhalten?

Netbook-Stipendium für Studierende

Christina Schwalbe | März 20, 2009 | No Comments

Netbook-Stipendium

Studieren ohne Computer ist in der heutigen Zeit kaum noch möglich. Studienmaterialien werden z.B. über EduCommSy verteilt, die Kommunikation läuft über Email oder Plattformen wie z.B. life, Präsentationen werden mit Unterstützung von digitalen Folien gehalten, für Literaturverwaltung, statistische Auswertungen etc. gibt es Programme, im Web 2.0 gibt es zahlreiche Anwendungen, über die sich Studierende vernetzen und austauschen… diese Liste ließe sich noch um einiges erweitern. Die Bedeutung insbesondere mobil zu nutzender Computer wird immer größer.

Daher haben wir im Medienzentrum der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft an der Universität Hamburg beschlossen, in einem Pilotprojekt ausgewählten Studierenden für einen begrenzten Zeitraum ein Netbook zur Verfügung zu stellen. Damit sollen außergewöhnliche Projekte oder Studienarbeiten, Auslandsaufenthalte, Praktika etc. unterstützt werden. Das Netbook-Stipendium soll durch Berichte in einem Blog in life, dem partizipativen Webmagazin der Fakultät, begleitet werden, um so z.B. Kommilitonen an den Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Interessierte Studierende können sich bis zum 15. April unter life.epb@uni-hamburg.de bewerben.

Weitere Informationen zum Netbook-Stipendium auf life.

Universitäten im digitalen Medium

Christina Schwalbe | März 17, 2009 | 1 Comment

Mit Freude habe ich erfahren, dass mein Vortragsvorschlag für die Tagung “Web as Culture” (16.-18. Juli 2009) an der Justus-Liebig-Universität Gießen angenommen wurde. Der Titel des Vortrags lautet: Die Universität der Buchkultur im digital-vernetzten Medium – Von der Linearität zu verteilten Strukturen

Für Interessierte möchte ich hier den Abstract zur Verfügung stellen:

Der Vortrag soll die Frage thematisieren, wie sich angesichts aktueller medientechnologischer Entwicklungen die Prozesse der Übermittlung und Kommunikation und damit der sozialen Konstruktion und Organisation von Wissen verändern. Übermittlung wird hierbei im Sinne Régis Debrays verwendet als die Weitergabe und Verbreitung von Wissensinhalten und kulturellen Bedeutungen über die Zeit. Kommunikation hingegen betrachtet Debray als Weitergabe von Informationen im Raum – wobei sich Kommunikation und Übermittlung nicht gegenseitig ausschließen. Die Strukturen der Übermittlung und Kommunikation sind nicht getrennt von den jeweils kulturell vorherrschenden Medien zu sehen. Doch mit technischen Medien als Trägern der zu übermittelnden Information allein erreicht man keine Übermittlung. Zur Überwindung der Zeit braucht man zusätzlich eine soziale Institution zur inneren Übermittlung. Bildungsinstitutionen erfüllen diese Funktion der Vermittlung zwischen den Medien der Übermittlung und der kulturellen und symbolischen Bedeutung.

Aus der Tradition der Buchkultur hat sich ein sehr linear organisierter Umgang mit Wissen entwickelt. Die lineare Struktur von Produktion und Übermittlung von Wissen in typographischer Form ermöglicht es dem Leser eines Buches, den Gedankengang des Autors nachzuvollziehen, er folgt der Perspektive des Verfassers. Michael Giesecke bezeichnet diese Art der Kommunikation als interaktionsfreie soziale Informationsverarbeitung. Wissen wird akkumuliert und weiter entwickelt, auf Basis vorhandenen Wissens wird neues erzeugt. Die Kommunikationsstrukturen in Bildungsinstitutionen der buchkulturellen Tradition folgen ähnlich linearen Strukturen ‚Äì zum einen wird der reflexive Umgang mit Texten gefördert, zum anderen wird das Wissen in Form von zentral organisierten Vorträgen nach dem one-to-many Prinzip weitergegeben. Die Rollenverteilungen bei der Produktion und Organisation von Wissen sind hierarchisch organisiert. Durch organisierte Prozesse der Filterung z.B. akademischer Publikationsmechanismen werden Informationen «vorsortiert‚Äù und ausgewählt, prämiert und kritisiert.

Im Web deutet sich aktuell das Entstehen neuer kultureller Prozesse des Umgangs mit Wissen an. Die Medien der Verbreitung von Information im Raum verdrängen die Medien der Verbreitung von Wissen in der Zeit. Durch ein sich veränderndes Verhältnis von Übermittlung und Kommunikation nimmt der direkte Informationsfluss deutlich zu. Die tradierten Filtermechanismen geraten ins Wanken, neue Strukturen der Organisation von Wissen entstehen, die geprägt sind von Partizipation. Statt linear organisierter Akkumulation von Wissen auf Basis interaktionsfreier sozialer Informationsverarbeitung entwickeln sich vernetzt agierende Kollektive, die Informationen produzieren, akkumulieren und permanent de- und rekontexualisieren und dabei versuchen, der zunehmenden Kommunikation durch neue Ordnungsmechanismen zu begegnen.

Der zu beobachtende Wandel der Formen von Kommunikation, Übermittlung, sozialer Konstruktion und Ordnung von Wissen wirft die Frage auf, wie sich traditionelle Rollenverständnisse hinsichtlich der Produktion und Weitergabe kulturellen Wissens verändern ‚Äì und wie sich dies auf die Strukturen von Universitäten als Orten der Wissensproduktion und Übermittlung auswirken wird.

Dirk Baecker: Medienepochen der Stadt

Christina Schwalbe | Februar 16, 2009 | No Comments

Medienepochen der Stadt

Via Sebastian bin ich gerade auf eine schöne Videoreihe auf ZEIT ONLINE aufmerksam geworden: Medienepochen der Stadt. In drei kleinen Animationsfilmen umreißt Dirk Baecker kurz und knapp, wie die Entwicklung der Stadt zusammen hängt mit der Entwicklung der Medien. Dabei fängt er an mit der Entstehung der Sprache und der Entwicklung zur Stammesgesellschaft. In der zweiten Mini-Episode kommt er auf die Erfindung der Schrift und die antike Gesellschaft zu sprechen und schließt dann an bei der Erfindung des Buchdrucks und der Entwicklung zur modernen Gesellschaft. Als Ausblick deutet er die Entstehung der nächsten Gesellschaft als strukturelle Antwort auf die Erfindung des Computers an.

Wen diese Themen interessieren, dem sei als Lektüre eben dieses Buch von Dirk Baecker empfohlen: Studien zur nächsten Gesellschaft.

Besonders spannend in diesem Zusammenhang finde ich nicht unbedingt die strukturellen Veränderungen der Stadt bzw. der Gesellschaft im Ganzen, sondern die strukturellen Antworten des Erziehungssystems der Gesellschaft auf die Einführung neuer Medien.

Auch die URL kann jetzt fliegen

Christina Schwalbe | Januar 23, 2009 | No Comments

Eine kurze Info: Nachdem sich mein Name geändert hat (von Ferner zu Schwalbe), ist nun auch die URL dieses Weblogs aktualisiert. Von der alten Adresse habe ich eine automatische Weiterleitung eingerichtet, so dass der alte RSS-Feed auch weiterhin funktioniert und nicht alle Links, die irgendwo gesetzt sind, plötzlich ins Leere verweisen…

In Zukunft also blogs.epb.uni-hamburg.de/schwalbe

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Christina Schwalbe

*1978 :: Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaft - Forschungsschwerpunkte: Medien & Bildung, Mediengeschichte & Kulturgeschichte, Kommunikation

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EduCamp Hamburg :: 5./6. Februar 2010.



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